Archiv für den Monat Mai 2009

Reklame für Ungarn: Budapest – Café „Gerbeaud“

Hier herrscht gerade großer Stress, im Frühling/Sommer sind Botaniker immer unterwegs  (Exkursionen, Doktorarbeit) und so komme ich relativ wenig zum Kochen, auch wenn ich wieder große Lust hätte, beispielsweise in die Spätzle-Massenproduktion einzusteigen oder andere nette Sache für meinen Tiefkühler vorzuproduzieren. Mal sehen wann ich wieder einen Tag Zeit habe, es wartet noch soviel auf mich, das unbedingt ausprobiert werden will … Aber so komme ich wenigstens mal dazu Euch ein wenig von meiner Reise nach Ungarn im letzten April zusammen mit Zwerg zu erzählen :-)

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Nicht nur Wien hat eine große und lange Kaffeehaustradition, auch Budapest, wobei sicherlich die eine Tradition mit der anderen zusammenhängt, von wegen k.u.k.-Monarchie. Eines der traditionellsten Häuser ist das „Café Gerbeaud„, das 1858 von einem Konditor namens Henrik Kugler eröffnet wurde. Dieser hatte ein paar Jahre später einen Geschäftspartner namens Emil Gerbeaud (daher der Name, offensichtlich), der viele Neuerungen, wie Buttercremes,Kirschwasserbonbon uvm. einführte. Aber mehr möchte ich nicht in der Geschichte des Cafés rumwühlen …

Die Inneneinrichtung (staunt und bewundert bitte jetzt!)

Das "Gerbeaud" von innen

Das "Gerbeaud" von innen

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

finde ich sehr schick. Eine Decke, deren Stuckverzierung dem Rokoko nachempfunden ist, Kronleuchter inspiriert von Kaiserin Maria Theresia (jetzt fragt mich nicht, wann die gelebt habt!) und Jugendstil-Möbel. *seufz* Ich liebe Jugendstil! Die Originaltische (weiß nicht, ob die immer noch im Café stehen, nach der Renovierung Mitte der 1990er) wurden von der Pariser Weltausstellung geholt. Jedenfalls alles sehr schick!

Leider wird es heutzutage fast nur noch von Touristen besucht (zu erkennen daran, dass sie sich erst nach dem Interieur umsehen und wild drauf los photographieren *g* wir ja auch :-D), hat aber trotzdem nichts von seinem Charme verloren. Wir hatten einen wirklich netten Kellner (unteres Bild, der Herr im weißen Hemd links hinten stehend), der uns alles erklärte (wir waren ja vorher noch nie in einem Kaffeehaus) und schnell bediente. Manche der ungarischen Herren haben eben doch noch den Charme, den man ungarischen Herren nachsagt *g* Oder vielleicht war er auch einfach nur froh mal jemand auf ungarisch bestellen zu hören *g*

Bei meiner Bestellung habe ich auch nicht gegeizt, wenn schon in einem traditionellen Kaffeehaus, will ich auch traditionelles Gebäck probieren, koste es was es wolle *g* So hatte ich einen Teller mit den

Gerbeaud-Klassiker

Gerbeaud-Klassiker

Waren die göttlich!!! Die Ungarn verstehen was von Torten. Meine Güte! Kann ja sonst Buttercremes und Schokolade nicht wahnsinnig viel abgewinnen, aber hier … Eine Offenbarung! Aber erstmal kurz erklären, was Ihr dort seht. Vorne links mit dem goldenen Karamell ist ein Würfel Dobos-Torte zu sehen, dahinter ein Würfel Eszterházy-Torte und auf der rechten Seite Gerbeaud-Torte.

