Archiv für den Monat September 2014

Ungarn auf deutsche Teller holen II: Paloczensuppe – Gulaschsuppe mit grünen Bohnen

Es gibt tatsächlich noch ungarische Gerichte, die selbst mein Vater (der ganze Ungar in der Familie) nicht kennt. Erstaunlich! Ob der Bohnenflut aus dem elterlichen Garten im August, kam ich auf die Idee eine Paloczensuppe zu kochen. Das ist eine Gulaschsuppe, in der Buschbohnen (hier auch die gelben Wachsbohnen) mitgekocht werden, dann mit frischem Dill gewürzt und etwas Essig säuerlich abgeschmeckt. Die Kombination mag etwas seltsam anmuten – Gulasch mit Dill? – funktioniert aber äußerst hervorragend. Traut Euch ruhig! Auch Herr Papa und Frau Mama waren mehr als überrascht und dann sehr begeistert von der Suppe! Sie ist aber auch zu köstlich! Warum mache ich eigentlich nicht öfter Gulaschsuppe? Die kann man doch bestimmt auch einwecken ;-)

Also an alle, die eine wirklich schöne Suppe mögen und weder Gulasch noch Bohnen und Dill abgeneigt sind, probiert sie ruhig aus! Sie ist ernstlich toll!

Palóczen-Suppe

Zutaten für 6 Personen:
1 große Zwiebel
guter Schluck neutrales Pflanzenöl
2 TL Paprika edelsüß
1/2 TL Paprikapulver rosenscharf
500 g Gulaschfleisch
Salz
2 Lorbeerblätter
300 g grüne Bohnen
3 Möhren
5 mittelgroße Kartoffeln
150 g Schmand
1 EL Weißweinessig
1/2 Bund Dill

(1) In einem großen Topf (3-4 l) das Öl bei mittlerer Hitze erhitzen. Die Zwiebel würfeln und in dem heißen Öl ca. 10 Minuten langsam glasig andünsten bis sie etwas süßlich duften. Dann den Topf vom Herd nehmen und das Paprikapulver hinzufügen. Kurz in der Topfhitze andünsten. Es darf nicht anbrennen, sonst wird das gesamte Essen bitter! Das Fleisch hinein geben, aufs die Hitze zurück, salzen und etwas umrühren. Lorbeer dazu, Deckel drauf und ca. 50 Minuten bei kleiner bis mittlerer Hitze schmoren lassen.
(2) Während das Grundgulasch schmurgelt, die Bohnen putzen und dritteln. Die Kartoffeln und Möhren schälen und in etwa 2 cm große Stücke schneiden.
(3) Nach den 50 Minuten das Gemüse dazu geben und mit soviel Wasser auffüllen, dass das Ganze eine suppige Konsistenz erhält. Nochmals 30-40 Minuten köcheln lassen oder bis das Gemüse gar ist.
(4) Wenn alles gar ist, ein wenig der Suppenflüssigkeit mit dem Schmand verrühren und in die Suppe rühren. Den Dill fein hacken und dazu geben. Zum Schluss mit dem Essig abschmecken.

Mit frischem Weißbrot zusammen

genießen!

In Ungarn würde diese Suppe als 1. Gang gegessen werden und als 2. Gang etwas Süßes wie Palatschinken oder mit Quark gefüllte Brötchen. Hier in Deutschland reicht uns allerdings die Suppe als alleinige Mahlzeit :-)

Sommer für den Winter: Eingewecktes Letscho

Bekannterweise habe ich ja einen halben ungarischen Gensatz. Und als halbe Ungarin habe ich ein großes Grundbedürfnis nach Paprika und Tomaten, ich für meinen Teil in Form von Letscho/Lecsó. Ich liebe Letscho! Sobald ich die hellen ungarischen Spitzpaprika finde, wird als erstes Letscho gemacht! So kommt Letscho auch in den Fleischreis, dass die deutsche Familie regelmäßig kocht, aber die ungarische Seite gar nicht kennt. Natürlich kauf ich dafür auch Letscho aus dem Glas, aber mit selbstgemachtem schmeckt es viiel besser.

Und da ich ja dieses Jahr auf den Einwecktrichter gekommen bin, habe ich überlegt, ob ich nicht auch das leckere Tomaten-Paprika-Gemüse einkoche. Dafür habe ich ein wenig die Zubereitungsweise modifiziert. Die Paprikas wurden nicht in Ringe geschnitten, sondern in Würfel, die weniger sperrig im Glas sind und die Würfel dann nur stark angebraten. Auch benutzte ich keine frischen Tomaten, sondern bereitete eine einfache Sauce aus Dosentomaten zu. Dann wurde beides zusammen gegeben, einmal aufgekocht und in die Gläser verteilt, die dann eben 30 Minuten einkochten. Nachdem ich eins gekostet geöffnet hatte (extra ein kleines Glas gefüllt, damit ich der geneigten Leserschaft noch rechtzeitig das Rezept präsentieren kann *g*) war ich begeistert. Ich musste das Lecsó zwar noch einige Minuten im Topf erhitzen, damit die Paprikaringe nicht zu knackig waren, aber das ist gut, so verkocht das Letscho nicht so schnell. Ich habe es mit Absicht sehr pur gehalten, um es eben im Zusammenspiel mit anderen Zutaten noch in bestimmte Richtungen zu würzen oder eben um es wirklich einfach nur pur mit Würstchen oder Ei drin als schnelles Mittagessen zu genießen.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich liebe Lecsó!

Letscho zum Einwecken

Zutaten für 3 l:
2 kg helle, ungarische Spitzpaprika
1 800 g-Dose Tomaten
1 400 g-Dose Tomaten
3 Zwiebeln
Salz, Pfeffer
neutrales Öl

Weck-Gläser mit Glasdeckeln, Gummiringen und Klammern
(oder Twist-Off-Gläser)
großer Topf zum Einkochen
Küchentuch oder Küchenkrepp

(1) Die Paprikaschoten, trocknen. Das Kerngehäuse entfernen und in mittelgroße Würfel schneiden. Die Zwiebeln häuten und fein würfeln.
(2) Die Gläser vorbereiten. Dafür die Gläser und Deckel mit heißem Spüliwasser gründlich auswaschen, mit klarem, heißem Wasser nachspülen. Die Gläser in den Ofen geben, diesen auf 120°C Ober-/Unterhitze stellen und in ca. 15 Minuten sterilisieren und trocknen lassen. Die Glasdeckel und Gummiringe in einen Topf geben und etwa 5 Minuten kochen lassen, um ebenfalls alle Bakterien abzutöten.  Die Gläser aus dem Ofen holen und auf ein Holzbrett stellen, so vermeidet man das Platzen der Gläser, wenn man das heiße Lecsó einfüllt.
(3) In einem großen Topf (hier 5 l Inhalt) einen großzügigen Schluck Öl erhitzen bei hoher Hitze und die Paprikawürfel portionsweise einige Minuten anbraten bis sie etwas Farbe bekommen und beginnen zu duften. In einer großen Schüssel zwischenparken.
(4) Im selben Topf eventuell noch etwas Öl bei mittelhoher Hitze warm werden lassen (wenn keins mehr vom Paprikaanbraten übrig ist), dass der Boden bedeckt ist. Die Zwiebelwürfel zufügen und langsam anschmurgeln, dass sie schön weich und süßlich werden. Dann den Inhalt der beiden Tomatendosen hinzufügen und mit einem Kartoffelstampfer zerkleinern. Salzen und Pfeffern. Etwa 10 Minuten köcheln lassen. Die angebratenen Paprikawürfel zufügen und einmal aufkochen lassen.
(5) Das heiße Letscho in die vorbereiteten Gläser füllen, dabei ca. 1 cm Platz zum Rand lassen. Die Gummiringe über die Glasdeckel stülpen, auf die Weck-Gläser setzen und mit gegenüberliegenden Klammern verschließen.
(6) Die großen Töpfe (für die Menge brauchte ich meinen großen 5l-Topf und mein 6,5 l ovalen gusseisernen Topf) mit einem alten Küchenhandtuch oder zwei Lagen Küchenkrepp auslegen, die verschlossenen Gläser hineinstellen. Soviel heißes Wasser in den Topf gießen, dass die Gläser mindestens zu 3/4 darin stehen.
(7) Das Wasser in den Töpfen bei mittelhoher Hitze (Stufe 4 von 6) zum Kochen bringen. Ab diesem Zeitpunkt die Temperatur auf Stufe 3 oder 2 zurückstellen und 30 Minuten einkochen lassen. Wer ein Küchenthermometer hat, kann die Wassertemperatur überprüfen, sie sollte bei 90°C liegen.
(8) Nach der Zeit die Gläser aus dem Topf holen (Vorsicht! Heißes Wasser!) und auf einem Holzbrett oder Untersetzern abkühlen lassen. Wenn sie komplett abgekühlt sind, die Klammern entfernen und prüfen, ob die Deckel halten. Wenn nicht, das Glas in den Kühlschrank stellen und so schnell wie möglich verbrauchen oder die nicht geschlossenen Gläser nochmals einkochen.

Die fertigen Gläser (ohne Klammern) in die dunkle Vorratskammer/Vorratsschrank stellen. Wenn wirklich sauber gearbeitet wurde, sollte es locker 1 Jahr halten, aber ruhig zwischendurch mal die Deckel überprüfen.

Twist-Off-Gläser: Das Letscho kann natürlich auch in Twist-Off-Gläser eingekocht werden, dafür die Gläser und Deckel wie beschrieben vorbereiten. Das Letscho einfüllen bis 2 cm unter den Rand und die Deckel fest drauf schrauben. Dann wie beschrieben im Wasserbad einkochen.

Sommer für den Winter: Sauer eingelegte Zucchini-Pickles nach Jamie Oliver

Die Erntesaison liegt in den letzten Zügen, auch meine Zucchini auf dem Balkon, deren Blätter leider vom Mehltau angegriffen sind, machen doch glatt noch Blüten und kleine Zucchini-Embryos. Ob die noch reif werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber es gibt auch noch schöne heimische zu kaufen. Auf der Suche nach weiteren Verwertungsmöglichkeiten für die elterlichen Zucchini, wurde ich in den Untiefen des weltweiten Zwischennetzes auf einen Artikel von Jamie Oliver in der Daily Mail von 2012 aufmerksam, in dem er sich über die Vorzügen der hausgemachten Vorratshaltung äußert und der Leserschaft auch noch gleich zwei Rezepte mit an die Hand gibt. Eins davon sind „Pickled courgettes“, also sauer eingelegte Zucchini. Ich hatte mir mal wieder das Rezept nicht richtig durchgelesen und dachte, dass der Essigsud mit in die Gläser kommt und wunderte mich über die monströse Menge an Öl. Aber nochmal genauer Lesen und dann wird es klarer: die Zucchinistückchen werden nur in dem Essigsud gekocht und dann ins Öl gegeben und mit demselben in die vorbereiteten Gläser gefüllt. Laut Mr. Oliver reicht es, die Gläser zu zuschrauben, auf den Kopf stellen und dann im Vorratsschrank einige Wochen ziehen lassen.

Nach einer Woche wollte ich dringend mal kosten und öffnete das Glas mit dem Restinhalt. Beim ersten Kosten zogen sich noch ein bisschen die Gesichtmuskeln zusammen, weil die Zucchinistückchen doch ziemlich sauer waren, aber trotzdem lecker. Nach weiteren  2 Wochen im Kühlschrank hat sich das komplett ausmariniert und ich finde sie perfekt. Schon säuerlich, aber nicht zu sehr und trotzdem ein bisschen würzig durch den Knoblauch und die Chili. Und noch knackig, nicht labbrig. Wichtig! Ich habe die Zucchini-Pickles zum Abendbrot dazu gegessen oder auch in einen Couscoussalat geschnitten, wo sie sich wunderbar machten. Kann mir auch vorstellen, dass sie gut auf eine gemischte Antipasti-Platte passen. Auch wenn ich am Anfang doch etwas skeptisch war, bin ich jetzt umso begeisterter: toller Geschmack, schnelles Basteln! Perfekt!

Zucchini-Pickles nach Jamie Oliver

Zutaten für 750 g:
3 Knoblauchzehen
125 ml Olivenöl
125 ml Pflanzenöl
500 g Zucchini
3 Zweige Minze
1/2 rote Chili

Für den Essigsud:
500 ml Apfel- oder Weißweinessig
500 ml Wasser
1 TL Salz

(1) Zuerst die Gläser vorbereiten. Gründlich die Gläser und Deckel mit heißem Spüliwasser auswaschen, mit klarem, heißem Wasser ausspülen. Die Deckel auf ein sauberes Küchentuch geben und trocknen lassen. Die noch nassen Gläser in den Ofen geben, auf 120°C Ober-/Unterhitze stellen und dann 15 Minuten im Ofen sterilisieren und trocknen lassen. Die Gläser rausholen und auf ein Holzbrett oder Untersetzer stellen.
(2) Das Gemüse vorbereiten. Die Zucchini waschen trocknen, je nach Größe längs halbieren und vierteln und dann in mitteldicke Scheiben schneiden. Die Knoblauchzehen häuten und in feine Scheiben schneiden. Die Minzblätter von den Zweigen zupfen.
(3) Die Zutaten für den Essigsud in einen Topf geben, zum Kochen bringen. In eine saubere Schüssel den Knoblauch und Öl geben.
(4) Die Zucchini, Chili und Minze in den Sud geben und 3 Minuten kochen lassen.
(5) Die Zucchini mit einem Schaumlöffel aus der Flüssigkeit holen, in das Öl geben. Kurz durchrühren und so heiß wie möglich in die vorbereiteten Gläser geben. Das Öl gleichmäßig auf die Gläser verteilen. Sofort den Deckel zudrehen, auf den Kopf drehen und so abkühlen lassen.

Einige Wochen marinieren lassen. Passt wunderbar als Antipasti, zu Käse, in Couscoussalat und vieles mehr.

Genießen!

Quelle: Daily Mail 28.09.2012 – Cook with Jamie: What a pickle! Preserve some lovely treats for the winter months

Zur Haltbarkeit kann ich leider noch keine Aussagen machen, aber würde es jetzt auch nicht unbedingt 1 Jahr im Vorratsschrank lassen.

Sommer für den Winter: Hochköstlichstes Ajvar

Weiter geht es mit der Konservierung des Sommers für dunkle, graue, usselige Wintertage. Jetzt gibt es noch Paprika, Aubergine und Zucchini aus Heimatproduktion. Durch die Zeit im Klein-Ankara Kassels und dem regelmäßigen Besuch im tollen türkischen Supermarkt umme Ecke bin ich auf den Geschmack von Ajvar gekommen. Ich habe das Zeug tatsächlich lieben gelernt! Dieser Paprikageschmack, das leicht Scharfe, die milde Aubergine. Toll!

Schon Anfang des Sommers ließ ich mir von meinen Eltern zwei Kochbücher von Zsófi Mautner, ihres Zeichens Bloggerin bei „Chili & Vanilia“ und mittlerweile auch Kochbuchautorin und Präsentatorin von Kochsendungen im ungarischen Fernsehen, von ihrem Besuch bei der ungarischen Verwandtschaft mitbringen. Ihre letzten beiden Bücher heißen übersetzt „Kochschule“, Teil 1 ist für blutige Anfänger gedacht, die Klassiker der ungarischen Küche (auch Alltagsküche) lernen wollen. Teil 2 ist schon für etwas Fortgeschrittene (Mittelstufe), die gerne auch etwas Neues abseits der ungarischen Küche ausprobieren wollen. Dieser Band beschäftigt sich hauptsächlich mit Rezepten für den Sommer: Klassisches Letscho, in Abwandlung mit Zucchini, dann Grillrezepte oder Dips und Saucen, die auch auf Vorrat gemacht werden können. Auch Marmeladen und einige Sirupe werden vorgestellt oder wie man unterschiedliche Eissorten basteln kann. Der besondere Clou an den Büchern ist, dass es jeweils einge DVD dazu gibt, auf der etwa ein Drittel der Buchrezepte von Zsófi gekocht werden, so dass man bestimmte Techniken und Tricks nochmal richtig vor Augen hat, falls man sich unter der schriftlichen Beschreibung nicht wirklich was vorstellen kann. Finde ich super! Ich mag die beiden Bücher. Ebenfalls aus dem Mittelstufen-Band habe ich schon die Kovászos uborka hier vorgestellt, die wirklich grooßartig waren!

Jetzt also der Ajvar! Hört sich eigentlich gar nicht so kompliziert an und die Zutatenliste ist auch übersichtlich und nicht exotisch. Die Zubereitung dauert ein bisschen, ist aber nicht schwer. An einem Samstagspätnachmittag also ran an die Paprika und Aubergine. Anders als im Rezept angegeben, habe ich die fertige Sauce in 250 ml Weck-Flaschen gegeben und damit die ordentlich versiegelt sind, noch 20 Minuten eingekocht. Weil noch ein bisschen was von der Sauce übrig war, was sich nicht lohnte in Gläsern zu füllen, konnte ich auch gleich kosten. Und lasst Euch gesagt sein, diese Sauce ist soooo unglaublich lecker! Auch die beste Ärztin von Welt fand das! Was freue ich mich schon darauf, die kleinen Flaschen zu öffnen und die schick strahlend rote Sauce zu genießen!

Hausgemachtes Ajvar

Zutaten für ca. 600 ml:
1 kg rote Paprika
500 g Aubergine
4 EL Olivenöl
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 TL scharfe Paprikapaste
(entweder ungarisches Erös pista oder türkische Biber Salcasi oder Harissa)
1/2 Zitrone, Saft

(1) Als erstes den Ofen vorheizen. Entweder Oberhitze 250°C oder den Grill auf volle Leistung stellen. Ein Backblech mit Backpapier belegen. Die Paprikaschoten waschen, trocknen, halbieren, Kerne entfernen und mit der Hautseite nach oben auf das Blech legen.
(2) In den Ofen geben und so lange backen bis die Haut schwarz ist. Kein Angst, das gehört so! Nur so lässt sich die Haut nachher einfach abziehen. Das dauert etwa 30 Minuten, aber die geneigte Leserschaft sollte ein Auge auf den Ofen behalten. Die Paprikahälften in eine Schüssel geben, mit Frischhaltefolie oder Deckel abdecken und etwas abkühlen lassen. Die Haut von den Paprikaschoten ziehen und das Fruchtfleisch grob schneiden.
(3) Während die Paprikaschoten abkühlen, die Aubergine halbieren und mit wenig Olivenöl beträufeln. Im 200°C (Ober-/Unterhitze) heißen Ofen in 50 Minuten weich backen. Das Fleisch aus der Schale schaben und zusammen mit der Paprika fein pürieren.
(4) Die Zwiebel und Knoblauch häuten und sehr fein würfeln.
(5) In einem größeren Topf (Das Ajvar spritzt fürchterlich!) das Olivenöl bei mittelhoher Hitze erwärmen. Die Zwiebel- und Knoblauchwürfel in ca. 10 Minuten weich und süß dünsten. Sie sollten dabei nicht braun werden, sonst werden sie leicht bitter. Dann das pürierte Auberginen- und Paprikafruchtfleisch dazu geben, die scharfe Paprikapaste, Zitronensaft, Salz- und Pfeffer.
(6) Circa 20 Minuten bei mittlerer Hitze kochen bis es beginnt einzudicken.
(7) Zwischenzeitlich die Flaschen oder Gläser sterilisieren. Der geneigte Leser kann richtige Weckgläser nehmen oder welche mit normalen Schraubverschlussdeckel. Alle Gläser gründlich in heißem Spülwasser auswaschen, mit klarem, heißen Wasser nachspülen. Die nassen Gläser in den Ofen geben, den Ofen auf 120°C Ober-/Unterhitze stellen und in 15 Minuten darin sterilisieren und trocknen. Die Deckel und Gummiringe in einen kleinen Topf geben und etwa 5 Minuten kochen lassen. Die Gläser herausnehmen und etwas abkühlen lassen.
(8) Den heißen Ajvar einfüllen und die Gläser verschließen. Bei Twist-Off-Gläser reicht es den Deckel auf die Gläser zu schrauben (Vorsicht heiß! Topflappen verwenden!) und dann auf dem Kopf stehend abkühlen zu lassen. Bei Weck-Gläser die Gummiringe auf die Glasdeckel ziehen, auf die Gläser setzen und mit den Klammern fixieren. Einen hohen Topf mit einem Küchentuch auslegen, die Flaschen drauf stellen. So weit mit heißem Wasser bedecken, dass die Gläser zu mindestens 3/4 im Wasser stehen. Einen Deckel auf den Topf geben und das ganze bei mittelhoher Hitze (Stufe 4 von 6) zum Kochen bringen. Ab dem Zeitpunkt des Kochen 20 Minuten einkochen lassen. Danach die Gläser aus dem Topf nehmen und abkühlen lassen. Wenn die Gläser kalt sind, die Klammern entfernen und prüfen, ob die Deckel dicht sind. Wenn ja, dann hat alles geklappt.

Genießen!

Über die Haltbarkeit kann ich noch keine Angaben machen.

Quelle: Mautner, Zs. (2014): Főzőiskola – Középfok. Libri Kiado. Budapest. p 64

Sommer für den Winter: Hausgemachte Senfgurken

 

Ich bin voll im Hamstermodus! (Fast) Alles, was mir momentan an gemüse und Obst unterkommt, wird irgendwie für den Vorrat zubereitet und haltbar gemacht. Besonders haben es mir die Gurken angetan. Die ungarische Hälfte in mir liebt eingelegte Gurken und wird leicht nervös, wenn kein Glas im Vorratsschrank ist. Gewürzgurken wurden ja schon äußerst erfolgreich nach dem Rezept aus dem geliebten „Deutschland vegetarisch“ eingekocht, aber ich liebe auch Senfgurken. Die muss man doch auch selbst machen können. Also fix auf die Suche gemacht im weltweiten Zwischennetz. Fündig wurde ich auf der Seite „Spreewald Info“ und wer, wenn nicht Leute aus dem Spreewald haben die richtigen Rezepte für eingelegte Gurken?!? Interessanterweise kam da Meerrettich mit, eigentlich frisch, aber war hier nicht aufzutreiben, und nur Senfkörner. Ich hatte ja mit einer etwas komplizierteren Zubereitungsweise und Zutaten gerechnet. Aber nee. Gurken vorbereiten, alle weiteren Zutaten dazu, ziehen lassen, in die Gläser und einkochen, fertig. Simpel.

Ich hatte für die Gurken extra Schmorgurken aus der Ostseeheimat mit hier her genommen und mit einer normalen Salatgurke ergänzt. Und die Gurken sind wirklich soo gut geworden und schmecken und duften tatsächlich wie die Senfgurken, die man im Supermarkt zu kaufen kriegt. Großartigst! Leider war meine Schmorgurke etwas bitter, so dass das Bittere auch in den fertigen Gurken durchkommt, aber es ist nicht so schlimm, dass man sie nicht essen könnte.

Ich kann also jedem empfehlen, der Senfgurken mag, sie mal selbst auszuprobieren. Total einfach und sooo köstlich!

Senfgurken nach Spreewälder Art

Zutaten für 1-1,5 l:
1,5 kg Gurken (Schmorgurken oder Salatgurken)
1 Zwiebel
3,5 EL Zucker
1 EL Salz
30 g Senfkörner
110 ml Weißweinessig
2 TL Meerrettich natur aus dem Glas

Gläser mit Deckel, Gummi und Spannklammern zum Einwecken
oder
Twist-Off-Gläser
großer Topf mit Deckel

(1) Die Gurken schälen, halbieren und Kerne mit Hilfe eines Löffels entfernen. Die Gurkenhälften dann je nach Größe nochmals längs halbieren und dann in ca. 1-2 cm breite Streifen oder Halbmonde schneiden. Die Zwiebel häuten, halbieren und in dünne Halbringe schneiden. Beides mit allen anderen Zutaten in eine Schüssel geben. Über Nacht abgedeckt in den Kühlschrank stellen.
(2) Am nächsten Tag die Gläser vorbereiten. Sie gründlich in heißem Spülwasser auswaschen, mit klarem Wasser nachspülen. Die nassen Gläser in den Ofen geben, den Ofen auf 120°C Ober-/Unterhitze stellen und in 15 Minuten darin sterilisieren und trocknen. Die Deckel und Gummiringe in einen kleinen Topf geben und etwa 5 Minuten kochen lassen. Die Gläser herausnehmen und etwas abkühlen lassen. Einen großen Topf mit zwei Lagen Küchenkrepp oder einem alten Geschirrtuch auslegen.
(3) Nach einem Tag sollte sich genug Flüssigkeit gebildet haben. Die Gurken auf die Gläser verteilen bis 1-2 cm unter dem Glasrand. Die Flüssigkeit und restlichen Gewürzen gleichmäßig in die Gläser geben. Den Rand der Gläser säubern. Die Deckel und Gummiringe aus dem kochenden Wasser fischen (mache ich hier mit einer Zange). Die Ringe über die Glasdeckel legen, auf die Gläser legen und mit je zwei sich gegenüberliegenden Spannklammern befestigen.
(4) Die Gläser in den Topf stellen. Mit kaltem Wasser aus dem Hahn auffüllen bis das Wasser etwa 2 cm unter dem Glasrand steht. Deckel auf den Topf und bei mittelhoher Hitze (hier Stufe 4 von 6) zum Kochen bringen. Ab dem Zeitpunkt des Kochens 20 Minuten einkochen lassen.
(5) Wenn die Zeit vorüber ist, die Gläser aus dem Topf holen und auf einem Holzbrett stehend abkühlen lassen. Wenn sie komplett abgekühlt sind, die Klammern entfernen. Jetzt prüfen, ob die Gläser wirklich dicht sind, indem man sie nur am Glasdeckel haltend vorsichtig hochhebt. Wenn alles dicht ist, ohne Klammern in den Vorratsschrank stellen. Falls der Glasdeckel doch nicht dicht war, entweder im Kühlschrank zwischenparken und zeitnah essen oder das Glas nochmal einkochen.

Sie sind sofort essbar, kann man aber auch aufheben.
Wenn ihr sie später öffnen wollt, dann kontrolliert, ob der Deckel noch fest drauf saß. Falls nicht, ist der Inhalt schlecht geworden. Alles sofort und komplett entsorgen!

Genießen!

Quelle: Spreewald-InfoSpreewälder Senfgurken

Und weil es so einfach ist und dabei so lecker, dabei noch saisonal, darf es bei Henriettes „Sommer, Sonne, Erntezeit“-Event mitspielen. Soll ja Leute geben, die haben in ihren Gewächshäuschen unglaubliche Mengen an Gurken und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen ;-) Ich muss Schmorgurken leider immer auf Wochenmärkten suchen oder vom Gemüsevietnamesen des Vertrauens in Rostock mitnehmen. Dabei liebe ich sie so sehr!

Ungarn auf deutsche Teller holen I: Gefüllte Paprikaschote mit österreichischem Fisolensalat

 Oh! Ich habe das kleine Blog wirklich lange vernachlässigt. Asche auf mein Haupt! Andererseits, die letzte Woche in der Ostseeheimat habe ich mich nochmal richtig entspannt, dann begann die Schule und der Stress von Neuem. Außerdem hatte ich bis Mitte letzter Woche immer noch kein stationäres Internet. Ein unhaltbarer Zustand für jemand, der (fast) ständig irgendwie online ist. Sei es auch nur, damit Skype an ist und mich Freunde/Familie antexten können, auch wenn ich nichts aktiv am Rechner mache. Aber letzten Mittwoch nahm sich ein Techniker nochmal unter lautem Fluchen des Problems an und – schwupps – es funktioniert! Ich bin immer noch ganz aus dem Häuschen *g*

Naja, jedenfalls war es aus Gründen hier ruhig, aber ich versuche in Zukunft wieder etwas fleißiger zu posten. Mich hat das Einweck-Virus erfasst und viele Köstlichkeiten wurden eingekocht. Auch sind noch ein paar Gerichte, die ich im Urlaub für meine Eltern kochte auf Halde, die es sich jetzt im Spätsommer/Frühherbst noch mehr als lohnt zu kochen! Also seid gespannt!

