Archiv für den Monat Oktober 2009

Kürbisgulasch, die bäuerliche Variante

Frau Buntköchin und ich entstammen einer äußerst ähnlichen Küchentradition, nämlich der österreich-ungarischen oder ungarisch-österreichischen, je nachdem von welcher Seite der Grenze man kommt ;-) So erinnern mich einige von Frau Buntköchins Rezepte doch sehr an Gerichte der ungarischen Familienhälfte.

Letztens verbloggte sie ein Kürbisgulasch (ungarisch tökpörkölt, ausgesprochen wie geschrieben), dass mir ebenfalls sehr bekannt vor kam. Es bestach durch äußerst aparte orange Farben und auch die Zubereitungsweise und Würzung war sehr raffiniert, großstädtisch bin ich geneigt zu sagen;-) Meine Variante ist eher eine bäuerliche, die mir durch eine junge Frau aus einem winzigen Dorf während meiner Diplomarbeitsuntersuchungen 2006 verraten wurden. Von meiner eigenen Mischpoke kenne ich kaum Kürbisrezepte, weil ich meistens im Hoch- bis Spätsommer dort bin und dann einfach noch keine Kürbissaison ist, bis auf den Patisson (hier die frittierte Version)  im Spätsommer. Wahrscheinlich wird Kürbisgulasch sogar gekocht, aber eben zu spät für unsere Besuche …

Ich benutze sehr gerne Patissons, weil sie einen sehr feinen, leichten Kürbisgeschmack haben. So richtiger Kürbis (Hokkaido, Butternut etc.) schmeckten mir früher zu stark nach Kürbis. Zuerst war ich bei diesem Rezept skeptisch, ob das funktionieren kann. Die Dame meinte nur, ich sollte einen normalen Gulaschansatz kochen und statt des Fleisches die Kürbiswürfel einrühren.
Ok, gesagt, getan: Zwiebelwürfel langsam anschwitzen, Topf vom Herd, ordentlich Paprikapulver drauf, Kürbiswürfel rein, salzen, pfeffern, Wasser drauf, ein Wenig Majoran und köcheln lassen *skeptisch-in-den-Topf-guck* Ob das schmecken wird? Nach 10 Minuten das erste Mal den Deckel gelüftet – guter Duft – reingepiekt in einen Kürbiswürfel – *kopfschüttel* – Nee, noch nicht gar. *warten* Nach weiteren 5 Minuten nochmal versucht und ja, ist durch. Schnell noch saure Sahne mit etwas Mehl ver- und untergerührt. Nach dem Aufkochen einen Löffel probiert und – oh, Gott! – total großartigst! Extrem lecker! Feiner Kürbisgeschmack, saftiges Gulasch *glücklichguck*

Und demnächst wird dann mal die großstädtische Variante ausgetestet :-)

Kürbisgulasch – Tökpörkölt

Zutaten für 2-3 Portionen:
1 mittelgroßer Patisson, geschält und in größere Würfel geschnitten (gehen aber auch andere geschmacksintensivere Sorten)
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
etwas neutrales Öl
2 TL Paprikapulver edelsüß
getrockneter Majoran
ca. 100 g saure Sahne
2-3 TL Mehl

(1) Das Öl einem Topf bei mittlerer Hitze heiß werden lassen. Zwiebelwürfel zugeben und ganz langsam schmurgeln lassen, bis sie schön glasig, süß sind. Zwiebeln sind wichtig zur Bindung der Sauce, deswegen schön langsam dünsten, weil die Gesamtkochzeit ja nicht so wahnsinnig lang ist.
(2) Den Topf von der Flamme nehmen und das Paprikapulver zugeben. Das vom Herd nehmen ist wichtig, damit der Paprika nicht verbrennt und bitter wird. Die Kürbiswürfel zugeben und zurück auf den Herd. Salzen, pfeffern, Majoran dazu und kurz andünsten lassen. Wasser drauf, so dass der Kürbis nicht ganz bedeckt ist.
(3) Circa 15 Minuten leise köcheln lassen bis der Kürbis weich, aber nicht zerfallen ist (muss bei anderen Sorten natürlich angepasst werden).
(4) Währenddessen das Mehl gut in die saure Sahne rühren. Die Mischung in das fertige Gulasch rühren, kurz aufkochen lassen bis die Sauce sich bindet.

Guten Hunger!

Dazu Salzkartoffeln und auf jeden Fall was eingelegtes wie Gewürzgurken, Weißkohlsalat oder ähnliches.

Quelle: meine Wenigkeit

Geschmack: +++
Zeit: ++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: +

Ein pinker Gegenentwurf zum orangen Blogherbst oder Kartoffel-Rote Bete-Salat mit Feta und Minze

Während sich in den Blogs derzeit hauptsächlich orange Farben tummeln, findet sich auf meinem Teller etwas kreischend rot-pinkes wieder :-) Im Kleinstgarten wurden etliche Rote Beten angebaut, worüber ich mich wie ein Schnitzel freute, da ich Rote Bete abgöttisch liebe! Toller, warmer, erdiger, süßlicher Geschmack, wenn sie gekocht werden und auch roh ein Genuss (hier mal in Form eines Carpaccios). Vor ca. 4 Wochen haben die Mitgärtnerin und ich die Schätzchen aus der Erde geholt. Leider sind sie mittlerweile ein wenig weich geworden :-( Zwar wollte ich noch einen Teil davon verarbeiten, bevor ich zu meinen Untersuchungen an die Elbe fuhr, aber dann kam ja die doofe Erkältung dazwischen und ich blieb auch noch ungeplant länger, also wird es höchste Zeit die köstlichen Knollen zu verarbeiten.

Da auch noch eine Tüte Kartoffeln darauf wartete verarbeitet zu werden (reiste auch schon durch die halbe Republik von Lenzen nach Kassel) und ich ein unbestimmtes Verlangen nach Kartoffelsalat hatte, lag die Entscheidung nahe.
Aber in welche Richtung sollte es gehen? Welches Dressing? Was noch für Zutaten? Bei Frau Kochschlampe hatte ich mal Rote Bete mit Minze gesehen und konnte es beim Lesen förmlich schmecken :-) Also musste die auch mit rein (Bürofensterbank-Kräutersammlung sei dank hab ich frische *g*), dazu ein einfaches Zitronen-Olivenöl-Dressing … Früher dachte ich, dass zu Kartoffelsalat ein milchiges Dressing gehört, aber nachdem beim Ligurischen Kartoffelsalat das Essig-Öl-Dressing so gut funktionierte, bin ich von dem Vorurteil weg …Ich hatte auch noch fettreduzierten Feta da (nicht fragen wieso und woher …), der auch noch mit reingekrümelt wurde.

Also frisch ans Werk und diesen farbenfrohen, sättigenden, frisch zitronig-minzig schmeckenden Salat fabriziert. Dauert auch wirklich nicht lange, weil er nicht stundenlang durchziehen muss und lauwarm eigentlich am Besten schmeckt. Man kann ihn aber auch sehr gut am nächsten Tag mit ins Büro nehmen, immer noch sehr lecker :-) Wer mag kann ein gekochtes Ei oder etwas Kurzgebratenes dazu essen, mir langte der Salat pur völlig.

Kartoffel-Rote Bete-Salat mit Feta und Minze

Zutaten für 3 Portionen:
2 größere Rote Bete-Knollen
10 kleine, etwa gleich große Kartoffeln
1/2 Bund Frühlingszwiebeln
1/4-1/2 Bund Pfefferminze
Saft 1 Zitrone
1 TL Honig
Salz, Pfeffer
doppelt soviel Olivenöl wie Zitronensaft
200 g Feta

(1) Kartoffeln und Rote Bete in getrennten Töpfen in Salzwasser gar kochen. Meine großen Rote Bete Knollen dauerten doch um einiges länger als die kleinen Kartoffeln.
(2) Währenddessen die Frühlingszwiebeln putzen und in Ringe schneiden. Müssen nicht zu fein sein.
(3) Für das Dressing den Zitronensaft mit dem Honig, Salz und Pfeffer verrühren. Hier musste ich die Mischung ein wenig über den kochenden Kartoffeln erhitzen, damit sich der Honig auflöst. Das Olivenöl unter Rühren zugießen und so lange schlagen bis sich der Zitronensaft und das Öl vermischt haben, sprich eine cremige Emulsion entstanden ist.
(4) Die fertig gekochten Kartoffeln pellen und in größere Stücke schneiden. Ebenso die Rote Bete, wenn sie gar ist. Die Stücke sollten etwa gleich groß sein.
(5) Alle vorbereiteten Zutaten in einer Schüssel mischen. Die feingehackte Minze untermischen.
(6) Den Feta schick über den Salat krümeln. Lauwarm abkühlen lassen.

Guten Hunger!

Quelle: meine Wenigkeit ;-)

Geschmack: +++
Zeit: ++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: +

Blick aus dem Küchenfenster

kuechenfenster01Barbara war neugierig und fragte und seehr viele folgten. Und wie Frau Kaltmamsell schon feststellte, wohnen sehr viele in Einfamilienhäuser und augenscheinlich sehr idyllisch :-)

Damit kann ich nicht dienen *g* Ich wohne wie schon öfters erwähnt im „Klein-Ankara“ Kassels, nicht unbedingt der beste Stadtteil hier (gibt aber schlimmere), aber von vielen Familien bewohnt (hauptsächlich türkisch- und russischstämmig, aber hey hab ja auch ausländische Gene in mir *g*), nahe an der Uni sprich bin zu Fuß in 20 Minuten im Büro, billige Mieten, gute Infrastruktur, ziemlich nah an der Innenstadt (mitm Rad 15 Minuten) und ganz gute Lebensmittelbeschaffungsmöglichkeiten (ich liebe die türkischen Supermärkte hier!). Es ist eine Siedlung, die für die Arbeiter der nahen Industriefabriken gebaut wurde (entweder in den 20er/30er Jahren oder 50er Jahren des letztens Jahrhunderts) und dementsprechend nah stehen hier die Häuser.

Meine Küche geht in Richtung Osten raus und ist meistens so dunkel, dass ich auch im Sommer das Licht anschalten muss (siehe oben), wenn nicht gerade die Morgensonne herein scheint (wohne, seit ich vor sieben Jahren zu Hause ausgezogen bin nur noch in Ost-West ausgerichteten Wohnungen *sichwunder*). Auf dem breiten Fensterbrett hat zum Glück einiges Platz, was sonst auf den Arbeitsflächen keinen Platz mehr hätte: Toaster, Mörser, die ganzen Kochlöffel, Schmierseife (zur Rettung des Thymians), Kartoffelstampfer-Küchenrollen-Halter, diverse Gläser und Flaschen, die noch weggeräumt werden müssen und etliche Flaschen und Krüge, die rechterhand hinterm Kühlschrank versteckt sind. Direkt an die Küche schließt sich der Balkon an und deshalb auch das grobmaschige Netz, dass man draußen sieht. Es ist nicht für eine nicht-vorhandene Katze in meinem Haushalt, sondern gegen die unweigerlichen Tauben im Viertel. Vom Schlafzimmerfenster hab ich nochmal den Blick nach draußen photographiert (seit ich von zu Hause ausgezogen bin, schlafe ich auch nur noch in Richtung aufgehender Sonne *sichnochmehrwunder*):

kuechenfenster03

Zu sehen sind ein anderes Haus, Wiese, die bei gutem Wetter von Kindern frequentiert wird (ich liebe es, wieder in einer kinderreichen Gegend zu leben, endlich wieder Leben auf den Straßen um mich), Wäscheleinen, die im Sommer tags wie nachts immer belegt sind, kleines Trafo-Häuschen und sehr große Birke (schon beeindruckendes Exemplar), die zu jedweder Jahreszeit irgendeinen Teil von sich auf meinem Balkon verteilt *seufz*

Es gibt definitiv schönere Ausblicke, wie mehrfach gesehen, aber ich bin zufrieden und muss ja noch Steigerungsmöglichkeiten geben ;-)

Home, sweet home!

Ich bin zurück … und total fertig!

Ach was freue ich mich über meine eigene Küche, mein eigenes winziges Badezimmer, mein eigenes Bettchen … und nach einer langen Heimfahrt – ich verfluche die B 4 nach Braunschweig, ich verfluche die LKWs dieser Welt, ich verfluche Staus auf der A 391! – für knapp 300 km hab ich 5,5 Stunden gebraucht, aaaaah! – werd ich mich jetzt auch in eben jenes begeben und versuchen auszuschlafen :-) Keine Spinnen in meinem Schlafzimmer, die über mich rüberklettern um in die nächste Zimmerecke zu kommen; keine Mücken, die mich an den Händen und Unterarmen 8 mal stechen … Nur wohlig, beruhigend-bekanntes Bett *freu* Gute Nacht allerseits!

Mehr die Tage, dann auch endlich wieder Rezepte …

Kleiner Zwischenbericht

Die zwei Wochen sind um und ich bin … noch nicht fertig *seufz* Hat doch alles länger gedauert als gedacht und am Anfang nicht so hingehauen wie erhofft, aber hey, Improvisation ist alles ;-) So werde ich wahrscheinlich noch eine Woche länger in Lenzen verbringen dürfen, was jetzt aber nicht schlimm :-)

Es macht wirklich Spaß den ganzen Tag draußen rumzulaufen und mir Pflanzen anzugucken, rauszufinden, was das vertrocknete Gras dort in der Ecke oder das wohlduftende Kräutchen dort sein mag. Was ich nicht so mag, sind die Spinnen, die mir (fast) überall begegnen und sind es oftmals große dicke, runde braune oder bunte *erschauder* Aber ich habe mir einen pinken Bambusstab gebastelt (mit Försterfarbe angesprüht *g*), mit dem ich gegen die fiesen Viecher und ihre Netze vorgehe, ha! Ich liege jedenfalls voll im Soll und wenn das Wetter nächste Woche mitmacht, werde ich fertig *freu* Aber es ist wirklich schön dort und man kann zur Zeit ’ne Menge Vögel beobachten, Graugänse die dort auf ihrem Zug nach ich-weiß-nicht-wo Rast machen oder Kraniche beim Fressen beobachten oder Schwäne, wie sie von einem Tümpel auffliegen. Schon idyllisch dort …

Dann ab (hoffentlich) übernächster Woche geht es hier weiter mit Rezepten (die noch vor meinen Untersuchungen) und ein paar Reiseberichten :-) Bis dahin noch etwas Geduld und wünscht mir bitte kühles, bewölktes, windiges Wetter, auf das es den Spinnen zu kalt ist ;-)

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