Archiv der Kategorie: Around the world … Europe

Nicht ungern in Rostock – Tourist in der eigenen Heimat

Kennt ihr Rostock? Die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns an der Ostsee? Eine alte Hansestadt mit  dem bedeutendsten Hafen des Landes zu DDR-Zeiten. Und die Stadt, in der ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Sprich Heimat. Geliebte Heimat!

Zum Glück wohnt die Mischpoke immer noch da, so dass ich regelmäßig hinfahren kann, um die angenehme Ostseeluft einzuatmen. Aber viele Leute kennen die Stadt nicht, haben nur die Klischees vom rechten Gesindel im Kopf. Ja, das gibt es tatsächlich, muss ich leider zugeben, aber die gibt es auch in anderen Ecken Deutschlands. Und Rostock hat so viel mehr zu bieten, auch historisch gesehen als diese braunen Episoden …

Lasst mich Euch zu einer kurzen Sightseeing-Tour entführen, die ich mit Frau Mama an einem Augustnachmittag machte. Unweit von Frau Mamas Arbeitsplatz findet man das Ständehaus, das im neugotischen Stil von 1889 bis 1893 errichtet wurde und heute als Oberlandesgericht dient. Etwas ausführlicher kann man auch das schmuckvolle Wappenrelief an der Hauptfassade betrachten:

Gleich daneben steht das Steintor, eines der wenigen noch verbliebenen Stadttore Rostocks:

Ein erstes Tor wurde 1279 gebaut und entwickelte sich bald zum Haupttor der Stadt, was es auch das gesamt Mittelalter über blieb. Nach einigen Querelen zwischen diversen Herzögen, wurde das Tor und einige andere Bestandteile der Stadtbefestigung durch Johann Albrecht I. geschliffen. Geschliffen? Ja, das heißt, dass die Bestandteile der Stadt des Verlierers einer militärischen Auseinandersetzung  abgerissen wurden. In seiner heutigen Form wurde das Steintor von 1574 bis 1577 im Stil der Niederländischen Renaissance errichtet.

Heute wird es zusätzlich von zwei Greifen, dem Wappentier Rostocks bewacht:

Unweit davon kann man auch einen Blick auf die Nikolaikirche erhaschen, deren Bau 1230 begann und die somit einer der ältesten noch erhaltenen Hallenkirchen im gesamten Ostseeraum ist. Sie ist keine Pfarrkirche mehr, d.h. es finden keine Gottesdienste mehr darin statt, aber sie wird noch sehr viel für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte genutzt. Und noch eine Besonderheit gibt es dabei, in dem sichtbaren Kirchturm sind Büros und Diensträume der Kirchenverwaltung untergebracht und das Dach wurde in den 70er Jahren so ausgebaut, dass in drei Etagen Wohnungen entstanden sind, die auch wirklich bewohnt sind.

Wenn man vom Steintor etwas nach Osten geht, erreicht man ein noch gut erhaltenes Stück der Stadtmauer mit dem Kuhtor. Es ist das wohl älteste erhaltene Stadttor Norddeutschlands. Wann es genau gebaut wurde, ist nicht bekannt, aber urkundlich wurde es erstmals 1262 erwähnt. Nach dem Bau des Steintors wurde durch das Kuhtor nur noch das Vieh auf die Wiesen der Warnow (Fluss, der durch Rostock fließt) getrieben, wodurch es seinen Namen erhielt.

Vom Kuhtor und Steintor ist es nicht weit bis zum Neuen Markt. Sozusagen der Hauptplatz in Rostock, in den viele der wichtigen Einkaufsstraßen münden. Besonders hübsch finde ich diese Giebelhäuser, von denen ich das dunkelgrüne im Kunstunterricht der 4. Klasse zum 777. Stadtjubiläum von Rostock malen musste :-) Und ja, Rostock hat es mit der Zahl Sieben:

Sieben Türme der St. Marien Kirche,
sieben Straßen bei dem großen Markt,
sieben Tore, die in das Land führen,
sieben Kaufmannsbrücken bei dem Strand,
sieben Türme, die auf dem Rathaus stehen,
sieben Glocken der sieben Kirchen, die zugleich schlagen und
sieben Lindenbäume im Rosengarten,
das sind die sieben Rostocker Wahrzeichen!

