Sonntagstradition – Hühnerbouillon

Es gibt eine Tradition in Ungarn, die ich auf keinen Fall missen möchte und auf die ich mich wie Bolle freue, wenn ich ankomme: heiße Hühnerbrühe zum sonntäglichen Mittagessen! Dies scheint im ganzen Land bei jeder Familie verbreitet zu ein. Okay, auch mal mit anderem Fleisch zubereitet, zugegebenermaßen, aber eine klare Brühe als 1. Gang muss sein! Und das bei egal welcher Temperatur, dann schwitzt man halt ein bißchen mehr als ohnehin schon bei 35°C im Schatten, der Ungar an sich ist da hart im Nehmen ;-)

Jedenfalls lieben Zwerg und ich diese Suppen abgöttisch! Bei Zwerg geht es sogar so weit, dass sie sich nur von der Suppen (so 3-5 Teller) ernährt *g* Allerdings find ich, mache ich hier in Deutschland viel zu selten eine gute Hühnerbrühe, aber als ich letzten Freitag aus Lenzen zurück kam und kurz in Göttingen einen Halt einlegte, auch um fix einzukaufen, fand ein ganzes Hühnchen wie durch Zauberhand seinen Weg in meinen Korb. Wahrscheinlich ahnte mein Unterbewusstsein schon, dass ich mir ’nen grippalen Infekt eingefangen hatte und versuchte noch mit Hausmittelchen dagegen anzugehen. Auch das Suppengemüse wurde gekauft, nur die Petersilienwurzeln fehlten, die in Ungarn IMMER mit dabei sind, hier in Deutschland aber eher selten in Supermärkten anzutreffen sind. Schade!
Liebe Suppengrünproduzenten, baut doch bitte Petersilienwurzeln an und packt in Eure Suppengrünbunde so 1-2 Petersilienwurzeln! Zumindest ich wäre unendlich dankbar!
Wir (also Frau Mama und ich) kochen auch immer noch eine ganze Paprikaschote mit, vorzugsweise Spitzpaprika, die der Suppe noch ein besonderes Aroma gibt. Für Zwerg und mich werden auch immer mehr Möhren mitgekocht, weil wir die ganz besonders als Suppeneinlage schätzen, allerdings darf man nicht zu viele davon reintun, da die ganze Suppe sonst einen eigenartig süßlichen Geschmack bekommt. Unschön! Auch schneiden wir das Gemüse immer ganz grob, damit es nicht komplett verkocht und man noch ein bißchen zu kauen hat. Das gekochte Fleisch wird in Ungarn als Zwischengang vorm Hauptgericht meist mit etwas Meerrettich und frischem Weißbrot gegessen und nicht wie hier üblich mit in die Suppe gegeben. Was man in Ungarn sonst noch für komische Sachen zu gekochtem Fleisch isst, zeige ich dann im nächsten Post ;-)

Dieses Süppchen ist mir wirklich gut gelungen, fand ich. Hat wunderbar geschmeckt, wärmte schön von innen, das Gemüse noch bißfest und ich frage mich ernsthaft, warum ich das nicht öfters mache?! In Zukunft werde ich ganze Hühnchen kaufen, sie zerteilen (will ich eh üben) und das benutzen was ich brauche, die Reste und Knochen werde ich dann im Tiefkühler sammeln und zu Süppchen verkochen! Ha! Denn eigentlich ist es schade, dass ich diese schöne ungarische Tradition nicht weiter pflege …

Hühnerbouillon

1 ganzes Hähnchen (kein explizites Suppenhuhn)
3 Möhren
wenn vorhanden: 2 Petersilienwurzeln
1/4 Sellerieknolle
1 Zwiebel
1 Porreestange
3 Stengel Petersilie
1 Paprikaschote (wenn möglich Spitzpaprika)
Salz
12 Pfefferkörner
3 Nelken
3 Pimentbeeren
2 Wacholderbeeren

