Archiv für den Monat Juni 2010

Heilige Dreifaltigkeit der ungarischen Spitzpaprika Teil II: Letscho/Lecsó

Heute steht Teil II der Heiligen Paprika-Dreifaltigkeit auf dem Programm ;-) Lecsó oder auf deutsch Letscho!

Es ist ein Klassiker der ungarischen Küche und eigentlich ein simples Sommer-Schmorgericht bestehend hauptsächlich aus Paprika, Tomaten und Zwiebel. Ich mache es ziemlich regelmäßig, weil es easy-peasy zu kochen ist und innerhalb von ’ner halben Stunde auf dem Tisch stehen kann. In Ungarn wird es als Hauptgericht gegessen und nicht nur als Beilage, im Gegensatz zu (Ost-)Deutschland, wo es gerne mal pseudo-ungarische Beilage zu gebratenem Fleisch ist ;-) Ich koche mir auch immer Lecsó auf Vorrat, damit ich den leckeren Geschmack auch im Winter genießen kann. Da gibt es zwei Möglichkeiten, entweder das abgekühlte Lecsó portionsweise einfrieren oder heiß in sterilisierte Gläser einfüllen, 10 Minuten auf den Deckel stellen und danach abkühlen lassen. Funktioniert beides gut :)

Für zwei Portionen werden 500 g ungarische Spitzpaprika in mitteldicke Ringe oder Streifen geschnitten (je nach Größe der Schote). Eine Zwiebel fein würfeln und ca. 250-300 g Tomaten (egal ob Cherry- oder normale Tomaten) ebenfalls in größere Stücke schneiden. Ein wenig Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze weich dünsten. Dann die Paprikastreifen dazu geben und ebenfalls kurz mit andünsten. Wer mag, kann 1 TL Tomatenmark dazu geben, damit das Lecsó etwas sämiger wird. Dann die Tomatenstücke dazu geben und mit Salz und Pfeffer würzen. Deckel drauf und ca. 20 Minuten sanft köcheln lassen. Bitte nicht wundern, dass es nach zu wenig Tomaten im Verhältnis zur Paprika aussieht, aber das Verhältnis 2:1  von Paprika zu Tomate, kommt hin und es wird saftig genug.
Eigentlich ist es nach den 20 Minuten fertig, nur noch mit ein wenig Zucker abschmecken. Aber wer mag, kann noch ein paar Würstchen (Wiener, Debrecziner o.ä.) klein schneiden und kurz vor Ende der Kochzeit mit dazu geben. In einigen Familie wird auch verschlagenes Ei im Letscho gestockt oder sie kochen eine handvoll Reis mit, damit die Kohlehydratbeilage gleich dabei ist. Ansonsten schmeckt frisches Weißbrot wirklich am Besten dazu. Einfach nur die sommerliche Köstlichkeit genießen!

Heilige Dreifaltigkeit der ungarischen Spitzpaprika Teil I: Töltött paprika – Gefüllte Paprika

Es gibt einen Feiertag Anfang des Sommers für mich, der in keinem Kalender steht. Ich weiß nie wann er da ist, kann nichts planen. Und welcher Tag ist es? Es ist der Tag an dem es in den Supermärkten wieder ungarische Spitzpaprika zu kaufen gibt :-) An diesem Tag werden dann alle schon gefassten Essenspläne über Bord geworfen und ich kaufe sofort mindestens 1,5 kg der tollen Schoten. Jetzt wird sich der ein oder andere Fragen: „Spitzpaprika gibt es doch in rot/grün fast immer beim Türken o.ä. zu kaufen?“ Ja, die türkischen oder auch marokkanischen Paprika gibt es schon wesentlich früher im Jahr zu kaufen, aber sie sind kein, so überhaupt kein Vergleich zu den ungarischen Spitzpaprika. Die ungarischen sind irgendwie dickfleischiger, duften schon viel intensiver und eher gelb als grün in der Farbe. Ich meine, diese Supermarkt-Paprika sind kein Vergleich zu denen, die ich im Sommerurlaub aus dem Garten meiner Tante pflücken werde, aber besser als nichts ;-)

So und was macht man mit den Schätzchen so? Bei mir gibt es drei Gerichte, die ich jedes Jahr aufs Neue koche, sobald ich sie bekomme und die nicht langweilig werden. Meine sogenannte „Heilige Dreifaltigkeit der ungarischen Spitzpaprika“! Ich hatte auch schon alle Gerichte hier im Blog vorgestellt, aber das war zu den Anfangszeiten, wo kaum noch jemand (außer Familie und einige Freunde) hier gelesen hat. Weil diese Gerichte aber zu meinen absoluten Lieblingsessen (Senfei ist immer noch Nr. 1, aber gleich danach …) zählen, möchte ich sie nochmal gesondert vorstellen. Vielleicht mag der ein oder andere ja nachkochen (wozu betreibe ich das kleine Blog schließlich *g*) und davon berichten.