Die Dobos-Torta wurde von József Dobos 1885  entwickelt, mit der Absicht eine länger haltbare und trotzdem schmackhafte Torte zu kreieren. Sie besteht aus sechs Schichten Biskuit, gefüllt mit Schokoladencreme und perfektioniert mit einer Schicht Karamell. Auch heutzutage wird sie noch nach dem Originalrezept gebacken :-) Sie ist wirklich, richtig fies-süß (wie alle ungarischen Süßigkeiten, Kuchen, Torten), aber ich sag Euch, der knackige Karamell im Gegensatz zum weichen Biskuit und der Creme. Ein Traum!
Die Eszterházy-Torte besteht aus diversen Schichten Mandel-Makronenteigböden, die mit einer Buttercreme  (wohl mit Cognac abgeschmeckt) bestrichen und geschichtet werden. Die fertige Torte wird mit einer Fondantglasur überzogen, die mit dem typischen Eszterházy-Muster verziert wird (gut erkennbar im Bild). Sie wurde wirklich nach einem Eszterházy benannt, der Außenminister während der k.u.k.-Zeit war. Mir war sie ein wenig zu süß und vielleicht hat mich auch der Alkohol ein wenig gestört, aber doch kann man empfehlen!
Die Torte, die mich am meisten überrascht hat, war die Gerbeaud-Torte. Sie scheint nur aus Schokolade zu bestehen! Ich hatte zuerst bedenken, ob es nicht zu schokoladig sein könnte (habs ja nicht so mit zu sehr nach Schokolade schmeckenden Schokoladen), aber die war soo lecker! Genau den  richtigen Grad an Süße, nicht zu schokoladig, nicht zu bitter, einfach nur großartigst! Traumhaft geradezu! Aber nach diesem Gelage mit einer heißen Schokolade dazu (ja ich weiß, es war ein Kaffeehaus, aber wenn man keinen Kaffee mag …) war ich total voll. Bezahlt habe ich ich für den Kuchen knapp 1100 Forint (umgerechnet damals ca. 4 €) und für die heiße Schokolade (ohne Sahne) 780 Forint, also knapp 3 €. Für eine Hauptstadt keine überteuerten Preise, oder?

Zwerg hatte sich ein

Himbeerkörbchen

Himbeerkörbchen

bestellt, dass auch sehr köstlich war. Knuspriger Boden, aus was für Teig auch immer (kenne mich ja nicht so gut aus) und reife, süßlich-säuerliche Himbeeren. Schön frischer Geschmack! Aber eben kein Klassiker der ungarischen Konditorenkunst ;-)

Ich kann es wirklich empfehlen einmal hinzugehen! Gehört zu Budapest dazu, wie das Parlament, dass man sich auch dringend angucken sollte. (Ha! Perfekter Übergang zur nächsten „Reklame für Budapest“ *g*)

Café Gerbeaud
Vörösmarty tér 7
1051 Budapest
http://www.gerbeaud.hu

Parmesaniges Erbsenpüree

Parmesaniges Erbsenpüree mit Kassler

Parmesaniges Erbsenpüree mit Kassler

Ich habe sehr viel übrig für Hülsenfrüchtchen, erst recht für Erbsen. Schon als Kind war meine absolute Lieblingssuppe ungarische Erbsensuppe. Soo lecker! (Hab ich die eigentlich schonmal verbloggt?) Jedenfalls liebe ich auch ungarisches Borsofözelék, also Erbsengemüse, dass als Hauptspeise mit Fleischbeilage (oder auch nicht) gegessen werden. Normalerweise bleiben die Erbsen auch ganz, aber Judit Stahl hat sich so einen kleinen Twist, indem sie Parmesan und Sahne zugibt und das ganze püriert. Eine essentielle Zutat ist sowohl im traditionellen als auch bei dieser Version ist de Petersilie. Ich weiß nicht wieso, aber mit zu wenig Petersilie schmeckt ungarisches Erbsengemüse einfach nicht.

Ich fand diese Version wirklich köstlich, cremiges Püree mit noch ein paar Stückchen (so ganz breiig mag ich es dann doch nicht *g*), die Petersilie und der Parmesan hat man noch rausgeschmeckt, bestimmten aber nicht den Geschmack des Gerichtes. Und die Farbe des Pürees, großartigst! Ich brauchte nicht mal Weißbrot dazu und es war so wahnsinnig schnell gemacht. Ein perfektes Feierabendessen! Dazu gab es bei mir gebratenes Kasslersteak (gibt es sowas? Jedenfalls knochenloses Kassler), das wunderbar passte. Wird es wieder geben!