Ob das (ja, schweinchenrosane) Rathaus wirklich sieben Türme hat, könnt ihr gleich hier überprüfen:

Am Fuße einer Säule findet man eine Schlange, die früher mal kleiner war, aber nachdem sie öfter gestohlen wurde, größer gestaltet und fest in der Bausubstanz verankert wurde.

An der einen Seite des Gebäudes konnte noch eine alte Eingangspforte erhalten werden:

Schräg hinter dem Rathaus ist ein wunderschöner alter Backsteinbau, in dem das Stadtarchiv und Standesamt untergebracht sind.

Am Rande des Neuen Markts steht die imposante, evangelische Kirche St. Marien, über die es noch einen eigenen Artikel geben wird. Die ist echt interessant von innen!

Gleich hinter der Marienkirche sind hübsche alte Fachwerkhäuser „Am Ziegenmarkt“ zu finden:

Gleich daneben die „Alte Münze„, ein Haus, das wahrscheinlich um 1500 erbaut wurde, allerdings ist dieser Platz schon seit 1394 als Münzstätte belegt. Das nächste Mal werde ich mir auch das Renaissance-Portal und die Rokokotür genauer ansehen.

Frau Mama und ich hatten noch Zeit und so schlenderten wir die Kröpeliner Straße entlang (Rostocks Haupteinkaufsstraße), vorbei am „Brunnen der Lebensfreude“ (hat unter Rostockern einen anderen Namen *g*) …

… und dem Hauptgebäude der Universität Rostock, die 1419 gegründet wurde und somit die älteste im gesamten Ostseeraum und dem Norden des damaligen Heiligen Römischen Reiches ist. Wenn ihr mal davor steht, guckt Euch in Ruhe die Fassade mit den Statuen (Oder haben die einen anderen Namen, wenn sie an Fassaden rumhängen?). Sehr interessant!

Uns plagte ein kleines Hüngerchen und da wir erst gegen 20 Uhr zu Hause ankommen sollten, schlug Frau Mama vor im Hugendubel eine Kleinigkeit zu essen. Ich wunderte mich: „Aber das ist doch nur eine Buchhandlung?!?“ Aber weit gefehlt, dort hat sich die „Lunchbox – eat fresher“ mit eingemietet, die frisches und – ich befürchte *g* – gesundes Essen anbieten. Wir entschieden uns für Sommerrollen, die wahrlich köstlich waren:

Das war dann auch schon die kurze Sightseeing-Tour mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Rostocker Innenstadt. Es gibt noch so viel mehr zu entdecken! Interessiert es Euch? Soll ich beim nächsten Besuch nochmal eine kleine Tour mit Frau Mama unternehmen?

Und wen echtes Meer interessiert, ich war im August auch in Warnemünde und habe ein paar Segelschiffe, die zur Hanse Sail kamen, angeguckt.

Werbung für Deutschland – Rostock/Warnemünde zur Hanse Sail 2016

Ist es bei Euch auch so warm, ja man kann durchaus sagen heiß, wie hier in Göttingen? Braucht die geneigte Leserschaft eine kleine Erfrischung und eine frische Brise um die Nase? Dann kommt mit, ich nehm‘ Euch mit auf einen Spaziergang ans Meer nach Rostock/Warnemünde. Und weil gerade die Hanse Sail war, könnt Ihr auch noch gleich ein paar große, beeindruckende Segelschiffe gucken. Was haltet Ihr davon?