Als erstes will ich ungarisch gefüllte Paprika vorstellen. Ich muss gestehen, ich habe noch nie deutsche gefüllte Paprika gegessen, aber im TV gesehen, dass sie wohl mit Hack gefüllt im Ofen gegart wird ohne großartig Sauce (korrigiere mich bitte jemand, wenn das falsch ist). Das ist bei der ungarischen Version nicht so, dort werden die Spitzpaprika zwar auch mit Hack gefüllt, allerdings kommt als Bindemittel Reis mit rein und sie werden im Topf in einer Tomatensauce geschmort. Diese Sauce wird dann zum Schluss mit ein wenig saurer Sahne plus Mehl gebunden und dann zu Kartoffeln oder Brot und einigen sauren Gemüsen wie Gurken oder Weißkohlsalat serviert. Überschüssige Hackmasse, die nicht mehr in die Schoten passt, wird einfach zu Klopsen gerollt und mit in die Sauce gegeben. Ein wirklich einfaches, bodenständiges Alltagsessen, aber trotzdem äußerst köstlich! Ich liebe es einfach …

Töltött paprika – Ungarisch gefüllte Paprikaschoten

Zutaten für 4 Hungrige:
500 g ungarische Spitzpaprika
500 g gemischtes Hack
125 g vorgekochter Langkornreis, 8 Minuten vorgekocht
1 Ei
2 kleinere Zwiebeln
1 Knoblauchzehen
1 TL Paprikapulver (edelsüß)
500 g passierte Tomaten
Salz, Pfeffer, Zucker
100 g saure Sahne (1/2 Becher)
2-4 TL Mehl
Öl

(1) Zuerst die Tomatensauce zubereiten. Dazu die eine Zwiebel und die Knoblauchzehe fein würfeln. In einem großen Topf einen Schuss Öl erhitzen, die Zwiebel und die Hälfte der Knoblauchzehe bei mittlerer Hitze glasig dünsten.  Das Tomatenpüree hineingeben und mit Salz, Pfeffer und einer großen Prise Zucker pikant würzen. Mit einer Tasse Wasser (150-250 ml) aufgießen. Die Sauce sollte nicht zu flüssig, aber auch nicht zu dickflüssig sein. Mit geschlossenem Deckel bei mittlerer Hitze köcheln lassen.
(2) Jetzt die Paprikaschoten vorbereiten. Dazu den Deckel abschneiden und die Samenstränge entfernen. Für die Hackfüllung die andere Zwiebel fein würfeln. Mit dem Hack, dem Ei, dem Reis, der anderen halben Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer, Paprikapulver vermischen. Gut durchkneten. In die ausgehöhlten Paprikaschoten stopfen. Das restliche Hack zu Bällchen formen.
(3) Alles in die köchelnde Tomatensauce geben und 30-35 Minuten bei geschlossenem Deckel schmoren lassen.
(4) Die saure Sahne mit dem Mehl gut verrühren, so dass keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Nach der Garzeit die Schoten aus der Sauce nehmen und das saure-Sahne-Mehl-Gemisch einrühren. Kurz aufkochen lassen bis die Sauce ein wenig eindickt. Die Schoten zurück in die Sauce und gleich servieren.

Dazu: Salzkartoffeln, eingelegte Gurken oder Gurkensalat oder Weißkohlsalat

Und genießen!

Sommer + Sonne + Wochenende = Grillen

Sommer? Kalendarisch seit dem 21. Juni. Check!
Sonne? Blick aus dem Fenster, strahlend blauer Himmel, gleißendes Sonnenlicht. Check!
Wochenende? Blick in den Kalender, morgen ist Freitag. Check!