Parmesaniges Erbsenpüree mit Kassler

Zutaten für 2 Portionen:
2 EL Butter
300 g gefrorene Erbsen
80 g frisch geriebener Parmesan
300 ml Sahne (hier: etwas weniger)
frisch geriebene Muskatnuss
Pfeffer
2 Bund frische Petersilie

2 dicke Scheiben Kassler ohne Knochen

(1) In einer Teflonpfanne auf kleiner Pfanne die Butter schmelzen. Die gefrorenen Erbsen zugeben und unter einem Deckel weich dünsten.
(2) Zwischenzeitlich den Parmesan reiben. Wenn die Erbsen gar sind, mit dem Parmesan und der Sahne pürieren. Mit Muskatnuss und Pfeffer würzen. Mit einer Schere die frische Petersilie mit reinschnippeln. Salzen braucht man eigentlich nicht, da der Parmesan salzig genug ist.
(3) In derselben Teflonpfanne (spart Abwasch) das Kassler braten und zusammen mit dem quietschgrünen Erbsenpüree servieren.

Quelle: Judit Stahl (2002): Enni Jó!. Kulinaria Kiadó

Geschmack: +++
Zeit:+
Zutaten: ++
Schwierigkeitsggrad: +

Reklame für die Elbe: Binnendünen bei Dömitz

Dahinter könnte Meer warten ...

Dahinter könnte Meer warten ...

Eines meiner Highlights auf der Exkursion waren die Binnendünen. Ja, richtig gehört: Sanddünen mitten im Land! Total surreal! Man denkt, man kann das Meer hinter den Dünen rauschen hören.

Diese Dünen entstanden am Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12 000 Jahren, als die Landschaft unbewaldet war. Starke Winde bliesen die vom Gletscher-Schmelzwasser mitgebrachten Sande zu hohen Dünen oder Flugsandfeldern auf. Zeitweise waren sie auch bewaldet, wurden aber immer wieder durch starke Holznutzungen reaktiviert. Um 1900 wurden sie sogar aufgeforstet, um eine Versandung der umliegenden Äcker zu verhindern. Heute ist es eine Mischung von offenen Flächen und Kiefernwald. Allerdings würden auch die offenen Flächen nach und nach zuwachsen, zuerst mit Strandhafer und Sandtrockenrasen, dann langsam verbuschen und bewalden.

Sandtrockenrasen

Sandtrockenrasen

Deswegen müssen solche Flächen auch künstlich freigehalten werden, damit dieser besondere Lebensraum mit seinen (zumindest für mich) faszinierenden Pflanzen und Tieren erhalten bleibt. So haben wir auch Ameisenlöwen gefunden, aber hab sie mir irgendwie beeindruckender vorgestellt *g*:

Ameisenlöwe

Ameisenlöwe

Eigentlich sind es nur die Larven von Ameisenjungfern, die so ’nen bißchen libellenartig aussehen. Das Besondere ist die Jagdweise der Larven, die sich rückwärts trichterförmig in den Sand graben (bietet auch noch Vorteile bei hohen Temperaturen) und schleudern Sand hoch, um eine reingefallene Ameise zu verwirren und besser zu fangen. Sah für mich zumindest danach aus. Äußerst faszinierend!

Offene Düne mit Ameisenlöwentrichter

Offene Düne mit Ameisenlöwentrichter

Das Dünenmassiv bei Klein Schmölen ist ca. 600 m breit und einige Kilometer lang. Nachdem es bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wegen des DDR-Sperrgebietes an der innerdeutschen Grenze nicht zugänglich war, wurden danach viele Wegen angelegt, so dass man die Dünen auch in einem Rundweg erwandern kann ;-) Wenn man mag … Oder man setzt sich auf einen hohen Punkt auf den Dünen (der höchste Punkt ist 42 m) und genießt einfach die Aussicht :-)

Blick Richtung Löcknitz/Elbe

Blick Richtung Löcknitz/Elbe

Langsam zuwachsende Düne

Langsam zuwachsende Düne

Reklame für die Elbe: Lenzen

Blick auf Lenzen vom Deich

Blick auf Lenzen vom Deich - im Vordergrund "Qualmwasser"