(1) Das Huhn waschen und zerteilen, die Keulen abtrennen, die Flügel ebenfalls. Den Rücken von der Brust schneiden. In einen großen Topf geben.
(2) Die Zwiebel von der äußeren Haut befreien und waschen. Porreestange ebenfalls waschen und putzen, höchstens einmal durchschneiden. Die Möhren schälen und je nach Länge und Dicke halbieren bis dritteln und einmal quer zerteilen. Den Sellerie schälen und ebenfalls nur grob zerteilen. Die Paprikaschote waschen und ganz lassen, die Petersilienstengel nur waschen. Das Gemüse zusammen mit den Gewürzen (alle als ganze Körner) zum Huhn in den Topf geben. Nur schwach salzen. Mit ca. 2 Liter kaltem Wasser auffüllen.
(3) Auf mittlerer Hitze langsam zum Kochen bringen. Ab dem Zeitpunkt des Aufkochens, 2 Stunden schwach simmern lassen. Vielleicht mal hingucken und auftretenden Schaum abschöpfen, ansonsten entspannen und den Duft, der durch die Wohnung zieht genießen :-)
(4) Nach den 2 Stunden testen wie das Fleisch ist, es sollte vom Knochen fallen. Das Fleisch und Gemüse vorsichtig herausholen und in getrennten Gefäßen aufbewahren. Die Suppe durch ein feinmaschiges Sieb in einen anderen Topf gießen (Wer noch weniger Schwebstoffe in der Suppe haben will, legt noch ein Küchentuch aus Mull in das Sieb).
Wenn man die Suppe gleich essen will und sie sehr fettig ist, einfach nacheinander ein paar Blatt Küchenkrepp auf die Suppenoberfläche legen und sie so entfetten. Wer sich gedulden kann, die Suppe gut abkühlen lassen, am Besten draußen und das fest geworden Fett absammeln.
In jedem Fall muss die Suppe aber noch mit Salz abgeschmeckt werden.

Zum Servieren kleine Suppennudeln (Sternchen, Fäden, Buchstaben) kochen und das Gemüse mit in die Brühe geben.
Was an Suppe zuviel ist, kann gut eingefroren werden.

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12 Kommentare zu “Sonntagstradition – Hühnerbouillon

  1. nata 30. Januar 2010 um 09:57 Reply

    Hihi, Hühnersuppe „auch mal mit anderem Fleisch zubereitet“ Gefällt mir gut. Ist sicherlich auch für Vegetarier eine tolle Alternative ;o)

    Nee, im Ernst, eine schöne Sitte, das mit der sonntäglichen Suppe. Auch, das Fleisch separat zu essen, gefällt mir gut, weil ich es in der Suppe nicht so gerne mag.

    Und Du hast recht: Man macht es viel zu selten. Eigentlich nehme ich mir regelmäßig vor, dass der Hühnersuppenvorrat im TK nie zuende gehen darf. Halte ich aber nie durch.

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  2. Schnick Schnack Schnuck 30. Januar 2010 um 11:05 Reply

    Eine schöne Tradition, die kenne ich auch noch von meiner Oma.

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  3. nina 30. Januar 2010 um 11:06 Reply

    Ich liebe Hühnersuppe!
    Aber ich enthäute vorher das Huhn, da es mir sonst zu fett ist.
    Aber auch andere klare Suppe esse ich richtig gerne.
    Das Suppenfleisch, wenn es Rind war, wurde bie uns als Saures Rindfleisch mit Kernöl gegessen. Sehr lecker! Meist noch mit kalen Käferbohnen und Zwiebeln.
    Bis meine Mutter angefangen hat zu diäten, gab es bei uns auch jeden Sonntag ein Vorsüppchen. Mir hätte das auch gegereicht, denn ich gehöre auch zu den Menschen die sich von Suppe ernähren können.
    Rosenkohl gab es immer in so einer ekeligen hellen Soße mit Speck. Und er schmeckte immer ranzig.

