Herbst auf Rügen – Grenzentesten: Essen in der „Strandhalle“

Am Abend nach dem langen Spaziergang nach Prora hatten wir noch eine Verabredung, auf die ich mich sehr freute. Ich bin kein Mensch, der viele Freunde hat. Ein paar sind allerdings doch vorhanden, nur leider weit verstreut. Aber passenderweise wohnt die beste aller Pharmazeutinnen, die ich vor vier Jahren im Krankenhaus kennenlernte, in Bergen auf Rügen. Und was lag da näher als sich zu treffen, wenn ich schon mal auf der Insel weile. Es war schwierig, aber wir fanden einen Termin und Kati konnte auch für Dienstagabend noch einen Tisch im Restaurant „Strandhalle“ ergattern.

Das Restaurant liegt direkt am östlichen Ende der Promenade und hat einen wunderbaren Blick auf die See. Das Gebäude wurde früher tatsächlich als Winterlager für Strandkörbe genutzt, der Name kommt also nicht von ungefähr.

Wir brauchten ein bisschen, um uns zu entscheiden, aber dann stand der Plan! Frau Kochschlampe entschied sich als erstes für eine Vorspeise namens „Hermelin“:

Das ist eingelegter Camembert mit Kräuterpesto, ein paar speziellen Gewürzen und Weißbrotchips. Frau Kochschlampe fand es sehr gelungen. Wieso habe ich eigentlich nicht gekostet? Jedenfalls ist das Ursprungsrezept tschechisch, aber eben mit Rügener Badejunge, einem Camembert der noch tatsächlich auf Rügen produziert wird, aber die Firma ist am Überlegen, ob sie die Produktion nach Thüringen verlegt, was den Namen aber ad absurdum führen würde … Und der Rügener Badejunge ist tatsächlich der am meisten verkaufte deutsche Camembert. Erstaunlich.

Dann kamen die Hauptgerichte. Ich hatte mir Edel-Labskaus bestellt. Dabei waren neben Medaillons aus Kalbsrücken feines Kräutermatjestatar und Kartoffel-Rote Bete-Stampf auf meinem Teller zu finden, dazu ein Spiegelei und Gewürzgürkchen. Ein großartiges Gericht, wirklich fein und köstlich!

Frau Kochschlampe hatte einen Teil vom veganen Menü: Sous-vide gegartes Wurzelgemüse mit Kräuter-Kartoffelstampf. Hat ihr auch sehr gut geschmeckt!

Ich muss nochmal kurz ein paar Worte zu vegetarischem Essen in Restaurants verlieren. Hier war es jetzt kein Problem für Frau Kochschlampe, die ja lebenslange Vegetarierin ist, etwas zu finden. Das Restaurant war so ambitioniert, dass es sogar ein komplett veganes Menü anbietet. Frau Kochschlampe hätte sich aber gerne etwas mit mehr Käse oder anderen Milchprodukten gewünscht (Ei mag sie in sichtbarer nicht wirklich…). Jammern auf hohem Niveau ;-) Aber in anderen, ich sage mal normalen Restaurants wie beispielsweise Landgasthöfen, ändert sich das Speiseangebot für Vegetarier erst langsam. Ja, natürlich gibt es immer eine vegetarische Sektion, aber seien wir ehrlich, meist besteht die aus Backkartoffel mit Sour Creme, Nudeln mit Gemüsesauce oder überbackenes Gemüse. Dabei gibt es doch so viele schöne vegetarische Gerichte. Das Thema ist momentan wirklich en vogue und nein, nicht alle Vegetarier wollen auswärts panierten Camembert mit Preiselbeeren essen.  Liebe Köche, informiert Euch doch mal, unterhaltet Euch mit Vegetariern, was die sich so kochen, lasst Euch inspirieren von den vielen guten Kochbüchern (Ottolenghi, Mälzer, die „Österreich vegetarisch“-Reihe aus mittlerweile einigen Ländern) und adaptiert die Gerichte passend für Euer Restaurant. Alle Vegetarier und auch Leute wie ich, die ich gerne vielfältige Gemüseküche esse, wären Euch aufrichtig dankbar!

Nun weiter im Menü: Die beste Pharmazeutin von allen bestellte sich Paillard vom Kalb mit Rucolasalat. Ich musste erstmal recherchieren, was das denn sein soll ;-) Dabei handelt es sich um ein besonders dünn plattiertes Stück Fleisch von Rind und Kalb, sogar noch dünner als für’s Schnitzel. Dann wird es gebraten und hier eben auf einem Salat mit Parmesanhobeln und einigen anderen Aromakomponenten serviert. Kati war sehr begeistert!

Ihr Gatte war am Schnellsten fertig mit seiner Auswahl und bestellte „Himmel und Erde“. Kartoffelspeckpüree mit gebratener Blutwurst, Apfelkompott und gebackenen Zwiebeln. Auch da gab es große Begeisterung, ob des Geschmacks!

Ich muss gestehen, ich mag es richtig gern, wenn gute Hausmannskost aus hochwertigen, regionalen Produkten hergestellt wird und eigene Variationen des Kochs einfließen.

Wir drei Damen wünschten uns noch einen Dessert. Dies hier ist Frau Kochschlampes Wahl mit Schokolade in verschiedenen Varianten plus Kokosschaum, der ihr aber ein wenig seifig schmeckte leider. (Ich hab echt vergessen, was es genau war. Sorry!)

Kati und ich wählten die exotisch gewürzte Crème brûlée. Meine erste Crème brûlée! Und die war richtig gut, cremig und knusprig zugleich! Ich war begeistert! Vielleicht versuche ich doch mal, so etwas zu Hause nachzubasteln :-D

Ich hatte viel Spaß an dem Abend, auch wenn wir alle etwas müde waren, und fand das Essen sehr gelungen. Schöne Produkte, gute Umsetzung, richtig guter Geschmack! Das Preis-Leistungsverhältnis fand ich ebenfalls stimmig. Ich kann Euch die „Strandhalle“ sehr empfehlen, wenn ihr Euch mal in Binz seid!

Adresse:
Strandhalle Binz
Strandpromenade 5
18609 Ostseebad Binz

Telefon: 038393 – 31564
Internet: www.strandhalle-binz.de

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One thought on “Herbst auf Rügen – Grenzentesten: Essen in der „Strandhalle“

  1. Kirsten 14. Januar 2017 um 19:09 Reply

    In der „Strandhalle“ war ich auch schon mal und habe Himmel und Erde gegessen, fand es auch ganz toll damals (ist schon so 3 – 4 Jahre her). Schön zu lesen, dass das Niveau nach wie vor so hoch und das Essen super ist!

    Liebe Grüße,
    Kirsten

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