Die letzten Tage verbrachte ich am Ar.sch der Welt, aber es war ein wirklich wunderschöner ;-) Mit Studenten waren wir auf Exkursion in und um Lenzen, das an der Elbe im Nordwesten Brandenburgs liegt, genauer gesagt in der Prignitz. Die Stadt (eher ein Dorf mit 1800 Einwohnern) liegt im Dreiländereck Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg zwischen dem „Naturpark Mecklenburgisches Elbetal“ und dem „Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe –  Brandenburg“ und ist in einem der am wenigsten besiedelten Landstriche Deutschlands mit nur 21 Einwohner je Quadratkilometer (zum Vergleich im Landkreis Mettmann leben 1239 Einwohner je Quadratkilometer). Das ist schon menschenleer! Und da in diesem Bereich die Elbe bis 1989 die Grenze zwischen DDR und BRD bildete und die DDR doch sehr rigoros war mit dem Grenzstreifen, Passierscheinen etc. (ich weiß eine Untertreibung) konnte sich über 40 Jahre die Natur fast ungestört entwickeln. Das Gebiet ist heute Teil des „Grünen Bandes„, das als Naturschutzprojekt einen Grüngürtel der ehemaligen Grenzgebiete zwischen Westen und Osten schaffen will.

Hier ein paar Eindrücke von Lenzen:

Blick vom Burgturm über Lenzen

Blick vom Burgturm über Lenzen

Typisch-städtische Häuser der Gegend

Typisch-städtische Häuser der Gegend

St.-Katherinen-Kirche von außen

St.-Katherinen-Kirche von außen

St.-Katherinen-Kirche von innnen

St.-Katherinen-Kirche von innnen

Eigentlich ganz niedlich, nicht? Lenzen war laut Amtsleiter, den wir trafen, mal eine reiche Stadt (jetzt nur noch Dorf übrig), die vom Ackerbürgertum geprägt war, da die Elbeauen vor der Stadt sehr fruchtbare Böden hatten und immer noch haben. Die St.-Katherinen-Kirche wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist im 18. Jahrhundert wohl dreimal komplett zerstört worden aus unterschiedlichsten Gründen, aber immer wieder aufgebaut und das sehr schön wie ich finde. Überhaupt ist es ein sehr süßes Dörfchen, dass ruhig ein wenig mehr Werbung für sich als Dorf mitten im Bioshpärenreservat machen könnte. Ich meine, klar es gibt noch einige verwahrloste Häuser, aber die gibts überall in der ehemaligen DDR, weil die Eigentümer kein Geld haben oder bisher noch nicht geklärt ist, wer überhaupt rechtmäßiger Eigentümer ist. Und das 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, unglaublich oder?

Nachdem wir unsere sehr schöne Unterkunft auf der Burg Lenzen bezogen haben, die dem BUND von der Burgbesitzerin geschenkt wurde,

Burg Lenzen
Burg Lenzen

hatten wir erst noch eine Vogelführung entlang der Elbe mit einem Herrn Dörfler, bei dem wir unter anderem diesen Pappelschwärmer

Pappelschwärmer - Schmetterling für Fortgeschrittene
Pappelschwärmer – Schmetterling für Fortgeschrittene

gefunden, die weite Landschaft, den Sand unter den Füßen und viele unterschiedliche Vögel wie Seeadler, Flussregenpfeifer, Schafselzen uvm. genießen konnten. Gott, wie habe ich Sand unter den Füßen vermisst!

Elbe bei Müggendorf
Elbe bei Müggendorf

Abends stand eine Führung entlang der Elbe an, bei der wir uns auf die Vögel- und Amphibienstimmen konzentrieren. Und ich sag Euch, das ist soo schön da!