Mit der S-Bahn bin ich von unserem Stadtteil 10 Minuten mit der S-Bahn nach Warnemünde gefahren und dort erstmal zum Passagierkai gegangen, der eigentlich das Anlegeterminal für die Kreuzfahrtschiffe ist, jetzt aber der Hauptveranstaltungsplatz für die Hanse Sail in Warnemünde war. Dort lagen einige Segelschiffe, die der interessierte Besucher auch besichtigen und mit ausfahren konnte. Gleich hinter dem Tunneldurchgang lag die „Kruzenshtern„, ein 1926 gebautes Segelschulschiff der russischen Flotte. Irgendwie beeindruckend groß! Das Schiff wurde in Bremerhaven gebaut, lief als „Padua“ vom Stapel und gehörte zur selben Baulinie, wie die berühmte „Pamir„. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie allerdings als Reparationsleistung an die Sowjetunion, wo sie nach dem deutschen Kapitän Krusenstern benannt wurde, der gleichzeitig russischer Admiral war.

Weiter nach hinten Richtung Mittelmole waren viele Fressbüdchen aufgebaut und das große Riesenrad, von dem man bestimmt einen großartigen Ausblick über Meer, Strand und Schiffe hat.

Auch auf dem anderen Teil des Passagierkais lagen noch (mindestens) zwei Segelschiffe, das russische Schulschiff „Sedov“ und die polnische „Dar Młodzieży„:

Da wurde es mir dann aber irgendwie zu bunt und zu voll, so dass ich über den Alten Strom Richtung Ortskern ging. Die rechte Seite des Alten Stroms lohnt sich für Leute, die gerne frischen und/oder geräucherten Fisch kaufen wollen, dort liegen die noch aktiven Fischer und bieten ihren Fang an:

Der Klassiker ist es dann Am Strom entlang zu flanieren…

… die Kapitänshäuser bestaunen …

… und ein Fischbrötchen zu essen (meines war mit einer Fischfrikadelle).

Der Strom wird immer weiter und am Ende sieht man schon das Meer, auf dem zur Hanse Sail immer ein paar Segler kreuzen. Ist schließlich auch ihr Job, oder? ;-)

Hübscher Blick über die Molenmauer zum Teepott und Leuchtturm. Und ja, auf den Leuchtturm kann man rauf gegen geringen Eintritt:

Blick auf das Hanse Sail-Geschehen mit beginnenden Menschenmassen (und neugieriger Möwe):

Meer – Wellenbrechersteine – Steuerbord Molenfeuer:

Blick Richtung „Wilhelmshöhe“:

Die Temperatur waren eher kühl und die Sonne ließ sich nicht wahnsinnig oft blicken, aber sich unter dramatischem Himmel durchpusten lassen, ist immer gut:

Zum Glück war der Sand relativ fest, sonst ist das Gehen darauf echt anstrengend:

Viele kleine Segelschiffe auf der Ostsee mit dem Molenfeuer und wogenden Wellen:

So nach zwei Stunden war mir auch kühl genug und die Menschenmassen wurden immer mehr, so dass ich mich langsam auf den Heimweg machte. Nicht ohne nochmal einen Blick auf das Duo Teepott und Leuchtturm zu erhaschen:

Und wenn man nicht dringend die großen Straßen zum Bahnhof zurück nimmt, sondern kleine Gässchen, entdeckt man solche hübschen Häuschen:

Oder die Variante von etwas wohlhabenderen Leuten in hellblau:

Und wer sagt, dass es kein Fachwerk an der Ostseeküste gibt, hier der Gegenbeweis in breit:

Und schwupps war ich am Bahnhof und saß in der S-Bahn Richtung zu Hause bevor es richtig voll wurde :-)

Und seid Ihr etwas erfrischter? Hat es Euch gefallen? Könntet Ihr Euch vorstellen auch mal dort am Strand zu spazieren, Muscheln suchen und Möwen beobachten?

 

Kulinarisches Wochenende in Hamburg – We love Fish! Ein Kochkurs in Hensslers Küche

Am zweiten Tag unseres Hamburg-Wochenendes nahmen wir an einem Kochkurs in „Hensslers Küche“ teil, den ich dem Coladieb zum Geburtstag geschenkt hatte. Das ist eine Eventküche, betrieben von – Überraschung *g* – Steffen Henssler, die man buchen kann für Partys oder eben auch Kochkurse zu diversen Themen stattfinden.

