Fözelék: Paradicsomos káposzta – Tomatiger Weißkohl

7 Jan

Oh, ich weiß, das hört sich für nichtungarische Gaumen befremdlich an, aber wenn mich jemand nach Leibgerichten (schönes Wort eigentlich, oder?) fragt, ist dieses definitiv mit dabei! Paradicsomos káposzta (ausgesprochen paraditschomosch kapoßta) ist ein Paradebeispiel für ungarische Alltagsküche, wenige Zutaten, billig, sättigend, schmackhaft. Es gehört auch in die Kategorie “Fözelék”, also Gemüse-Hauptgerichte, die ich so liebe. Es ist so sehr Alltagskochen, dass es Frau Mama erst über 10 Jahre nach der Hochzeit meiner Eltern serviert wurde. Wahrscheinlich dachten sie es wäre nicht gut genug, dabei mag Frau Mama auch/gerade diese einfachen Gerichte (so lange sie nicht staubtrocken sind wie bestimmte ungarische Nudelgerichte sind *g*) und man muss für sie nicht extra stundenlang in der Küche stehen.

Es ist so simpel zu kochen, dass es fast keine Anleitung braucht: Weißkohl in Streifen schneiden, mit Zwiebel andünsten, Tomatensaft drauf, würzen, köcheln lassen bis der Kohl gar ist, fertig! Natürlich wird in den meisten ungarischen Familien noch Fleisch dazu gegessen, entweder einfach ein bißchen angebratenes Hack, wie auf dem Bild oben oder das Hack zu Klopsen geformt oder es werden Hähnchenbrustfilet gleich als Ganzes im Kohl mitgekocht, auch sehr empfehlenswert. Kann man aber auch alles weglassen. Was aber sehr  wichtige ist, dass man dazu richtig gutes, frisches Weißbrot isst. Und aufm Teller nochmal kosten, ob nicht Zucker fehlt, gibt Leute (wie mich), die mögen so Tomatengerichte eher süß ;-) Leider ist das so ein Gericht, das sich erst ab ‘ner bestimmten Menge lohnt zu kochen (1/8 Weißkohlkopf lässt sich ganz schlecht kaufen), deswegen gibt es das meistens, wenn ich in heimatlichen Gefilden bin, aber sobald ich das Geschenk meiner Eltern habe, werde ich es auch hier kochen, weil es die Schnippelei des Weißkohl um einiges erleichtert, ha!  Und einfrieren kann man es ja auch :-) Also, wer Kohl mag und sich mal auf etwas neues einlassen möchte, sollte dieses Gericht ruhig mal ausprobieren!

Paradicsomos káposzta – Tomatenkohl

Zutaten für 4 Personen:
1/2 mittlerer Weißkohl, in feine Streifen geschnitten
1 Zwiebel, in halbe Ringe geschnitten
großer Schluck neutrales Öl
ca. 750 ml Tomatensaft
ca. 1 TL ganzer Kümmel
Salz, Pfeffer, Zucker

Das Öl in einem größeren Topf erhitzen. Den  Weißkohl zusammen mit den Zwiebelringen darin andünsten. Ordentlich mit Salz, Pfeffer und ein bißchen Zucker würzen, ebenso den Kümmel (ganz, angemahlen oder ganz gemahlen) dazu geben. Mit soviel Tomatensaft begießen, dass das Kraut knapp bedeckt ist. Aufkochen lassen und bei mittlerer Hitze so lange kochen lassen bis der Kohl weich ist (dazu hab ich leider keine genaue Zeitangabe, weil wir immer mal wieder probieren zwischendurch), aber noch Biß hat. Jeder kann dann nach Gusto noch auf dem Teller mit Zucker nachwürzen.
Man kann es auch sehr gut im Schnellkochtopf machen.

Dazu: Hackbraten, Klopse/Frikadellen/Fleischpflanzerl, in dem Tomatenkohl gegarte Hähnchenbrust und ganz wichtig richtig gutes, frisches Weißbrot!

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18 Antworten to “Fözelék: Paradicsomos káposzta – Tomatiger Weißkohl”

  1. kuddels Januar 7, 2010 at 09:54 #

    Das hört/sieht ja lecker aus.Ich werde es mal probieren und Kohl mag ich sowieso gerne.Gruß Kuddel

  2. Erich Januar 7, 2010 at 10:40 #

    Wir assen gestern Weisskohl mit Shitakepilzen, kein Fleisch dazu, nur Couscous. War dies auch Fözelek? Dein Tomatenkohl wird nachgekocht.

  3. Arthurs Tochter Januar 7, 2010 at 12:45 #

    ich bin mir ganz sicher, dass mir das schmecken würde! Wir sind ja auch große Fans der “geplatzten Kohlroulade” Da ist dann halt das Fleisch mit dabei, aber auch ohne stelle ich es mir köstlich vor. Nur auf den Klecks Sauerrahm könnte ich wohl nur schwer verzichten ;)

    http://arthurstochterkocht.blogspot.com/2009/10/kohl-schaf-wolf-und-boot.html

  4. kochschlampe Januar 7, 2010 at 17:12 #

    Lass mich raten: Paradicsomos heißt soviel wie Paradeiser und damit Tomate?
    Vielleicht lerne ich hier über die Zeit sogar tatsächlich noch ein wenig Küchenungarisch….
    Ich bin kein Kohlfreund. Aber das hier könnte mich tatsächlich mal reizen. Als Vorschlag von der Seite: kauf doch einfach halbe Kohlköpfe oder Spitzkohl, der von Hause aus kleiner ist… dann steht weniger das Problem an, was man mit dem ganzen schönen Rest anstellen soll.

