Archiv für den Monat November 2013

Einfaches, sehr köstliches Kartoffelbrot

Irgendwie ist Brotbacken bei mir psychisch und motivationstechnisch anders angesiedelt als Kuchenbacken. Kuchen ist nett, aber brauche ich nicht zwingend zum Leben, ist einfach kein Grundnahrungsmittel. Brot hingegen schon bei mir. Esse ich morgens und meistens abends auch nochmal. Und wenn keins im Haus ist, werde ich leicht nervös. Aber eigentlich passiert das nicht und wenn ich nur schnell zum türkischen Supermarkt umme Ecke gehe und ein Fladenbrot hole, dass ich dann größtenteils einfriere. Seit ich angefangen habe, mein Brot selbst zu machen, backe ich auch tatsächlich einmal die Woche ein Brot oder Brötchen. Ich will Brot, das schmeckt und frei ist von seltsamen Zusatzstoffe? Also muss ich es selbst machen! So einfach! Wenn es schnell gehen und total unaufwendig sein soll, dann die Zipferlbrötchen. Wenn die Lust es zu lässt auch gerne aufwendigere Brote, die etwas mehr zeitliche Planung benötigen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich eher der Fan von Broten aus Weizenmehl bin und auch nicht mehr der große Vollkornliebhaber werde in diesem Leben. Nach Weihnachten werde ich mich an Sauerteigbroten versuchen. Mal sehen, wie die mir schmecken werden…

So Zipferlbrötchen sind ja schön und gut, aber manchmal ist so Brot in Scheibenform auch nicht verkehrt und da hatte ich bisher noch kein schönes, saftiges, einigermaßen schnelles Rezept ausprobiert. Ich sah mich ein wenig bei Zorra, einer der Koryphäen des schnellen, einfachen Brotbackens, um. Zorra hatte ja vor einigen Jahren ihr Projekt „1 Basisrezept – 12 verschiedene Brote“ gestartet und dort wirklich etliche Brote präsentiert. Vom Alltagsbrot bis Festtagsbrot und allerlei regionale Besonderheiten dazwischen, alles dabei. Das besondere an diesen Rezepten ist ihre Unkompliziertheit: den Vorteig am Vortag zusammenkneten, 12-24 Stunden warten, den Brotteig am nächsten Tag kneten, 1 Stunde gehen lassen, Brot formen, nochmals eine knappe Stunde gehen lassen, backen und fertig. Vom Kartoffelbrot ist der Vorteig ist innerhalb 10-15 Minuten fertig vorbereitet, also nicht viel Arbeit, aber der Vorteig macht das Brot wesentlich aromatischer und auch länger haltbar. Das Machen des endgültigen Teiges am Backtag dauert etwa 20 Minuten und beim Warten, dass die Hefe ihren Job erledigt, kann man gut andere Sachen machen: Wäsche zusammen legen, lesen, staubsaugen, abwaschen. Der Teig meines Kartoffelbrotes war ziemlich klebrig nach dem Kneten, so dass ich ihn nur mit Einmalhandschuhen anfasste. So bleibt der Teig am Handschuh und ich brauch nicht jede Minute zum Händewaschen rennen. Manche Leute denken ja, sie könnten keine Brote backen, weil ihnen die nötige Hardware wie Gärkorbe fehlen. Jetzt habe ich zwar einen mittelgroßen runden Gärkorb, aber keinen für längliche Brote. Dafür nehme ich einfach meinen länglichen Brotkorb, den ich mit einem sauberen Geschirrtuch auslege, dass ich einmehle. Dann sollte eigentlich kein Brotteig mehr dran kleben bleiben. Für runde Brote können dann auch gut Schüsseln verschiedener Größen so verwendet werden.

Von dem Kartoffelbrot bin ich mehr als begeistert. Es erfüllt alles, was ich an einem Brot mag:

  • unkomplizierte Zubereitung
  • ansprechende Kruste, saftige Krume
  • nicht zu feine, nicht zu grobe Porung, also nicht zu luftig und nicht zu kompakt
  • lässt sich gut in Scheiben schneiden
  • eignet sich für diverseste Beläge, egal ob herzhaft oder süß
  • ist nicht sofort am nächsten Morgen oll
  • auch etwas älter sehr gut für Croutons/Arme Ritter/ Brotsalatwürfel geeignet

Es ist einfach ein wirklich feines Weißbrot. Perfekt für mich! Das wird ins Standardrepertoire aufgenommen und kann nur jedem empfohlen werden nachzubacken!

