Jeden Tag ein Buch: Wie ich ein Kochbuchwurm wurde …

Wir Foodblogger sind doch alle ein bisschen verrückt, oder? Verrückt nach Gerichten, verrückt nach Kochen, verrückt nach Essen, verrückt nach Essen zu Photographieren. verrückt nach Kochbüchern. Wann fing das bei der geneigten Leserschaft an? Wie fing das bei Euch an?

Laut Frau Mama saß ich schon als kleines Kind, bevor ich lesen konnte, oft auf dem Wohnzimmerboden und habe mir ausdauernd lange ihre ungarischen Kochbücher mit den vielen tollen Bildern angeguckt. Mein erstes eigenes Kochbuch habe ich zum 7. Geburtstag von meiner ältesten Tante geschenkt bekommen:

Erster Eindruck

Ich weiß noch, dass ich mich damals wirklich über das Büchlein gefreut habe, weil es mein erstes Kochbuch war oder weil mir überhaupt jemand zutraute richtig zu lesen, ich weiß es nicht mehr. Es ist ein A5 Paperback-Büchlein mit jetzt schon leicht vergilbten Seiten. Aber es sind bunte Bilder drin und kindgerechte Illustrationen.

Inhalt

Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt: ein kurzes Vorwort des Autors, dann ein Kapitelchen über Soßen, sprich Dressings und wieso sie so wichtig sind für Salate. Dann kommen vier Kapitel mit Rezepten zu unterschiedlichen Themen: Frischkost- und Gemüsesalate, Obstsalate, Salate für Feste und Feiern und Salate zum Abendbrot. Das letzte Kapitel ist den Garnituren gewidmet, wo den Kindern erklärt wird, wie sie Tomatenfässchen, Gurkenkörbchen oder Krautmuscheln herstellen können, in denen die Salate serviert werden können. Nach jedem Rezeptkapitel gibt es auch noch zwei Seiten, die mit eigenen Notizen und Rezepten gefüllt werden können.

In jedem Rezept sind natürlich die Zutaten aufgezählt (wobei manchmal auch mal was vergessen wurde *hmpf*) und zusätzlich noch sämtliche Gerätschaften: Schüssel, Salatbesteck, Messer, Schneidbrett, etc. Sehr kindgerecht finde ich. Oftmals gibt es zu einzelnen Zutaten mehrere Salatvarianten z.B. unterschiedliche Kartoffel- oder Möhrensalate. Auch bei einzelnen Salaten ist manchmal mit angegeben, durch welche zusätzlichen Zutaten man welche Variante zusammenschnippeln kann. Es sind die Klassiker vertreten wie Apfel-Möhren-Salat, Schopskasalat, Gurken-Dill-Salat, aber auch schöne Obstsalatideen mit unterschiedlichsten Beeren und Eis. Wobei ich mich ehrlich manchmal frage, woher die Eltern der Leser manche Zutaten kriegen sollten, außer sie lebten in Berlin. Mangelwirtschaft DDR halt …

Gestaltung

Nicht jedes Rezept ist bebildert und die Bildgestaltung ist schon sehr retro, aber hey, das Buch ist auch von 1988. Trotzdem ist es sehr übersichtlich gehalten, alles mit der Trennung von Zubehör, Zutaten und Zubereitungsbeschreibung. Ich fand damals auch die kleinen Illustrationen ganz goldig, wie beispielsweise den Harlekin, der unter dem Rezept zum Apfelsalat „Harlekin“ sitzt.

Fazit

Es ist ein schönes Kochbuch, um Kinder an Küchenarbeit, kochen ist es ja im eigentlichen Sinne nicht, heranzuführen. Durch die genaue Aufführung der benötigten Geräte und den genauen Anleitungen hat man auch als Kind schon kleine Erfolgserlebnisse, wenn man selbst den Nachtisch in Form eines Obstsalates zum Sonntagsessen beisteuert. Fand ich super damals. Auch heute finde ich darin durchaus noch interessante Rezepte, wenn ich sie doch abwandeln/ergänzen würde. Manche sind arg simpel, aber wie gesagt für Kinder gut.