Zum Ende des Urlaubs gönnte ich mir noch ein neues Kochbuch. Endlich befindet sich das „Österreich vegetarisch“ in meinem Besitz! Durch die ungarische Hälfte meiner Gene ist mir die österreichische Küche nicht so fern, erst Recht nicht die Vorliebe für Mehlspeisen. Und es sind so schöne Rezepte drin, dass auch Frau Mama gleich glänzende Augen bekam. Ihre Worte: „Hast Du schon was zu Weihnachten für mich?“ wurden nur mit einem wissenden Nicken und „Jetzt ja!“ meinerseits quittiert.

Da unser Kleingarten von einer Buschbohnenschwemme heimgesucht wurde und noch etliche in unserer Wohnung ihrer Verwendung harrten, suchte ich mir als erstes das Fisolensalatrezept zum Nachkochen aus. Ist Fisolen nicht ein niedliches Wort? Fi-so-len! Warum haben wir in Norddeutschland nicht so schöne Gemüsebezeichnungen? Der Salat ist total einfach zu machen: während die Bohnen kochen, schnell die Zwiebel und Kräuter zerkleinern, Essig, Öl drüber, würzen und die heißen Bohnen unterrühren. Ich kann es nur nicht, die Bohnen nur 3-5 Minuten kochen zu lassen, bei mir müssen Bohnen immer gar sein und dürfen nicht mehr an den Zähnen quietschen. Seitdem wurde dieser überaus köstliche Salat schon öfter gemacht. Er eignet sich nicht nur als Beilage, sondern auch als Hauptgericht, zum Beispiel zu Kartoffelbrei. Auch Frau Friesi ist schon süchtig! Im Buch sind 300 g Fisolen für 4 Personen als Beilagensalat angegeben, uns vier Bohnenversessenen haben nur mit größtem Zusammenreißen die doppelte Menge gereicht.

Fisolensalat

Zutaten für 4 Bohnensüchtige als Beilagensalat:
600 g Buschbohnen (grün, gelb, gemischt)
1-2 milde Zwiebel (z.B. rote)
2 TL gehackte Kräuter (Petersilie, Thymian, Bohnenkraut)
6 EL Weißweinessig
6 EL Sonnenblumenöl (oder Raps)
Salz, Pfeffer
Prise Zucker

evtl. etwas Paprikapulver zum Bestreuen

(1) Die Bohnen putzen, je nach Vorliebe und Zustand der Bohnen das spitze Ende dran lassen, und waschen. In kochendem Salzwasser 5 Minuten für knackig oder etwas länger garen bis die Bohnen beim Kosten nicht mehr an den Zähnen quietschen.
(2) Zwischenzeitlich die Zwiebel häuten und fein würfeln. Die Kräuter waschen, trockenen, fein hacken. Zusammen mit Essig, Öl, Salz, Pfeffer und Zucker in eine ausreichend große Schüssel geben und gut verrühren.
(3) Die fertigen Bohnen abgießen, abtropfen lassen und noch heiß unter das Dressing rühren. Mindestens 10 Minuten ziehen lassen. Zum Schluss nach Geschmack mit etwas Paprikapulver bestreuen.

Genießen!

Quelle: Seiser, K., Neunkircher, M. (2012): Österreich vegetarisch. Christian Brandstätter Verlang. Wien. p 71

 Bei uns gab es den Salat als Beilage zu ungarisch gefüllter Paprikaschote. Passte so wunderbar, dass ich es heute gleich wieder in dieser Kombination gemacht habe. Die Paprikaschote wurde nach diesem vor Äonen geposteten Rezept gemacht, nur, dass ich noch gehackte Petersilie ins Hack gegeben habe und die Sauce nicht andickte. So lange es noch die großartigen, aromatischen ungarischen Spitzpaprika zu kaufen gibt, macht ruhig die gefüllten Paprikaschoten. Es lohnt sich sowas von!

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