Einfaches, sehr köstliches Kartoffelbrot

Irgendwie ist Brotbacken bei mir psychisch und motivationstechnisch anders angesiedelt als Kuchenbacken. Kuchen ist nett, aber brauche ich nicht zwingend zum Leben, ist einfach kein Grundnahrungsmittel. Brot hingegen schon bei mir. Esse ich morgens und meistens abends auch nochmal. Und wenn keins im Haus ist, werde ich leicht nervös. Aber eigentlich passiert das nicht und wenn ich nur schnell zum türkischen Supermarkt umme Ecke gehe und ein Fladenbrot hole, dass ich dann größtenteils einfriere. Seit ich angefangen habe, mein Brot selbst zu machen, backe ich auch tatsächlich einmal die Woche ein Brot oder Brötchen. Ich will Brot, das schmeckt und frei ist von seltsamen Zusatzstoffe? Also muss ich es selbst machen! So einfach! Wenn es schnell gehen und total unaufwendig sein soll, dann die Zipferlbrötchen. Wenn die Lust es zu lässt auch gerne aufwendigere Brote, die etwas mehr zeitliche Planung benötigen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich eher der Fan von Broten aus Weizenmehl bin und auch nicht mehr der große Vollkornliebhaber werde in diesem Leben. Nach Weihnachten werde ich mich an Sauerteigbroten versuchen. Mal sehen, wie die mir schmecken werden…

So Zipferlbrötchen sind ja schön und gut, aber manchmal ist so Brot in Scheibenform auch nicht verkehrt und da hatte ich bisher noch kein schönes, saftiges, einigermaßen schnelles Rezept ausprobiert. Ich sah mich ein wenig bei Zorra, einer der Koryphäen des schnellen, einfachen Brotbackens, um. Zorra hatte ja vor einigen Jahren ihr Projekt „1 Basisrezept – 12 verschiedene Brote“ gestartet und dort wirklich etliche Brote präsentiert. Vom Alltagsbrot bis Festtagsbrot und allerlei regionale Besonderheiten dazwischen, alles dabei. Das besondere an diesen Rezepten ist ihre Unkompliziertheit: den Vorteig am Vortag zusammenkneten, 12-24 Stunden warten, den Brotteig am nächsten Tag kneten, 1 Stunde gehen lassen, Brot formen, nochmals eine knappe Stunde gehen lassen, backen und fertig. Vom Kartoffelbrot ist der Vorteig ist innerhalb 10-15 Minuten fertig vorbereitet, also nicht viel Arbeit, aber der Vorteig macht das Brot wesentlich aromatischer und auch länger haltbar. Das Machen des endgültigen Teiges am Backtag dauert etwa 20 Minuten und beim Warten, dass die Hefe ihren Job erledigt, kann man gut andere Sachen machen: Wäsche zusammen legen, lesen, staubsaugen, abwaschen. Der Teig meines Kartoffelbrotes war ziemlich klebrig nach dem Kneten, so dass ich ihn nur mit Einmalhandschuhen anfasste. So bleibt der Teig am Handschuh und ich brauch nicht jede Minute zum Händewaschen rennen. Manche Leute denken ja, sie könnten keine Brote backen, weil ihnen die nötige Hardware wie Gärkorbe fehlen. Jetzt habe ich zwar einen mittelgroßen runden Gärkorb, aber keinen für längliche Brote. Dafür nehme ich einfach meinen länglichen Brotkorb, den ich mit einem sauberen Geschirrtuch auslege, dass ich einmehle. Dann sollte eigentlich kein Brotteig mehr dran kleben bleiben. Für runde Brote können dann auch gut Schüsseln verschiedener Größen so verwendet werden.

Von dem Kartoffelbrot bin ich mehr als begeistert. Es erfüllt alles, was ich an einem Brot mag:

  • unkomplizierte Zubereitung
  • ansprechende Kruste, saftige Krume
  • nicht zu feine, nicht zu grobe Porung, also nicht zu luftig und nicht zu kompakt
  • lässt sich gut in Scheiben schneiden
  • eignet sich für diverseste Beläge, egal ob herzhaft oder süß
  • ist nicht sofort am nächsten Morgen oll
  • auch etwas älter sehr gut für Croutons/Arme Ritter/ Brotsalatwürfel geeignet

Es ist einfach ein wirklich feines Weißbrot. Perfekt für mich! Das wird ins Standardrepertoire aufgenommen und kann nur jedem empfohlen werden nachzubacken!