Abendstimmung an der Elbe
Abendstimmung an der Elbe

Also wenn jemand da draußen mal wirklich Ruhe braucht, nach einer stressigen Zeit und richtig abschalten will, fahrt dort hin! Man kann kilometerweit mit dem Fahrrad auf dem Deich radeln, süße Dörfer angucken, großartige, seltene Vögel beobachten, wenn man sie erkennt (und nicht so ein Vogel-Banause ist wie ich *g*) und einfach die Seele baumeln lassen. Auch Urlaub mit Kindern stell ich mir dort wunderbar vor! Ich werde definitiv mal wieder dorthin fahren. Vielleicht schneller als gedacht …

Natürlich haben wir in der einen Woche noch viel mehr angeguckt und vor allem biologisches Zeug gemacht, was zwangsläufig passiert, wenn man mit Limnologen, Vegetationskundlern, Forstwissenschaftlern und Landschaftsplanungsstudenten unterwegs ist ;-) Aber das werde ich demnächst vorstellen. Soviel unterschiedliches auf so kleinem Raum, großartig und wunderschön!

Anmerkung: Habe mir mal ein Picasa-Konto zugelegt, wo ich meine Photos ablegen werde, weil ich ja nicht alle Photos hier zeigen kann, wird sonst zu unübersichtlich. Also entweder die Bilder direkt anklicken, die zum entsprechenden Album führen oder hier klicken und schon ist man da, auch wenn noch nicht viel zu sehen ist. Aber das wird sich ja ändern mit der Zeit :) Viel Spaß dabei!

Technisches: Wenn jemand weiß, wie ich diese unmöglich großen grauen Rahmen, um die unteren Bilder wegkriege, wäre ich wirklich dankbar, dass er/sie es mir verrät :-) Danke!

Botany for Beginners: Alliaria petiolata ~ Knoblauchsrauke

Blütchen der Knoblauchsrauke

Blütchen der Knoblauchsrauke

Als zweite Pflanze möchte ich Euch heute die Knoblauchsrauke (lat. Alliaria petiolata) vorstellen. Eine 20-80 cm hohe Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), die sich durch je vier Kronblätter und Staubblätter erkennbar sind, die wie ein Kreuz angeordnet sind (meistens). Als Früchte bilden sie Schoten oder Schötchen (was es ist, kommt auf das Verhältnis zwischen Länge und Breite der Frucht an), die man auch schon ansatzweise im Bild erkennbar sind. Ebenfalls sehr typisch für die Knoblauchsrauke sind die unterschiedlich geformten Blätter. Die oberen sind eher spießförmig mit einem gezähnten Rand:

all_pet_obere_blaetter

Oberen spießförmige Blätter

Die unteren sind nieren- bis herzförmig mit gewelltem Rand:

Unteren nierenförmige Blätter

Unteren nierenförmige Blätter

Die Knoblauchsrauke, heißt nicht umsonst so, wenn man ihre Blätter zerreibt, riecht sie leicht nach Knoblauch. Und man kann sie auch wirklich essen, vor allem die jungen Blätter in Salaten oder die Samen aus den Schoten zu Senf verarbeitet. Einfach mal über die gängigen Suchmaschinen nach Rezepten suchen und man kriegt einiges ausgespuckt. Mal sehen, ob ich es schaffe, irgendwann mal was davon auszuprobieren. Naja, wenn ich mal eine Stelle mit Alliara hier finde, die nicht so stark von Hunden verfrequentiert ist.

Denn man findet diese Pflanze an vielen Ecken, sowohl in der Stadt als auch im Wald. In Unkrautecken von Parkanlagen und verwilderten Gärten, an Wegrändern, an Wiesenrändern, eigentlich überall wo es einigermaßen frischen und nährstoffreichen Boden gibt.

Knoblauchsrauke in natürlicher Umgebung

Knoblauchsrauke in natürlicher Umgebung

Die nächste Woche wird es hier sehr viel ruhiger, weil ich als Begleitung bei einer Exkursion mit Studenten nach Lenzen (Elbe) fahre und dort an der Elbe rumkrieche ;-) Wir werden einiges über das „Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe – Brandenburg“ erfahren, das „Rambower Moor“ erkunden und was über die Auenrenaturierung an der Elbe lernen, die sie durch Deichrückverlegungen erzielen wollen. Ich hoffe wirklich, wir können uns auch die Binnendünen angucken. Ich meine, überlegt mal: es gibt Sanddünen mitten im Land und nicht nur am Meer. Wie abgefahren, oder?