Thema des Kurses war „We love Fish“ und es gab wirklich viel Fisch. Leider kamen wir verkehrs- und navibedingt prompt 30 Minuten zu spät, obwohl wir rechtzeitig aus dem Hotel losgefahren sind.

Wir wurden sehr nett von der Service-Dame begrüßt mit Sekt, den ich in Lavendellimo umwandeln ließ (Sorry, aber Alkohol in Getränkeform geht bei mir immer noch nicht…) und bekamen unsere Schürzen für den Kurs.

Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um die Vorführung für die gesamte Gruppe zu sehen, wie die Lachstranche, die unter Folie gegart, vorbereitet wird. Eigentlich ganz einfach: Lachstranche auf Teller, salzen, pfeffern, Limonenabrieb rauf, etwas Pernod und ein Stück Butter. Dann fest in Frischhaltefolie verpacken und im 80°C warmen Ofen etwa 10-12 Minuten garen.

Nun bin ich ja kein Fan von warmem Lachs und war dementsprechend skeptisch. Kalter Lachs (roh, graved, geräuchert) ist total geil, aber gebraten mag ich ihn nicht wirklich. Dementsprechend gespannt, war ich auf das Ergebnis:

Und es war echt großartig! Sehr zarter, lauwarmer Lachs mit wunderbaren Aromen. Das werde ich wohl auch zu Hause mal machen!

Als zweites wurde uns gezeigt, wie man einen Fisch richtig filetiert und daraus dann, ich nenne es mal, frittiertes Sashimi macht. Dafür wurde eine ganze Dorade benutzt…

… deren Filets ich erstmal von der Mittelgräte trennte.

Der Coladieb übernahm dann das herausschneiden der letzten Gräten vom Bauchlappen und aus der Mitte. Dann wurde das Filet in dünne Streifen geschnitten und in einen Teller gelegt. Die beiden zuständigen Köche kamen dann mit brüllend heißem Olivenöl rum und träufelten eine ordentliche Menge über die Fischstreifen, wodurch dieser sozusagen schockgegart wurde. Dann wurden noch ein paar andere Saucen darüber geträufelt und zum Schluss eine Tomatensalsa verteilt.

Und was soll ich sagen, ein Träumchen! So unglaublich zarter Fisch, der wunderbar mit den Aromen des Öls, der Ponzusauce und der Tomatensalsa harmoniert. Hätte ich nie erwartet! (Merkt man, dass ich wenig Fischerfahrung habe? *g*) Und der Coladieb hat gute Arbeit geleistet, nicht die kleinste Gräte zu finden! (Sobald eine Gräte im Fisch ist, bin ich ja sofort raus aus der Fischgeschichte!)

Als dritten Gang durften wir Thunfischtatar zubereiten. Dafür ist eine Hauptzutat eine selbstgemachte Mayonnaise, die einer von uns Teilnehmern, der noch nie eine Mayo rührte, selbst machen musste. Aber ihr wisst ja durch das aufmerksame Lesen dieses kleinen Blogs wie es geht, oder (Eifreie Mayo oder die klassische Variante)? Diese Mayo wurde noch durch Sriracha (diese extrem fies scharfe Sauce, die es öfter beim asiatischen Imbiss gibt) und Togarashi (japanische, scharfe Gewürzmischung) verfeinert und zusammen mit einigen anderen Zutaten wie Gurken- und Selleriewürfelchen zu dem feingewürfelten Thunfisch gegeben.

Jeder von uns bekam sein eigenes Stückchen Thunfisch in Sashimiqualität und durfte sich dann sein eigenes Tatar schneiden:

Ich finde so Sachen kleinwürfeln ja immer sehr entspannend, fast schon meditativ. Immer der gleiche Bewegungsablauf und großartig nachdenken, muss man dabei auch nicht:

Dadurch, dass jeder seine eigene Portion zubereitete, konnte auch unterschiedlich intensiv gewürzt werden. Und so sah mein Endergebnis aus: Würziges Thunfischtatar mit pochiertem Ei.

