Archiv für den Tag 13. Juni 2010

Werbung für Deutschland: Ausflug in den Harz

Ein Vorteil meines Job als Biologin, genauer Wald-und-Wiesen-Botanikerin ist, dass ich rein dienstlich wirklich schöne Landschaften zu Gesicht bekomme und auch noch (mit ein bißchen Recherche) ergründen kann, wieso die Landschaft so aussieht wie sie aussieht und was so für Pflanzen und Tiere in/auf ihr Leben. Alles Vorbereitungen, um den Studenten auf den Exkursionen auch qualifiziertes Wissen vermitteln zu können ;- ) Wenn ihr auf den folgenden Link klickt Harz-Ausflug, kommt ihr zu einer größeren Google Maps-Karte, wo ihr genau seht, wo sich unsere Ausflugsziele befinden (wenn mir jemand erzählen könnte, wie ich eine Google-Maps-Karte hier richtig als Karte reingebastelt bekomme, wäre ich demjenigen wahnsinnig dankbar!). Der Harz ist das nördlichste der deutschen Mittelgebirge und ist Teil von Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, war also dementsprechend zu Zeiten des Kalten Krieges auch in DDR und BRD geteilt.

Unser erstes Ziel war das Naturschutzgebiet „Rotes Bruch“ bei Benneckenstein in Sachsen-Anhalt, also ehemalige DDR. Das ist wichtig zu wissen, weil das Gebiet im Dreiländereck zwischen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen liegt und somit Grenzgebiet war. Es war in dem 1000m-Bereich der DDR-Grenze, den niemand betreten durfte (wie auch mein Untersuchungsgebiet an der Elbe bei Lenzen), dementsprechend konnte sich die Natur über 40 Jahre (oder so) ungestört entwickeln. So sind dort sehr feuchte Wiesen neben etwas trockneren zu finden, was im Bild oben sehr gut zu sehen ist durch die weißen Flecken. Diese Flecken sind alles Bärwurz-Pflanzen (Bild unten), die nur auf frischen, aber nicht feuchten Wiesen wohnen. Die Bärwurz (Meum athamanthicum) gehört zu den Doldenblütengewächsen wie auch die Möhre, Petersilie oder Pastinake. Sie kommt nur in der montanen Stufe der Mittelgebirge vor, so ab etwa 450 m auf Wiesen vor und ist äußerst aromatisch, weswegen sie auch zum Brennen von dem Bärwurz, einem Schnaps genutzt wird.

Eine weitere typische Art, die man dort findet ist der Europäische Siebenstern (Trientalis europaea), niedlich nicht? Er mag saure, rohhumusreiche Böden und lebt dementsprechend am liebsten in lichten Laub- und Nadelwäldern oder an Niedermooren, entlang von Bächen.

Auch das Maiglöckchen (Convallaria majalis) kann man dort noch im Juni, auch außerhalb von Wäldern finden.

Was typisch für das „Rote Bruch“ ist, sind die Niedermoorbereiche. Also Moore, die zwar schon Torf gebildet haben, aber ihre Nährstoffe für die Pflanzen aus Fremdwasser aus dem Boden und durch den Abbau von Pflanzenmaterial während Trockenphasen bekommen. Es sind geschützte Lebensräume, da der Mensch sehr stark eingegriffen hat, die Moore teilweise entwässert hat, Torf gestochen hat und so diese Lebensräume immer mehr dezimiert hat, so dass die typischen Arten, die auf feuchte und nährstoffarme Habitate angewiesen sind, kaum noch genügend Lebensraum haben.

Eine dieser seltenen, geschützten Arten ist das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), eine Orchidee. Orchideen kommen also nicht nur auf trockenen Wiesen vor wie die Fliegen-Ragwurz, sondern auch auf feuchten Ecken, nur eben nicht so nährstoffreich. Wie alle Orchideen ist auch diese in Deutschland gesetzlich geschützt.

Eine typische Art von Feuchtwiesen, die sehr stark in Deutschland vom Aussterben gefährdet ist, ist die Trollblume (Trollius europaeus). Sie ist vor allem dadurch bedroht, dass viele der Feuchtwiesen, die früher noch landwirtschaftlich genutzt wurden, heute brachfallen oder sogar trockengelegt werden, damit dort intensivere Landwirtschaft betrieben werden kann.

