Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag VI bis IX

Die letzten Tage verbrachte ich mehr oder weniger internetlos – eigentlich freiwillig mehr – in Tata bei der zweitältesten Tante. Sie waren am Donauknie auf Kurzwellness-Urlaub und nahmen mich auf dem Rückweg gleich mit. Äußerst praktisch!

Auch hier in Ungarn verabschiedet sich der Sommer so langsam. Die Felder sind abgeerntet …

… nur noch einzelne, einsame Sonnenblumen am Feldrand zu sehen.

Da die EU Ungarn einiges an Geld gegeben hat, um die Straßen zu sanieren, wird wie wahnsinnig gebaut bei uns in der Ecke und alle Nase lang steht man an einer Baustellenampel. Das lässt einem aber die Möglichkeit mal die Aussicht zu genießen.

Noch schnell einkaufen gewesen. Für Zwerg die bestellten Duna Kavics geholt, für mich wenige andere Süßigkeiten. Dann wurde es aber auch wirklich Zeit für ein spätes Mittagessen. Tante hatte vom Sonntag noch Brassoi aus Hähnchenbrustfilet und briet mir schnell ein paar Kartoffeln dazu. Dieses Brassoi muss ich mal genauer erkunden, kannte ich noch nicht und war lecker mit Zwiebelchen.

Zu Ehren von Frau Katrin aß ich zum Nachtisch einen Krémtúro, also cremiger Quark mit großen Keksstückchen. Immer noch seltsame Konsistenz, immer noch lecker!

Nach einem ordentlichen Schauer zeigte sich tatsächlich ein wunderschöner Regenbogen, den meine Knipse leider nur sehr unzureichend einfangen konnte … Und ich war auch nicht schnell genug draußen *seufz*

Aber nach dem Schauer zeigte sich der Himmel wieder freundlicher.

Abends trudelten dann die Enkelkinder meiner Tante ein und das Haus war gut bevölkert. Zur besseren Orientierung: Großcousin I (18 Jahre), Großcousin II (13 Jahre, Bruder von GC I), Großcousin III (14 Jahre), Großcousine I (12 Jahre), Großcousine II (5 Jahre), die letzten drei Geschwister. Also ordentlich Leben in der Bude. Viel lachen, viel Spielen, viel Facebooken, lange aufbleiben, noch länger schlafen.

Am nächsten Morgen wachte ich vom strömenden Regen und wildem Gewitter als erste im oberen Stockwerk auf und konnte noch in Ruhe mein Frühstück genießen. Etwas was bei Tante nie ausgehen wird, ist die selbstgemachte Aprikosenmarmelade, die Onkel sehr liebt, er ernährt fast davon, und die ich auch sehr mag. Ungarische Aprikosenmarmelade wird nur aus gehäuteten Aprikosen und Zucker gemacht und ist dementsprechend ziemlich flüssig, aber genau das mag ich total gern.

Nach dem Frühstück machten die Tante, Großcousinen und ich uns daran Pflaumenknödel zu machen. In der großen Portion für 10 Mittagesser. Interessanterweise nimmt Tante wirklich nur Kartoffeln und Mehl für den Teig, kein Ei, kein anderer zusätzlicher Geschmacksträger. Und meist bleibt noch ein wenig Teig übrig um ein paar Nudlis, ich glaube in Deutschland sind’s Schupfnudeln zu produzieren.

Zum Mittag war die ganze Baggage inclusive Cousin und seiner Gattin (die Eltern von Großcousin III und den Großcousinen) versammelt und genossen Blumenkohlsuppe als ersten Gang.

Die fertigen Pflaumenknödel werden in angerösteten Semmelbröseln gewälzt und mit Zimt-Zucker bestreut. Extrem lecker, aber auch extrem sättigend! Holla! Aber ich war glücklich! Ich hatte so sehr gehofft, dass irgendeiner während meines Aufenthaltes Pflaumenknödel macht :-)

Den Rest des Tages verbrachte ich lesend und mit den Großcousins und – cousinen spielend. Es wurden wilde Poker-Schlachten geschlagen oder draußen getobt. Nachmittags hatte sich das Wetter zum Glück beruhigt.

Am nächsten Morgen erwartete mich strahlender Sonnenschein vom makellos blauen Himmel.