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  4. Anikó 30. Januar 2010 um 15:44 Reply

    Nata, ich glaube das war in meinem Leben die zweite selbstgemachte Hühnerbrühe, aber muss es wirklich öfter machen, es tut soo gut, sie zu essen! Und kostet jetzt auch nicht die Welt an Zeit und Geld …

    Frau Schnuck, haben Sie eine ausländische Oma oder war das auch mal hier in Deutschland eine Tradition? Von meiner deutschen Oma kenn ich das gar nicht, entweder es gab Suppe oder etwas anderes, nie zwei Gänge.

    Nina, da haben wir was gemeinsam ;-) Ich habe nur das gröbste Fett am Bauchraum und den Bürzel abgeschnitten, aber ich glaube ein bißchen Fett schade der Suppe nicht und mit Küchenkrepp kriegt man es wirklich ganz gut weg.
    Rosenkohl gab es bei uns immer ohne Sauce so im Ganzen gekocht und dann nur mit Butter und Muskatnuss gewürzt.

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  5. thequiltingpenguin 30. Januar 2010 um 17:42 Reply

    Bei uns war das auch Tradition, ob es daran lag, daß meine Omi ursprünglich aus dem ungar. Teil des Banat kam, oder ob es daran lag, daß wir oft Hühner geschenkt bekamen weiß ich nicht.
    Ich hab erst am Montag eine Hühnersuppe im slow cooker gemacht (für meine Tochter, die war krank)
    Bei uns in Wien gibt es GsD immer Petersilienwurzel beim Suppengrün dabei.
    lG

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  6. zwerg 30. Januar 2010 um 18:51 Reply

    ohh, ich will jetzt meine 5 Teller Suppe

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  7. lamiacucina 31. Januar 2010 um 16:25 Reply

    Im allemannischen Raum ist am Samstag Rindersuppe mit Siedfleisch und Meerrettich Tradition.

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  8. chriesi 1. Februar 2010 um 12:31 Reply

    Oh ja! Das darf nicht fehlen. Lecker!

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  9. Brenton 3. Februar 2010 um 16:37 Reply

    Meine Großeltern waren Donauschwaben und unsere gesamte Familie (mittlerweile alle in Deutschland) sind davon natürlich schwer beeinflusst. Ich lieeebe diese Suppen-Tradition in Ungarn.

    Bei uns kommt zusätzlich zum Huhn fast immer noch auch anderes Fleisch mit in die Suppe. Das macht das ganze ziemlich apart und gibt der Suppe eine noch kräftigere Note. Hier bei uns im Süden ist es auch absolut kein Problem Petersilienwurzeln (oder als Ersatz dann eben Pastinaken) ganzjährig zu bekommen. Ohne diese ist diese Suppe für mich nur eine „halbe Suppe“. Herrlich. Und dann wie schon geschrieben, das Fleisch als Zwischengang mit Kren zu verzehren. Lecker. Es kann durchaus auch mal vorkommen, dass Rinderzunge mit in die Suppe kommt, sowohl wie die Innereien des Huhns. Ich erinnere mich noch an Opa: Nach dem „Suppe fassen“ kam immer der Höhepunkt für ihn: ein Holzbrett, ein scharfes Messer und zack! lag der mitgekochte Hühnerkopf geteilt auf dem Brett. Wer „brav“ war hat was von dem „Besten“ abbekommen. Dem Hirn des Suppenhuhns! Soweit geht dann meine Liebe zur Tradition dann aber doch nicht…

    Brenton :-)

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  10. […] Suppenwinter geht in die Verlängerung! Nach der Hühnerbouillon vom vorletzten Wochenende und dem Paprikatopf, wurde hier (allerdings noch im Dezember) eine sehr […]

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  11. stampoasis 6. Februar 2010 um 23:50 Reply

    ich habe hier nieeeee eine hühnersuppe (oder aus anderem fleisch eine brühe) gekocht, weil für mich sie ohne petersilienwurzel unvorstellbar ist. erst als ich im letzten jahr petersilienwurzel bekommen habe, habe ich mich rangetrraut. und siehe: es wurde eine wunderbare hühnersuppe!

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  12. rebecca-lecka 9. Februar 2010 um 13:49 Reply

    Hmmm, immer wieder gut !

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