Unser zweites Ziel war das „Torfhausmoor“ bei Torfhaus/Altenau. Dies ist im Gegensatz zum „Roten Bruch“ ein Hochmoor. Die Art Moor wird auch Regenmoor genannt, weil der Torfkörper so dick ist, dass es keinerlei Kontakt mehr zum Boden hat und seine Nährstoffe nur noch über den Regen und die Luft bekommt. Daher kommen solche Moore nur an Ecken vor, wo es viel und zwar so richtig viel regnet. Es ist ein sehr extremer Lebensraum, mit dem vielen Wasser, den wirklich wenigen Nährstoffen, den sauren Standortbedingungen.Es ist auch ein sehr bedrohter Lebensraum, weil solche Moore vielfach abgetorft wurden, um Brennmaterial zu gewinnen oder sie wurden trockengelegt, um mehr Land für den Menschen zu bekommen, damit er Ackerbau betreiben kann.
Vom „Torfhausmoor“, dass ca. 800 m über Normalnull liegt, kann man auf den gegenüberliegenden Brocken, den höchsten Berg des Harzes (1.141 m)  und somit auch Norddeutschlands blicken. Man kann dort auch hochwandern über den sogenannten Goetheweg, wenn man Berge-Hochwandern mag ;-) Aber irgendwann werde ich das nochmal machen, wenn auch nur mit viel Gefluche wahrscheinlich *g*.

Wegen der harten Lebensbedingungen können auch nicht viele Tiere oder Pflanzen hier leben. Und die, die hier wohnen, sind meistens geschützt, wie der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), den man auf dem unteren Bild sieht.  Es ist eine fleischfressende Pflanze (das Blatt hinten in der Mitte hat gerade Beute gemacht *g*), die zwar Photosynthese betreibt, aber andere Nährstoffe wie Stickstoffe eben darüber bekommt, dass sie kleine Insekten mit ihren klebrigen Blättern fängt und verdaut. Schon ziemlich cool, nicht? Und ja, die leben wirklich in freier Wildbahn in Deutschland ;-)

Ein anderes, schönes Gras, dass ich sehr mag ist das Scheidige Wollgras. Ich nenne es liebevoll, den Einstein unter den Gräsern. Man erkennt, glaub ich wieso ;-)

Eine weitere Besonderheit des Harzes sind die sogenannten Oberharzer Wasserregale. Das sind künstlich angelegte Gräben, die das Wasser sammeln sollten und so beim Bergbau helfen sollten. Wie genau, weiß ich auch nicht so genau, da müsste ich nochmal hinfahren und mir die Grube Samson (ein ehemaliges Silberbergwerk) angucken, damit ich hinter die Technik steige. Jedenfalls, alles sehr ausgeklügelt und ziemlich beeindruckend für die damalige Zeit. Heutzutage stehen sie unter Denkmalschutz und wurde auch beworben für das UNESCO Weltkulturerbe. Sie werden auch heute noch unterhalten und dienen zur Landschaftspflege, für den Tourismus etc.

Die letzte Station, die ich hier noch kurz vorstellen möchte, ist die Jordanshöhe bei Sankt Andreasberg. Hier findet man noch richtig schöne bunte Bergwiesen. Wenn ihr Euch so ein Wiese vorstellt, dann sieht man wenn überhaupt eine andere Farbe als grün vorkommt, eher ein löwenzahngelb vor, oder? Hier nicht, man findet gelb (Scharfe Hahnenfuß), lila (Waldstorchschnabel), rosa (Schlangen-Knöterich) oder  weiß (Bärwurz). Auch diese Wiesen müssen bewirtschaftet werden und dann auch extensiv, sprich keine Düngung und 1 bis 2x Mähen im Jahr. Nur so behalten sie ihre Blütenpracht und fallen nicht brach.

Ich mag die Gegend total gerne, ist wirklich schön und vielfältig dort. Und wer mal Lust auf ein bißchen Spazierengehen (ich finde das Wort „wandern“ so abschreckend *g*) und schöne Landschaften mit viel Natur hat, sollte ruhig mal einen Ausflug oder einen kleinen Urlaub im Harz wagen. Lohnt sich!

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