Die Zeit wurde genutzt um ein paar Lieblingsblumen, wie diesen weißen Roseneibisch …

oder diese violett-rosa Version zu knipsen.

Mit den Jungs und der jüngeren Großcousine machten wir einen kleinen Spaziergang zum Stadtrand. Dort erspähte ich, die am meisten geschmähteste Pflanze des Landes: Ambrosia artimisiifolia. Es ist nicht ganz Unrecht so geschmäht, das Beifußblättrige Traubenkraut verbreitet sich wie nix gutes und hat hochallergene Pollen, von denen es auch noch wirklich Massen produziert. Nicht schön und deswegen ist jeder angehalten, es auf seinem Grundstück zu entfernen.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo Mais ja hauptsächlich zur Biogasgewinnung angebaut wird, wird er hier in Ungarn tatsächlich reif und auch für Tierfutter und auch Polenta angebaut. Dieses Feld sieht noch ganz okay aus, aber unterwegs sah ich schon Felder, die ob der wochenlangen Hitze und Trockenheit im Juli und August komplett vertrocknet waren.

Und als Wald- und Wiesenbotaniker, die ihre Diplomarbeit über die Pflanzen der Dörfer der Gegend geschrieben hat, achte ich besonders auf alles was am Feld- und Wegrand wächst, wie diese Spitzkletten.

Als wir zurück kamen, war das Mittagessen schon fast fertig. Als sehr sättigenden ersten Gang gab es Gulaschsuppe …

Als zweiten Gang Aranygaluska mit Vanillesoße. Aranygaluska bestehen aus Hefeteig, der ausgestochen wird und dann zusammen mit gemahlenen Walnüssen und Rosinen geschichtet wird und goldbraun gebacken. Man merkt, dieser Teil der Familie ist eher süß ausgerichtet in seinem Essverhalten *g*

Nachdem weitere kleinere botanische Erkundungen durchgeführt wurden …

… entschloss ich mich doch mal das Trampolin auszutesten. Hat ja schon im Mini-Format in der Reha letztes Jahr ziemlich Spaß gemacht. Nach dem ersten Hüpfen kribbelten erstmal die Beine wie verrückt, da wurde wieder irgendwelche Nervenbahnen in Betrieb genommen, die lange nicht gebraucht wurden.

Abe nach einer Weile hörte das Kribbeln auch auf und ich hüpfte fröhlich vor mich hin. Ging besser als erwartet …

Der Ausblick beim Hüpfen …

Die jüngste Großcousine leistete mir Gesellschaft auf’m Trampolin und gemeinsam hüpften wir, ich versuchte ein paar „Mini-Tricks“ und sie übte ein paar Salti vorwärts. Aber dieses Gehüpfe ist ernstlich anstrengend. Glaubt man nicht … Zur Entspannung legten wir uns einfach auf’s Trampolin und beobachteten Wolken …

… die am blauen Himmel vorüberzogen.

Den Abend verbrachte ich beim ältesten Cousin mit Familie mit Erzählen und Urlaubserinnerungen. Sehr entspannt immer dort …

Vom letzten Tag gibt es keine Bildbeweise. Den Großteil der Vormittags und Mittags war ich allein und las (Danke Evi für’s Anfixen der Thursday-Nect-Reihe *g*), stromerte im Garten rum, kochte ein wenig Essen, guckte Kochsendungen im TV (Nigella, Jamie, Gordon, jaj!) und erfüllte nachmittags den ärztlichen Auftrag den Sonnenbadens auf Tantes Terrasse während wir uns unterhielten. Abends brachte mich der älteste Cousin dann ins heimatliche Dorf zurück, wo ich dann noch die mir verbleibenden restlichen Tage verbringe …

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Ein Kommentar zu “Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag VI bis IX

  1. Schnick Schnack Schnuck 31. August 2013 um 15:08 Reply

    Für ein Buchprojekt bin ich diesen Juli mit dem Bus von Berlin nach Rumänien gereist und im Sonnenaufgang durch Ungarns Sonnenblumenfelder gefahren. Es war zum Weinen schön! Für jemanden wie mich, die noch nie östlicher als Dresden (streng genommen Wien und eigentlich Istanbul) gekommen ist, war das wirklich ganz traumhaft.

    Gefällt mir

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