Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag XIV

 Am Dienstag stand ja wieder ein Rieseneimer voller sonnengeküsster, reifer Tomaten unter der Hollywoodschaukel auf der Terrasse. Was Tante wohl damit vor hat? Am nächsten Vormittag wusste ich es. Die 7 kg Tomaten wurden roh entsaftet, durch die Flotte Lotte gedreht und zu Ketchup gekocht in diesem monströsen Topf.

Falls es jemand nachmachen mag, laut Rezept braucht man: 4 kg Tomaten, die nach der Methode der Wahl püriert werden. Das Püree in einem großen Topf mit 200 ml 20%igen Essig, 1 TL gemahlenem Zimt, 2 TL gemahlener Pfeffer, 1 EL gemahlene Senfsaat, 10 EL Zucker, 1 EL Salz und 6 ganzen Nelken etwa 4 Stunden lang köcheln bis es zur Ketchup-Konsistenz eingedickt ist. Die Nelken rausfischen, in Gläser geben. Im ungarischen steht, dass vor dem Einfüllen noch Einmachhilfe zugefügt wird, damit es haltbar ist. Ich würde es, glaub ich, kalt einfüllen und dann im Ofen 20-30 Minuten einkochen.

Das Mittag gestaltete sich mal sehr entspannt für Tante. Ich musste nur schnell den Mohn quetschen, …

… die dazu gehörigen Pflaumenknödel wurden von Tantes Schwiegermutter geliefert. Köstlich! Und ich muss gestehen mit Mohn-Zucker schmeckt es mir besser als mit Semmelbröseln.

Am Nachmittag machte ich mich auf zur Tante mit dem grünen Daumen. Unser Dorf ist auch ein bißchen exzentrisch, zumindest eine Familie züchtet Emus …

Der spätsommerliche dorfeigene kleine Park hinter dem Kulturhaus.

Auch wenn in letzter Zeit viel Geld in die Dörfer investiert wurde (Renovierung der Schule, Neubau einer Sporthalle, neue Straßenschilder etc.) mit Hilfe der Europäischen Union, gibt es auch immer noch kleine, unbefestigte Straße, die noch aussehen wie vor 30 Jahren.

Ein Blick auf Gedáshegy, der kleine Hügel im Hintergrund. Früher als meine Großeltern noch lebten, sind wir dort öfter spazieren gegangen. Auch ist dort der historische Ursprung Nagysáps. Mindestens seit der Bronzezeit siedelten die Menschen hier … Finde ich immer wieder erstaunlich, dass sich unser Dorf so lange gehalten hat.

Und endlich, endlich entdeckte ich das dritte untrügliche Sommerzeichen, auch wenn es schon September war: Teer auf der Straße, der vor Hitze Blasen wirft. Die anderen beiden Zeichen sind übrigens der Geruch des ersten frisch gemähten Rasens des Sommers und der Duft in der Luft nachdem der erste Sommerregen gefallen ist.

Bei Onkel und Tante steht ja der große Feigenstrauch und es war tatsächlich noch eine reife Feige dran, die Onkel mir pflückte. Wirklich sehr lecker! Großartig!

Den Nachmittag verbrachte ich mit den schweigsamen Großcousinen, wir putzten Birnen, bucken Schoko-Birnen-Muffins, unterhielten uns. Auch mit der Tante mit dem grünen Daumen konnte ich mich in Ruhe unterhalten, über alles was in den letzten zwei Jahre so passiert ist. Jetzt bin ich wieder im Bilde :-)

Zum Sonnenuntergang spazierte ich erschöpft aber gut gelaunt nach Hause.

Die protestantische Kirche zur blauen Stunde.

Danach fiel einigermaßen müde ins Bett und ließ mich weiterhin von Kochsendungen berieseln (Martha! Nigella! Jamie! Lorraine!)

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4 Kommentare zu “Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag XIV

  1. […] Köstlichkeiten bei denen ich mit half, ihren Weg in den Koffer fanden. Von links nach rechts: Ketchup, Pflaumenmarmelade, Pflaumenkompott, Brombeermarmelade. Bin ich gespannt wie das […]

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  2. Jutta 9. September 2013 um 19:54 Reply

    Diese unbefestigten Sträßchen versetzen mich sofort in meine Kindheit, wenn ich sie sehe. Im Geiste buddle ich ein kleines Loch in die Oberfläche und beginne, mit bunten Murmeln zu spielen. Schön ist das.

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    • Anikó 9. September 2013 um 20:19 Reply

      Sehe Dich förmlich auf der staubigen Straße sitzen :-)

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  3. […] ist doch ultimatives Comfort Food, oder? Kartoffelbrei, Rosenkohl, Bratwürstchen und Tante’s selbstgemachter Ketchup. […]

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