Jeden Tag ein Buch: The Kitchen Diaries

So, diesmal ein aktuelleres Buch. Von einem meiner Kochbuchhelden: Nigel Slater! Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf ihn aufmerksam wurde, über Jamie Oliver vielleicht? Und dann gab es eine ordentliche Preisreduktion beim britischen Amazon, so dass Kochbücher damals oft nur die Hälfte des ursprünglichen Preises kosteten. Da musste ich zuschlagen! Und für alle Kochbuchsüchtigen, die des Englischen mächtig sind: Solche Angebote gibt auch immer noch oft beim britischen Amazon. Da lohnt es sich gleich ein paar Bücher mehr zu bestellen! Und ich muss gestehen, soweit ich die Sprache verstehe, bevorzuge ich die Kochbücher im Original, weil ich schon öfter erlebt habe, dass in den Übersetzungen Fehler gemacht wurden: inakkurate Zutatenrecherche, wichtige Zubereitungsschritte weg gelassen. Sowas will ich nicht akzeptieren!

Aber zurück zu Nigel Slater. Er ist ein Koch aus England, der durch das Kochen und Backen als Kind mit seiner Stiefmutter um das Herz seines Vater konkurrieren konnte. Mittlerweile ist er Autor, Kolumnist beim Observer und Moderator seiner eigenen Kochshows auf der BBC. Ich muss gestehen, ich höre ihm nicht so gerne zu, aber dafür lese ich Mr. Slater umso lieber! Das erste Buch, dass ich von ihm käuflich erstanden habe, sind seine

Kitchen Diaries

Erster Eindruck

Der Mann ist der ultimative Foodblogger, das Buch heißt nicht umsonst „The Kitchen Diaries“. Vom 1. Januar bis 31. Dezember eines Jahres hat er für (fast) jeden Tag aufgeschrieben, was er gegessen hat. Ein Paperback mit angenehm griffigem Papier, etliche großformatige Bilder, viel Text. Schön!

Inhalt

Wie schon gesagt, hat Mr. Slater vom ersten Tag des Jahres 2004 bis zum letzten Tag auf geschrieben was er gegessen hat. Das hört sich jetzt für Nicht-Foodies reichlich langweilig an, ist es aber ganz und gar nicht. Es ist nicht nur eine lange Tabelle, nein, mal sind es kurze Text mit knappen Stichworten wie der Nachmittagssnack zubereitet wurde. Mal längere Texte über seinen Garten, was gemacht werden musste, was gepflanzt wurde, was reif ist, über bestimmte Gemüse oder den Fuchs, der durch das Viertel zieht. Mal sind es genaue Rezepte mit Zutatenliste und Zubereitungsbeschreibung. Besonders amüsant finde ich Selbsterkenntnisse, wie beispielsweise im Juni, als er TK-Erbsen kaufte und sich an der Kasse fragte, warum er mitten in der Saison nicht frische Erbsenschoten holt. Man merkt einfach, dass auch gelernte Köche und Kochbuch-Autoren nur Menschen sind und nicht immer saisonal und regional essen und auch mal Gelüste haben, denen dann sofort nachgegangen werden muss. Vom Rezeptumfang sind sowohl kurze mit wenigen Zutaten für nach-dem-Feierabend vorhanden als auch etwas aufwendigere für’s Sonntagsessen oder ganze Menüs für Feiertage wie Weihnachten. Nebenbei wird auch noch gebacken, so dass auch die versierten Bäcker unter der Leserschaft nicht zu kurz kommen. Es ist die typische britische Bandbreite an Gerichten vertreten neben dem britisch-europäischen Teil mit Lammbraten etc., scheint Mr. Slater besonderen Gefallen an indischen und orientalischen Gerichten gefunden zu haben. Aber auch italienisch inspirierte Rezepte sind häufig zu finden. Ich meine, so über 365 Tage lässt sich ’ne Menge unterschiedlichstes kochen.

Das mag sich jetzt unspektakulär anhören, aber was das Buch wirklich sehr lesenswert macht, ist Nigel Slaters Schreibstil. Ich liebe es einfach, wie er seine Worte wählt. Mit welchem Enthusiasmus er über einzelne Gemüsesorten und seinen Garten schreibt, mit welchen liebevollen Details er Kochzustände beschreibt, z.B. soll man Suppen enthusiastisch simmern lassen. Und ich finde das beschreibt diesen Zustand perfekt und man weiß sofort wie das aussehen soll. Ich könnte den Mann stundenlang, tagelang nur lesen und es wäre nicht einen µ langweilig. Dementsprechend schnell war das Buch damals auch ausgelesen ;-)