Ein sonniges Sommerwochenende soll in den meisten Ecken Deutschlands anstehen, also versorge ich Euch noch auf die Schnelle mit den beiden Rezepten, die ich letztens für eine Grillparty machte, die zwei Freunde von mir gaben, um ihre erfolgreich bestandenen Diplome zu  feiern. Da vegetarisches Grillen ausdrücklich verboten war, ich aber überhaupt keine Lust auf gekauftes, fertig mariniertes Fleisch hatte, erinnerte ich mich an Jamie Olivers zweites Buch „The Return of the Naked Chef„, in dem er einige nasse und trockene Marinaden (Wie nennt man im deutschen eine trockene Marinade? J.O. nennt es „Rub“) vorstellt. Und da lachte mich eine Joghurt-Minz-Marinade an. Eigentlich kommt da noch Limette rein, aber weil ich hier Schwierigkeiten habe, unbehandelte Limetten zu bekommen, hab ich sie einfach durch Bio-Zitronen ersetzt. Eine wundervoll einfach zusammen zu bauende Marinade, die das Fleisch wirklich zart und köstlich macht. Auch klasse, dass man das Fleisch sowohl von 1 Stunde bis 36 Stunden und alles dazwischen marinieren lassen kann, also kein Stress. Falls doch mal kein Grillwetter ist, kann das Fleisch auch gut im Ofen zubereitet werden, gibt allerdings keine schick-dekorativen Grillstreifen wie bei meinem Hähnchenfleisch ;-)

Als Salat hatte ich einen Nudelsalat mitgebracht. Jetzt wird der ein oder andere denken: „Iirks, Nudelsalat!“ Dachte ich früher auch, hatte selbst ein paar Mal unangenehme Zusammentreffen mit Nudelsalaten in denen Dosenerbsen und komische Wurst plus zusätzlich noch viiel Mayonnaise waren. Ziemlich gruselig! Der hier (auf dem Pappteller auf 3 Uhr) hat zwar auch Kochschinken intus, aber noch anderes frisches Gemüse und Kräuter! Im Originalrezept aus dem Basic Cooking kommt zwar auch ein Winzigkeit Mayo rein, aber weil ich keine kaufe, sondern nur in dringenden Fällen selbst mache, hab ich sie diesmal weggelassen (zuviel Aufwand und die Party ging nachmittags los, dat war mir doch ’nen büschen zu heikel mit rohem Eierkram), einfach die Mayo durch Schmand ersetzt. Ging auch wunderbar! Insgesamt ein sehr toller Salat, der es schon in mein Standardrepertoire geschafft hat und sogar die ebenfalls sehr nudelsalatskeptischen Eltern überzeugen konnte :-)

Und jetzt die Originalrezepte für diejenigen, die zum Achtelfinale am Sonntag grillen wollen oder sich einfach einen schönen Abend im Garten machen wollen.

Joghurt-Limetten-Minz-Marinade

Für 6-8 Portionen Fleisch:
500 g Natur-Joghurt
2 handvoll frische Minze, kleingehackt
Zeste und Saft von 2 Limetten (hier: 1 Zitrone)
1 EL Koriandersamen, im Mörser zerstoßen
Salz, Pfeffer
guter Schluck Olivenöl

Alle Zutaten mischen und über das Fleisch der Wahl streichen. 1-36 Stunden marinieren lassen und dann grillen, braten oder im heißen Ofen backen.

Quelle: Oliver, Jamie (2000): The Return of the Naked Chef. Penguin Books. Seite 194

Perfekter Party-Nudelsalat

Zutaten für 6-8 Portionen auf dem Buffet:
250 g Hörnchen- oder Spiralnudeln
Salz
200 g gekochter Schinken
150 g mittelalter Gouda
1 Bund Radieschen
½ Salatgurke
1 Bund Schnittlauch
1 Bund Dill
2-3 EL Mayonnaise (hier: Schmand)
2-3 EL Joghurt
2-3 EL Weißweinessig
Pfeffer aus der Mühle
2-3 EL Sonnenblumenöl

(1) Nudeln in kochendem Salzwasser nach Packungsbastelanleitung gar kochen. Abgießen und abschrecken, damit sie nicht nachgaren und doch noch matschig werden.
(2) Währenddessen den Schinken (ohne Fettrand) in Streifen schneiden und den Käse grob raspeln. Das Grün der Radieschen abschneiden, waschen, trocknen und in feine Scheibchen schneiden. Die Gurke schälen (hier: nicht gemacht, ich mag die Schale, einfach waschen vorher) und in kleine Würfel schneiden. Die Kräuter ebenfalls waschen und fein hacken.
(3) Die Mayonnaise mit dem Joghurt und Essig verrühren, salzen und pfeffern. Als letztes das Öl unterrühren.
(4) Die Nudeln mit den restlichen Zutaten mischen, die Sauce drüber gießen und durchziehen lassen (bei selbstgemachter Mayo nicht zu lange und im Sommer lieber ganz weglassen).
Vor dem Servieren nochmal abschmecken und

genießen!

