Wieder am Lieblingssee, diesmal mit Studenten …

Der Lieblingssee, mal wieder, also sprich der Neusiedler See, aber diesmal nicht mit Zwerg und der Kochschlampe zusammen, sondern ein ausführlicheres Programm mit Studenten im Gepäck. Deswegen war es die letzten Wochen auch etwas ruhiger hier (abgesehen vom sowieso allgemeinen Sommersemester-Stress *g*) … Wirklich viele und gute Photos konnte ich während der Exkursion nicht machen, da ich ja die Organisationstante war, die alles regeln musste ;-)
Weil man den See am Besten aus der Bootsperspektive kennenlernen kann und ich die Kanutour letztes Jahr schon so spaßig fand, haben wir gleich noch eine gemacht, die diesmal länger dauerte und wir weiter hinaus auf den See fuhren.

Und da es in der Gegend viel Wasser zu gucken gibt, ließen wir uns hinführen und guckten uns zum Beispiel diese wiederüberflutete Fläche, das Nyirkai-Hany im Hanság-Teil des ungarischen Nationalparks an, an dem mittlerweile viele seltene Vogelarten wie der Seeadler oder diverse Reiherarten (z.B. Purpurreiher, Nachtreiher, Silberreiher) eine neue Heimat fanden.

Aber nicht nur Süßwasser findet man am Neusiedler See (der See selbst hat eine Salzkonzentration von ca. 0,2% und ist damit schon zu salzig für Süßwasser), durch verschiedene geologische Umstände, gibt es auch ziemlich salzhaltige Seen, sogenannte Lacken, die manchmal auch nur temporär sind und austrocknen können. Eine typische Pflanzenart, die auch auf dem Bild zu erahnen ist, ist die Salzkresse. Wir haben sie mal gekostet und schmeckte tatsächlich ein wenig salzig, weil die Pflanzen, das Salz, dass ja immer noch ein Zellgift ist, in ihren Blättern in Extra-Zellen einlagern.

Um die Wiesenflächen rund um den See freizuhalten, damit das Schilf sich nicht zu stark ausbreitet oder binnen weniger Jahre neue Wälder entstehen, müssen sie beweidet werden. Dafür werden diese beeindruckenden, vom Aussterben bedrohten Ungarischen Steppenrinder benutzt, die auch ins Schilf reingehen, es fressen und niedertrampeln. Auf trockeneren Wiesen wird die Hilfe von Zackelschafen in Anspruch genommen, wodurch die Rasen so kurz gehalten werden, dass auch die Ziesel (die Hörversion jetzt bitte mit 3 Oktaven höherer Stimme vorstellen *g*) gut überleben können. Leider hab ich weder das Schaf noch das Ziesel gesehen :-( Aber Steppenrinder sind auch cool *g*

Jetzt noch ein paar typische Pflanzen, die gerne in so trockeneren Steppengebieten wohnen. Zum einen den Österreichischen Lein (Linum austriaca), der mit seinen schönen blauen Blüten schon von weitem leuchtete:

Auch typisch, kratzig, aber nicht weniger schön ist die Nickende Distel (Carduus nutans). Man sieht sehr schön, wie sie sich gegen Fraß von Tieren schützt:

Auch meine Lieblingsvögel findet man vornehmlich in den wärmeren Gefilden unseres Kontinents und dort an offenen, senkrechten Sand- oder Lösswänden. Die Bienenfresser brüten meist in Kolonien, sind sehr wendige, schnelle Flieger und ihr Ruf ist so niedlich gurgelnd, wie blubberndes Wasser, erkennt man eigentlich immer:

Solche Sandwände wie auf dem unteren Bild in den March-Auen (sehr gute, interessante Führung vom Naturschutzbund Niederösterreich gehabt) zu finden sind, sind der ideale Brutplatz für die Bienenfresser, nur dass die auf der Bild-Lösswand schon slowakische Bienenfresser wären:

Noch ein sehr bestimmendes Gewässer der Gegend und ganz Österreichs, die Donau. Geplant war eine Schlauchbott-Tour auf einem wieder angebundenen Altarm des Flusses, aber leider war es so trocken in der Gegend, dass der Wasserstand zu niedrig war. Tat dem Spaß auf dem Schlauchboot aber keinen Abbruch und wir fuhren auf die Donau per se hinaus:

