Archiv für den Monat Mai 2009

Reklame für Ungarn: Budapest – Café „Gerbeaud“

Hier herrscht gerade großer Stress, im Frühling/Sommer sind Botaniker immer unterwegs  (Exkursionen, Doktorarbeit) und so komme ich relativ wenig zum Kochen, auch wenn ich wieder große Lust hätte, beispielsweise in die Spätzle-Massenproduktion einzusteigen oder andere nette Sache für meinen Tiefkühler vorzuproduzieren. Mal sehen wann ich wieder einen Tag Zeit habe, es wartet noch soviel auf mich, das unbedingt ausprobiert werden will … Aber so komme ich wenigstens mal dazu Euch ein wenig von meiner Reise nach Ungarn im letzten April zusammen mit Zwerg zu erzählen :-)

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Nicht nur Wien hat eine große und lange Kaffeehaustradition, auch Budapest, wobei sicherlich die eine Tradition mit der anderen zusammenhängt, von wegen k.u.k.-Monarchie. Eines der traditionellsten Häuser ist das „Café Gerbeaud„, das 1858 von einem Konditor namens Henrik Kugler eröffnet wurde. Dieser hatte ein paar Jahre später einen Geschäftspartner namens Emil Gerbeaud (daher der Name, offensichtlich), der viele Neuerungen, wie Buttercremes,Kirschwasserbonbon uvm. einführte. Aber mehr möchte ich nicht in der Geschichte des Cafés rumwühlen …

Die Inneneinrichtung (staunt und bewundert bitte jetzt!)

Das "Gerbeaud" von innen

Das "Gerbeaud" von innen

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

finde ich sehr schick. Eine Decke, deren Stuckverzierung dem Rokoko nachempfunden ist, Kronleuchter inspiriert von Kaiserin Maria Theresia (jetzt fragt mich nicht, wann die gelebt habt!) und Jugendstil-Möbel. *seufz* Ich liebe Jugendstil! Die Originaltische (weiß nicht, ob die immer noch im Café stehen, nach der Renovierung Mitte der 1990er) wurden von der Pariser Weltausstellung geholt. Jedenfalls alles sehr schick!

Leider wird es heutzutage fast nur noch von Touristen besucht (zu erkennen daran, dass sie sich erst nach dem Interieur umsehen und wild drauf los photographieren *g* wir ja auch :-D), hat aber trotzdem nichts von seinem Charme verloren. Wir hatten einen wirklich netten Kellner (unteres Bild, der Herr im weißen Hemd links hinten stehend), der uns alles erklärte (wir waren ja vorher noch nie in einem Kaffeehaus) und schnell bediente. Manche der ungarischen Herren haben eben doch noch den Charme, den man ungarischen Herren nachsagt *g* Oder vielleicht war er auch einfach nur froh mal jemand auf ungarisch bestellen zu hören *g*

Bei meiner Bestellung habe ich auch nicht gegeizt, wenn schon in einem traditionellen Kaffeehaus, will ich auch traditionelles Gebäck probieren, koste es was es wolle *g* So hatte ich einen Teller mit den

Gerbeaud-Klassiker

Gerbeaud-Klassiker

Waren die göttlich!!! Die Ungarn verstehen was von Torten. Meine Güte! Kann ja sonst Buttercremes und Schokolade nicht wahnsinnig viel abgewinnen, aber hier … Eine Offenbarung! Aber erstmal kurz erklären, was Ihr dort seht. Vorne links mit dem goldenen Karamell ist ein Würfel Dobos-Torte zu sehen, dahinter ein Würfel Eszterházy-Torte und auf der rechten Seite Gerbeaud-Torte.

