Archiv für den Tag 12. Januar 2010

Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung

Eigentlich sollte hier ein Artikel entstehen, wie stolz ich doch auf meinen ersten eigenen Strudel bin, den ich im Novemberurlaub für Herrn Papa backte (oder doch buk? Frau Kochschlampe?). Allerdings erstand ich bei meinem Berlinbesuch im Dezember ein ungarisches Kochbuch (nicht, dass ich nicht schon gefühlte 2000 hätte *g*) und dort wird genau beschrieben und gezeigt wie ein richtiger Strudel ausgezogen wird. Aus einem Stück Teig so groß wie ein Brötchen wird er so lang und breit wie ein Esstisch ausgezogen und größer, der Teig wirklich papierdünn. Und seit dieser Anleitung hab ich einen Strudelkomplex …

Jetzt kann ich mir auch erklären, warum der Apfelstrudel, den Claudio  hier so bildhaft beschrieb, so blättrig ist. Laut ungarischer Anweisung wird er papierdünn (ich kann es nicht oft genug schreiben *g*) ausgezogen,  nur mit den Händen kein Nudelholz, dann zweimal gefaltet (längs und quer), die Füllung nur in einem handbreiten Streifen darauf verteilt und aufgerollt. Bei so vielen Schichten papierdünnen Teiges kann er nur knusprig, splittrig, luftig werden. So sollte ein Strudel also sein, so war er bei mir definitiv nicht …

Er war zwar so dünn, dass ich die Kirschen von Frau Mamas Tischdecke durchscheinen sah, aber im Vergleich zu Papier, ist das eine dicke Winter-Steppdecke.

Trotzdem fand ich, sah das Endergebnis im Rohzustand sehr passabel aus, nur hab ich nicht genug Butter drüber geschöpft, bei Frau Kochschlampe sah ich dann, wieviel da wirklich drauf gehört. Unglaublich! Das nächste Mal dann … Als er dann endlich aus dem Ofen kam, war es doch ein ziemlich köstliches Strudelchen! Nur leider nicht knusprig, splittrig, luftig … Aber ich werde jetzt wohl öfter mal einen Strudel backen (Kulinarischer Neujahrsvorsatz Nr. 5) und üben, üben, üben :-)

Hier kommt dann noch das Rezept für den Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung, aus einem Backbuch meiner geliebten deutschen Oma von 1953. Ein großartiges Buch, aus dem ruhig öfter was backen könnte :-)

Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung

Für den Teig:
250 g Mehl
1/8 l Wasser
1 TL Salz
20 g Butter, geschmolzen
1 TL Weißweinessig

Für die Apfelfüllung:
30 g Butter, geschmolzen
Semmelbrösel
1 kg mürbe Äpfel
100 g Zucker
1 handvoll Rosinen
1 handvoll Mandelstifte
viel (50 g?) geschmolzene Butter zum Bestreichen

(1) Das Mehl auf eine Arbeitsfläche sieben und in die Mitte eine Vertiefung machen. Dort hinein die restlichen Zutaten geben und von der Mitte aus mit dem Mehl verrühren. Sehr gründlich mit der Hand durchkneten bis er elastisch und glänzend ist. Das hat hier so ca. 15-20 Minuten gedauert.
(2) Den Teig zu einer Kugel formen und mit Öl einstreichen. Auf ein Holzbrett legen und mit einer Schüssel abdecken. Auf diese Schüssel einen Topf mit heißem Wasser stellen. Circa 30 Minuten ruhen lassen (im Buch steht tatsächlich „rasten“. Schönes Wort!).
(3) Während der Teig sich entspannt, die Äpfel schälen und in kleine, schmale Stücke schneiden und mit dem Zucker, Rosinen und Mandeln mischen.
(4) Den Ofen auf ca. 180-200°C vorheizen (im Rezept steht nur Mittelhitze, was immer das heißen mag *seufz*).
(5) Auf einem Tisch eine Tischdecke ausbreiten und gleichmäßig dünn bemehlen. Den ausgeruhten Teig, der jetzt wunderbar elastisch sein sollte, erst mit dem Nudelholz ausrollen, dann mit der Hand vorsichtig so dünn ausziehen, dass man das Muster der Tischdecke unten drunter erkennen kann.
(6) Den Strudel mit der geschmolzenen Butter bestreichen, die Semmelbrösel dünn drauf streuen. Dann die Apfelfüllung gleichmäßig verteilen.
(7) Die längeren Seiten ein wenig einschlagen und den Strudel von der schmalen Seite mit Hilfe der Tischdecke aufrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtem Backblech hieven. Ordentlich mit der geschmolzenen Butter bestreichen und für ca. 45 Minuten im Ofen backen, bis er goldbraun ist.

Etwas abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und mit Puderzucker bestreut servieren oder mit Vanilleeis oder Vanillesauce :-)

Quelle: Verlag für die Frau (Herausgeber): Unser Backbuch. Verlag für die Frau – Leipzig. 1953

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