Archiv für den Tag 27. Mai 2009

Reklame für Ungarn: Budapest – Café „Gerbeaud“

Hier herrscht gerade großer Stress, im Frühling/Sommer sind Botaniker immer unterwegs  (Exkursionen, Doktorarbeit) und so komme ich relativ wenig zum Kochen, auch wenn ich wieder große Lust hätte, beispielsweise in die Spätzle-Massenproduktion einzusteigen oder andere nette Sache für meinen Tiefkühler vorzuproduzieren. Mal sehen wann ich wieder einen Tag Zeit habe, es wartet noch soviel auf mich, das unbedingt ausprobiert werden will … Aber so komme ich wenigstens mal dazu Euch ein wenig von meiner Reise nach Ungarn im letzten April zusammen mit Zwerg zu erzählen :-)

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Nicht nur Wien hat eine große und lange Kaffeehaustradition, auch Budapest, wobei sicherlich die eine Tradition mit der anderen zusammenhängt, von wegen k.u.k.-Monarchie. Eines der traditionellsten Häuser ist das „Café Gerbeaud„, das 1858 von einem Konditor namens Henrik Kugler eröffnet wurde. Dieser hatte ein paar Jahre später einen Geschäftspartner namens Emil Gerbeaud (daher der Name, offensichtlich), der viele Neuerungen, wie Buttercremes,Kirschwasserbonbon uvm. einführte. Aber mehr möchte ich nicht in der Geschichte des Cafés rumwühlen …

Die Inneneinrichtung (staunt und bewundert bitte jetzt!)

Das "Gerbeaud" von innen

Das "Gerbeaud" von innen

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

finde ich sehr schick. Eine Decke, deren Stuckverzierung dem Rokoko nachempfunden ist, Kronleuchter inspiriert von Kaiserin Maria Theresia (jetzt fragt mich nicht, wann die gelebt habt!) und Jugendstil-Möbel. *seufz* Ich liebe Jugendstil! Die Originaltische (weiß nicht, ob die immer noch im Café stehen, nach der Renovierung Mitte der 1990er) wurden von der Pariser Weltausstellung geholt. Jedenfalls alles sehr schick!

Leider wird es heutzutage fast nur noch von Touristen besucht (zu erkennen daran, dass sie sich erst nach dem Interieur umsehen und wild drauf los photographieren *g* wir ja auch :-D), hat aber trotzdem nichts von seinem Charme verloren. Wir hatten einen wirklich netten Kellner (unteres Bild, der Herr im weißen Hemd links hinten stehend), der uns alles erklärte (wir waren ja vorher noch nie in einem Kaffeehaus) und schnell bediente. Manche der ungarischen Herren haben eben doch noch den Charme, den man ungarischen Herren nachsagt *g* Oder vielleicht war er auch einfach nur froh mal jemand auf ungarisch bestellen zu hören *g*

Bei meiner Bestellung habe ich auch nicht gegeizt, wenn schon in einem traditionellen Kaffeehaus, will ich auch traditionelles Gebäck probieren, koste es was es wolle *g* So hatte ich einen Teller mit den

Gerbeaud-Klassiker

Gerbeaud-Klassiker

Waren die göttlich!!! Die Ungarn verstehen was von Torten. Meine Güte! Kann ja sonst Buttercremes und Schokolade nicht wahnsinnig viel abgewinnen, aber hier … Eine Offenbarung! Aber erstmal kurz erklären, was Ihr dort seht. Vorne links mit dem goldenen Karamell ist ein Würfel Dobos-Torte zu sehen, dahinter ein Würfel Eszterházy-Torte und auf der rechten Seite Gerbeaud-Torte.

Die Dobos-Torta wurde von József Dobos 1885  entwickelt, mit der Absicht eine länger haltbare und trotzdem schmackhafte Torte zu kreieren. Sie besteht aus sechs Schichten Biskuit, gefüllt mit Schokoladencreme und perfektioniert mit einer Schicht Karamell. Auch heutzutage wird sie noch nach dem Originalrezept gebacken :-) Sie ist wirklich, richtig fies-süß (wie alle ungarischen Süßigkeiten, Kuchen, Torten), aber ich sag Euch, der knackige Karamell im Gegensatz zum weichen Biskuit und der Creme. Ein Traum!
Die Eszterházy-Torte besteht aus diversen Schichten Mandel-Makronenteigböden, die mit einer Buttercreme  (wohl mit Cognac abgeschmeckt) bestrichen und geschichtet werden. Die fertige Torte wird mit einer Fondantglasur überzogen, die mit dem typischen Eszterházy-Muster verziert wird (gut erkennbar im Bild). Sie wurde wirklich nach einem Eszterházy benannt, der Außenminister während der k.u.k.-Zeit war. Mir war sie ein wenig zu süß und vielleicht hat mich auch der Alkohol ein wenig gestört, aber doch kann man empfehlen!
Die Torte, die mich am meisten überrascht hat, war die Gerbeaud-Torte. Sie scheint nur aus Schokolade zu bestehen! Ich hatte zuerst bedenken, ob es nicht zu schokoladig sein könnte (habs ja nicht so mit zu sehr nach Schokolade schmeckenden Schokoladen), aber die war soo lecker! Genau den  richtigen Grad an Süße, nicht zu schokoladig, nicht zu bitter, einfach nur großartigst! Traumhaft geradezu! Aber nach diesem Gelage mit einer heißen Schokolade dazu (ja ich weiß, es war ein Kaffeehaus, aber wenn man keinen Kaffee mag …) war ich total voll. Bezahlt habe ich ich für den Kuchen knapp 1100 Forint (umgerechnet damals ca. 4 €) und für die heiße Schokolade (ohne Sahne) 780 Forint, also knapp 3 €. Für eine Hauptstadt keine überteuerten Preise, oder?

Zwerg hatte sich ein

Himbeerkörbchen

Himbeerkörbchen

bestellt, dass auch sehr köstlich war. Knuspriger Boden, aus was für Teig auch immer (kenne mich ja nicht so gut aus) und reife, süßlich-säuerliche Himbeeren. Schön frischer Geschmack! Aber eben kein Klassiker der ungarischen Konditorenkunst ;-)

Ich kann es wirklich empfehlen einmal hinzugehen! Gehört zu Budapest dazu, wie das Parlament, dass man sich auch dringend angucken sollte. (Ha! Perfekter Übergang zur nächsten „Reklame für Budapest“ *g*)

Café Gerbeaud
Vörösmarty tér 7
1051 Budapest
http://www.gerbeaud.hu

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