Quelle: Sälzer, Sabine, Dickhaut, Sebastian (1999): Basic Cooking. Gräfe und Unzer Verlag – München.

Oder vielleicht doch ein paar andere Pasta-Salate?

Tomatensalat-Pasta

Ich bin jemand der eigentlich jeden Tag eine warme Mahlzeit braucht. Jetzt muss das nicht bei hochsommerlichen Temperaturen unbedingt eine heiß-dampfende Hühnerbrühe sein, auch wenn das als halbe Ungarin natürlich geht und sich jeden Sonntag gehört, wenn ich im Sommer die Verwandtschaft besuche ;-) Aber so für mich koche ich nicht mal eben nach Feierabend ’ne Hühnersuppe.

Was allerdings immer geht an schwül-heißen Tagen, ist ein Tomatensalat und damit der wenigstens lauwarm wird, werden einfach ein paar frisch gekochte Nudeln drunter gemischt. Es ist ein wirklich wunderbares Sommeressen, wenn man Tomaten mag ;-) Er ist superfix zubereitet, gesund und leicht. Wird es bei mir die nächsten Wochen wohl noch öfter geben, wenn das Wetter richtig Sommer macht!

Tomatensalat-Pasta

Zutaten für 2 Portionen:
1 Kugel Mozzarella
2 Frühlingszwiebeln
2 handvoll Tomaten (möglichst bunt gemischt)
1 handvoll Rucola
Salz, Pfeffer
1-2 TL Balsamico-Essig
großer Schluck Olivenöl
Prise Zucker

ca. 200-250 g Pasta (eher Fussili als Spaghetti, der besseren Essbarkeit wegen)

(1) Wasser für die Nudeln aufsetzen. Wenn das Wasser kocht, salzen, Nudeln dazu und laut Packungsanweisung al dente garen.
(2) Den Mozzarella in gröbere Würfel schneiden oder rupfen. Die Frühlingszwiebel putzen, waschen und in feine Ringe schneiden. Tomaten in gefällige Stücke schneiden und dazu geben. Zum Schluß den Rucola waschen, trocknen und in etwas handlichere Stücke schneiden. Alles gut mischen.  Mit Salz, Pfeffer und Zucker würzen. Den Balsamico und das Olivenöl darüber geben und gut durchmischen.
(3) Die abgetropften Nudeln zu dem Salat geben und

genießen!

Kann man auch in einer größeren Portion als Grillbeilage zubereiten oder ins Büro mitnehmen.

Ich brauche dringend Spargel zum Feierabend oder Spargel-Tomaten-Pasta

So, noch 8 Tage für alle Spargel-Verrückten! Dann ist Schluss, bis zum nächsten Jahr!
Da bei mir tatsächlich manchmal ein paar einsame Spargelstangen übrig bleiben von so ’nem 500 g-Bund, brauchte ich eine Lösung, die alltagstauglich auch für eine Person ist. Und Natas Standard-Rezept kam mir sehr Recht und bettelte mich förmlich an, dass ich es doch nachbastel.

Gesagt, getan! Es ist ja so einfach, so schnell, soo köstlich! Mehr kann man wirklich nicht sagen. Einfach nachmachen! Erst Recht für gestresste Menschen, die nach der Arbeit nicht mehr viel Zeit, Lust und Motivation haben groß zu kochen! Leider versteckt sich der Spargel auf dem Photo und auch sonst in dem ganzen Nudelgetümmel, aber umso freudiger ist die Überraschung, wenn man auf ein Stückchen beißt *g*

Spargel-Tomaten-Pasta

Für 1 Person:
5-7 Stangen Spargel (weiß oder grün)
1 Knoblauchzehe
5-6 Cherry-Tomaten
Olivenöl
Salz, Pfeffer
große Prise brauner Zucker

