Jeden Tag ein Buch: Ein Leib- und Magenbuch

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass eher ein kulinarisches Lese- denn Kochbuch ist. Das Buch „Ein Leib- und Magenbuch – Kulinarische Notizen“ von Ursula Winnington habe ich mal von meiner Mutter geschenkt bekommen. Ursula Winnington ist eine 1928 geborene Journalistin und Kochbuchautorin, die vor allem zu DDR-Zeiten aktiv war. Regelmäßig schrieb sie für „Das Magazin“ die Rezeptkategorie, eine in der DDR sehr beliebte Zeitschrift, die die Wendezeit auch überlebt hat. Frau Mama fand das offensichtlich so gut, dass sie sich zumindest dieses Buch zulegte:

Erster Eindruck

Ein dünnes Hardcover-Buch von 160 Seiten in angenehmer Größe, um es auch einfach im Bett zu lesen. Das Papier fässt sich angenehm an, es riecht angenehm wie ältere Bücher nunmal duften. Besonders aufgefallen sind mir gleich die Illustrationen. Ich brauche ja nicht dringend hochstilisierte Photos in Kochbüchern.

Inhalt

In diesem Buch nimmt Ursula Winnington verschiedene Aspekte der Kulinarik unter die Lupe. In insgesamt 14 Kapiteln schreibt Ursula Winnington amüsant und informativ über:

  • Feinschmecker im Visier
  • Essen oder speisen?
  • Einiges über Kochbücher
  • Ein guter Koch ist ein guter Arzt
  • Hobbyköche
  • Gewürze sind Paradieskörner
  • Von Sitten und Unsitten des Tafelns
  • Aberglaube und Medizin
  • Küchentips für Liebesleute
  • Eßzentrale – bitte melden!
  • Gegen die Bauchdienerei
  • 50 berühmte Rezepte aus aller Welt
  • Pikant gewürzt von A bis Z
  • Quellennachweis

Das Buch liest sich wunderbar! Frau Winnington hat einen sehr angenehmen Stil, der sich einfach nur so weglesen lässt. Zudem sind die einzelnen Kapitel wirklich informativ, so gibt es eine kurze Geschichte des Kochbuchs, es wird über Aphrodisiaka erzählt, Geschichte, Nutzen, Verwendung, Gebrauch von Gewürzen und Kräutern, über ambitionierte Hobbyköche (fühlt sich jemand angesprochen?) oder ausgewogene Ernährung. Ich meine klar, die Daten sind veraltet, das Buch erschien erstmals immerhin 1981, aber trotzdem war es sehr interessant zu lesen.

Ein Kapitel ist ausschließlich Rezepten gewidmet aus allen Kategorien: Vorspeisen, Suppen, Salate, Reis und Teigwaren, Fisch, Fleisch- und Geflügel, Gebäck, Saucen, Desserts. Alles was das Herz begehrt und dann auch wirklich international. Es sind französische, mexikanischer, amerikanische, ungarische, russische, fernöstliche Rezepte. Wobei ich mich frage, ob man bei uns in Rostock einige Zutaten offiziell käuflich zu erwerben bekommen hätte im Jahr 1984. Ich bezweifele es sehr stark. In Berlin war das noch ’ne andere Geschichte, aber im Rest der DDR war frischer Ingwer oder Sojasauce eher nicht erhältlich. Trotzdem hat die Autorin versucht ihre Zutatenlisten den Gegebenheiten anzupassen, damit ihre Leser nicht zu frustriert sind *g* Heute ist das zum Glück kein Problem mehr und ich kann problemlos alle Rezepte nachkochen. Und die Rezepte laden zum Nachkochen ein, auch wenn keine Bilder der einzelnen Gerichte abgebildet sind.

Ein nettes Gimmick sind kleine Spruchweisheiten von verschiedensten Leuten, die am Ende jedes Kapitels stehen, so zum Beispiel und sehr wahr:

Es ist besser ein Gericht Kraut mit Liebe, denn ein gemästeter Ochse mit Haß.
Aus den Sprüchen des Salomo um 960 v.u.Z.

Gestaltung

In diesem Buch gibt es keine Photos der vorgestellten Gerichte, nur schöne und auch amüsante Illustrationen von Newena Wendt-Jontschewa, die die einzelnen Kapitel unterstützen. Der Großteil der Rezepte ist am Ende des Buches versammelt, aber auch wenn es zu den einzelnen Kapiteln passt, sind dort Rezepte vermerkt. So sind einige Gewürzmischungen wie Garam Masala, Chmeli-suneli oder eine Arabische Mischung am Ende des Kapitels „Gewürze sind Paradieskörner“. Die Rezepte sind alle übersichtlich gestaltet, mit sehr guten, ausführlichen Anleitungen und somit auch für Kochanfänger geeignet.

Fazit

Ich habe das Büchlein mit großem Interesse und Vergnügen gelesen. Die Rezepte sind vielfältig und gut nachkochbar. Allein die Zutaten muss man manchmal den heutigen Begebenheiten anpassen, weil die sich damals doch eher an der DDR-Mangelwirtschaft orientierten. Ich nehme das Büchlein immer mal wieder gerne in die Hand und lese ein Kapitel daraus. Das wird noch lange Zeit in Ehren gehalten! Für kulinarisch interessierte Leser dieses Blogs eine definitive Empfehlung!

Ausprobiert

Von den Rezepten hatte ich letzten Sommer die bulgarische kalte Gurkensuppe Tarator ausprobiert. Sehr lecker! Es reizen mich aber auch noch andere Rezepte wie die Französische Leberpastete oder die Koreanische Eierrolle oder Boston Baked Beans oder Sibirische Pelmeni oder Bolognese Sauce oder oder … :-)

Eckdaten:

Ursula Winnington
Ein Leib- und Magenbuch – Kulinarische Notizen
Verlag für die Frau. DDR. Leipzig
2. Auflage 1984
antiquarisch erhältlich

Dies ist mein fünfter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

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2 Kommentare zu “Jeden Tag ein Buch: Ein Leib- und Magenbuch

  1. Alice Wonderland 15. November 2013 um 15:59 Reply

    Das ist ein meiner Lieblingskochbücher, wegen der Zeichnungen UND der Geschichten zu den Gerichten. Ich habe es von meiner Oma geerbt und hüte es wie meinen Augapfel.
    Danke für Deine schöne Rezension!
    LG Alice

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    • Anikó 19. November 2013 um 17:59 Reply

      Ich finde es auch wunderschön! Und muss mal tatsächlich ein paar Rezepte mehr daraus ausprobieren :-)

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