Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung

Eigentlich sollte hier ein Artikel entstehen, wie stolz ich doch auf meinen ersten eigenen Strudel bin, den ich im Novemberurlaub für Herrn Papa backte (oder doch buk? Frau Kochschlampe?). Allerdings erstand ich bei meinem Berlinbesuch im Dezember ein ungarisches Kochbuch (nicht, dass ich nicht schon gefühlte 2000 hätte *g*) und dort wird genau beschrieben und gezeigt wie ein richtiger Strudel ausgezogen wird. Aus einem Stück Teig so groß wie ein Brötchen wird er so lang und breit wie ein Esstisch ausgezogen und größer, der Teig wirklich papierdünn. Und seit dieser Anleitung hab ich einen Strudelkomplex …

Jetzt kann ich mir auch erklären, warum der Apfelstrudel, den Claudio  hier so bildhaft beschrieb, so blättrig ist. Laut ungarischer Anweisung wird er papierdünn (ich kann es nicht oft genug schreiben *g*) ausgezogen,  nur mit den Händen kein Nudelholz, dann zweimal gefaltet (längs und quer), die Füllung nur in einem handbreiten Streifen darauf verteilt und aufgerollt. Bei so vielen Schichten papierdünnen Teiges kann er nur knusprig, splittrig, luftig werden. So sollte ein Strudel also sein, so war er bei mir definitiv nicht …

Er war zwar so dünn, dass ich die Kirschen von Frau Mamas Tischdecke durchscheinen sah, aber im Vergleich zu Papier, ist das eine dicke Winter-Steppdecke.

Trotzdem fand ich, sah das Endergebnis im Rohzustand sehr passabel aus, nur hab ich nicht genug Butter drüber geschöpft, bei Frau Kochschlampe sah ich dann, wieviel da wirklich drauf gehört. Unglaublich! Das nächste Mal dann … Als er dann endlich aus dem Ofen kam, war es doch ein ziemlich köstliches Strudelchen! Nur leider nicht knusprig, splittrig, luftig … Aber ich werde jetzt wohl öfter mal einen Strudel backen (Kulinarischer Neujahrsvorsatz Nr. 5) und üben, üben, üben :-)

Hier kommt dann noch das Rezept für den Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung, aus einem Backbuch meiner geliebten deutschen Oma von 1953. Ein großartiges Buch, aus dem ruhig öfter was backen könnte :-)

Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung

Für den Teig:
250 g Mehl
1/8 l Wasser
1 TL Salz
20 g Butter, geschmolzen
1 TL Weißweinessig

Für die Apfelfüllung:
30 g Butter, geschmolzen
Semmelbrösel
1 kg mürbe Äpfel
100 g Zucker
1 handvoll Rosinen
1 handvoll Mandelstifte
viel (50 g?) geschmolzene Butter zum Bestreichen

(1) Das Mehl auf eine Arbeitsfläche sieben und in die Mitte eine Vertiefung machen. Dort hinein die restlichen Zutaten geben und von der Mitte aus mit dem Mehl verrühren. Sehr gründlich mit der Hand durchkneten bis er elastisch und glänzend ist. Das hat hier so ca. 15-20 Minuten gedauert.
(2) Den Teig zu einer Kugel formen und mit Öl einstreichen. Auf ein Holzbrett legen und mit einer Schüssel abdecken. Auf diese Schüssel einen Topf mit heißem Wasser stellen. Circa 30 Minuten ruhen lassen (im Buch steht tatsächlich „rasten“. Schönes Wort!).
(3) Während der Teig sich entspannt, die Äpfel schälen und in kleine, schmale Stücke schneiden und mit dem Zucker, Rosinen und Mandeln mischen.
(4) Den Ofen auf ca. 180-200°C vorheizen (im Rezept steht nur Mittelhitze, was immer das heißen mag *seufz*).
(5) Auf einem Tisch eine Tischdecke ausbreiten und gleichmäßig dünn bemehlen. Den ausgeruhten Teig, der jetzt wunderbar elastisch sein sollte, erst mit dem Nudelholz ausrollen, dann mit der Hand vorsichtig so dünn ausziehen, dass man das Muster der Tischdecke unten drunter erkennen kann.
(6) Den Strudel mit der geschmolzenen Butter bestreichen, die Semmelbrösel dünn drauf streuen. Dann die Apfelfüllung gleichmäßig verteilen.
(7) Die längeren Seiten ein wenig einschlagen und den Strudel von der schmalen Seite mit Hilfe der Tischdecke aufrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtem Backblech hieven. Ordentlich mit der geschmolzenen Butter bestreichen und für ca. 45 Minuten im Ofen backen, bis er goldbraun ist.