Der meistgenutzte Ausrüstungsgegenstand werden wahrscheinlich meine geliebten Rosen-Gummistiefel sein :-)

Rosen-Gummistiefel - Schnieke, nicht?

Rosen-Gummistiefel - Schnieke, nicht?

Vereinigung zweier Frühlingsboten – Gebratener Spargel mit Bärlauchpasta

Gebratener Spargel mit Bärlauchpasta

Gebratener Spargel mit Bärlauchpasta

Endlich habe auch ich es geschafft etwas mit Bärlauch zu kochen, auch wenn es das erste und letzte Gericht der Saison für mich war. Nächstes Jahr werde ich hoffentlich mehr Gelegenheit zum sammeln, verwerten und bevorraten haben :-)

Ich hatte dieses Gericht letztes Jahr, in Vorblogzeiten, schonmal für meine damalige Mitbewohnerin U. und ihren Freund gekocht und wir waren allesamt komplett begeistert. Am letzten Wochenende konnte ich dann noch den letzten Bärlauch der Saison ergattern und habe mit Zwerg zusammen diese wirklich schnelle und köstliche Pasta gekocht. Traumhaft! Knackiger Spargel mit würzig-knoblauchigen Nudeln. Allerdings würde ich demnächst mehr Crème fraiche (hier Schmand) benutzen, die Pasta nimmt doch mehr Sauce auf als man denkt und sowohl Zwerg als auch ich sind große Saucenfans *g* Wir haben das Rezept für uns halbiert und grünen statt weißen Spargel benutzt, aber ich gebe der geneigten Leserschaft einfach mal das Original aus dem „Vegetarian Basics“ mit auf den Weg:

Gebratener Spargel mit Bärlauchnudeln

Zutaten für 4 zum Sattessen:
1 kg weißer Spargel
1,5 EL geschmacksneutrales Öl
1,5 EL Butter
Salz, Pfeffer
1/2 EL Zitronensaft

Für die Bärlauchnudeln:
1 großes Bund Bärlauch
300 g Bandnudeln
Salz
1 EL Butter
2 EL Créme fraiche (hier: doppelte verwenden)

(1) Den Spargel waschen, die Enden abbrechen (die natürliche Sollbruchstelle des holzigen Bereichs) und schälen. Die Stangen in 3-4 cm große Stücke schneiden.
(2) Für die Nudeln vom Bärlauch die welken Blätter aussortieren, die restlichen Blätter waschen, trocken schleudern und fein hacken. Nudeln in kochendem Salzwasser al dente garen.
(3) Gleichzeitig einen Wok (oder seehr große Pfanne) auf dem Herd heiß werden lassen. Das Öl erhitzen und den Spargel hineingeben. Unter rühren 3 Minuten braten. Die Butter hinzugeben und weitere 3 Minuten braten, bis er bissfest ist. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen.
(4) Für die Pastasauce in einer kleinen Pfanne die Butter zerlassen und  den Bärlauch einrühren. Wenn er zusammen gefallen ist, die Crème fraiche dazu geben und salzen.
(5) Die Nudeln abgießen mit der Sauce vermischen und zusammen mit dem gebratenen Spargel sofort servieren.

Quelle: Schinharl C., Dickhaut S. (2005): Vegetarian Basics. Gräfe und Unzer Verlag