1 Portion Pasta (ca. 100-150 g)

Parmesan

(1) Salzwasser für die Pasta aufsetzen.
(2) Spargel schälen und in längere Stücke schneiden. Den Knoblauch fein hacken und die Tomätchen vierteln.
(3) Die Nudeln ins kochende Wasser geben und nach Packungsanweisung garen. Einen Schluck Olivenöl in die heiße Pfanne geben und den Spargel anbraten. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise braunem Zucker würzen.
(4) Kurz bevor der Spargel gar ist, das dauert so ca. 10 Minuten den Knoblauch ganz kurz dazu geben,  dass er nur sein Aroma abgibt und die Tomatenviertel hinein schütten und schmelzen lassen. Nochmals abschmecken.

Mit der abgegossenen Pasta vermischen, Parmesan mit der Lieblingsreibe drüber flocken und

Genießen!

So, das war’s dann auch erstmal mit Spargel-Rezepten für dieses Jahr, nächstes Jahr muss neues ausprobiert werden, falls doch noch Bedarf an anderen Spargel-Köstlichkeiten besteht:

Umwickelter Spargel im Ofen

So als Wald-und-Wiesen-Biologe kriege ich eigentlich alles an Jahreszeiten und Wettern mit, erst Recht, wenn man wegen der Doktorarbeit auch im tiefsten Winter raus muss. Man sollte glauben, dass ich dadurch auch die ganzen Köstlichkeiten der Natur genießen kann, das Scharbockskraut oder den Bärlauch etwa. Aber Pustekuchen, ich zeig die Pflänzchen brav meinen Studenten und gehe weiter, um andere interessante Tatsachen zum Wald zu erklären und es bleibt nicht eine Minute Zeit, um ein wenig Bärlauch für’s Pesto zu sammeln *seufz* Und so zieht der Frühling ins Land (mittlerweile ist Sommer), ich bin viel unterwegs, habe viel Arbeit, komme kaum zum Kochen und alle Saisonsachen gehen an mir vorbei … Fast wäre mir dasselbe mit dem Spargel passiert. Ich bin jetzt nicht der größte Spargel-Fan der Welt und warte auch nicht sehnsüchtig auf die Saison, aber als ich die vielen, tollen Rezepte in den diversen Blogs las, wollte ich doch auch dringend welchen essen.

Und jetzt kurz vor Ende der Saison (Gott, ist wirklich schon wieder Mitte Juni?) komme ich auch dazu sie zu verbloggen, ihr habt also noch 10 Tage Zeit, um diesen leckeren Spargel aus dem Ofen auszutesten :-) Gefunden hatte ich es bei Orsi von Nokedlis und wußte sofort, dass die Version ausprobiert werden muss. Und was soll ich sagen: ein Traum! Knackiger Spargel im eigenen Saft geschmort mit einer klitzekleinen Specknote. Dazu ein paar neue Pellkartöffelchen und ich bin glücklich :-) Also falls ihr da draußen genug von Spargel mit Sauce Hollandaise habt, probiert diese feierabendtaugliche Version aus!

Im Ofen gebackener umwickelter Spargel

Zutaten für 1 Person:
12 Spargelstangen (hier weiß, geht auch grün)
3 Scheiben Bacon
Salz, Pfeffer
große Prise brauner Zucker
Olivenöl
2 Tomaten

(1) Den Ofen auf 200°C vorheizen. Eine Auflaufform bereit stellen.
(2) Den Spargel schälen. 3 Baconscheiben auslegen und jeweils 4 Stangen Spargel in eine Scheibe einwickeln.
(3) Die Päckchen in eine Auflaufform legen. Mit Salz, Pfeffer, dem braunen Zucker würzen und mit Olivenöl beträufeln.
(4) Die Auflaufform mit Alufolie gut verschließen. In den Ofen schieben und 30 Minuten schmoren lassen (grüner Spargel 5-10 Minuten weniger).
(5) In der Zwischenzeit die Tomaten waschen und vierteln oder sechsteln. Die Auflaufform heraus holen, Folie entfernen und die Tomaten zum Spargel geben. Den Spargel wieder zurück in den Ofen und nochmal ca. 10 Minuten offen im Ofen backen, dass der Bacon auch etwas knuspriger wird.