Kartoffelbrot

Zutaten für 2 kleinere Laibe:

Vorteig:
100 g Weizenmehl
50 g Vollkornweizenmehl
3 g frische Hefe (oder 1 g Trockenhefe)
2 g Speisesalz
100 g Wasser

Endgültiger Teig:
gesamter Vorteig
135 g Wasser
325 g Weizenmehl
25 g Vollkornweizenmehl
200 g Pellkartoffeln, vorgekocht und grob gerieben
7 g frische Hefe
10 g Salz

Arbeitszeit am Tag vorher: 15 Minuten
Gehzeit Vorteig: 12-24 Stunden
Arbeitszeit am Backtag: ca. 3 Stunden, davon insgesamt knapp 2 Stunden Gehzeiten
Gesamtbackzeit: 35 Minuten = 15 Minuten bei 230°C + 20 Minuten bei 200°C

(1) Am Tag bevor man backen will. Die Zutaten für den Vorteig gründlich miteinander zu einem festeren Teig verkneten. Den Vorteig abgedeckt 1 Stunde bei Zimmertemperatur stehen lassen, damit die Hefe in Schwung kommt. Dann für mindestens 12 Stunden, aber maximal 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.
(2) Am Backtag: Den Vorteig mit dem Wasser gut vermischen bis sich der Vorteig auflöst. Das dauert ein bißchen, nicht verzagen. Den aufgelösten Vorteig mit den anderen Zutaten bis auf das Salz in die Küchenmaschine geben und 4 Minuten bei langsamer Stufe verkneten. Dann das Salz hinzufügen und bei schnellerer Stufe 6 Minuten kneten. Der Teig war bei mir relativ klebrig, vielleicht lieber Einmal-Handschuhe zum Anfassen benutzen. Den Teig abgedeckt (ich nehme immer eine clip&close-Schüssel) 1 Stunde bei Zimmertemperatur gehen lassen. Nach 30 Minuten 1x falten. Wie das geht, ist gut gezeigt in diesem Video.
(3) Nach der ersten Gehzeit den Teig teilen und nach Wunsch formen, entweder länglich oder rund. Ich habe beides gemacht, weil es für die Backzeit egal ist, wie der Laib geformt ist.  Gärkörbchen ausmehlen und die Laibe mit dem Teigschluss nach unten (also hübsche, glatte Seite des Laibes nach oben) in den Gärkorb legen und nochmals 50 Minuten mit einem Tuch bedeckt bei Zimmertemperatur gehen lassen.
(4) Den Ofen mitsamt Blech auf 230°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Ein Blatt Backpapier bereit legen.
(5) Die Brote sind fertig gegangen, wenn eine kleine Delle, die man mit dem Finger in den Laib drückt, wieder etwas zurück springt, aber noch sichtbar ist. Die fertig gegangenen Laibe vorsichtig auf das mit Backpapier belegte, heiße Backblech kippen. Auf der unteren Schiene im Ofen geben. Einen kleinen Schluck kaltes Wasser auf den Boden des Herdes gießen oder mit einem Blumensprüher die Wände des Ofens mit Wasser besprühen. Schnell die Ofentür schließen. Nach 15 Minuten die Temperatur auf 200°C runter schalten und die Backofentür einmal kurz weit öffnen, damit eventuell ein zuviel an Feuchtigkeit aus dem Ofen entweichen kann. Weitere 20 Minuten backen.
(6) Die Brote sind durch gebacken, wenn sie beim Klopfen auf den Boden hohl anhören. Raus holen und auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen.

Genießen!

Quelle: 1x umrühren bitte aka kochtopfKartoffelbrot

Typisches Samstagessen – Hackschmorkohl

Noch ein traditionelle Samstagmittagessen. Wir sind ja eine typisch deutsche Mittagesserfamilie. Wenn es mittags nichts vernünftig warmes gibt, wird Herr Papa leicht grumpfig. Und sonnabends muss es bei uns nichts aufwendiges sein, da ist eh meist noch groß genug zu tun: einkaufen, aufräumen, Bad putzen, Blumen umtopfen, saugen, Wäsche waschen etc. Da bleibt für Mittag weder viel Zeit, noch viel Platz im Kopf. Das sollte dann einfach, unaufwendig und einigermaßen schnell zu köcheln sein.