  5. Anikó Januar 7, 2010 at 18:19 #

    Kuddel, berichte mal :-)

    Erich, Fözelék ist es so ‘nen dickelicher Gemüseeintopf (wobei das Wort Eintopf etwas irreführend ist) ist. Also wenn Euer Weißkohl irgendwie so ähnlich war, dann willkommen in der Welt der Fözeléks.

    Arthurs Tochter, ja saure Sahne macht sich bestimmt auch gut :-) Bei uns würde dein Gericht wahrscheinlich Hack-Schmorkohl heißen ;-)

    Frau Kochschlampe, sie haben das Zeug zum Küchenungarn ;-) Paradicsom = Tomate, paradicsomos = tomatig. Weiß nicht, ob es wirklich von Paradeiser kommt, aber hört sich so an, oder?

  6. kochschlampe Januar 7, 2010 at 19:52 #

    Ich hätte das jetzt einfach mal geraten wegen der Verbindung nach Ungarn….

    • Anikó Januar 7, 2010 at 19:57 #

      Ja, jetzt ist nur die Frage, wer hat’s von wem? Gibt ja noch andere Beispiele: zum Beispiel heißt Blumenkohl in einigen Ecken Österreichs Karfiol, genau wie in Ungarn … Vielleicht recherchiere ich irgendwann nochmal, jetzt erstmal reicht mir das Wissen, um in beiden Ländern einigermaßen problemlos einkaufen zu können ;-)

  7. Frau_Mahlzahn Januar 8, 2010 at 09:34 #

    Sehr lässig und gerade ganz passend, weil ich noch so einen Weißkohl hier rumliegen habe… Danke für die Anregung!

    So long,
    Corinna

  8. la grosse mere Januar 8, 2010 at 18:20 #

    *andiestirnpatsch* – richtig, weißkohl kleinhacken und einfrieren wäre mal ne maßnahme. eine woche kohl ist mir auch immer zu viel. vielen dank für den hinweis ;-)
    und so tomatenkohl kenn ich auch in einigen varianten. auch ein rezept aus kamerun mit tomate und erdnuß. richtig, das könnte ich ja auch mal wieder…

  9. Wienermaedel Januar 9, 2010 at 10:23 #

    Paradicsomos káposzta ist ein super “Nachfeiertags”-Rezept! Für mich total neu, ich kenne nur die Rahmgemüse – Fözelék, die ich auch sehr liebe und die ja in der Küche der Monarchie heimisch sind.

    Liebe Grüsse

  10. porcelinablue Januar 9, 2010 at 19:35 #

    quasi eine art krautsalat mit tomate…hab heut schonmal ‘alle zutaten’ (kohl, saft) eingekauft. gibts dann morgen.

  11. ORsolya Januar 9, 2010 at 22:28 #

    anikó, ich schmeisse mich weg!

    gerade habe ich meinen “spitzkohl-tomaten-eintopf” (meine deutsche variante für die ungarische paradicsomos káposzta) hochgeladen, dann komme ich zu dir und was sehen meine müsen augen?! herrlich:-)

    und wie du siehst, ich nehme mittlerweile auch spitzkohl: zum einen ist er schneller fertig, zum anderen, von der menge her gerade ideal.

    allerdings gibt es bei mir den paradicsomos káposzta nur mit perlgraupen…

  12. terschies Januar 12, 2010 at 19:42 #

    ich habe es mir gerade gekocht und es ist wirklich sehr, sehr lecker. Allerdings habe ich den Kümmel nicht im ganzen mitgekocht und hatte Gemüsesaft und rote Beete Saft. Und dazu gibt es Fisch. Wirklich toll! Danke für das schöne Rezept.

  13. Erich Februar 1, 2010 at 19:58 #

    Heute nachgekocht, das paradicsomos káposzta hat gefreut. Dazu gab es klein gewürfelte goldbraune Bartkartoffeln mit viel Rosmarin. Ein vegetarisches Dinner. Die restlichen Kartoffeln, bereits gesotten aber noch nicht angebraten, gab ich in Würfeln zum Rest des Fözelék, sieht ganz toll aus zusammen, wird nächstens aufgewärmt gegessen.

  14. Trish April 5, 2010 at 12:03 #

    Einer meiner Lieblingsspeisen :) aus meiner Kindheit. Ich hab es sicher schon 20 Jahre nimmer gemacht. Schade dass die einfachen Gerichte oft in Vergessenheit geraten. Vielen Dank für das Rezept, nun weiß ich was ich garantiert diese Woche noch kochen werde :))

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