Ein unglaublich leckeres Gericht! Der zarte Fisch mit den frischen Gemüsewürfelchen und der leichten Schärfe der Mayo, dazu das weiche, pochierte Ei. Es passte wunderbarst! Leider machten sich dabei schon leichte Ermüdungserscheinungen bei meinem Magen bemerkbar, so dass ich nicht alles aufessen konnte. So viel Eiweiß auf einmal ist mein Körper einfach nicht gewohnt … Der Coladieb übernahm dann meinen Rest, der ihm aber zu lasch gewürzt war. Ich bin halt eher ein Purist, wenn es um das Würzen geht, der Coladieb braucht ein wenig mehr Wumms. Er war auch so begeistert von diesem Tatar, dass er es die Woche darauf sofort nachbastelte und immer noch von der scharfen Mayonnaise schwärmt.

Das waren bisher erst die Vorspeisen, jetzt folgte der Hauptgang! Dafür wurde als wir noch nicht da waren eine ganze Lachshälfte mit vielen Kräutern und Zitrone in Zeitung gewickelt und das Ganze dann im Ofen gegart. Dazu wurde ein Kartoffelbrei gereicht, der von einer jungen Teilnehmerin zubereitet wurde:

Verfeinert wurde es mit Avocados, deren Fruchtfleisch der Coladieb hier gewissenhaft aus der Schale befreit und klein würfelte:

Dann durften die Herren, die den Fisch zubereiteten, ihn auch auspacken und waren alle ziemlich gespannt und hochkonzentriert:

So sah der Hauptgang dann in aller Schönheit aus mit dem hellgrünen Kartoffel-Avocado-Brei im Hintergrund:

Und das war meine Portion. Ich konnte einfach nicht mehr essen … Schon lecker, frisch und kräuterig der Lachs, aber für mich schon zu durch, wobei das ist mein höchsteigenes Problem *g* Für Leute, die warmen Lachs mögen und mal für viele Gäste kochen möchten, kann ich das nur empfehlen. Gut vorzubereiten und köstlich!

Als Dessert wurde von den beiden Köchen Nico und Pierre eine Monsterportion karamellisierten Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster gekocht, während wir Teilnehmer so langsam ins Fresskoma fielen ;-) Ich nutzte die Zeit, um mich angenehm mit Pierre zu unterhalten.

Der Kaiserschmarrn war sehr lecker, besonders die knusprigen Ecken mit den karamellisierten Zucker *hachz*:

Aber auch das war zu viel und so verspeiste die Lieblingscousine, die mittlerweile gekommen war, um mich abzuholen (den Rest des Wochenendes verbrachte ich bei und mit ihr) den köstlichen Rest.

Nach vier Stunden war der Kochkurs beendet und ich kann ihn guten Gewissens weiterempfehlen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, ich habe einige neue Sachen gelernt und auch Sachen und Zubereitungsweisen gekostet, die ich als Fischskeptiker noch nicht kannte und die mich begeisterten. Die Köche wirklich nett und kompetent, der Service unglaublich aufmerksam. Der Coladieb und ich würden das glatt nochmal machen :-)

Hensslers Küche
Neumühlen 1
22767 Hamburg

Lieblingscousine und ich spazierten noch ein wenig am Museumshafen rum, auch damit ich nach den ganzen Informationen und Menschen und Gekoche den Kopf frei bekam. Und was dümpelte dort im Wasser rum? Der Eisbrecher Stettin, den ich im August schon auf der Hanse Sail in Rostock sah, als wir rüber nach Dänemark schipperten.

Auch der Blick zu den Kränen ist ein klein bisschen beeindruckend! ;-)

Nicht ungern auf Møn, Dänemark – Tag XII: Abreise und ein bisschen Stadtbesichtigung

Der Morgen unserer Abreise empfing uns mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. So saß ich 15 Minuten vor’m Ferienhaus, genoss die Ruhe und das großartige Himmelsschauspiel!

