Archiv für den Monat März 2011

Abgekupfert: Past‘ e broccoletti

In Klein-Ankara zu leben hat Vorteile, abgesehen von den billigen Mieten *g*, ist hier an fast jeder Ecke ein türkischer Supermarkt zu finden, der dann auch ein etwas anderes Gemüseangebot hat als der deutsche Durchschnittssupermarkt. So unter anderem auch Cima di rapa (oder Rapa oder Stengelkohl), den ich aus der Ostseeheimat nicht kannte, auch nicht aus Ungarn. Und dann sah ich bei Robert vor 2 Jahren die ersten Rezepte und ich die lachten mich sehr an. Leider ist der Frühling für mich auch die Jahreszeit, wo ich am meisten Stress habe mit einem beginnenden Semester, diversen Exkursionen, Vorexkursionen, Arbeit für meine Dissertation  etc. und als ob das nicht reichen würde, ist mein Magen der Meinung sich währenddessen auch noch einbringen zu müssen und schaltet auf stur, so dass ich eigentlich nur schonende Gerichte vertrage. So sehr ich den Frühling liebe, manchmal nervt das und so passiert es gelegentlich, dass es plötzlich Mitte Mai ist und ich noch nicht einen Frühlingsgenuss in Form von Spargel, Bärlauch oder eben Cima di Rapa zu mir genommen hab :-/ Aber dieses Jahr sollte mir das nicht passieren, zumindest nicht mit dem Stengelkohl, also schnell los geflitzt zum nächst gelegenen türkischen Supermarkt und ein großes Bund mitgenommen. Als erstes sollte es ihn klassisch mit Pasta geben, wie ihn Frau Kochschlampe, in abgeschwächter Form für Magenkranke zubereitete.

Ein wirklich leckeres Gemüse, dieser Cima di rapa, kohlig aber nicht zu deftig, da er auch leichtere Zubereitungen verträgt. Auch in Kombination mit der Pasta wirklich gut, ich war überrascht, weil ich sonst eher der sehr saucige Typus Pasta-Esser bin *g* Wer es verträgt, kann statt der halben Paprikaschote gerne ein wenig Chili nehmen, ist bestimmt auch sehr gut und gibt einen netten Kontrast zum milden Kohl.

Pasta mit Cima di rapa

Zutaten für 2 Portionen:
ca. 150-200 g Pasta (hier: Casareccia)
300 g cima di rapa, gewaschen und mundgerecht zerteilt
1 Schluck Olivenöl
2 Knoblauchzehen, in Scheibchen
1/2 rote Paprika, in feinen Würfeln
Salz, Pfeffer
Pecorino Sardo, gerieben

(1) Die Nudeln zusammen mit dem Cima di rapa in kochendem Salzwasser al dente kochen. Nicht abgießen, sondern mit einem Schaumlöffel in eine Schüssel umfüllen.

(2) Während die Nudeln kochen die Paprikawürfelchen und Knoblauchscheiben in Olivenöl andünsten. Dieses gut mit den Nudeln und dem Cima di rapa vermischen. Auf Teller verteilen, pfeffern, mit frisch geriebenem Pecorino bestreuen und

genießen!

Quelle: Frau Kochschlampe nach Lamiacucina

Exotischeres Kartoffelgulasch

Kartoffelgulasch kenne ich gemäß meinen Genen ja eher in der ungarischen Variante (hui, da braucht man dringend mal ein neues Bild für *ähem*), aber kurz nach Weihnachten schwärmte mir Frau Kochschlampe von einem vor, dass sie sich an einem kalten Wintertag köchelte. Ich weiß, wir haben Frühling und draußen sah ich auch schon die ersten Tulpen blühen und die Bäume kriegen langsam (endlich!) ihre Blätter, aber es kommen bestimmt nochmal kühlere Tage, an dem man sich nach den langen Stunden auf Arbeit nach etwas Comfort Food auf dem Sofa sehnt und dann ist genau dieses Essen wunderbar geeignet. Prinzipiell ist es wirklich schnell gekocht, wenn man die Kartoffeln nicht zu groß lässt wie meine Wenigkeit. Die Würzung ist wirklich super, frisch durch die Zitrone und etwas exotischer/orientalischer durch den Kreuzkümmel, trotzdem wurde das ungarische Hauptgewürz Paprika nicht unterschlagen ;-) Und selbst, die in Ungarn obligatorisch saure Sahne kommt zum Einsatz. Ein wirklich feines Gericht, dass ich nur jedem empfehlen kann auszuprobieren:

Exotischeres Kartoffelgulasch

Zutaten für 2 Portionen:
Butter
1/4 kg Zwiebeln, geschält und in feinen Ringen
1 EL Tomatenmark
1/2 EL Rosenpaprika
200 ml Tomatenstücke in Dose
1/8 l Gemüsebrühe
1/2 kg Kartoffeln, geschält und in großen Würfeln
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
1/2 EL Kreuzkümmel, gemahlen
ein wenig abgeriebene Zitronenschale
Salz, Pfeffer
3 EL gehackte Petersilie
100 ml Saure Sahne (oder Schmand oder Crème fraîche)

(1) Die Zwiebeln in der Butter glasig dünsten. Tomatenmark und Paprika unterrühren. Pizzatomaten und Gemüsebrühe dazugeben und zugedeckt ca. 10 Minuten leise köcheln lassen.

(2) Die Kartoffeln, Knoblauch, Kümmel, Zitrone und Salz dazugeben. Etwa 25 Minuten köcheln lassen oder bis die Kartoffeln gar sind.

(3) Pfeffern, Petersilie dazugeben und noch einmal abschmecken. Auf Tellerchen  geben und mit saurer Sahne versehen. Eventuell mit ein wenig Petersilie dekorieren und

genießen!

Quelle: Frau Kochschlampe – adaptiert nach dem Magazin der Süddeutschen, 2010/48

Tüteneinfach ohne Tüte – Schokoladenpudding

Endlich habe ich es jetzt mal geschafft einen Pudding ohne Tüte zu basteln (ok, war schon zu Weihnachten, aber es gab Wiederholungen *g*) und ja es ist tüteneinfach, wie Frau Kochschlampe sagen würde. Mit Stephs Rezept kann ja auch nichts schief gehen und viele Zutaten braucht man wirklich nicht: Milch, Schoki, Stärke, Zucker. That’s it! Eigentlich hat man ja auch meistens alles zu Hause, oder? Wenn man keine Schokoladentafel hat, dann auch sehr gerne mit Kakaopulver. Und so variabel, lasst Eure Phantasie spielen. Ich nahm noch Kardamom dazu, geht bestimmt auch Chili oder Vanille oder etwas Nelke oder Ingwer? Wichtig ist, dass Maisstärke verwendet wird, die es allerdings in jedem Supermarkt geben sollte. Laut Steph bekommt der Pudding mit Kartoffelstärke eine seltsame Konsistent, also lieber nicht ausprobieren und bei der Maisstärke bleiben :-)

Und Schoko-Pudding ist ja wohl ein jahreszeitenunabhängiges Comfort Food, also husch husch in die Küche und schnell einen zaubern:

Schokoladen-Kardamom-Pudding

Zutaten für 4 Dessert-Portionen:
500 ml Vollmilch
50 g 55%ige Schokolade, kleingebrochen
(alternativ: 40 g Kakaopulver)
40g Zucker
30g Maisstärke
1 TL gemahlener Kardamom

Die Schokolade mit dem Zucker und dem Kardamom in 400 ml Milch auflösen und aufkochen lassen. Währenddessen die Maisstärke mit der restlichen Milch gut verrühren, so dass keine Klümpchen zu sehen sind. Wenn die Schokoladenmilch kocht, den Topf vom Feuer nehmen und die Stärke-Milch-Mischung langsam unter konstantem Rühren hinein gießen. Nochmal auf die schon heiße Herdplatte stellen und unter Rühren kurz aufkochen lassen, dass der Pudding bindet. Entweder für sich selbst in eine große Schüssel oder 4 kleinere Dessert-Schälchen abfüllen.
Lauwarm oder abgekühlt

genießen!

