Sommer auf dem Teller – Klassische Marillenknödel

Aprikosen! Ich liebe sie! Samtige Haut, süß, fruchtig, säuerlich, praktische Größe! Das perfekte Obst für mich! Und man kann so viel daraus machen: roh genießen, großartigste Marmelade kochen (lassen), würzige Chutneys machen, einwecken, Kompott kochen, in Kuchen, auf Kuchen, zu Fleischgerichten, trocknen. Vielfältigste Möglichkeiten! Ein Klassiker der österreichischen Küche sind Marillenknödel, also Aprikose in Teig versteckt, der wahlweise aus Kartoffeln oder Quark besteht. Ich kenne von der ungarischen Familie Zwetschgenknödel in Kartoffelteig, was schon extrem köstlich ist. Die mittlere Tante hat deren Zubereitung zur Perfektion gebracht, weil sie sie gefühlt mindestens einmal die Woche für die Familie macht. Aber Knödel mit Aprikosen habe ich dort nie bekommen, liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich fast nie zur ungarischen Aprikosensaison hingekommen bin.

Aber wozu hat man Kochbücher von österreichischen Hauben-Köchen, in meinem Fall „Der goldene Plachutta“. Und ernsthaft, da findet man ALLES! Alltagsküche, österreichische und Wiener Klassiker, festlich-aufwendiges, Rezepte aus nah und fern. Großartiges Buch, dass ich uneingeschränkt empfehlen kann! Und man findet natürlich auch alle Knödelvariationen Österreichs. Herr Plachutta macht die Marillenknödel mit Quarkteig, in den noch Semmelbrösel kommen. Gut, die Grundzutaten hören sich nicht verkehrt an, also auf in den Knödelkampf!

So ein bisschen Respekt habe ich ja vor Knödeln. Wie unangenehm und ärgerlich wäre es, wenn sie sich im Wasser einfach in Wohlgefallen auflösen und eine einsame Marille im simmernden Salzwasser rumdümpeln würde. Aber vertrauen wir Herrn Plachutta mal. Der Quarkteig war nach dem Kneten so weich, dass ich im Leben kein Knödel daraus hätte formen können, aber er sollte ja noch ruhen und die Brösel dabei hoffentlich die Flüssigkeit vom Quark und Ei binden. Und was soll ich sagen, es funktionierte. Der Teig an sich ist zwar klebrig und dementsprechend ordentlich bemehlt muss gearbeitet werden. Also mit Mehl nicht geizig sein, sonst klebt der Teig vom Knödel an den Händen und zerreißt den Knödel so. Ich fand es praktisch nach jedem fertig geformten Knödel die Hände zu waschen. So minimiert man das Risiko kaputter Knödel. Auch sollte der Knödel so wenig wie möglich in den Händen geformt werden, das macht ihn durch die in der Handwärme schmelzende Butter noch klebriger. Lieber mit nur wenig Auflagefläche einer Hand die Knödel auf der gut bemehlten Arbeitsfläche rund formen. Wenn man sich daran hält und nicht Knödel für eine ausgehungerte Fußballmannschaft machen will, ist es auch keine stundenlange Arbeit.

Aber alle Ängste und Fluche lohnen sich, die Marillenknödel sind ein Traum! Flaumiger Teig mit einer netten Zitronennote, in dem leicht säuerliche Aprikosen versteckt sind, mit einer süßen Zuckernote. Die sind so großartig! Öfter als einmal im Jahr brauche ich die Arbeit nicht, aber nächstes Jahr werden sie wieder gemacht und vorher Platz im Tiefkühler geschaffen, damit ich einen Teil einfrieren kann.

Also schnell die letzten Aprikosen besorgen und ab in die Küche mit Euch!

Klassische Marillenknödel

Zutaten für 9 große bis 15 kleine Knödel:
350 g Quark (10 oder 20%)
50 g Butter, weich (nicht flüssig)
2 EL Puderzucker
2 Eier
1 Eigelb
100 g Semmelbrösel
1 Prise Salz
1/2 Bio-Zitrone, Schale
9-15 Aprikosen (je nach Größe)
9-15 Stück Würfelzucker