Einen Tag fuhren wir in den Kiskunság Nationalpark zwischen Donau und Theiß. Der Nationalpark hat keine zusammenhängende Flächen, sondern ist eher verstreut in der Landschaft. Einen Teil, das Sanddünen-Gebiet bei Fülöpháza wurde uns durch einen wirklich kompetenten Mitarbeiter des Nationalparks erklärt, der schon 28 Jahre in dem Gebiet arbeitet, Führungen macht und Naturschutzmaßnahmen durchführt:

Im Gegensatz zu Deutschland muss dort (bislang) kaum etwas gegen die Sukzession (Wiese zu Wald) unternommen werden, da es so trocken ist mit 350 mm Niederschlag im Jahr (zum Vergleich Hamburg hat 750 mm), dass sich junge Bäume nicht richtig entwickeln können. Allerdings müssen vorhandene Exemplare der Robinie bekämpft, weil sie eine ernsthafte Bedrohung für die Sandtrockenrasen darstellt, da sie auch in trockenen Gebieten gut wachsen kann und sich zusätzlich über Ausläufer ausbreitet. Gerade bei solchen Landschaften (auch an der Ostseite des Neusiedler Sees) merke ich, dass ich schon irgendwie ein Steppen-Kind bin. In flachen bis leicht welligen Landschaften, in den man weit blicken kann und die eher trocken und warm sind, fühle ich mich einfach zu Hause …

Ebenfalls typisch für das Gebiet sind die offenen Sanddünen, die aus alten Sanden, die die Ur-Donau in das Gebiet schleppte, bestehen. Die hier wurde erst 2005 (oder so) neu angelegt, bewegte sich aber schon 50 m weiter. Sie ist nicht nur Touristenattraktion (wo findet man in Europa schon noch Wanderdünen), sondern auch wirklich wichtiger Lebensraum für bestimmte Insektenarten:

Und da ich ja bekanntlich Botanikerin bin, hier noch das typische und coolste Gras der Gegend dort, das Sand-Federgras. Ein typischer Vertreter für die Steppen, dessen Verwandte hier in Deutschland leider sehr selten sind:

Eine Winzigkeit Kultur durfte natürlich nicht fehlen. Die Familie Eszterházy schien auch sehr angetan von der Gegend um den Neusiedler See, so dass sie dort auch gleich zwei Schlösser bauten. Eines in Eisenstadt und eben das in Fertöd, nur 2-3 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt:

Schon beeindruckend, oder? Leider reichte die Zeit nicht, um es sich genauer von innen anzugucken, aber vielleicht beim nächsten Besuch am Lieblingssee.

Es war eine wirklich schöne Exkursion, total interessant, viel gesehen, wenig geschlafen. Aber mit den Jungs und Mädels jederzeit wieder. Und ich weiß jetzt, dass es noch viel zu entdecken gibt und ich dringend noch einige Naturschätze angucken muss :-)

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6 Kommentare zu “Wieder am Lieblingssee, diesmal mit Studenten …

  1. KochSchlampe 23. Mai 2011 um 15:56 Reply

    Dis is da aba ooch imma wieda schön!

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  2. tardis19 24. Mai 2011 um 13:40 Reply

    Kein Hörnchen gesehen :(

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  3. Martin 7. Juni 2011 um 13:31 Reply

    Wo sind denn die Insekten geblieben?

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  4. Anikó 7. Juni 2011 um 16:24 Reply

    Kochschlampe, yepp, wohl wahr!

    tardis, ja, total doof! War doch extra wegen der Zwiesel dort :-/

    Martin, Insekten? Hab kein einziges photographiert. Die sind für meine Kamera immer zu schnell weg … Hoffe ja auf Eure Photos :-)

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  5. […] muss. Nee nee, ich bin eher der Freund von Steppenlandschaften. Mein Herz geht auf, wenn ich in der Ungarischen Tiefebene (egal ob die Kleine mit dem Neusiedler See oder der Alföld) bin oder an der geliebten Elbe in […]

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  6. […] der Lösswände sieht leider so aus. Zugewuchtert, abgerutscht … Schade, dabei sind die Bienenfresser so putzig und […]

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