Quelle: Kleiner KuriositätenladenSchokoladenpudding

Ente mit würzigen Anis-Pflaumen

Durch meine Doktorarbeit hatte ich eine Zeit lang einen massiven Verbrauch an Zahnstochern und hatte gefühlt schon alle Supermärkte in der Umgebung leer gekauft und wurde schon komisch angeguckt, wenn ich wieder mit 5 Packungen Zahnstochern an der Kasse stand ;-) Also brauchte ich größere Packungen und bin deshalb mit meiner lieben Studentin D. zu Metro gefahren, die haben wenigstens ordentliche Größen zu vernünftigen Preisen.  Da ersteht man dann auch mal eben 5000 Zahnstocher käuflich *g* Und wenn man schon mal vor Ort ist, kann man sich ja gleich auch noch ein bisschen umgucken. So als Angestellte kommt man ja nicht so oft in den Laden *g*

Und in der Fleischabteilung lachte mich eine Entenbrust an! Gott, wie ewig aß ich keine Ente mehr! Dabei liebe ich es! Und so ’ne ganz Ente für meiner einer ist etwas übertrieben, über eine Woche verteilt, mag ich es dann auch nicht essen … Aber so eine Entenbrust, das krieg ich hin. Also fix eingepackt :-)

Zu Hause dann die Ernüchterung … ähm … ja … und was mache ich jetzt damit? Wie brät man die überhaupt?? Also die gefühlt hunderte Kochbücher durch geguckt … Hat ein wenig gedauert, aber im Kochbuch eines ungarisches Kochs (der auch den ungarischen Präsidenten bekocht) names Tamás Bereznay wurde ich fündig. In seinem Buch „Die heutige ungarische Küche“ präsentiert er traditionelle ungarische Gerichte (auch Alltägliches wie meine geliebten Fözeléks), aber auch anderes wie eben diese Entenbrust mit würzigen Anis-Pflaumen.

Und ich muss sagen, so kompliziert war das gar nicht und ernstlich köstlich! Aber erst jetzt beim Übersetzen des Rezepts fällt mir auf, dass die Pflaumen nicht als warme Sauce gedacht waren, sondern eher als Beilage. Tja, lesen müsst man können, erst Recht richtig ungarisch ;-) Aber auch als warme Sauce war’s lecker mit dem Selleriepüree, dass die liebe Astrid vorgeschlagen hatte. Gegart habe ich die Entenbrust schlussendlich etwas anders und nach Gefühl, weil der Ofen eben schon stärker aufgeheizt war für den Sellerie, aber schreibe der geneigten Leserschaft trotzdem Herr Bereznays Methode auf:

Entenbrust mit würzigen Anis-Pflaumen

Zutaten für 4 Portionen:
4 Entenbrüste
Salz
je 1 TL gemahlener Koriander, Kreuzkümmel und Ingwer

Für die Sauce:
300 g Pflaumen (auch TK)
2 EL braunen Zucker
200 ml trockenen Rotwein
1 EL Balsamico-Essig
einige Sternanis
1 Chili, in feine Ringe
10 g eiskalte Butter

(1) Die Pflaumen waschen, halbieren und entkernen. Den Zucker karamellisieren lassen, mit dem Rotwein und Balsamico aufgießen. Den Sternanis und die Chiliringe dazu geben. Den Saucenansatz auf die Hälfte einreduzieren lassen. Die Pflaumen hinein geben und ca. 1 Minute mitköcheln lassen. Die eiskalte Butter unterrühren, so dass eine nette Bindung und ein schöner Glanz entsteht.
(2) Den Ofen auf 170°C vorheizen.
(3) So lange die Pflaumen abkühlen, die Entenbrust zubereiten. Dafür die Gewürze vermischen und auf die Hähnchenbrust reiben. Leicht salzen.
(4) In einer heißen Pfanne auf der Hautseite 3 Minuten anbraten. Ohne das ausgetretene Fett (abkühlen lassen, auf frisches Weißbrot schmieren, göttlich!) mit der Hautseite nach oben in eine Auflaufform legen und im Ofen etwa 8 Minuten backen.  Aus dem Ofen rausholen und an einem warmen Ort noch 10 Minuten ruhen lassen.
Zusammen mit den Anis-Pflaumen und dem

Selleriepüree

Zutaten für 2 Portionen:
2 kleine Sellerieknollen
Salz, Pfeffer
Olivenöl
Sahne
Milch

(1) Den Ofen auf 200°C vorheizen.
(2) Den Sellerie schälen und in wirklich kleine Würfel schneiden. In einer Auflaufform verteilen. Salzen, pfeffern und mit einem großzügigen Schluck Olivenöl beträufeln.
(3) Für ca. 30-45 Minuten in den Ofen geben (oder bis die Würfelchen weich sind).
(4) Zusammen mit etwas Sahne und soviel Milch pürieren, dass ein geschmeidiges Püree entsteht.

servieren und genießen!

Quelle: Ente aus Bereznay T. (2009): Mai magyar konyha. Budapest. Seite 102
Selleriepüree von Arthurs Tochert

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