Mehl zum Arbeiten

125 g Butter
80 g Semmelbrösel
1/2 TL gemahlener Zimt

Achtung: am Vortag beginnen

(1) Ein Sieb mit einem Küchentuch auslegen und den Quark hinein geben. Über Nacht im Kühlschrank abtropfen lassen. Wer österreichischen Topfen bekommt, muss das nicht tun.
(2) Mindestens 3 Stunden vor der geplanten Essenszeit den Teig zubereiten. Die Butter mit dem Puderzucker mit Hilfe der Küchenmaschine oder Handrührers cremig rühren. Nacheinander die Eier und das Eigelb unterrühren. Quark und Semmelbrösel mit dem Salz und der Zitronenschale unterrühren. Es soll eine glatte Masse entstehen. Den Teig für mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Der Teig wird noch fester, keine Angst!
(3) Bevor man beginnt die Knödel zu formen die Butterbrösel vorbereiten. Die Butter bei mittelhoher Hitze in einer Pfanne schmelzen lassen. Die Semmelbrösel zusammen mit dem Zimt in die schäumende Butter rühren und einige Minuten goldbraun braten. Die Pfanne zur Seite stellen.
(4) Die Aprikosen waschen und gut abtrocknen. Mit Hilfe eines runden, nicht zu dicken Kochlöffelstiels den Kern der Aprikosen von oben (wo die Frucht am Baum hing) durchstoßen. Von unten die Aprikose mit einem Würfel Zucker füllen.
(5) Alles vorbereiten bevor man mit dem Formen der Knödel beginnt. Einen großen Topf mit leicht gesalzenem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Die Hitze runter schalten, dass es nur noch leicht simmert. Einen Schaumlöffel bereit legen. Das Mehlbehältnis öffnen. Ein großes Brett vor sich hinlegen. Den Teig aus dem Kühlschrank holen. Das Brett ernstlich großzügig bemehlen. Die Hände ebenfalls. Den Teig auf dem Brett zu einer etwa 5 cm dicken Rolle formen. In so gleich große Stücke schneiden, wie man Aprikosen hat. Eine Scheibe vom Teig nehmen, von beiden Seiten bemehlen und mit gut bemehlten Händen auf der gut bemehlten Arbeitsfläche breiter flach drücken. Sobald es an den Händen klebt, diese wieder bemehlen. Dabei aufpassen, dass der Teig nicht auf der Unterlage festklebt. Eine Aprikose auf den Teigfladen setzen und den Teig von allen Seiten hochziehen. Zwischendurch nicht vergessen die Hände einzumehlen. Mit den Fingerspitzen den Teig über der Aprikose schließen. Auf dem bemehlten Brett und in den Händen zu einem Knödel formen. Es scheint besser zu gehen, wenn man den Knödel so wenig wie möglich mit den Händen berührt. Alle Aprikosen in dem Knödelteig verstecken. Dabei nach jedem Knödel die Hände waschen, damit kein Teig daran kleben bleibt. Denn sobald klebriger Teig an der Hand ist, bleibt der Teig unweigerlich dran kleben  und die Knödel zerreißen so leicht.
(6) Die Knödel nacheinander in das siedende Wasser setzen. Sobald sie drin sind, ein wenig am Topf rütteln, damit sie nicht am Boden ankleben. Nach einer Weile steigen sie hoch und dann nochmal einige Minuten sieden lassen. Dabei öfter mal mit dem Schaumlöffel anstupsen und ein wenig drehen lassen, damit sie von allen Seiten gegart werden. Insgesamt waren meine so 20 Minuten drin. Kleinere brauchen nicht so lange. Mit dem Schaumlöffel heraus heben, abtropfen lassen und in die Bröselmischung geben. Vorsichtig mit Hilfe von zwei großen Löffeln darin wälzen.

Servieren.

Genießen!

Quelle: Plachutta, E., Plachutta, M. (2012): Der goldene Plachutta. Brandstätter Verlag. Wien. p638

Und weil ich das alte leidige Problem habe, dass mir übel wird, wenn meine mittägliche Hauptmahlzeit nur süß ist, musste eine Suppe her. Zum Glück ist mein Vorratsregal für solche Notfälle gut gerüstet. Hühnerbrühe ist jederzeit eingeweckt im Schrank, Möhren schlummern meist im Kühlschrank, Suppennüdelchens sind auch immer da und manchmal findet sich noch ein letzter Rest von kleinen Hackklößchen im Tiefkühler, die noch vom winterlichen Fondue übrig waren. Und so kriegt man fix ein nettes Süppchen hin. Vernünftige Vorratshaltung rockt!

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7 thoughts on “Sommer auf dem Teller – Klassische Marillenknödel

  1. kormoranflug 6. August 2015 um 15:35 Reply

    Die gab es so ähnlich bei meiner Oma in der Oberpfalz. Meiner Mutter war es zuviel Arbeit….

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    • Anikó 6. August 2015 um 15:37 Reply

      Es ist in der Tat viel Arbeit, aber einmal im Jahr kann man das schon machen, wenn das Ergebnis so gut schmeckt :-)

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  2. Kirsten 7. August 2015 um 21:30 Reply

    Hmmm, die Marillenknödel sehen super aus! Ich mag die auch total gerne und habe sie bisher einmal selbst gemacht. Du hast recht, es ist recht viel Arbeit, die ich auch nur in größeren Abständen auf mich nehmen möchte, aber es lohnt sich so sehr. Ich hatte vorher auch Angst, dass die Knödel zerfallen oder so, aber auch meine haben damals super funktioniert. Im Frühling mag ich auch gerne Quarkknödel ohne Füllung mit Rhabarberkompott :-)

    Viele Grüße,
    Kirsten

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  3. richensa 15. August 2015 um 20:17 Reply

    Ich hoffe, dass ich noch ein paar Höhnstedter Aprikosen bekomme und endlich mal Marillenknödel mache.

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  4. richensa 4. August 2016 um 20:05 Reply

    So, ein Jahr später habe ich die Knödel endlich von der must-cook-Liste auf meinen Teller geschupst! Höhnstedter Aprikosen hatte ich endlich auch.
    Ich hatte nicht genug Brösel für den Teig, daher habe ich eine Mischung aus Weichweizengrieß und Mandelmehl genommen.
    Alles ist eine klebrige Angelegenheit, aber es hat sich sehr gelohnt!

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    • Anikó 4. August 2016 um 20:07 Reply

      Oh, das freut mich sehr! So Knödel sind schon echt lecker, wenn auch einiges an Arbeit…

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      • richensa 4. August 2016 um 20:25

        Danke auch für den Hinweis, Mehl in ordentlicher Menge zur Hand zu haben :-)

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