Etwas abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und mit Puderzucker bestreut servieren oder mit Vanilleeis oder Vanillesauce :-)

Quelle: Verlag für die Frau (Herausgeber): Unser Backbuch. Verlag für die Frau – Leipzig. 1953

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15 Kommentare zu “Winter-Steppdecken-Strudel mit Apfel-Füllung

  1. Arthurs Tochter 12. Januar 2010 um 09:17 Reply

    Ich glaub, wer auch richtig gut Strudel kann, ist Eline vom Küchentanz. Sie hat auch mal ein Rezept mit Bildanleitung dazu gebloggt.
    Reinbeißen in Deinen Strudel würde ich aber allemal! ;))

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  2. Hedonistin 12. Januar 2010 um 10:16 Reply

    Ich hab als Faustregel gelernt, dass eine Hand voll Teig so weit ausgezogen werden muss, dass sich ein Pferd samt Reiter einwickeln ließe. Nach einigen Jahren Training langts aber noch kaum für ein Zwergpony mit Liliputaner drauf … :-)

    Für den Blätterteig-Effekt sollten übrigens wenigstens 3-4 Lagen Teig (mit großzügig Fett dazwischen) übereinander sein, und darauf dann erst die Füllung aufgebracht werden.

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  3. lamiacucina 12. Januar 2010 um 12:16 Reply

    Wenn Pferd und Reiter Voraussetzung sind, um einen perfekten Strudel hinzubekommen, muss ich passen. Ich bin auch mit einer Steppdecke zufrieden.

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  4. Anikó 12. Januar 2010 um 15:26 Reply

    AT, er war auch lecker so für den ersten selbstgemachten Strudel überhaupt, aber wenn die ungarischen dagegen sehe. Ich muss noch viiiel üben …

    Frau Hedonistin, genau den Satz mit Pferd und Reiter hab ich auch gelesen in dem Buch und fast vom Glauben abgefallen ;-) Aber hey, bei Dir ist es immerhin schon ein Zwergpony, bei mir höchstens die Sattelfläche. Aber irgendein Ziel braucht der Mensch ja …

    lamiacucina, wenigstens einen hab ich dann wohl glücklich gemacht ;-)

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  5. Tanja 12. Januar 2010 um 15:52 Reply

    Das sieht aber schwer zu machen…Ich werde natürlich versuchen, aber … ;) Danke für das Rezept, mal sehen.

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  6. kochschlampe 12. Januar 2010 um 16:17 Reply

    Kommentar von der Seite: ‚buk‘ ist stilistisch schöner und historisch richtig, aber seit den gloriosen Rechtschreibreformen ist inzwischen ‚backte‘ auch gestattet. Da rollen sich mir allerdings immer noch die Zehennägel hoch.

    Und immer daran denken: Butter sparen grundverkehrt, Butter kräftigt, Butter nährt.
    Hat schon Opa Toni immer gesagt.

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  7. Buntköchin 12. Januar 2010 um 17:21 Reply

    Da würde ich mich jetzt auch gerne bei einem Stück Studel ausrasten.

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  8. la grosse mere 12. Januar 2010 um 23:00 Reply

    *kreisch* Strudel! Aaaaah, Strudel! lecker!!!!! Muß ich auch bald mal wieder…
    Strudelausziehen mach ich jetzt übrigens immer mit Öl – das hab ich bei einer Konditorenfreundin gelernt. D. h.: Arbeitsplatte mit Öl einpinseln, Teig mit Öl einpinseln, Rollholz mit Öl einpinseln (nicht über das Wort „putzen“ dabei nachdenken). Dann den Teig ausrollen und anschließend mit den Händen ausziehen – Geht auch gut, wenn man sich den Teig über den Unterarm hängt (ich hänge den Teig über den linken Unterarm, da ich Rechtshänderin bin) und dann mit der anderen Hand schön weiterzieht…
    Und wenn ich auch noch ungefragt einen kommentar zum Imperfekt von backen abgeben darf: ich bin auch für „buk“. Das klingt doch viel nobler.

