Archiv für den Tag 17. Juli 2019

Budapest 2018: Besuch im Restaurantklassiker „Gundel“

Es gibt in Budapest ein Restaurant mit sehr langer Geschichte und einem schon fast legendären Ruf – das Gundel! Ich folge dem Restaurant schon länger auf Instagram und fand auch die Bilder der Gerichte sehr ansprechend. Wäre ja auch mal ein Erlebnis dort essen zu gehen. Susi und Steffi waren auch dabei, also schnell einen Tisch reserviert für Dienstagabend.

Glücklicherweise lag das Restaurant nur 20 Minuten zu Fuß von unserer Ferienwohnung entfernt im Stadtwäldchen, nur 5 Minuten vom Heldenplatz entfernt und direkt neben dem Eingang des Zoos. Passenderweise in der Karl-Gundel-Straße, die tatsächlich nach dem Besitzer des Restaurants benannt ist, der viele der ikonischen Gerichte kreierte. Das Restaurant gibt es schon seit 1894, zuerst als „Wampetich“, bis Karl Gundel es 1945 in „Gundel“ umbenannte. 1949 wurde es verstaatlicht, worunter die Qualität und der Ruf ziemlich litten. 1991 kauften zwei amerikanische Gastronomen es vom Staat zurück, mit der Intention es wieder zu alten Glanz zu führen. Ich bin ja sonst nicht so schnell zu beeindrucken mit Prominenten, aber wenn man sich die Galerie der Besucher anguckt – das ist nicht ohne! Queen Elizabeth II, Papst Johannes Paul II, Tony Curtis, die Clintons oder auch in unserer Generation bekanntere Schauspieler wie Jennifer Lawrence oder Daniel Brühl. Aber wie gesagt, ich wollte gerne mal selbst dort speisen.

Der erste Eindruck war ein wenig einschüchternd! Ich fühlte mich ein bisschen wie am ersten Schultag … Das Restaurant ist sehr beeindruckend! Wunderschöne Jugendstilgegenstände, ein bisschen Art Deco-Feeling, Livemusik, interessante Möbel, superschönes Geschirr und viele Leute, die dort rumwuseln und arbeiten. (Wir zählten zum Schluss sieben unterschiedliche Leute, die uns bedienten.)

Wir wurden an unseren Tisch geleitet und sofort gefragt, in welcher Sprache die Karte gebracht werden soll. Ich glaube, sämtliche Kellner waren ein wenig verwirrt, weil wir teilweise auf Englisch mit ihnen kommunizierten, wir untereinander deutsch redeten und ich dann eben auch auf ungarisch mit dem Personal. Wenn ich in Ungarn bin, kann ich nicht englisch mit einem Ungarn reden. Uns wurden Aperitifs angeboten, Steffi wählte Rosé-Sekt, Susi und ich alkoholfreien Sekt. Niedlicherweise bot mir der Kellner, der uns dann hauptsächlich bediente, die alkoholfreie Variante genauso an wie den mit Alkohol, also erst einen Schluck eingießen, kosten und entscheiden lassen. Da ich nicht genau wusste, wie man sich in solchen Situationen verhält, frug ich ihn, ob ich auch kosten soll und alles. Er meinte darauf augenzwinkernd: „Tun wir mal so als ob da Alkohol drin wäre.“ *ggg* Ab dem Punkt konnte ich mich immer weiter entspannen. Nach dem Studium der Speisekarte und unserer Bestellung ließen wir erstmal die ziemlich einmalige Atmosphäre des Restaurants auf uns wirken. Es war gut besucht, eine Mischung aus asiatischen Touristen und Geschäftsleuten. Gefühlt senkten wir den Altersdurchschnitt doch ein wenig *g*

Nach kurzer Wartezeit kam ein Gruß aus der Küche: warme Brötchen und Hörnchen (Kifli) …

… mit unterschiedlich aromatisierten Buttern. Es gab normale Butter, eine göttliche Zitronenbutter und die fast schwarze Schweinebutter. Und nein, ich weiß nicht, woraus die bestand, aber sie war lecker.