Kartoffelbrot

Zutaten für 2 kleinere Laibe:

Vorteig:
100 g Weizenmehl
50 g Vollkornweizenmehl
3 g frische Hefe (oder 1 g Trockenhefe)
2 g Speisesalz
100 g Wasser

Endgültiger Teig:
gesamter Vorteig
135 g Wasser
325 g Weizenmehl
25 g Vollkornweizenmehl
200 g Pellkartoffeln, vorgekocht und grob gerieben
7 g frische Hefe
10 g Salz

Arbeitszeit am Tag vorher: 15 Minuten
Gehzeit Vorteig: 12-24 Stunden
Arbeitszeit am Backtag: ca. 3 Stunden, davon insgesamt knapp 2 Stunden Gehzeiten
Gesamtbackzeit: 35 Minuten = 15 Minuten bei 230°C + 20 Minuten bei 200°C

(1) Am Tag bevor man backen will. Die Zutaten für den Vorteig gründlich miteinander zu einem festeren Teig verkneten. Den Vorteig abgedeckt 1 Stunde bei Zimmertemperatur stehen lassen, damit die Hefe in Schwung kommt. Dann für mindestens 12 Stunden, aber maximal 24 Stunden in den Kühlschrank stellen.
(2) Am Backtag: Den Vorteig mit dem Wasser gut vermischen bis sich der Vorteig auflöst. Das dauert ein bißchen, nicht verzagen. Den aufgelösten Vorteig mit den anderen Zutaten bis auf das Salz in die Küchenmaschine geben und 4 Minuten bei langsamer Stufe verkneten. Dann das Salz hinzufügen und bei schnellerer Stufe 6 Minuten kneten. Der Teig war bei mir relativ klebrig, vielleicht lieber Einmal-Handschuhe zum Anfassen benutzen. Den Teig abgedeckt (ich nehme immer eine clip&close-Schüssel) 1 Stunde bei Zimmertemperatur gehen lassen. Nach 30 Minuten 1x falten. Wie das geht, ist gut gezeigt in diesem Video.
(3) Nach der ersten Gehzeit den Teig teilen und nach Wunsch formen, entweder länglich oder rund. Ich habe beides gemacht, weil es für die Backzeit egal ist, wie der Laib geformt ist.  Gärkörbchen ausmehlen und die Laibe mit dem Teigschluss nach unten (also hübsche, glatte Seite des Laibes nach oben) in den Gärkorb legen und nochmals 50 Minuten mit einem Tuch bedeckt bei Zimmertemperatur gehen lassen.
(4) Den Ofen mitsamt Blech auf 230°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Ein Blatt Backpapier bereit legen.
(5) Die Brote sind fertig gegangen, wenn eine kleine Delle, die man mit dem Finger in den Laib drückt, wieder etwas zurück springt, aber noch sichtbar ist. Die fertig gegangenen Laibe vorsichtig auf das mit Backpapier belegte, heiße Backblech kippen. Auf der unteren Schiene im Ofen geben. Einen kleinen Schluck kaltes Wasser auf den Boden des Herdes gießen oder mit einem Blumensprüher die Wände des Ofens mit Wasser besprühen. Schnell die Ofentür schließen. Nach 15 Minuten die Temperatur auf 200°C runter schalten und die Backofentür einmal kurz weit öffnen, damit eventuell ein zuviel an Feuchtigkeit aus dem Ofen entweichen kann. Weitere 20 Minuten backen.
(6) Die Brote sind durch gebacken, wenn sie beim Klopfen auf den Boden hohl anhören. Raus holen und auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen.

Genießen!

Quelle: 1x umrühren bitte aka kochtopfKartoffelbrot

Advertisements

Mit Tag(s) versehen: , , ,

9 Kommentare zu “Einfaches, sehr köstliches Kartoffelbrot

  1. zorra 1. Dezember 2013 um 11:06 Reply

    Danke für diesen schönen Beitrag. Du hast es auf den Punkt gebracht – das mit dem Brotbacken muss nämlich nicht unbedingt kompliziert sein.

    Gefällt mir

    • Anikó 1. Dezember 2013 um 18:54 Reply

      Zorra, das Brot verdient einfach einen mit Liebe geschriebenen Beitrag :-)

      Gefällt mir

  2. Kathrin 1. Dezember 2013 um 17:54 Reply

    Nachgebacken und für toll befunden! Danke :)

    Gefällt mir

    • Anikó 1. Dezember 2013 um 18:55 Reply

      Oh, Kathrin, das ging aber schnell und freut mich wirklich sehr :-)))

      Gefällt mir

  3. […] weil die Familie so begeistert ist vom selbstgebackenen Kartoffelbrot, hab den Vormittag ich gleich die doppelte Menge […]

    Gefällt mir

  4. […] habe, wurde viel gebacken und nur selten Brot für mich selbst gekauft. Aber meist halt das Kartoffel-Weizenbrot oder wenn wirklich nichts mehr da war die Zipferlbrötchen. Die gehen immer noch unschlagbar […]

    Gefällt mir

  5. […] und die übrig gebliebenen Kartoffeln sind vielseitig einsetzbar: Bratkartoffeln, ins Kartoffelbrot, Chilenische Tortilla, Kartoffelsalat. Ich mag das […]

    Gefällt mir

  6. […] check, zusätzlich ein Kartoffelbrot gebacken […]

    Gefällt mir

  7. […] Egal, ob süße Kakaoschnecken, leicht süße Rosinenbrötchen oder herzhafte Brote, wie dieses Kartoffelbrot, er ist ein […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: