Archiv für den Monat Mai 2011

Linguini mit Spargel-Carbonara

Bei vielen, bestimmt auch der geneigten Leserschaft, steht die Steuererklärung an. So auch bei mir … Weil ich sie aber noch nie gemacht hatte, brauchte ich Hilfe in Form eines lieben Kollegen, der zwei Stunden seines Lebens für meine Steuererklärung opferte und so Zeuge meines Dokumenten-Hümpel-Chaos‘ wurde und sich zeitweise köstlich über meine Unwissenheit amüsierte. Ich muss in dem Versicherungs-/Steuerkrams-Chaos mal definitiv Ordnung und mir Überblick verschaffen *seufz*

Als kleine, völlig unzureichende Belohnung musste natürlich was handfestes gekocht werden. Da ja gerade Spargelsaison ist und ich sowohl noch Bacon im Kühlschrank als auch Lust auf Carbonara hatte, wurden die Zutaten kurzerhand kombiniert. Der Spargel wurde einfach mit dem Speck zusammen angebraten, wie es schon seit längerer Zeit Sitte in meiner Küche ist. Der Rest war einfach und wirklich schnell zusammen gebaut, mit den gekochten Nudeln vermischen und fertig. Und es ist wirklich lecker! Der Spargel harmoniert wunderbar mit dem Bacon und zu Nudeln passt beides eh. Also wer noch ein schnelles, wirklich köstliches Feierabend-Pastagericht sucht, hier bitte schön:

Linguini mit Spargel-Carbonara

Zutaten für 2 Portionen:
250 g Linguini (oder Spaghetti)
125 g Baconscheiben
500 g Spargel
Schluck Olivenöl
Salz, Pfeffer
Prise Zucker
2 Eier
2 handvoll fein geriebener Parmesan
2 EL Petersilie, fein gehackt

(1) Den Spargel schälen und in 2-4 cm lange Stücke schneiden. Die Baconscheiben in ca. 1/2cm breite Streifen schneiden. Die Petersilie fein hacken.

(2) Salzwasser für die Nudeln zum Kochen aufsetzen und diese nach Packungsanweisung kochen.

(3) In einer Pfanne einen Schluck Öl bei mittelhoher Hitze (4 von 6) erhitzen. Die Baconstreifen hinein geben, kurz anbraten, dann die Spargelstücke zu geben. Vorsichtig salzen, pfeffern und mit der Prise Zucker würzen. So lange braten bis der Spargel knackig gar ist. Bis dahin sollte auch die Pasta fertig sein.

(4) Währenddessen die zwei Eier in eine Schüssel geben und gut verschlagen. Den Parmesan hinein geben und gut verrühren. Mit Pfeffer würzen (der Käse ist salzig genug).

(5) Die Pasta kurz abgießen und noch tropfnass mit der Eier-Parmesan-Mischung im Topf kurz durchschwenken. Den angebratenen Bacon und Spargel dazu geben. Gut durch rühren, auf zwei Tellern verteilen und mit Petersilie bestreut, servieren.

Genießen!

Wieder am Lieblingssee, diesmal mit Studenten …

Der Lieblingssee, mal wieder, also sprich der Neusiedler See, aber diesmal nicht mit Zwerg und der Kochschlampe zusammen, sondern ein ausführlicheres Programm mit Studenten im Gepäck. Deswegen war es die letzten Wochen auch etwas ruhiger hier (abgesehen vom sowieso allgemeinen Sommersemester-Stress *g*) … Wirklich viele und gute Photos konnte ich während der Exkursion nicht machen, da ich ja die Organisationstante war, die alles regeln musste ;-)
Weil man den See am Besten aus der Bootsperspektive kennenlernen kann und ich die Kanutour letztes Jahr schon so spaßig fand, haben wir gleich noch eine gemacht, die diesmal länger dauerte und wir weiter hinaus auf den See fuhren.

Und da es in der Gegend viel Wasser zu gucken gibt, ließen wir uns hinführen und guckten uns zum Beispiel diese wiederüberflutete Fläche, das Nyirkai-Hany im Hanság-Teil des ungarischen Nationalparks an, an dem mittlerweile viele seltene Vogelarten wie der Seeadler oder diverse Reiherarten (z.B. Purpurreiher, Nachtreiher, Silberreiher) eine neue Heimat fanden.

Aber nicht nur Süßwasser findet man am Neusiedler See (der See selbst hat eine Salzkonzentration von ca. 0,2% und ist damit schon zu salzig für Süßwasser), durch verschiedene geologische Umstände, gibt es auch ziemlich salzhaltige Seen, sogenannte Lacken, die manchmal auch nur temporär sind und austrocknen können. Eine typische Pflanzenart, die auch auf dem Bild zu erahnen ist, ist die Salzkresse. Wir haben sie mal gekostet und schmeckte tatsächlich ein wenig salzig, weil die Pflanzen, das Salz, dass ja immer noch ein Zellgift ist, in ihren Blättern in Extra-Zellen einlagern.

