Archiv für den Tag 24. Februar 2009

Höchstselbstgekochter Grünkohl mit Birnen und Kassler

Geschmorter Grünkohl mit angekuschelten Birnen auf dem Teller

Geschmorter Grünkohl mit angekuschelten Birnen auf dem Teller

Trotz der halben ungarischen Gene bin ich von meinem Wesen her viel mehr Norddeutsche als Ungarin. Eher ruhig und zurückhaltend als temperamentvoll und feurig. Haha, das Klischee lässt grüßen *g* Trotzdem kenne ich kaum typisch norddeutsche Gerichte. Die Heimatküchen meiner Eltern sind im Laufe der Zeit verschmolzen, so dass ich kaum sagen kann, was von Frau Mamas Gerichten typisch deutsch oder ungarisch ist. Nach den ganzen ungarischen Rezepten fand ich, es wäre Zeit mal was typisch deutsches, wenn nicht gar norddeutsches auszuprobieren.

Grünkohl hatte ich mir ausgesucht. Eines der typischsten (kann man das steigern?) norddeutschen Gerichte überhaupt. Mein erstes Grünkohlerlebnis war allerdings nicht so prickelnd. Meine Oma (ja, die aus Deutschland, die ungarische wurde „Mama“ genannt) hatte welchen gekocht, mit Birnen und Kassler. Leider hat es mir damals, mit ca. 10-12 Jahren gar nicht geschmeckt. Fand nur die Birnen ganz lecker, aber ich hatte schon immer viel übrig für Birnen. Danach war das Thema erstmal erledigt, auch Frau Mama hat nie Grünkohl gekocht (vielleicht überlegt sie es sich nach diesem Post nochmal *g*). Erst in der Göttinger Mensa hab ich ihn dann nochmal probiert und oh Wunder! erstaunlich köstlich, sogar für Mensaverhältnisse. Seitdem hab ich immer Grünkohl dort gegessen, wenn es ihn gab. Aber irgendwie konnte lecker-manschiger Mensa-Grünkohl nicht das Beste sein, was aus Grünkohl rauszuholen ist. Also selbst ausprobieren. Dabei muss ich gestehen, dass ich nicht mal genau wusste wie Grünkohl als Ganzes aussah (ja, ich bin Biologin, noch genauer Botanikerin und nein, ich muss mich deswegen nicht mit gezüchteten Pflanzenarten auskennen, dafür gibt es Agrarwissenschaftler). Nachdem ich eine Tüte in den Kasseler Markthallen erstanden hatte, wurde er sich genauer betrachtet:

Das komplette Waschbecken ausfüllender roher Grünkohl

Das komplette Waschbecken ausfüllender roher Grünkohl

Interessant … Lustige gekräuselte Blattränder, die Blattflächen mit ledrige Textur, längliche Blätter die wirtelig angeordnet sind, insgesamt sehr derbe Blätter. Auch Freundin U., ebenfalls Botanikerin war ganz angetan! So und was machen wir jetzt damit? Ich würd ja schon gerne mal Omas Rezept ausprobieren, aber weil Frau Mama das nicht hat, hab ich mich im Netz auf die Suche gemacht und wurde bei Chefkoch fündig. Statt der Bratwürste gab es Kassler dazu (bevor jemand fragt, nein es wurde nicht hier erfunden), was, wie mir Wiki verrät, wohl typisch mecklenburgisch ist. Außerdem wird verraten, dass Grünkohl einen hohen Vitamin C-Gehalt hat (yeah, Vitamine!), der auch eine längere Lagerung  übersteht und ursprünglich wohl aus Griechenland stammt. Die Info hat mich jetzt wirklich überrascht! Grünkohl soll auch der Kohl sein, der der Wildform Brassica oleracea am nähsten kommt (ich zitiere mal unnützes Wissen *g*). Hochinteressant!

Also frisch an die Arbeit … und was das für Arbeit war. Erst hochkonzentriertes Putzen und zerrupfen, dann hochkonzentriertes Waschen in eiskaltem Wasser, dass fast gefrorene Finger zur Folge hatte.

Hochkonzentriertes Waschen

Hochkonzentriertes Waschen

Da der Kohl doch wesentlich ausladender war als ich erwartet hätte, musste ich meine beiden größten Töpfe zum Kochen benutzen und  schon da duftete der Kohl phantastisch. Also schnell nach Rezept weitergearbeitet, das Kassler versenkt, mit Birnenspalten verziert und für 40 Minuten in Ruhe schmoren lassen. Dazu gab es dann bei uns Kartoffelbrei, hatte ich schon seit langem Verlangen nach …

Ein wirklich total großartiges Essen! Wieso hab ich mich nur mit Mensa-Grünkohl abgegeben??? Es ist eine Schweinearbeit, ja, aber sie lohnt sich sowas von! Total lecker! Schade, dass sich jetzt die Grünkohlsaison ihrem Ende zuneigt, hab in diversen Blogs noch andere ausprobierenswerte Rezepte erspäht: kurz blanchiert als Salat oder gebacken wie Chips. Hört sich spannend an, ich warte auf den nächsten Winter …

Kurz bevor das Schmoren startet

Kurz bevor das Schmoren startet

Grünkohl mit Birnen und Kassler (4 Portionen)

1 kg Grünkohl
1 große Zwiebel
2 EL Butter
kleiner Schluck  ÖL
Salz
Pfeffer
1 Pimentfrucht, zerstoßen oder gemahlen
2-4 TL Senf
2 Birnen
250 ml Gemüsebrühe

ca. 500 g Kasslerkotelett am Stück
optional: Kochwürste

(1) Den Grünkohl gründlich putzen, waschen und in grobe Stücke zupfen. Zwiebel abziehen und würfeln. Die Birnen waschen und in nicht zu dünne Spalten schneiden.
(2) Einen sehr großen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen und den Grünkohl darin 20 Minuten  bei mittlerer Hitze kochen. Danach abgießen und abtropfen lassen.
(3) Die Butter in einem großen Topf erhitzen und das Kasslerkotelett darin braun anbraten. Herausnehmen.
(4) Die Zwiebel ins heiße Fett geben und glasig dünsten. Den abgetropften Kohl dazu geben mit Salz, Pfeffer, Piment und Senf würzen. Kurz anschmoren lassen. Die Brühe angießen.
(5) Das Fleisch hinzufügen, ein wenig vergraben. Die Birnen (hier: seehr  reif) einfach obenauf legen. Deckel drauf und 40 Minuten bei mittlerer Hitze schmoren lassen.
(6) So ca. 10-15 Minuten vor Ende der Garzeit die Kochwürste zugeben.

Fertig :-)

Dazu: Salzkartoffeln oder Kartoffelbrei servieren.
Schmeckt aufgewärmt angeblich noch besser.

Quelle: Modifiziert nach Chefkoch-User Schwalbe hier

Geschmack: ++++
Zeit: +++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: ++

Anmerkung: Irgendwie scheine ich eine Vorliebe für geklammerte Sätze und Zwischenrufe zu entwickeln ;-)

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