Als Vorspeise teilten Susi und ich uns das Gänseleberduo. Es bestand aus Gänseleberpastete und über Kirschholz geräucherte Gänseleber. Dazu gab es wunderbares Brioche in Butter geröstet und angeflämmte Pflaumen. Sehr schöne Kombination! Die Gänseleber wunderbar zart und würzig, die Pastete schön cremig und passend dazu die Säure der Pflaumen. Köstlich!

Steffi entschied sich für eine klassische ungarische Halászlé, also Fischsuppe, die sehr schön reichhaltig aussah und wohl auch lecker war.

Als Hauptspeise wählte Steffi das Signature Dish des momentanen Küchenchefs Zsolt Litauszki. Er möchte ein Hühnchen möglichst ganz verwerten und hat auf Grundlage des klassischen, ungarischen Paprikahühnchens, ein zweigängiges Gericht entwickelt.

Der erste Teil wird im Weckglas serviert. Die oberste Schicht ist eine Erbsen-Petersilien-Creme, die tatsächlich mit Petersilienwurzel gemacht wird. Danach folgt ein weiches Ei und die unterste Schicht war der Grund, warum Steffi arg skeptisch war und ich ihr versprechen musste, es aufzuessen. Diese bestand nämlich aus kurzgebratenem, superzartem Herz und Magen des Hähnchens in einer wunderbar würzigen Sauce. Da hat Steffi wirklich was verpasst! Sogar Susi, die außer Leber sonst auch sehr skeptisch anderen Innereien gegenüber ist, war begeistert.

Der zweite Gang war eben das klassische Paprikahähnchen mit Spätzle. Für die Sauce wurde ein stundenlang geköchelter Fond aus angerösteten Hähnchen- und Entenbeinen mit einem klassischen Gulaschansatz zu der würzigen Sauce geköchelt, in der das angebratenen Hähnchenkeulenfleisch schmorte. Es sah sehr köstlich aus!

Susi wählte Tagliatelle mit Steinpilzsauce und gegrillter Gänseleber. Die Leber wieder superzart und in die Sauce hätte sie sich reinlegen könne, so lecker war die!

Ich hatte mir zum Hauptgang Lamm mit angegrilltem, ganzen Blumenkohl bestellt, wozu noch Polenta gereicht wurde, die in Ungarn Puliszka heißt. Ich wurde natürlich gefragt, wie mein Lamm wünsche, verließ mich aber gerne auf den Küchenchef. Und wurde nicht enttäuscht – das Fleisch war unglaublich zart und saftig. Für mich perfekt!

Der Blumenkohl war genau richtig gegart, nicht zu roh und mit einem wunderbaren Raucharomen. Gefiel mir ausnehmend gut! Und auch die Polenta hatte genau die ideale Konsistenz zwischen fest und cremig und hatte diese netten angebratenen Aromen. Wirklich schöne Kombination!

Eigentlich waren wir auch schon mehr als satt, aber wenn ich schon mal im „Gundel“ bin, müssen auch die Gundel-Palatschinken sein! So bestellten Susi und ich für uns beide eine Portion. Netterweise dachte das Personal mit und hat die Portion gleich auch zwei Teller verteilt gebracht.

Und Oh! Mein! Gott! sind die Palatschinken göttlich! Die extra gereichte Schokoladensauce – ein Traum! Die Palatschinken sehr zart! Die Füllung herrlich nussig, ein bisschen frisch durch Zitrone! Großartigst! Völlig zurecht ein Klassiker!

Dieser Abend war für mich ein Erlebnis! In so einem ehrwürdigen Restaurant speisen, so aufmerksam umsorgt werden. Es gibt Leute, die bemängeln würden, dass der Azubi-Kellner ein bisschen verpeilt hat, auf welcher Seite unser Wasser stand, aber ich bin da nicht so pingelig und irgendwie müssen sie es ja lernen. Das Essen fand ich ausgesprochen lecker und auf der Karte eine nette Kombination aus traditionell ungarischer Küche und internationalen Speisen. Es gibt auch eine Mittagskarte mit schönen Gerichten und etwas preiswerter. Weil ins Geld geht so ein Besuch schon. Aber für mich hat sich dieses Erlebnis gelohnt!

Restaurant Gundel
Gundel Károly út 4
1146 Budapest, Ungarn

Öffnungszeiten: täglich von 12:00 – 23:00 Uhr

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nstagram: Gundel Restaurant

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