Um die Wiesenflächen rund um den See freizuhalten, damit das Schilf sich nicht zu stark ausbreitet oder binnen weniger Jahre neue Wälder entstehen, müssen sie beweidet werden. Dafür werden diese beeindruckenden, vom Aussterben bedrohten Ungarischen Steppenrinder benutzt, die auch ins Schilf reingehen, es fressen und niedertrampeln. Auf trockeneren Wiesen wird die Hilfe von Zackelschafen in Anspruch genommen, wodurch die Rasen so kurz gehalten werden, dass auch die Ziesel (die Hörversion jetzt bitte mit 3 Oktaven höherer Stimme vorstellen *g*) gut überleben können. Leider hab ich weder das Schaf noch das Ziesel gesehen :-( Aber Steppenrinder sind auch cool *g*

Jetzt noch ein paar typische Pflanzen, die gerne in so trockeneren Steppengebieten wohnen. Zum einen den Österreichischen Lein (Linum austriaca), der mit seinen schönen blauen Blüten schon von weitem leuchtete:

Auch typisch, kratzig, aber nicht weniger schön ist die Nickende Distel (Carduus nutans). Man sieht sehr schön, wie sie sich gegen Fraß von Tieren schützt:

Auch meine Lieblingsvögel findet man vornehmlich in den wärmeren Gefilden unseres Kontinents und dort an offenen, senkrechten Sand- oder Lösswänden. Die Bienenfresser brüten meist in Kolonien, sind sehr wendige, schnelle Flieger und ihr Ruf ist so niedlich gurgelnd, wie blubberndes Wasser, erkennt man eigentlich immer:

Solche Sandwände wie auf dem unteren Bild in den March-Auen (sehr gute, interessante Führung vom Naturschutzbund Niederösterreich gehabt) zu finden sind, sind der ideale Brutplatz für die Bienenfresser, nur dass die auf der Bild-Lösswand schon slowakische Bienenfresser wären:

Noch ein sehr bestimmendes Gewässer der Gegend und ganz Österreichs, die Donau. Geplant war eine Schlauchbott-Tour auf einem wieder angebundenen Altarm des Flusses, aber leider war es so trocken in der Gegend, dass der Wasserstand zu niedrig war. Tat dem Spaß auf dem Schlauchboot aber keinen Abbruch und wir fuhren auf die Donau per se hinaus:

Einen Tag fuhren wir in den Kiskunság Nationalpark zwischen Donau und Theiß. Der Nationalpark hat keine zusammenhängende Flächen, sondern ist eher verstreut in der Landschaft. Einen Teil, das Sanddünen-Gebiet bei Fülöpháza wurde uns durch einen wirklich kompetenten Mitarbeiter des Nationalparks erklärt, der schon 28 Jahre in dem Gebiet arbeitet, Führungen macht und Naturschutzmaßnahmen durchführt:

Im Gegensatz zu Deutschland muss dort (bislang) kaum etwas gegen die Sukzession (Wiese zu Wald) unternommen werden, da es so trocken ist mit 350 mm Niederschlag im Jahr (zum Vergleich Hamburg hat 750 mm), dass sich junge Bäume nicht richtig entwickeln können. Allerdings müssen vorhandene Exemplare der Robinie bekämpft, weil sie eine ernsthafte Bedrohung für die Sandtrockenrasen darstellt, da sie auch in trockenen Gebieten gut wachsen kann und sich zusätzlich über Ausläufer ausbreitet. Gerade bei solchen Landschaften (auch an der Ostseite des Neusiedler Sees) merke ich, dass ich schon irgendwie ein Steppen-Kind bin. In flachen bis leicht welligen Landschaften, in den man weit blicken kann und die eher trocken und warm sind, fühle ich mich einfach zu Hause …

Ebenfalls typisch für das Gebiet sind die offenen Sanddünen, die aus alten Sanden, die die Ur-Donau in das Gebiet schleppte, bestehen. Die hier wurde erst 2005 (oder so) neu angelegt, bewegte sich aber schon 50 m weiter. Sie ist nicht nur Touristenattraktion (wo findet man in Europa schon noch Wanderdünen), sondern auch wirklich wichtiger Lebensraum für bestimmte Insektenarten:

Und da ich ja bekanntlich Botanikerin bin, hier noch das typische und coolste Gras der Gegend dort, das Sand-Federgras. Ein typischer Vertreter für die Steppen, dessen Verwandte hier in Deutschland leider sehr selten sind:

Eine Winzigkeit Kultur durfte natürlich nicht fehlen. Die Familie Eszterházy schien auch sehr angetan von der Gegend um den Neusiedler See, so dass sie dort auch gleich zwei Schlösser bauten. Eines in Eisenstadt und eben das in Fertöd, nur 2-3 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt:

Schon beeindruckend, oder? Leider reichte die Zeit nicht, um es sich genauer von innen anzugucken, aber vielleicht beim nächsten Besuch am Lieblingssee.

