Reklame für Ungarn: Budapest – Café „Gerbeaud“

Hier herrscht gerade großer Stress, im Frühling/Sommer sind Botaniker immer unterwegs  (Exkursionen, Doktorarbeit) und so komme ich relativ wenig zum Kochen, auch wenn ich wieder große Lust hätte, beispielsweise in die Spätzle-Massenproduktion einzusteigen oder andere nette Sache für meinen Tiefkühler vorzuproduzieren. Mal sehen wann ich wieder einen Tag Zeit habe, es wartet noch soviel auf mich, das unbedingt ausprobiert werden will … Aber so komme ich wenigstens mal dazu Euch ein wenig von meiner Reise nach Ungarn im letzten April zusammen mit Zwerg zu erzählen :-)

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Das "Café Gerbeaud" Außenansicht

Nicht nur Wien hat eine große und lange Kaffeehaustradition, auch Budapest, wobei sicherlich die eine Tradition mit der anderen zusammenhängt, von wegen k.u.k.-Monarchie. Eines der traditionellsten Häuser ist das „Café Gerbeaud„, das 1858 von einem Konditor namens Henrik Kugler eröffnet wurde. Dieser hatte ein paar Jahre später einen Geschäftspartner namens Emil Gerbeaud (daher der Name, offensichtlich), der viele Neuerungen, wie Buttercremes,Kirschwasserbonbon uvm. einführte. Aber mehr möchte ich nicht in der Geschichte des Cafés rumwühlen …

Die Inneneinrichtung (staunt und bewundert bitte jetzt!)

Das "Gerbeaud" von innen

Das "Gerbeaud" von innen

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

Andere Innenansicht der "Gerbeauds"

finde ich sehr schick. Eine Decke, deren Stuckverzierung dem Rokoko nachempfunden ist, Kronleuchter inspiriert von Kaiserin Maria Theresia (jetzt fragt mich nicht, wann die gelebt habt!) und Jugendstil-Möbel. *seufz* Ich liebe Jugendstil! Die Originaltische (weiß nicht, ob die immer noch im Café stehen, nach der Renovierung Mitte der 1990er) wurden von der Pariser Weltausstellung geholt. Jedenfalls alles sehr schick!

Leider wird es heutzutage fast nur noch von Touristen besucht (zu erkennen daran, dass sie sich erst nach dem Interieur umsehen und wild drauf los photographieren *g* wir ja auch :-D), hat aber trotzdem nichts von seinem Charme verloren. Wir hatten einen wirklich netten Kellner (unteres Bild, der Herr im weißen Hemd links hinten stehend), der uns alles erklärte (wir waren ja vorher noch nie in einem Kaffeehaus) und schnell bediente. Manche der ungarischen Herren haben eben doch noch den Charme, den man ungarischen Herren nachsagt *g* Oder vielleicht war er auch einfach nur froh mal jemand auf ungarisch bestellen zu hören *g*

Bei meiner Bestellung habe ich auch nicht gegeizt, wenn schon in einem traditionellen Kaffeehaus, will ich auch traditionelles Gebäck probieren, koste es was es wolle *g* So hatte ich einen Teller mit den

Gerbeaud-Klassiker

Gerbeaud-Klassiker

Waren die göttlich!!! Die Ungarn verstehen was von Torten. Meine Güte! Kann ja sonst Buttercremes und Schokolade nicht wahnsinnig viel abgewinnen, aber hier … Eine Offenbarung! Aber erstmal kurz erklären, was Ihr dort seht. Vorne links mit dem goldenen Karamell ist ein Würfel Dobos-Torte zu sehen, dahinter ein Würfel Eszterházy-Torte und auf der rechten Seite Gerbeaud-Torte.

Die Dobos-Torta wurde von József Dobos 1885  entwickelt, mit der Absicht eine länger haltbare und trotzdem schmackhafte Torte zu kreieren. Sie besteht aus sechs Schichten Biskuit, gefüllt mit Schokoladencreme und perfektioniert mit einer Schicht Karamell. Auch heutzutage wird sie noch nach dem Originalrezept gebacken :-) Sie ist wirklich, richtig fies-süß (wie alle ungarischen Süßigkeiten, Kuchen, Torten), aber ich sag Euch, der knackige Karamell im Gegensatz zum weichen Biskuit und der Creme. Ein Traum!
Die Eszterházy-Torte besteht aus diversen Schichten Mandel-Makronenteigböden, die mit einer Buttercreme  (wohl mit Cognac abgeschmeckt) bestrichen und geschichtet werden. Die fertige Torte wird mit einer Fondantglasur überzogen, die mit dem typischen Eszterházy-Muster verziert wird (gut erkennbar im Bild). Sie wurde wirklich nach einem Eszterházy benannt, der Außenminister während der k.u.k.-Zeit war. Mir war sie ein wenig zu süß und vielleicht hat mich auch der Alkohol ein wenig gestört, aber doch kann man empfehlen!
Die Torte, die mich am meisten überrascht hat, war die Gerbeaud-Torte. Sie scheint nur aus Schokolade zu bestehen! Ich hatte zuerst bedenken, ob es nicht zu schokoladig sein könnte (habs ja nicht so mit zu sehr nach Schokolade schmeckenden Schokoladen), aber die war soo lecker! Genau den  richtigen Grad an Süße, nicht zu schokoladig, nicht zu bitter, einfach nur großartigst! Traumhaft geradezu! Aber nach diesem Gelage mit einer heißen Schokolade dazu (ja ich weiß, es war ein Kaffeehaus, aber wenn man keinen Kaffee mag …) war ich total voll. Bezahlt habe ich ich für den Kuchen knapp 1100 Forint (umgerechnet damals ca. 4 €) und für die heiße Schokolade (ohne Sahne) 780 Forint, also knapp 3 €. Für eine Hauptstadt keine überteuerten Preise, oder?