Nach der Schlüsselabgabe hatten wir noch etwas Zeit bis die Fähre uns 13:30 h wieder in die Ostseeheimat bringt. Und da ich noch keine richtige Gelegenheit hatte mir die „Hauptstadt“ Stege (Sprecht ja nicht das „g“ mit. Dänen können irgendwie kein „g“ aussprechen.) von Møn anzusehen, schlenderten wir ein bisschen durch die Stadt. Sie hat knapp 4000 Einwohner und ist sehr gemütlich. An schicken Häusern mangelt es nicht …

… auch lustige Fassadenmalerei. Achtet mal auf die Schweine *g*

Die Familie war immer nur für Einkäufe in der Stadt, aber ich lotste sie in die St. Hans Kirke, ein dreischiffiger Bau im romanischen Stil aus dem 12. Jahrhundert, der von 1460 bis 1525 im gotischen Stil erweitert wurde.

Das Innere ist skandinavisch nüchtern, wie ich es schon in einigen dänischen Kirchen beobachten konnte. Aber eine Besonderheit hat diese Kirche: Kalkmalereien. Die frühesten noch erhaltenen sind aus dem 14. Jahrhundert, andere aus dem 15. Jahrhundert.

Guckt Euch mal an, wie die Personen gemalt wurden! Irgendwie schon ulkig, oder? Aber so war das bevor die Renaissance auf naturgetreue Proportionen beim Menschen achtete …

Der nordisch nüchterne Altar. Nicht ganz so alt wie die Kalkmalereien.

Blick auf den Marktplatz von Stege.

Über die wohl schönste Brücke Dänemarks, die die Inseln Lolland und Falster verbindet, mit Abzweig nach Bogø und Møn, ging es zurück nach Falster und zu einer kleinen Stadtbesichtigung in Nykøbing, die Zwerg sich gewünscht hatte.

Nykøbing Falster (es gibt noch zwei andere Nykøbings in Dänemark, daher die Unterscheidung *g*) ist eine entzückende Stadt mit ca. 16.000 Einwohnern. Es gibt viele alte, sehr interessant aussehende Fachwerkhäuser in der Innenstadt. Offensichtlich wurde die Stadt im Krieg nicht zerstört oder gut wieder aufgebaut. Ich weiß aber auch nicht wirklich viel über Dänemark im Zweiten Weltkrieg.

Das Zarenhaus (Czarenhus) dient seit 1697 als Gsthaus und auch Zar Peter der Große wurde dort verköstigt bei seinem Aufenthalt 1716. Schon schick, oder?

Der Hauptplatz …

… an dem wir uns endlich einen typisch dänischen Hotdog mit rotem Pølser (Würstchen) zum Mittag gönnten. Sehr lecker! Würde ich auch öfter vertragen ;-)

Interessante Häuser in der Fußgängerzone:

Der Kirchenplatz mit – Überraschung! – Kirche. Leider waren wir nicht drin, weil es doch schon etwas später war und wir weiter wollten. Kirchen angucken mag ich sehr gerne, Messen besuchen eher weniger.

Warum stehen in vielen besichtigten dänischen Städten so leuchtturmähnliche Gebäude mitten in der Stadt rum?

Noch mehr offensichtlich alte, gut erhaltene, hübsche Häuser!

Nach einer knappen Stunde fuhren wir weiter ins nur 30 km entfernte Gedser, wo uns die „Prins Joachim“ sicher über die ruhige Ostsee gen Rostock schipperte. Die Familie zockte Mau Mau, ich schlief ein wenig und schwupps waren wir wieder zu Hause und der Urlaub vorbei.

Ein wirklich schöner, erholsamer Urlaub! Kann es der geneigten Leserschaft wirklich empfehlen!

Nicht ungern auf Møn, Dänemark – Tag XI: Mittelaltercenter in Nykøbing F.

Der letzte volle Urlaubstag begrüßte uns mit einem klassischen Sonnenaufgang in hellblau und hellgelb.