Eines meiner absoluten Lieblingsessen sind ja Kohlrouladen. Dieser gebratene, schön braune Kohl!?! Ein Traum! Aber wenn man schlicht weder die Zeit noch die Lust noch die Personenanzahl zum erfolgreichen Kohlrouladen-Pfriemeln hat, ist Hackschmorkohl eine wunderbare Alternative. Einfach die Kohlstreifen bei hoher Hitze mit Geduld und wenig Rühren braun anbraten, Hack seperat anbraten und würzen, alles zusammen schmeißen und ein bißchen schmoren lassen, fertig. Und soo lecker! Ich liebe es einfach!

Hackschmorkohl

Zutaten für 4 Portionen:
3/4 Spitzkohl
neutrales Öl
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
400 g Hackfleisch nach Wahl
Salz, Pfeffer
Kümmel
1 TL Paprikapulver edelsüß
300 ml + 2EL Wasser
3 TL Maisstärke

(1) Den Spitzkohl in feine Streifen schneiden. Die Zwiebel und Knoblauch häuten, Zwiebel halbieren und in Ringe schneiden, Knoblauch fein hacken.
(2) Einen großzügigen Schluck Öl in einem großen Topf richtig heiß werden lassen. Den Kohl zufügen und bei hoher Hitze (hier Stufe 5 von 6) braun braten. Dafür nicht zu oft rühren und Geduld haben. Wenn der Kohl braun ist, mit Salz, Pfeffer und Kümmel (Menge nach Wunsch) würzen.
(3) Gleichzeitig in einer Pfanne etwas Öl erhitzen und das Hackfleisch krümelig anbraten. Sobald das Fleisch ein wenig angenommen hat und die Zwiebel und Knoblauch zugeben. Mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen. So lange braten lassen bis das Fleisch braun ist. Wenn Wasser austritt ist das auch okay und es muss nicht so lange gebraten werden bis es verdunstet ist.
(4) Die komplette Fleischmasse zu dem gebräunten Kohl geben. Gut verrühren. 300 ml Wasser zufügen, Deckel drauf und bei mittel-schwacher Hitze schmoren lassen. Bei Spitzkohl dauert es etwa 20-25 Minuten bis er gar ist. Ruhig zwischendurch mal kosten.
(5) Am Ende der Garzeit die Hitze hochdrehen. Die Maisstärke mit 2 EL Wasser klümpchenfrei in einer kleinen Schale verrühren. In den Hackschmorkohl geben und so lange kochen lassen bis die Sauce ein wenig andickt.

Mit Kartoffeln servieren und

genießen!

Wenn man wie ich alleine lebt, kann trotzdem die ganze Portion gekocht werden und dann zwei Portionen einfrieren. Geht wunderbar, kein Geschmacksverlust.

Jeden Tag ein Buch: Ein Leib- und Magenbuch

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass eher ein kulinarisches Lese- denn Kochbuch ist. Das Buch „Ein Leib- und Magenbuch – Kulinarische Notizen“ von Ursula Winnington habe ich mal von meiner Mutter geschenkt bekommen. Ursula Winnington ist eine 1928 geborene Journalistin und Kochbuchautorin, die vor allem zu DDR-Zeiten aktiv war. Regelmäßig schrieb sie für „Das Magazin“ die Rezeptkategorie, eine in der DDR sehr beliebte Zeitschrift, die die Wendezeit auch überlebt hat. Frau Mama fand das offensichtlich so gut, dass sie sich zumindest dieses Buch zulegte:

Erster Eindruck

Ein dünnes Hardcover-Buch von 160 Seiten in angenehmer Größe, um es auch einfach im Bett zu lesen. Das Papier fässt sich angenehm an, es riecht angenehm wie ältere Bücher nunmal duften. Besonders aufgefallen sind mir gleich die Illustrationen. Ich brauche ja nicht dringend hochstilisierte Photos in Kochbüchern.

Inhalt

In diesem Buch nimmt Ursula Winnington verschiedene Aspekte der Kulinarik unter die Lupe. In insgesamt 14 Kapiteln schreibt Ursula Winnington amüsant und informativ über:

  • Feinschmecker im Visier
  • Essen oder speisen?
  • Einiges über Kochbücher
  • Ein guter Koch ist ein guter Arzt
  • Hobbyköche
  • Gewürze sind Paradieskörner
  • Von Sitten und Unsitten des Tafelns
  • Aberglaube und Medizin
  • Küchentips für Liebesleute
  • Eßzentrale – bitte melden!
  • Gegen die Bauchdienerei
  • 50 berühmte Rezepte aus aller Welt
  • Pikant gewürzt von A bis Z
  • Quellennachweis

Das Buch liest sich wunderbar! Frau Winnington hat einen sehr angenehmen Stil, der sich einfach nur so weglesen lässt. Zudem sind die einzelnen Kapitel wirklich informativ, so gibt es eine kurze Geschichte des Kochbuchs, es wird über Aphrodisiaka erzählt, Geschichte, Nutzen, Verwendung, Gebrauch von Gewürzen und Kräutern, über ambitionierte Hobbyköche (fühlt sich jemand angesprochen?) oder ausgewogene Ernährung. Ich meine klar, die Daten sind veraltet, das Buch erschien erstmals immerhin 1981, aber trotzdem war es sehr interessant zu lesen.

Ein Kapitel ist ausschließlich Rezepten gewidmet aus allen Kategorien: Vorspeisen, Suppen, Salate, Reis und Teigwaren, Fisch, Fleisch- und Geflügel, Gebäck, Saucen, Desserts. Alles was das Herz begehrt und dann auch wirklich international. Es sind französische, mexikanischer, amerikanische, ungarische, russische, fernöstliche Rezepte. Wobei ich mich frage, ob man bei uns in Rostock einige Zutaten offiziell käuflich zu erwerben bekommen hätte im Jahr 1984. Ich bezweifele es sehr stark. In Berlin war das noch ’ne andere Geschichte, aber im Rest der DDR war frischer Ingwer oder Sojasauce eher nicht erhältlich. Trotzdem hat die Autorin versucht ihre Zutatenlisten den Gegebenheiten anzupassen, damit ihre Leser nicht zu frustriert sind *g* Heute ist das zum Glück kein Problem mehr und ich kann problemlos alle Rezepte nachkochen. Und die Rezepte laden zum Nachkochen ein, auch wenn keine Bilder der einzelnen Gerichte abgebildet sind.

Ein nettes Gimmick sind kleine Spruchweisheiten von verschiedensten Leuten, die am Ende jedes Kapitels stehen, so zum Beispiel und sehr wahr:

Es ist besser ein Gericht Kraut mit Liebe, denn ein gemästeter Ochse mit Haß.
Aus den Sprüchen des Salomo um 960 v.u.Z.

Gestaltung

In diesem Buch gibt es keine Photos der vorgestellten Gerichte, nur schöne und auch amüsante Illustrationen von Newena Wendt-Jontschewa, die die einzelnen Kapitel unterstützen. Der Großteil der Rezepte ist am Ende des Buches versammelt, aber auch wenn es zu den einzelnen Kapiteln passt, sind dort Rezepte vermerkt. So sind einige Gewürzmischungen wie Garam Masala, Chmeli-suneli oder eine Arabische Mischung am Ende des Kapitels „Gewürze sind Paradieskörner“. Die Rezepte sind alle übersichtlich gestaltet, mit sehr guten, ausführlichen Anleitungen und somit auch für Kochanfänger geeignet.

Fazit

Ich habe das Büchlein mit großem Interesse und Vergnügen gelesen. Die Rezepte sind vielfältig und gut nachkochbar. Allein die Zutaten muss man manchmal den heutigen Begebenheiten anpassen, weil die sich damals doch eher an der DDR-Mangelwirtschaft orientierten. Ich nehme das Büchlein immer mal wieder gerne in die Hand und lese ein Kapitel daraus. Das wird noch lange Zeit in Ehren gehalten! Für kulinarisch interessierte Leser dieses Blogs eine definitive Empfehlung!

Ausprobiert

Von den Rezepten hatte ich letzten Sommer die bulgarische kalte Gurkensuppe Tarator ausprobiert. Sehr lecker! Es reizen mich aber auch noch andere Rezepte wie die Französische Leberpastete oder die Koreanische Eierrolle oder Boston Baked Beans oder Sibirische Pelmeni oder Bolognese Sauce oder oder … :-)

Eckdaten:

Ursula Winnington
Ein Leib- und Magenbuch – Kulinarische Notizen
Verlag für die Frau. DDR. Leipzig
2. Auflage 1984
antiquarisch erhältlich

Dies ist mein fünfter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

Jeden Tag ein Buch: Füszer és lélek – Jüdische Küche hier und heute

Gefühlt hatte in Ungarn schon die erste Bloggerin ihr eigenes Buch veröffentlicht, bevor hier in Deutschland der erste Buchvertrag unterschrieben wurde ;-) Die erste von deren Buchprojekt ich hörte, war Eszter. Sie ist eine jüdische Ungarin, die mit ihrer Familie in Budapest lebt und schon seit gefühlt Ewigkeiten ihren Blog „Füszer és Lélek“ schreibt. Die jüdische Tradition lebte in ihrer Familie erst wieder nach den Wendezeiten auf und nach der Geburt ihres Sohnes, beschäftigte sie sich intensiver mit den jüdischen Speisegesetzen und passte ihr eigenes Kochen dem an. Gekauft hatte ich „Füszer és lélek – Zsido konyha itt és most“ („Würze und Geist – Jüdische Küche hier und heute“) schon während meines Urlaubs im Frühjahr 2009, aber erst jetzt schreibe ich mal eine ausführlichere Rezension darüber *ascheaufmeinhaupt*

Erster Eindruck

Ein großformatiges, dickes Buch mit angenehm 150g-Papier. Insgesamt sind es 304 Seiten, auf denen unter anderem auch 130 ganzseitige Photos sind, die mich auf den ersten Blick schon sehr ansprechen. Es fässt sich angenehm an, hat ein praktisches Format, dass gut in meinem Buchhalter in der Küche stehen kann. Das Buch lässt sich auch gut aufschlagen, so dass die Seiten nicht andauernd wieder von alleine zuschlagen. Das finde ich nervig, weil mit teig- oder fettverschmierten Fingern, will doch niemand andauernd wieder die Seite vom gewünschten Rezept suchen müssen, oder?

Inhalt

Das Buch ist in insgesamt dreizehn Kapitel unterteilt:

  • Vorwort
  • Einführung
  • Kurz über die Kaschrut
  • Vorspeisen
  • Suppen
  • Hauptgerichte
  • Salate
  • Herzhafte und süße Brote
  • Desserts
  • Coocktails
  • Feiertage – Menüvorschläge
  • Inhaltsverzeichnis
  • Danksagung

Die ersten drei Kapitel, besonders die kurzen Erläuterungen zu den jüdischen Speisegesetzen sind sehr interessant, auch wenn ich einen Großteil davon schon kannte (von meinem 40 minütigen Vortrag über das Judentum im Sozialkundeunterricht der 10. Klasse ist offensichtlich einiges hängen geblieben *g*). Dann folgen die Rezepte in einer (gefühlt) typisch ungarischen Reihenfolge, so sind z.B. die Salate nicht zu Anfang, sondern eher am Ende als Beilage zum Hauptgericht angesiedelt. Hauptsächlich sind Rezepte der aschkenasischen Juden in dem Buch zu finden, aber auch einige der Sephardim, die eher an die spanische Küche erinnert. Es ist eine schöne Mischung aus klassischen jüdischen Gerichten wie Matzeknödeln als Suppeneinlage oder Tscholent (ein typisches Sabbatessen). Auch Klassiker der ungarischen Küche, die koscher sind oder durch leichte Veränderung koscher gemacht werden können sind vertreten (Sauerkirschsuppe, Quarknudeln ohne Schinken). Besonders interessant finde ich, dass für mich auch außergewöhnlichere Fleischsorten verwendet werden wie beispielsweise Rinderzunge oder Zicklein, auch viel Ente. Ich liebe Ente! Eine gute und wirklich vielfältige Auswahl an Rezepten. Die Rezepte sind gut beschrieben, aber manchmal sollte man seinen gesunden Menschenverstand benutzen, weil nicht jeder kleine Schritt beschrieben ist. So muss man halt schon selbst schalten, dass der Ofen vorgeheizt werden sollte, wenn etwas bei 180°C drin gebacken wird. Aber es hilft dabei schon wirklich, sich das Rezept, bevor man anfängt, einfach mal komplett durchzulesen und alles zu planen. (Planen rockt!) Trotzdem sind die Gerichte gut nachkochbar und die meisten Gerichte wirklich unkompliziert. Auch die Zutaten sind nicht zu exotisch und eigentlich gut erhältlich (gut, beim Fleisch muss man manchmal vielleicht ein wenig suchen…). Besonders gefällt mir das Kapitel mit den Menüvorschlägen zu einzelnen wichtigen Feiertagen, zum Beispiel:

  • Schabbat: Challa – Graupensuppe – Tscholent – Kalbsbraten – Samstagsschokoeis
  • Laubhüttenfest (Sukkot): Heringsalat – Kartoffelrolle – In Sekt geschmorte Hähnchenkeulen – Kürbissoufflé
  • Neujahrsfest der Bäume (Tu biSchevat): Hähnchen mit getrockneten Pflaumen und Pfirisch – Mit Bulgur gefüllte Tomaten – Windbeutelchen mit Himbeercreme  – Rugelach

Finde ich eine schöne Idee, wohl auch für Leute gedacht, die sich vielleicht erst langsam mit ihrer eigenen jüdischen Identität auseinander setzen oder eben für interessierte Heiden wie mich. Ich fände es ganz schön mal zu einem der Feiertage so ein Menü zu kochen und in geselliger Runde zu verspeisen. Mag jemand mitmachen?

Gestaltung

Das Buch hat, wie oben schon erwähnt, 130 ganzseitige Photos, die die Autorin selbst gemacht hat (Gibt es ein schöneres Verb für diese Arbeit als „schießen“ oder „knipsen“? *grübel*). Jedes Rezept ist bebildert, so dass man sich auch gut vorstellen kann, wie eventuell unbekannte Gerichte oder Backwaren am Ende auszusehen haben. Eszter schafft es sogar eigentlich nur schlecht zu photographierendes Comfort Food appetitlich darzustellen. Und die Bilder sind wirklich schön geworden.

Die Einteilung ist des Buches ist klassisch und logisch und auch die Rezepte sind übersichtlich dargestellt. In der linken schmalen Spalte sind die Zutaten aufgezählt, manchmal steht schon dabei wie sie geschnitten sein sollten, auf der breiten rechten Spalte ist eine kurze Erläuterung zum Rezept oder bestimmten jüdischen Feiertagen, an denen das Rezept vornehmlich gekocht wird, vermerkt oder eine kleine Familien-Anekdote. Danach folgt die Kochanleitung.

Es gibt zwei Inhaltsverzeichnisse. Einmal eine Auflistung aller Gerichte sortiert nach Gang und dann eine alphabetische Sortierung der Essen nach Namen. Leider fehlt ein Verzeichnis, dass nach Zutaten gelistet ist, aber das ist knapp zu verschmerzen *g*

Fazit

Ein wirklich schönes Buch, dass mir die jüdische Küchentradition auf praktischer Ebene noch etwas näher gebracht hat. Es hat die für mich perfekte Mischung aus klassischen jüdischen und ungarischen Gerichten (schließt sich ja nicht immer aus) und auch mit modernen Interpretationen. Die Bilder sind wunderschön und laden dazu ein, gleich ein paar Rezepte auszuprobieren. Leider gibt es das Buch nur auf ungarisch, aber wer des Ungarischen mächtig ist (Küchenungarisch lesen und verstehen können, reicht) sollte sich das Buch anschaffen. Oder für die deutsche Leserschaft, guckt Euch deutschsprachige (oder englische) Bücher über die jüdische Küche an – es ist wirklich spannend, was dort so an koscheren Gerichten vor sich hinköchelt!

Ausprobiert

Getesten habe ich im Sommer bisher zwei Rezepte, die auch beide ohne Schwierigkeiten gut funktioniert haben:

Aber es wird noch einiges folgen …

Dies ist mein vierter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

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