Geschmack: +++
Zeit: ++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: ++

Mondgetrocknetene Tomaten

Mondgetrocknete Tomätchen

Mondgetrocknete Tomätchen

Nein, keine Angst, ich werde nicht seltsam esoterisch. Das macht die Naturwissenschaftlerin in mir nicht mit ;-)
Ich liebe ja so angetrocknete Tomaten oder ganz getrocknete Tomaten in Öl. Letzter Jahr wurde ein Versuch gestartet, der ziemlich erfolgreich sprich sehr schmackhaft war, aber irgendwie nimmt das viel Zeit und Strom in Anspruch. Im Buch „Nigella Express“ von Nigella Lawson haben Zwerg und ich letztes Wochenende diese Tomaten entdeckt. Nein, sie werden nicht über Wochen im Mondlicht getrocknet, es ist viel simpler: Einfach abends die marinierten Tomätchenhälften in den heißen Ofen geben, Ofen ausschalten, die Tomaten vergessen und am nächsten Tag genießen. Auch wenn einen die Neugier packt, ja nicht den Ofen öffnen, damit die ganze Wärme drin bleibt und den Tomaten hilft ihr Aroma zu konzentrieren. Und ja, sie sind göttlich! Man kann sie nicht so lange aufheben, wie richtig getrocknete Tomaten, aber überleben würden sie sowieso keine zwei Tage *g* Einfach weil sie so wunderbar aromatisch sind, trotzdem noch saftig und fein nach den Gewürzen (in diesem Fall Thymian) schmecken. Also dieses Rezept wird definitiv ein Standard, sowohl bei Zwerg als auch bei mir.

Mit den „moondried tomatoes“ (hört sich das nicht toll an?) haben wir zu der Spargel-Kartoffel-Tarte einen Rucola-Salat mit Ziegenkäse und Minze gemacht. Eigentlich war ich schon drauf und dran die Minze wegzulassen, weil es Sonnabend überhaupt nicht in die Tages- und Einkaufsplanung gepaßt hat, noch den ganzen Tag Minze rumzuschleppen, aber wir waren ja nachmittags noch bei meiner lieben Kollegin A. im Garten zum Kuchenessen und sie hat gerade ein kleines Minzeproblem, so dass wir noch ein paar Stengel abstauben konnten. Und ja, die Minze macht wirklich einen Unterschied, wo ich keinen vermutet hätte. Total großartiger Salat! Und dabei so einfach! Auch diese Kombination kommt ins Repertoire :-)))

Rucola mit mondgetrockneten Tomaten, Minze und Ziegenkäse

Rucola mit mondgetrockneten Tomaten, Minze und Ziegenkäse

Mondgetrocknete Tomaten

500 g kleine Kirschtomaten
2 TL grobes Meersalz oder 1 TL Tafelsalz
1 Prise Zucker
1 TL getrockneter Thymian
2 EL Olivenöl (hier: vergessen)
hier: Pfeffer

(1) Ofen auf die höchst mögliche Temperatur vorheizen. Muss ganz heiß sein!
(2) Die Tomaten halbieren und mit der Schnittfläche nach oben in eine ofenfeste Form legen. Mit dem Salz und Zucker (hier noch Pfeffer) würzen. Den Thymian über die Tomaten streuen. Vorsichtig das Olivenöl darüber träufeln.
(3) In den heißen Ofen stellen und den Ofen SOFORT ausschalten! Die Tomaten glücklich über Nacht und den ganzen Tag über im Ofen lassen. Wehe es macht jemand die Tür auf! Nur durch die Ofentür reingucken ist erlaubt ;-)

Geschmack: ++++
Zeit: +++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: +

Rucola mit mondgetrockneten Tomaten, Minze und Ziegenkäse

Zutaten für 8 Portionen als Vorspeise:
200 g Rucola oder junger Spinat
200 g Ziegenfrischkäse
1 Rezept mondgetrocknete Tomaten
1 EL Zitronensaft
2 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer, Zucker
2 El gehackte Minze (ein MUSS!)

(1) Den Rucola waschen, trocken schleudern und halbieren/dritteln (wie es gefällt). Auf einer Servierplatte verteilen.
(2) Mit einem Löffel kleine Kleckse Ziegenfrischkäse über dem Salat verteilen, ebenso die mondgetrockneten Tomaten.
(3) Mit dem Öl, dass bei der Tomatentrocknung zurückgeblieben und dem Zitronensaft sowieso Olivenöl ein Dressing machen. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen. Über dem Salat geben und zum Schluss die gehackte Minze drüber streuen.

Sofort genießen!

Geschmack: ++++
Zeit: +
Zutaten: +
Schwierigkeitsgrad: +

Quelle: Nigella Lawson (2007): Nigella Express. Dorling Kindersley

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