Die Dobos-Torta wurde von József Dobos 1885  entwickelt, mit der Absicht eine länger haltbare und trotzdem schmackhafte Torte zu kreieren. Sie besteht aus sechs Schichten Biskuit, gefüllt mit Schokoladencreme und perfektioniert mit einer Schicht Karamell. Auch heutzutage wird sie noch nach dem Originalrezept gebacken :-) Sie ist wirklich, richtig fies-süß (wie alle ungarischen Süßigkeiten, Kuchen, Torten), aber ich sag Euch, der knackige Karamell im Gegensatz zum weichen Biskuit und der Creme. Ein Traum!
Die Eszterházy-Torte besteht aus diversen Schichten Mandel-Makronenteigböden, die mit einer Buttercreme  (wohl mit Cognac abgeschmeckt) bestrichen und geschichtet werden. Die fertige Torte wird mit einer Fondantglasur überzogen, die mit dem typischen Eszterházy-Muster verziert wird (gut erkennbar im Bild). Sie wurde wirklich nach einem Eszterházy benannt, der Außenminister während der k.u.k.-Zeit war. Mir war sie ein wenig zu süß und vielleicht hat mich auch der Alkohol ein wenig gestört, aber doch kann man empfehlen!
Die Torte, die mich am meisten überrascht hat, war die Gerbeaud-Torte. Sie scheint nur aus Schokolade zu bestehen! Ich hatte zuerst bedenken, ob es nicht zu schokoladig sein könnte (habs ja nicht so mit zu sehr nach Schokolade schmeckenden Schokoladen), aber die war soo lecker! Genau den  richtigen Grad an Süße, nicht zu schokoladig, nicht zu bitter, einfach nur großartigst! Traumhaft geradezu! Aber nach diesem Gelage mit einer heißen Schokolade dazu (ja ich weiß, es war ein Kaffeehaus, aber wenn man keinen Kaffee mag …) war ich total voll. Bezahlt habe ich ich für den Kuchen knapp 1100 Forint (umgerechnet damals ca. 4 €) und für die heiße Schokolade (ohne Sahne) 780 Forint, also knapp 3 €. Für eine Hauptstadt keine überteuerten Preise, oder?

Zwerg hatte sich ein

Himbeerkörbchen

Himbeerkörbchen

bestellt, dass auch sehr köstlich war. Knuspriger Boden, aus was für Teig auch immer (kenne mich ja nicht so gut aus) und reife, süßlich-säuerliche Himbeeren. Schön frischer Geschmack! Aber eben kein Klassiker der ungarischen Konditorenkunst ;-)

Ich kann es wirklich empfehlen einmal hinzugehen! Gehört zu Budapest dazu, wie das Parlament, dass man sich auch dringend angucken sollte. (Ha! Perfekter Übergang zur nächsten „Reklame für Budapest“ *g*)

Café Gerbeaud
Vörösmarty tér 7
1051 Budapest
http://www.gerbeaud.hu

Parmesaniges Erbsenpüree

Parmesaniges Erbsenpüree mit Kassler

Parmesaniges Erbsenpüree mit Kassler

Ich habe sehr viel übrig für Hülsenfrüchtchen, erst recht für Erbsen. Schon als Kind war meine absolute Lieblingssuppe ungarische Erbsensuppe. Soo lecker! (Hab ich die eigentlich schonmal verbloggt?) Jedenfalls liebe ich auch ungarisches Borsofözelék, also Erbsengemüse, dass als Hauptspeise mit Fleischbeilage (oder auch nicht) gegessen werden. Normalerweise bleiben die Erbsen auch ganz, aber Judit Stahl hat sich so einen kleinen Twist, indem sie Parmesan und Sahne zugibt und das ganze püriert. Eine essentielle Zutat ist sowohl im traditionellen als auch bei dieser Version ist de Petersilie. Ich weiß nicht wieso, aber mit zu wenig Petersilie schmeckt ungarisches Erbsengemüse einfach nicht.

Ich fand diese Version wirklich köstlich, cremiges Püree mit noch ein paar Stückchen (so ganz breiig mag ich es dann doch nicht *g*), die Petersilie und der Parmesan hat man noch rausgeschmeckt, bestimmten aber nicht den Geschmack des Gerichtes. Und die Farbe des Pürees, großartigst! Ich brauchte nicht mal Weißbrot dazu und es war so wahnsinnig schnell gemacht. Ein perfektes Feierabendessen! Dazu gab es bei mir gebratenes Kasslersteak (gibt es sowas? Jedenfalls knochenloses Kassler), das wunderbar passte. Wird es wieder geben!

Parmesaniges Erbsenpüree mit Kassler

Zutaten für 2 Portionen:
2 EL Butter
300 g gefrorene Erbsen
80 g frisch geriebener Parmesan
300 ml Sahne (hier: etwas weniger)
frisch geriebene Muskatnuss
Pfeffer
2 Bund frische Petersilie

2 dicke Scheiben Kassler ohne Knochen

(1) In einer Teflonpfanne auf kleiner Pfanne die Butter schmelzen. Die gefrorenen Erbsen zugeben und unter einem Deckel weich dünsten.
(2) Zwischenzeitlich den Parmesan reiben. Wenn die Erbsen gar sind, mit dem Parmesan und der Sahne pürieren. Mit Muskatnuss und Pfeffer würzen. Mit einer Schere die frische Petersilie mit reinschnippeln. Salzen braucht man eigentlich nicht, da der Parmesan salzig genug ist.
(3) In derselben Teflonpfanne (spart Abwasch) das Kassler braten und zusammen mit dem quietschgrünen Erbsenpüree servieren.