Zwerg hatte sich ein

Himbeerkörbchen

Himbeerkörbchen

bestellt, dass auch sehr köstlich war. Knuspriger Boden, aus was für Teig auch immer (kenne mich ja nicht so gut aus) und reife, süßlich-säuerliche Himbeeren. Schön frischer Geschmack! Aber eben kein Klassiker der ungarischen Konditorenkunst ;-)

Ich kann es wirklich empfehlen einmal hinzugehen! Gehört zu Budapest dazu, wie das Parlament, dass man sich auch dringend angucken sollte. (Ha! Perfekter Übergang zur nächsten „Reklame für Budapest“ *g*)

Café Gerbeaud
Vörösmarty tér 7
1051 Budapest
http://www.gerbeaud.hu

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13 Kommentare zu “Reklame für Ungarn: Budapest – Café „Gerbeaud“

  1. Steph 27. Mai 2009 um 08:25 Reply

    Das ist sooo gemein!
    Ich werd wohl in meinem ganzen Leben nicht nach Budapest kommen und da zeigst Du hier diese tollen Bilder und protzt mit den unglaublichen Torten – ich will sofort auch so einen Teller haben, nur, dass das Himbeerkörbchen auch noch mit drauf soll, so! ;o)

    Das Café ist wirklich wunderschön, kann ich mir denken, dass das von den Touristen nur so belagert wird. Danke für den tollen Bericht!

    Wird es noch eine Fortsetzung der Reiseberichte geben?

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  2. Buntköchin 27. Mai 2009 um 13:33 Reply

    Ich war bis jetzt nur einmal in Budapest und natürlich auch im Gerbeaud. Die Atmosphäre ist wirklich sensationell. Die Mehlspeisen unglaublich lecker und vielfältig. Ein Besuch ist eigentlich viel zu wenig um all das zu probieren, was da verlockendes angeboten wird. Wirklich ein „Muss-Besuch“ bei jedem Budapestaufenthalt.

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  3. Schnuppschnuess 27. Mai 2009 um 14:22 Reply

    Du machst es einer reiselustigen Bloggerin aber auch wirklich nicht leicht – ein Highlight jagt das andere, wie soll ich da bloß überall hinfahren und vor allem, wann?

    Zu Ungarn muss ich eine Geschichte loswerden: Am letzten Freitag saßen mein Mann und ich in einer Pension beim Frühstück. Am Nebentisch ein neureicher Autobahnrocker, wohl der Chef oder Arbeitgeber von zwei Herren, die aus Ungarn stammten und am gleichen Tag wieder in die Heimat flogen. Einer sprach sehr gut Deutsch und musste sich den Stuss anhören, den der kleine Gernegroß verzapfte. Wie er mit 200 über die Autobahn düst, wie toll er ist und was er alles regelt. Am Ende fragte er den einen Herrn, wie lange er denn vom Flughafen bis nach Hause bräuchte. Der Herr aus Ungarn sagte: „So ungefähr 2,5 Stunden“. Darauf der Heini: „2,5 Stunden??? Ist Ungarn denn so groß, dass man da so lange über die Autobahn fahren kann?“ Der Ungar sah mein Gesicht und ich sah sein Gesicht und wir mussten beide lachen. Gibt es sowas??? Ich habe mich richtig geschämt für den Typen.

    Budapest, darauf hätte ich auch richtig Lust!

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  4. Anikó 27. Mai 2009 um 19:25 Reply

    Steph: Wieso solltest Du nicht nach Budapest kommen? Es gibt Billigflüge von Hamburg dorthin und auch ein verlängertes Wochenende lohnt sich schon :) Ich bin auch gerne bereit Reiseführerin zu spielen :)
    Es wird definitiv noch Fortsetzungen geben, gibt noch viel zu berichten über mein zweites zu Hause. Aber eben alles Klein-Häppchenweise. (für kocharme Zeiten wie jetzt *g*)

    Buntköchin: So wirklich für einige Tage war ich jetzt auch das erste Mal in Budapest, obwohl meine gesamten 27 Lebensjahre jedes Jahr mindestens einmal bei der Verwandtschaft bin. Aber das Gerbeaud ist auch wirklich toll *seufz*

    Schnuppschnüss: Die Reisewut wirkt wohl gerade nur so. Fahre eigentlich jedes Jahr nach Ungarn zur Verwandtschaft (dafür nirgends anders in Ausland :-( ) und die meisten der Ziele hier in Deutschland sind arbeitsbedingt. Aber auch die Arbeitszeit-Exkursionen machen tierisch viel Spaß. Irgendwie scheine ich den richtigen Job für mich erwischt zu haben *g*
    Kann mir Dein Gesicht und das des Ungarn richtig gut vorstellen. Solche Leute kann man echt nicht ernst nehmen, oder?