Und genießen!

Dazu: neue Kartöffelchen

Quelle: Nokedlis – a megunhatatlan sült csirág – schon wieder: gebackener spargel

Oder doch lieber ein etwas aufwendigeres Rezept? Dann hier bitte gucken:

Werbung für Deutschland: Ausflug in den Harz

Ein Vorteil meines Job als Biologin, genauer Wald-und-Wiesen-Botanikerin ist, dass ich rein dienstlich wirklich schöne Landschaften zu Gesicht bekomme und auch noch (mit ein bißchen Recherche) ergründen kann, wieso die Landschaft so aussieht wie sie aussieht und was so für Pflanzen und Tiere in/auf ihr Leben. Alles Vorbereitungen, um den Studenten auf den Exkursionen auch qualifiziertes Wissen vermitteln zu können ;- ) Wenn ihr auf den folgenden Link klickt Harz-Ausflug, kommt ihr zu einer größeren Google Maps-Karte, wo ihr genau seht, wo sich unsere Ausflugsziele befinden (wenn mir jemand erzählen könnte, wie ich eine Google-Maps-Karte hier richtig als Karte reingebastelt bekomme, wäre ich demjenigen wahnsinnig dankbar!). Der Harz ist das nördlichste der deutschen Mittelgebirge und ist Teil von Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, war also dementsprechend zu Zeiten des Kalten Krieges auch in DDR und BRD geteilt.

Unser erstes Ziel war das Naturschutzgebiet „Rotes Bruch“ bei Benneckenstein in Sachsen-Anhalt, also ehemalige DDR. Das ist wichtig zu wissen, weil das Gebiet im Dreiländereck zwischen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen liegt und somit Grenzgebiet war. Es war in dem 1000m-Bereich der DDR-Grenze, den niemand betreten durfte (wie auch mein Untersuchungsgebiet an der Elbe bei Lenzen), dementsprechend konnte sich die Natur über 40 Jahre (oder so) ungestört entwickeln. So sind dort sehr feuchte Wiesen neben etwas trockneren zu finden, was im Bild oben sehr gut zu sehen ist durch die weißen Flecken. Diese Flecken sind alles Bärwurz-Pflanzen (Bild unten), die nur auf frischen, aber nicht feuchten Wiesen wohnen. Die Bärwurz (Meum athamanthicum) gehört zu den Doldenblütengewächsen wie auch die Möhre, Petersilie oder Pastinake. Sie kommt nur in der montanen Stufe der Mittelgebirge vor, so ab etwa 450 m auf Wiesen vor und ist äußerst aromatisch, weswegen sie auch zum Brennen von dem Bärwurz, einem Schnaps genutzt wird.

Eine weitere typische Art, die man dort findet ist der Europäische Siebenstern (Trientalis europaea), niedlich nicht? Er mag saure, rohhumusreiche Böden und lebt dementsprechend am liebsten in lichten Laub- und Nadelwäldern oder an Niedermooren, entlang von Bächen.

Auch das Maiglöckchen (Convallaria majalis) kann man dort noch im Juni, auch außerhalb von Wäldern finden.

Was typisch für das „Rote Bruch“ ist, sind die Niedermoorbereiche. Also Moore, die zwar schon Torf gebildet haben, aber ihre Nährstoffe für die Pflanzen aus Fremdwasser aus dem Boden und durch den Abbau von Pflanzenmaterial während Trockenphasen bekommen. Es sind geschützte Lebensräume, da der Mensch sehr stark eingegriffen hat, die Moore teilweise entwässert hat, Torf gestochen hat und so diese Lebensräume immer mehr dezimiert hat, so dass die typischen Arten, die auf feuchte und nährstoffarme Habitate angewiesen sind, kaum noch genügend Lebensraum haben.

Eine dieser seltenen, geschützten Arten ist das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), eine Orchidee. Orchideen kommen also nicht nur auf trockenen Wiesen vor wie die Fliegen-Ragwurz, sondern auch auf feuchten Ecken, nur eben nicht so nährstoffreich. Wie alle Orchideen ist auch diese in Deutschland gesetzlich geschützt.

Eine typische Art von Feuchtwiesen, die sehr stark in Deutschland vom Aussterben gefährdet ist, ist die Trollblume (Trollius europaeus). Sie ist vor allem dadurch bedroht, dass viele der Feuchtwiesen, die früher noch landwirtschaftlich genutzt wurden, heute brachfallen oder sogar trockengelegt werden, damit dort intensivere Landwirtschaft betrieben werden kann.