Quelle: Judit Stahl (2002): Enni Jó!. Kulinaria Kiadó

Geschmack: +++
Zeit:+
Zutaten: ++
Schwierigkeitsggrad: +

Reklame für die Elbe: Binnendünen bei Dömitz

Dahinter könnte Meer warten ...

Dahinter könnte Meer warten ...

Eines meiner Highlights auf der Exkursion waren die Binnendünen. Ja, richtig gehört: Sanddünen mitten im Land! Total surreal! Man denkt, man kann das Meer hinter den Dünen rauschen hören.

Diese Dünen entstanden am Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12 000 Jahren, als die Landschaft unbewaldet war. Starke Winde bliesen die vom Gletscher-Schmelzwasser mitgebrachten Sande zu hohen Dünen oder Flugsandfeldern auf. Zeitweise waren sie auch bewaldet, wurden aber immer wieder durch starke Holznutzungen reaktiviert. Um 1900 wurden sie sogar aufgeforstet, um eine Versandung der umliegenden Äcker zu verhindern. Heute ist es eine Mischung von offenen Flächen und Kiefernwald. Allerdings würden auch die offenen Flächen nach und nach zuwachsen, zuerst mit Strandhafer und Sandtrockenrasen, dann langsam verbuschen und bewalden.

Sandtrockenrasen

Sandtrockenrasen

Deswegen müssen solche Flächen auch künstlich freigehalten werden, damit dieser besondere Lebensraum mit seinen (zumindest für mich) faszinierenden Pflanzen und Tieren erhalten bleibt. So haben wir auch Ameisenlöwen gefunden, aber hab sie mir irgendwie beeindruckender vorgestellt *g*:

Ameisenlöwe

Ameisenlöwe

Eigentlich sind es nur die Larven von Ameisenjungfern, die so ’nen bißchen libellenartig aussehen. Das Besondere ist die Jagdweise der Larven, die sich rückwärts trichterförmig in den Sand graben (bietet auch noch Vorteile bei hohen Temperaturen) und schleudern Sand hoch, um eine reingefallene Ameise zu verwirren und besser zu fangen. Sah für mich zumindest danach aus. Äußerst faszinierend!

Offene Düne mit Ameisenlöwentrichter

Offene Düne mit Ameisenlöwentrichter

Das Dünenmassiv bei Klein Schmölen ist ca. 600 m breit und einige Kilometer lang. Nachdem es bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wegen des DDR-Sperrgebietes an der innerdeutschen Grenze nicht zugänglich war, wurden danach viele Wegen angelegt, so dass man die Dünen auch in einem Rundweg erwandern kann ;-) Wenn man mag … Oder man setzt sich auf einen hohen Punkt auf den Dünen (der höchste Punkt ist 42 m) und genießt einfach die Aussicht :-)

Blick Richtung Löcknitz/Elbe

Blick Richtung Löcknitz/Elbe

Langsam zuwachsende Düne

Langsam zuwachsende Düne

Reklame für die Elbe: Lenzen

Blick auf Lenzen vom Deich

Blick auf Lenzen vom Deich - im Vordergrund "Qualmwasser"

Die letzten Tage verbrachte ich am Ar.sch der Welt, aber es war ein wirklich wunderschöner ;-) Mit Studenten waren wir auf Exkursion in und um Lenzen, das an der Elbe im Nordwesten Brandenburgs liegt, genauer gesagt in der Prignitz. Die Stadt (eher ein Dorf mit 1800 Einwohnern) liegt im Dreiländereck Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg zwischen dem „Naturpark Mecklenburgisches Elbetal“ und dem „Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe –  Brandenburg“ und ist in einem der am wenigsten besiedelten Landstriche Deutschlands mit nur 21 Einwohner je Quadratkilometer (zum Vergleich im Landkreis Mettmann leben 1239 Einwohner je Quadratkilometer). Das ist schon menschenleer! Und da in diesem Bereich die Elbe bis 1989 die Grenze zwischen DDR und BRD bildete und die DDR doch sehr rigoros war mit dem Grenzstreifen, Passierscheinen etc. (ich weiß eine Untertreibung) konnte sich über 40 Jahre die Natur fast ungestört entwickeln. Das Gebiet ist heute Teil des „Grünen Bandes„, das als Naturschutzprojekt einen Grüngürtel der ehemaligen Grenzgebiete zwischen Westen und Osten schaffen will.

Hier ein paar Eindrücke von Lenzen:

Blick vom Burgturm über Lenzen

Blick vom Burgturm über Lenzen

Typisch-städtische Häuser der Gegend

Typisch-städtische Häuser der Gegend

St.-Katherinen-Kirche von außen

St.-Katherinen-Kirche von außen

St.-Katherinen-Kirche von innnen

St.-Katherinen-Kirche von innnen

Eigentlich ganz niedlich, nicht? Lenzen war laut Amtsleiter, den wir trafen, mal eine reiche Stadt (jetzt nur noch Dorf übrig), die vom Ackerbürgertum geprägt war, da die Elbeauen vor der Stadt sehr fruchtbare Böden hatten und immer noch haben. Die St.-Katherinen-Kirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist im 18. Jahrhundert wohl dreimal komplett zerstört worden aus unterschiedlichsten Gründen, aber immer wieder aufgebaut und das sehr schön wie ich finde. Überhaupt ist es ein sehr süßes Dörfchen, dass ruhig ein wenig mehr Werbung für sich als Dorf mitten im Bioshpärenreservat machen könnte. Ich meine, klar es gibt noch einige verwahrloste Häuser, aber die gibts überall in der ehemaligen DDR, weil die Eigentümer kein Geld haben oder bisher noch nicht geklärt ist, wer überhaupt rechtmäßiger Eigentümer ist. Und das 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, unglaublich oder?

Nachdem wir unsere sehr schöne Unterkunft auf der Burg Lenzen bezogen haben, die dem BUND von der Burgbesitzerin geschenkt wurde,

Burg Lenzen
Burg Lenzen

hatten wir erst noch eine Vogelführung entlang der Elbe mit einem Herrn Dörfler, bei dem wir unter anderem diesen Pappelschwärmer

Pappelschwärmer - Schmetterling für Fortgeschrittene
Pappelschwärmer – Schmetterling für Fortgeschrittene

gefunden, die weite Landschaft, den Sand unter den Füßen und viele unterschiedliche Vögel wie Seeadler, Flussregenpfeifer, Schafselzen uvm. genießen konnten. Gott, wie habe ich Sand unter den Füßen vermisst!

Elbe bei Müggendorf
Elbe bei Müggendorf

Abends stand eine Führung entlang der Elbe an, bei der wir uns auf die Vögel- und Amphibienstimmen konzentrieren. Und ich sag Euch, das ist soo schön da!

Abendstimmung an der Elbe
Abendstimmung an der Elbe

Also wenn jemand da draußen mal wirklich Ruhe braucht, nach einer stressigen Zeit und richtig abschalten will, fahrt dort hin! Man kann kilometerweit mit dem Fahrrad auf dem Deich radeln, süße Dörfer angucken, großartige, seltene Vögel beobachten, wenn man sie erkennt (und nicht so ein Vogel-Banause ist wie ich *g*) und einfach die Seele baumeln lassen. Auch Urlaub mit Kindern stell ich mir dort wunderbar vor! Ich werde definitiv mal wieder dorthin fahren. Vielleicht schneller als gedacht …

Natürlich haben wir in der einen Woche noch viel mehr angeguckt und vor allem biologisches Zeug gemacht, was zwangsläufig passiert, wenn man mit Limnologen, Vegetationskundlern, Forstwissenschaftlern und Landschaftsplanungsstudenten unterwegs ist ;-) Aber das werde ich demnächst vorstellen. Soviel unterschiedliches auf so kleinem Raum, großartig und wunderschön!

Anmerkung: Habe mir mal ein Picasa-Konto zugelegt, wo ich meine Photos ablegen werde, weil ich ja nicht alle Photos hier zeigen kann, wird sonst zu unübersichtlich. Also entweder die Bilder direkt anklicken, die zum entsprechenden Album führen oder hier klicken und schon ist man da, auch wenn noch nicht viel zu sehen ist. Aber das wird sich ja ändern mit der Zeit :) Viel Spaß dabei!

Technisches: Wenn jemand weiß, wie ich diese unmöglich großen grauen Rahmen, um die unteren Bilder wegkriege, wäre ich wirklich dankbar, dass er/sie es mir verrät :-) Danke!

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