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  9. Anikó 13. Januar 2010 um 11:10 Reply

    Tanja, einen Versuch ist es allemal wert :-)

    Frau Kochschlampe, in Zukunft werde ich soviel Butter verwenden, dass der Strudel schwimmt. Die knusprige, aber irgendwie blasse Oberfläche des Strudels mit ihrer komischen Beschaffenheit hat mich schon gestört, hoffe das wird durch Butter besser.

    Frau Buntköchin, wenn Sie mal in der Gegend sind, sagen Sie Bescheid und Ihnen wird ein Stück zum Ausruhen serviert :-)

    La grosse mere, so auf der Arbeitsplatte nur mit Öl? Wie krieg ich den Strudel dann gescheit aufgerollt? Ich denke, dass ist die Hauptaufgabe des Tuches, sonst wäre er mir wahrscheinlich überall gerissen. Aber das mit dem übern-Arm-legen werd ich beim nächsten Mal austesten :-)

    Kochschlampe und la gross mere, ich fand „buk“ hörte sich auch netter an, aber war unsicher, in Zukunft nur noch so!

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    • la grosse mere 13. Januar 2010 um 18:30 Reply

      oh, sorry, das war wirr geschrieben: ich roll erst den teig auf der beölten (beölt analog zu bemehlt?!) arbeitsplatte aus, zieh ihn dann aus, und wenn der teig dann groß genug (äh pferdedecke? ich weiß nicht. dünn halt…) über meinem arm hängt, kommt ein geschirrtuch auf die arbeitsfläche, das dann noch bemehlt wird (jaja, da kann man auch seine geschicklichkeit im einhändigarbeiten ausbauen!), dann kommt da der teig drauf, denn du hast recht: aufrollen ohne tuch geht nicht.
      mehl auf mein haupt, das nächste mal versuche ich gleich, klare vorgangsbeschreibungen zu liefern ;-)

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  10. Wienermaedel 13. Januar 2010 um 11:56 Reply

    Wunderbar ist dein Apfelstrudel gelungen, gratuliere.
    Kennst du dieses Video von der ungarischen, strudelziehenden Oma:
    http://klostersuppe-mit-haube.blogspot.com/2009/05/retes-strudel-1.html

    Liebe Grüsse

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  11. Petra 14. Januar 2010 um 15:59 Reply

    Sieht doch schon ganz gut aus! Seit ich meinen Strudelteig nach dem Rezept von Ilka mache, kann man wirklich Zeitung durch lesen. Schaut doch mal hier: http://blog.rezkonv.de/2007/09/11/apfelstrudel-mit-walnuessen/

    Das ausrollen, kurz ruhen lassen und mit Butter eintreichen (ich lasse dann nochmal kurz ruhen und die sanfte Methode bringen es meiner Meinung nach. Zumindest klappt seitdem bei mir der Strudelteig wunderbar.
    Viele Grüße und viel Spaß beim Üben – wenn du noch Testesser deiner Versuchsreihe brauchst, dann melde dich ;-)

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  12. mague 16. Januar 2010 um 15:15 Reply

    Ooooh wie phantastisch. Ich werde an Kindertage bei meiner ungarischen Großmutter erinnert.
    Die konnte das auch mit dem papierdünnen Teig.

    Ich habe es vor vielen, vielen Jahren einmal versucht, seitdem leide ich auch am Strudelkomplex :-(

    Ich freue mich, dass ich deine phanastische Seite bei der Suche nach ungarischer Bohnensuppe entdeckt habe.
    (Habe sie heute gekocht, war super lecker!)

    Hier gibts noch viel zu stöbern unr nach zu kochen.
    Ich freue mich drauf!

    Vielen Dank!
    mague

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  13. stampoasis 17. Januar 2010 um 21:56 Reply

    alle achtung! an strudel habe ich mich noch nie gewagt. dabei sind sie wieklich lecker. ich würde gern auch deine winter-steppdecke-variante gern mal probieren!

    witzigerweise habe ich heute auch was typisch ungarisches gebacken. mal sehen, ob du dies auch kennst;-)

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  14. […] über den Handrücken ausziehen kann, wie eben Strudelteig für einen echten, ausgewachsenen Apfelstrudel. Die Spinatfüllung war ein Traum: würzig, cremig, spinatig! Wirklich gut vorbereitbar ist sie […]

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