Unser zweites Ziel war das „Torfhausmoor“ bei Torfhaus/Altenau. Dies ist im Gegensatz zum „Roten Bruch“ ein Hochmoor. Die Art Moor wird auch Regenmoor genannt, weil der Torfkörper so dick ist, dass es keinerlei Kontakt mehr zum Boden hat und seine Nährstoffe nur noch über den Regen und die Luft bekommt. Daher kommen solche Moore nur an Ecken vor, wo es viel und zwar so richtig viel regnet. Es ist ein sehr extremer Lebensraum, mit dem vielen Wasser, den wirklich wenigen Nährstoffen, den sauren Standortbedingungen.Es ist auch ein sehr bedrohter Lebensraum, weil solche Moore vielfach abgetorft wurden, um Brennmaterial zu gewinnen oder sie wurden trockengelegt, um mehr Land für den Menschen zu bekommen, damit er Ackerbau betreiben kann.
Vom „Torfhausmoor“, dass ca. 800 m über Normalnull liegt, kann man auf den gegenüberliegenden Brocken, den höchsten Berg des Harzes (1.141 m)  und somit auch Norddeutschlands blicken. Man kann dort auch hochwandern über den sogenannten Goetheweg, wenn man Berge-Hochwandern mag ;-) Aber irgendwann werde ich das nochmal machen, wenn auch nur mit viel Gefluche wahrscheinlich *g*.

Wegen der harten Lebensbedingungen können auch nicht viele Tiere oder Pflanzen hier leben. Und die, die hier wohnen, sind meistens geschützt, wie der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), den man auf dem unteren Bild sieht.  Es ist eine fleischfressende Pflanze (das Blatt hinten in der Mitte hat gerade Beute gemacht *g*), die zwar Photosynthese betreibt, aber andere Nährstoffe wie Stickstoffe eben darüber bekommt, dass sie kleine Insekten mit ihren klebrigen Blättern fängt und verdaut. Schon ziemlich cool, nicht? Und ja, die leben wirklich in freier Wildbahn in Deutschland ;-)

Ein anderes, schönes Gras, dass ich sehr mag ist das Scheidige Wollgras. Ich nenne es liebevoll, den Einstein unter den Gräsern. Man erkennt, glaub ich wieso ;-)

Eine weitere Besonderheit des Harzes sind die sogenannten Oberharzer Wasserregale. Das sind künstlich angelegte Gräben, die das Wasser sammeln sollten und so beim Bergbau helfen sollten. Wie genau, weiß ich auch nicht so genau, da müsste ich nochmal hinfahren und mir die Grube Samson (ein ehemaliges Silberbergwerk) angucken, damit ich hinter die Technik steige. Jedenfalls, alles sehr ausgeklügelt und ziemlich beeindruckend für die damalige Zeit. Heutzutage stehen sie unter Denkmalschutz und wurde auch beworben für das UNESCO Weltkulturerbe. Sie werden auch heute noch unterhalten und dienen zur Landschaftspflege, für den Tourismus etc.

Die letzte Station, die ich hier noch kurz vorstellen möchte, ist die Jordanshöhe bei Sankt Andreasberg. Hier findet man noch richtig schöne bunte Bergwiesen. Wenn ihr Euch so ein Wiese vorstellt, dann sieht man wenn überhaupt eine andere Farbe als grün vorkommt, eher ein löwenzahngelb vor, oder? Hier nicht, man findet gelb (Scharfe Hahnenfuß), lila (Waldstorchschnabel), rosa (Schlangen-Knöterich) oder  weiß (Bärwurz). Auch diese Wiesen müssen bewirtschaftet werden und dann auch extensiv, sprich keine Düngung und 1 bis 2x Mähen im Jahr. Nur so behalten sie ihre Blütenpracht und fallen nicht brach.

Ich mag die Gegend total gerne, ist wirklich schön und vielfältig dort. Und wer mal Lust auf ein bißchen Spazierengehen (ich finde das Wort „wandern“ so abschreckend *g*) und schöne Landschaften mit viel Natur hat, sollte ruhig mal einen Ausflug oder einen kleinen Urlaub im Harz wagen. Lohnt sich!

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