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  5. Wienermaedel 27. Mai 2009 um 21:47 Reply

    wunderschön … Maria Theresia oder ungarisch Mária Terézia 1717-1780, 16 Kinder, das weiß die Österreicherin!
    Die Kuchen sind himmlisch, ich wollte schon die Namen aufsagen, dabei alles so gut erklärt.
    Ein toller Bericht.

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  6. Erich 27. Mai 2009 um 23:52 Reply

    Schöner Report. In meinen Plänen ist immer noch eine Fortsetzung der Donau-Fahrradtour bis Budapest, eigentlich bis zum schwarzen Meer. Von der Donauquelle kamen wir letztes Jahr in 5 Tagen bis Regensburg, auf dem Tandem. Mit dem neuen E-Rad kommt Frau H nun sicher noch besser voran und ich mit meinem Tourenrad auch.

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  7. lamiacucina 28. Mai 2009 um 15:54 Reply

    In diesem Kaffeehaus müsste Kleiderzwang herrschen. Stil 19. Jhdt.

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  8. Anikó 28. Mai 2009 um 17:46 Reply

    Wienermädel: Ups, so viele Kinder hatte die gute Kaiserin? Naja …

    Erich: Hmm, hört sich nach einer längeren Tour an, aber entlang der Donau ist wirklich schön :) Ein E-Rad, was ne tolle Idee :)

    lamiacucina: Du hättest mal meine Klamotten sehen müssen als ich drin war, alles andere als 19. Jhd.-stilsicher *räusper* Kam mir auch ein klitzekleines wenig underdressed vor …

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  9. gourmet 30. Mai 2009 um 11:21 Reply

    Das Angebot sieht toll aus, au man und ich war letztes Jahr erst dort. Hätte ich das doch nur vorher gewusst. :)

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  10. chriesi 2. Juni 2009 um 20:43 Reply

    Jetzt hab ich heimweh.

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  11. Anikó 2. Juni 2009 um 20:47 Reply

    gourmet: Ha! Das war ja nur ein Bruchteil des Angebots, gab noch viel mehr, aber weder mein Magen noch mein Portemonnaie hätten mehr mitgemacht *g*

    chriesi: Das tut mir leid, war nicht meine Absicht. Aber kenne das Gefühl, auch wenn mein Lebensmittelpunkt immer in Deutschland war, höre ich zur Zeit auch wieder gaaanz viel ungarische Musik und Radio ;-)

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  12. Miri 8. Februar 2011 um 21:44 Reply

    Hallo Anikó,

    im Gerbeaud waren wir letztes Jahr auch (unter anderem, zum Schluss war ich richtig im Zuckerwahn, nachdem wir von einem kavéhaz ins nächste getiegert sind). Ich fand die Eszterházy Torte dort auch sehr lecker.
    Warst du eigentlich auch im Ruszwurm, oben auf dem Burgberg (so hieß der glaub ich), in der nähe der Matthiaskirche? Das ist auch ein sehr schönes kleines Café und die Torten dort sind super lecker. Ich hatte eine Dobos Torte und mein Freund eine Art Kirschplunder. Der Wahnsinn, wirlich super lecker und (wohl weil nicht so bekannt) halb so teuer wie im Gerbeaud.
    LG
    Miri

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  13. Sangrail 17. November 2015 um 14:59 Reply

    Ja, Gerbeaud ist wunderschön und die Produkte waren immer hochwertig, aber leider ist die Caféleitung in letzter Zeit wohl verrückt geworden. Zuerst schaffen sie die weltberühmte Dobos-Torte ab (sie ist dann, wahrscheinlich nach mehreren Beschwerden, wieder im Sortiment aufgetaucht), dann erhöhen sie die Preise fast um das 3fache (von 900 Forint auf 2500, plötzlich, innerhalb von wenigen Monaten – das sind jetzt 9-10 Euro pro Stück Törtchen!!!), und schliesslich lassen sie in den historischen Räumlichkeiten die dummste Supermarktmusik aus den Lautsprechern erschallen, wie ich letzte Woche zu meinem Unbehagen feststellen musste. Den Einspänner (festes Bestandteil der mitteleuropäischen Kaffeekultur) gibt es auch nicht mehr, das hässliche Werbeporzellan von Meinl schon und das unfreundliche Service nach wie vor. Schade, wirklich Schade.

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