Nicht ungern auf Møn, Dänemark – Hårbølle Mejeri/Hårbølle Meierei

Wie schon gestern berichtet, haben wir einen kleinen Ausflug zur Hårbølle Mejeri gemacht. Auf der Suche nach lokalen Produzenten bin ich im Internet auf diese kleine Käserei aufmerksam geworden. Und da sie nicht weit weg vom Urlaubsdomizil ist und dreiviertel der Familie Käse sehr mag, fuhren wir hin.

Die Meierei ist für Publikum samstags von 10-14 Uhr offen. Dann steht der Chef im Verkaufsraum und kann einem alles zu den angebotenen Käsen erklären. Wir entschieden uns für einen süßen, kleinen Käse nach Art des spanischen Manchegos (vordere Reihe links), einen großartigen Camembert, der wunderbar nach Champignons duftet und noch viel besser mundet (vordere Reihe mitte) und einen Frischkäse aus Schafsmilch (vordere Reihe rechts). Allesamt vor Ort verkostet und große Begeisterung bei uns drei Damen (Herr Papa blieb aus olfaktorischen Gründen draußen *g*). Aber nicht nur Käse wird dort hergestellt, auch hochköstlicher Joghurt aus Schafsmilch (großer Becher)  und eine Art Creme fraiche, die durch ihre Zubereitungsweise sehr an Butter erinnert.

Aber wie entstehen die ganzen Köstlichkeiten? Ich fragte bei Besitzer Per Sørup nach, ob ich seine Produktionsräume ansehen könnte und bekam ein freundliches „Aber natürlich! zurück. Ich wurde ausgestattet mit sauberen, weißen PLastikclogs und einem todschicken blauen Haarnetz und schon ging die kleine, aber hochinteressante Führung los! (Leider war es zu spontan und mir sind viele Fragen erst zu Hause eingefallen. Typisch *seufz*)

Per Sørup ist von Hause aus Biochemiker, der jetzt seiner Leidenschaft für Käse nachgeht und die kleine Käserei im Westen der dänischen Insel Møn betreibt.

Die Milch wird von lokalen Bauern angeliefert und im großen Tank links aufbewahrt. Dann in den Kessel rechts gefüllt und dort erstmal pasteurisiert. Dabei werden alle Bakterien in der Milch abgetötet, sowohl die bösen als auch leider die nützlichen, die man gut zum Käsemachen brauchen könnte.

In diesem Tank wird dann der Käse auf den Weg gebracht. Dafür wird die pasteurisierte Milch je nach gewünschter Käsesorte mit den entsprechenden Kulturen versetzt, die zum Beispiel in Frankreich gekauft werden können. Dann wird die Milch auf die entsprechende Temperatur erhitzt. Was ich bis dato nicht wusste, ist, dass die Milch für die verschiedenen Sorten auch unterschiedlich stark erwärmt wird, Milch für Camembert auf nur überraschende 32°C, für Joghurt auf 44°C. Wenn die Milch geronnen und fest ist, wird sie mit Hilfe der Harfe in, wieder je nach Käsesorte unterschiedlich große, Käsebruchstücke geschnitten. Für Camembert ist er etwa 1 cm groß, für den Møner Manchego wird es auf Reiskorngröße gebrochen.

Der frische Käse wird dann in unterschiedlich große Plastikgefäße gegeben und zum Abtropfen stehen gelassen. Diese Käselaiber, wurden am Tag vorher gemacht und waren für mich schon erstaunlich fest.

Je nach Käse kommt er, nach dem Salzbad zur Bildung der Rinde, in unterschiedliche Reifekammern, denn natürlich kann der Camembert mit seinen Kulturschimmelpilzen nicht in derselben Kammer liegen wie der Møner Manchego. An diesem Camembert sieht man sehr schön wie sich der Edelschimmel beginnt auszubreiten.

Viele kommende köstlich werdende Camemberts in der Reifekammer.

Das hier ist die zweite Reifekammer für den Manchego, der in diesem Stadium so ein bisschen gruselig aussieht mit dem wattigen Schimmel außen. Man denkt, man könne ihn nicht essen, aber doch, der wird wunderbar werden! In den Reifekammern herrscht eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die mit technischer Hilfe erzeugt wird. Leider gibt es auf Møn keine bis kaum Höhlen, die solch konstanten Bedingungen zulassen, wie sie in einigen traditionsreichen Käseregionen zu finden sind.

In der dritten Reifekammer wird der Møner Manchego dann zur Perfektion reifen gelassen. Herr Sørup „beschwerte“ sich ein bisschen, dass er den Käse meist nicht so gut reifen lassen kann, wie er möchte, weil er einfach zu viele Kunden hat, die vorher schon alles aufkaufen ;-)

Hier der Meister Per Sørup mit seinem Werk!

Die Käse werden an Kunden vor Ort direkt von der Meierei aus verkauft, aber er liefert auch an Hotels und Restaurants der Umgebung! Wenn die geneigte Leserschaft sich an einem Samstag auf der Insel befindet und Käse mag, geht unbedingt dort hin! Probiert die Köstlichkeiten, kauft, was Euch schmeckt! Fragt nach, lasst Euch beraten, fachsimpelt mit Herrn Sørup! Eine riesengroße Empfehlung von mir!

Hårbølle Mejeri
Brøndegårdsvej 7
Hårbølle
4792 Askeby

Öffnungszeiten: Samstag 10-14 Uhr

www.harbollemejri.dk

Dear Mr. Sørup, thank you so much for the tour in your mejeri! It was my pleasure and very informative! I learned a lot! Your cheeses are really delicious and I am very sorry I live so far away so I couldn’t buy them more often. And I will try again to make my own joghurt :-) Thank you again!

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4 thoughts on “Nicht ungern auf Møn, Dänemark – Hårbølle Mejeri/Hårbølle Meierei

  1. noemi 17. August 2015 um 08:43 Reply

    Das glaube ich, dass dieser Besuch Spaß gemacht hat!!
    Hätte mir auch gefallen.
    Der Herr Papa hat hoffentlich die Zeit gut anderweitig überbrückt ;-)

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    • Anikó 17. August 2015 um 09:11 Reply

      Herr Papa hat derweil kleine Schweine, die auf dem Hof gehalten werden, angeguckt 😊

      Gefällt 1 Person

      • noemi 17. August 2015 um 12:49

        Dann ist da ja wirklich für jeden Geschmack was geboten :-)

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  2. Schnuppschnuess 25. August 2015 um 13:08 Reply

    Dafür, dass du wenig gefragt hast, hast du aber viel Informatives geschrieben. Sehr interessant. So ein Stück Käse hätte ich jetzt zu gerne.

    Gefällt 1 Person

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