Gestaltung

Die Buchkapitel sind logischerweise nach den Monaten geordnet, auf deren Titelseite dann auch die Rezepte angegeben sind, die im jeweiligen Monat vorgestellt werden. Und die einzelnen Seiten in zwei Spalten aufgeteilt. In der linken, schmalen Spalte steht das Datum und in der breiteren rechten der Text mit den Rezepten etc. Nicht zu jeder kleinen Rezeptidee ist ein Photo gemacht worden, aber die Bilder, die im Buch verwendet wurden, sind schön. Über die gesamte Seite, meist ist darauf das Gericht in seinem Kochgeschirr als auch als Einzelportion auf Tellern zu sehen. Laut Vorwort wurden die Bilder auch tatsächlich an dem Tag gemacht als Mr. Slater das Gericht gekocht hat, sprich nicht noch einmal extra nachgekocht an einem Tag mit besseren Lichtbedingugnen. Sehr sympathisch! Die Bilder sehen glücklicherweise auch nicht aus, als hätte ein Foodstylist stundenlang mit einer Pinzette daran rumgezuppelt oder extra Grillstreifen mit einer heißen Nadel auf das Lammsteak gebrannt. Auch die Bilder von einzelnen Zutaten wie frisch geernteten Möhren, die noch vollkommen verdreckt sind oder eine Stiege mit Falläpfel sind besonders gelungen.

Das Inhaltsverzeichnis ist nach Zutaten geordnet, so dass man bei Gelüsten auch einfach mal nach der entsprechenden Zutaten gucken kann und dann das kocht, was einen am meisten anlacht.

Fazit

Es ist eines meiner Lieblingsbücher über Kochen und Essen. Wahrscheinlich, weil ich wirklich gerne über den Alltag anderer Menschen lese (soviel spannender als meiner ist er auch nicht *g*), weil ich Mr. Slaters Stil wirklich gut finde und auch seine ganze Art das Essen anzurichten. So unprätentiös, so einfach, aber immer sehr ansprechend! Ich kann nur eine dringende Kaufempfehlung aussprechen! Ich liebe dieses Buch wirklich sehr und werde daraus wohl noch einiges kochen!

Ausprobiert

Wie schon erwähnt ist es für mich sowohl ein Lese- als auch Kochbuch. Und letztens habe ich gleich das erste Rezept des Buches, eine Kürbis-Linsen-Suppe ausprobiert. Bei ihm ist es eine Kater-Suppe für den 1. Januar, ich brauchte was wärmendes im Bauch. Ich las mir das Rezept durch, suchte alle Zutaten in der Küche zusammen (Mis-en-place rules!) und wunderte mich, welches Öl ich benutzen sollte. Ich war fest davon ausgegangen, dass zuerst die Zutaten in Öl angedünstet werden und dann mit Wasser aufgefüllt. Aber nee, Pustekuchen! Praktischerweise werden die Zutaten nur alle in einen Topf gegeben, mit Wasser aufgefüllt und gekocht. Ich hab mal wieder gemerkt, dass Rezepte gründlich durchlesen und eigene festgefahrene Wege verlassen, manchmal ganz hilfreich ist. Statt dass ich den Kürbis extra in Wasser gekocht habe (ich weiß gar nicht, wieso die Würfel nicht gleich in der Suppe mitgegart werden), habe ich gebackenen Kürbis aus dem Ofen genommen, den ich eh für noch andere Gerichte brauchte. Funktioniert auch wunderbar. Normalerweise sollte es dazu noch ein scharfes Zwiebel-Topping geben, aber weil ich schon länger stand und meine Beine schon merkte, hab ich es sein gelassen und einfach nur einen Klecks Schmand dazu gegeben, um ein wenig die fettlöslichen Vitamine zu lösen. Eine wirklich schmackhafte, pikante Suppe, die gut von innen wärmt.

Dal und Kürbis Suppe

Zutaten für 4 großzügige Portionen:
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 walnussgroßes Stück Ingwer
225 g rote Linsen
1,5 l Wasser
1 TL gemahlener Kurkuma
1 TL gemahlener Chili (hier: 1/2 TL Pul Biber)
250 g Kürbis (im Ofen gebacken oder in Wasser gekocht)
Salz, Pfeffer
1 kleines Bund Koriander, grob gehackt

2 EL Schmand

(1) Zwiebel und Knoblauch häuten. Zwiebel grob hacken, Knoblauch fein. Beides in einen mittelgroßen Topf geben. Den Ingwer schälen (am Besten mit einem Teelöffel die Schale abschaben), in feine Stifte schneiden und zum Zwiebel-Knoblauch-Gemisch geben. Die Linsen zugeben und mit dem Wasser auffüllen. Aufkochen lassen und dann die Hitze runterschalten bis es enthusiastisch simmert. Den Kurkuma und Chili unterrühren. Bedeckt ca. 20 Minuten köcheln lassen.
(2) Den Deckel von den Linsen entfernen und die Hitze hochschalten. Etwa 5 Minuten lang sehr stark kochen lassen, damit Flüssigkeit verdunstet. Die Topf vom Herd nehmen und den Kürbis unterrühren. Mit einem Stabmixer oder im Standmixer pürieren. Salzen, pfeffern.

Auf vier Schalen verteilen, den Koriander unterrühren und mit dem Schmand garnieren.

Genießen!

Quelle: Slater, Nigel (2005): The Kitchen Diaries. Fourth Estate. London. p 4
ISBN 978-0-00-724115-6

Der zweite Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

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