Es war eine wirklich schöne Exkursion, total interessant, viel gesehen, wenig geschlafen. Aber mit den Jungs und Mädels jederzeit wieder. Und ich weiß jetzt, dass es noch viel zu entdecken gibt und ich dringend noch einige Naturschätze angucken muss :-)

Kulinarisches Frühlingswochenende II: Rhabarber-Crumble mit einem Hauch Ingwer

Ein anderer Frühlingsbote, der jetzt allerorten zu finden ist, ist Rhabarber. Ein in osteuropäischen Gefilden eher unbekanntes Pflänzchen (wenn man Herrn Kaminer und meinem Herrn Papa glauben darf), aber von mir, eigentlich der ganzen Familie heiß geliebt. Von zu Hause kenne ich das klassische Rharbarberkompott, dass es in der Saison eigentlich nach jeder Mahlzeit als Dessert gab, egal ob Frühstück oder Abendbrot. Einfach die perfekte Verwendung von Massen dieser Stangen, wenn man eine Pflanze im Garten hat. Aber als guter Blogger testet man natürlich auch neue Sachen aus und als ich an dem einen Wochenende praktisch alle Frühlingsboten im Haus hatte, wollte ich für eine liebe Freundin und mich einen Crumble basteln. Da ich ja eher ein Back-DAU bin, bin ich auch bei so simplen Sachen wie Streuselteig, nichts anderes bedeutet „Crumble“, auf Rezepte angewiesen. Da ich noch im Kopf hatte, dass in Jamie O.s Buch „Jamie at home“ ein Kapitel über Rhabarber war (bei entsprechenden Sendung im TV, saßen Zwerg und ich sabbernd vorm Gerät *g*), schnell durchgeguckt und sofort fündig geworden. Das MUSSTE gemacht werden!

Statt mit schnödem Wasser wird die Rhabarber-Grundmasse mit Orangesaft gekocht und um die Streusel etwas knuspriger zu kriegen, Haferflocken eingearbeitet. Der zusätzliche Ingwer macht aus dem gesamten Gericht wirklich ein Gedicht. Rhabarber und Ingwer sind einfach ein himmliches Paar (um unnötige Anglizismen zu vermeiden *g*) und die Orangennote ist wirklich wunderbar dazu. Auch der lieben Ch. schmeckte es wirklich vorzüglich und ich war richtig wirklich angenehm vom Geschmack überrascht. Wer ebenso positiv überrascht werden will, hier die Bastelanleitung:

Rhabarber-Ingwer-Crumble

Zutaten für 2-3 Personen:
500 g Rhabarber
100 g brauner Zucker
Saft und Schale 1/2 großen Bio-Orange
50 g Mehl
50 g kalte Butter
50 g Haferflocken
1 daumengroßes Stück Ingwer

(1)Den Ofen auf 180°C vorheizen.

(2) Den Rhabarber putzen und in große Stücke schneiden. Mit der Hälfte des Zuckers in einen Topf geben. Den Orangensaft und -schale hinzufügen. Den Deckel auflegen und aufkochen lassen. Ganz wenige Minuten bei mittlerer Hitze simmern lassen. Den Deckel abnehmen und noch weitere 5 Minütchen köcheln lassen. In eine ofenfeste Form geben.

(3) Die Schale des Ingwers mit einem Löffeln abschaben und fein reiben. Für die Streusel mit den Fingern die Butter und das Mehl leicht verreiben bis es das Aussehen von feinen Brotkrümeln hat. Die Haferflocken, den restlichen Zucker und den Ingwer einarbeiten. Die Streusel über den Rhabarber krümeln.

(4) In den Ofen geben und 40-45 Minuten backen oder bisder Rhabarber blubbert und die Streusel goldbraun sind.

Mit Vanilleeis oder Vanillesauce zusammen

genießen!

Quelle: Jamie Oliver (2007): Jamie at home. Penguin. Seite 65

Und weil es gerade wie die Faust aufs Auge passt, macht dieser kleine Beitrag noch mit beim Frühlingsgewinnspielvon „Wo geht’s zum Gemüseregal?“. Vielleicht probieren die Autorinnen es ja mal aus :-)

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