Nachgekocht

Was ich damals als erstes nachgekocht habe, mit Hilfe meiner Mutter und meiner Oma war ein „Pikanter Wurstsalat“, den ich auch heute noch gerne als Abendbrot oder Büro-Mahlzeit esse. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich den damals wirklich noch im Dezember (sprich zu meinem Geburtstag) gemacht habe oder erst später, weil wir früher definitiv nicht stets und ständig Radieschen zu kaufen bekamen und Tomaten erst Recht nicht, im Gegensatz zu heute. Und ich bestand damals schon sehr vehement darauf, dass alle Zutaten da rein mussten beim ersten Kochen wie im Rezept aufgeführt *g* Ich kann mich überhaupt nicht entsinnen zu DDR-Zeiten zu Hause, also in Rostock Tomaten gegessen zu haben, irgendwie erinnere ich mich nur an ungarische Tomaten aus Tantes und Omas Garten. Man sieht an der Seite im Buch auch, dass sie damals schon rege genutzt wurde (Bild oben) und mal ein wenig (oder mehr) Vinaigrette auf den Seiten gelandet ist. Aber auch damals hatten wir das schon ein wenig geändert, mehr als vier Würstchen genommen und definitiv weniger als vier Zwiebeln. In der Zutatenliste wurde der Essig leider vergessen, schlecht lekotiert. Aber trotzdem ein guter Wurstsalat.

Pikanter Wurstsalat

Zutaten für 4 Personen als Abendbrot-Snack:
2 EL Essig (z.B. Weißweinessig)
1 TL Senf
Salz, Pfeffer
Prise Zucker
4 EL Öl
6 Wiener Würstchen
1 Bund Radieschen
2 Frühlingszwiebeln
4 kleine Gewürzgurken
3 Tomaten

Gerätschaften:
1 Salatschüssel
1 Salatbesteck oder 2 große Löffel
1 Schneebesen
1 Schneidebrett
1 Messer

(1) Zuerst das Dressing anrühren. Dafür in der Salatschüssel mit dem Schneebesen den Essig mit Senf, Salz, Pfeffer und Zucker gründlich verrühren. Dann unter Rühren das Öl hinzufügen bis eine geschmeidige Salatsoße entstanden ist.
(2) Die Wiener Würstchen in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Die Radieschen waschen, die Enden und das Grün abschneiden, ebenfalls in dünne Scheiben schneiden. Von den Frühlingszwiebeln das Wurzelende und die welken grünen Blätter entfernen, in dünne Ringe schneiden. Tomate, waschen, halbieren, grüner Strunk heraus schneiden, würfeln. Die Gewürzgurken ebenfalls in dünne Scheiben schneiden. Alles zu der Salatsoße in die Schüssel geben und gut mit Hilfe des Salatbestecks vermischen.
(3) Den Salat ca. 30 Minuten bei Raumtemperatur durchziehen lassen, damit sich die Aromen gut durchmischen.

Auf vier Schälchen verteilen und zusammen mit frischem Brot

genießen!

Quelle: Kroboth, Rainer (1988): Tischlein deck Dich – Salatbuch für Kinder. Verlag Junge Welt Berlin/DDR.
ISBN 3-7302-0106-9
antiquarisch erhältlich

Und damit beginnt bei mir die Woche „Jeden Tag ein Buch„, initiiert von Arthurs Tochter. Eine Woche (vom 11.-17. November), in der viele viele Blogger über ihre persönlichen Genuss-Bücher schreiben, natürlich Kochbücher, aber auch andere Bücher, die ihnen Genuss bereiten. Bei Arthurs Tochter und im Kuriositätenladen gibt es dann Zusammenfassungen, auf die ich dann am Ende natürlich auch verlinken werde. Lasst die Buch-Festspiele beginnen! (Wahrscheinlich werde ich nicht sieben Bücher schaffen, aber mir wichtige Bücher werden schon vorgestellt.)


Ein Dank an Ariane Bille für das Logo.

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3 Kommentare zu “Jeden Tag ein Buch: Wie ich ein Kochbuchwurm wurde …

  1. hafensonne 14. November 2013 um 08:39 Reply

    So, ich dann gestern voll motiviert (fast schon motifünft :-p) in den Jensmarkt, vorm Losfahren nochmal nachgeschaut, was ich kaufen muss (Würstchen, Radieschen, Frühlingszwiebeln, Tomaten), zu Hause angekommen, ausgepackt, war da nicht noch was? … äh, Radieschen? D’oh! Waren eben mehr als drei Items zu merken… vielleicht schaff ichs heute mal ;-)

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    • Anikó 14. November 2013 um 08:42 Reply

      :-D Das Alter, ich sag’s Dir *g*
      Hoffe die einzelnen Radieschen wandern heute in den Einkaufskorb und dass Euch mein Kindheitssalat dann auch schmeckt :-)

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      • hafensonne 14. November 2013 um 13:40

        Falls der Jens überhaupt Radiesers feilbietet… vielleicht gabs auch gar keine = keine Rekognition…

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