Nach dem Frühstück ging es los ins 53 km entfernte Middelaldercentret in Nykøbing/Falster. Das ist ein Freilichtmuseum, in dem die mittelalterliche Stadt Sundkøbing des späten 14., frühen 15. Jahrhundert dargestellt wird.  Durch Freiwillige und auch viele Studenten wurde mit Hilfe von Experimentalarchäologie die Stadt nur mit Methoden des Mittelalters erbaut und im Sommer bewohnt. Es wird auch viel geforscht auf dem Gelände, so sollte an dem Tag als wir dort waren, herausgefunden werden, wie man Schwefel damals hätte herstellen können.

Natürlich gab es auch einen Turnierplatz, auf dem Ritterturniere ausgetragen werden (jeden Tag 13:30h):

Es gibt auch Tiere, wie dieser prächtige, freilaufende Hahn samt Damengefolge.

Zur Verteidigung der Stadt wurden Steinschleudern gebaut, die auch mit Hilfe des Publikums abgefeuert werden…

… um etwaige von See kommende Feindesschiffe abzuwehren. Hübsche Aussicht übrigens, nicht?

Eines der herrschaftlichen Häuser mit ein paar Handwerker-Häusern drumrum.

Wie schon erwähnt leben jeden Sommer Menschen dort, die auch die jeweiligen Handwerksberufe ausüben und Besuchern bereitwillig ihre Kunst erklären, wie diese Weberin und Färberin.

Das herrschaftliche Haus konnte man auch von innen besichtigen. Das hier sieht aus wie ein Verkaufs-Aufenthaltsraum…

… in dem auch Keramiken präsentiert werden.

Wahrscheinlich der Hauptaufenthaltsraum der Familie mit Feuerstelle und Bett.

In der oberen Etage findet man ein „Doppelstockbett“ (wer findet den zweiten Stock? *g*)

Im selben Zimmer steht ein Webstuhl.

Nebenan steht ein Haus, das wahrscheinlich eine ärmere Familie bewohnte  oder in dem das Gesinde untergebracht war.

In dem Ort gab es auch Gartenteile, die voneinander getrennt waren und vielleicht zur allgemeinen Nutzung waren. Hier ein Teil des Kräutergartens.

Der Rosengarten (alte Sorten, die nur einmal blühen) samt Taubenschlag. Es erinnert mich doch arg an „Aschenputtel“ …

Ein weiterer Teil des Kräuter- und Blumengartens.

Auch einen Obstgarten mit wunderschönen Äpfeln gab es.

Für bessere Ernten wurden dort Bienenkörbe aufgestellt.

Der Marktplatz des Ortes mit einigen Handwerkshäusern drumrum. Während das Ritterturnier schon begann, schlenderten Frau Mama und ich dort herum und unterhielten uns mit dem Zinngießer des Ortes, der uns die verschiedenen Pilgerzeichen erklärte (die man auch im Museumsladen käuflich erwerben kann).

Der Hinterhof eines Handwerkshauses.

Dorfplatz am Wasser mit Glocke.

Beim Ritterturnier treten der Ritter von Lilienstein (in gelb) in einigen Disziplinen gegen…

… den ortseigenen Ritter Henrik Swan an. Bitte beachtet den Helm *g* Natürlich unter ordentlich Jubel und Buh-Rufen des Publikums!

Außer der mittelalterlichen Stadt gibt es auf dem Gelände auch einen Technologiepark im Wald, in dem die Archäologen und Historiker versuchten altertümliche und mittelalterliche Gerätschaften anhand der Skizzen und Zeichnungen nachzubauen.

Diese Wasserschraube, erfunden von Archimedes, funktioniert 1a und ist leicht zu reparieren.

Ein mobiler Angriffturm.

Die selbsttragende Brücke, erfunden vom großen Leonardo da Vinci. Hält!

Ein großartiger Ausflug, der uns allen richtig gut gefallen hat! Das Mittelaltercenter ist sowohl für Erwachsene als auch Kinder geeignet. Es gibt viele Freiflächen zum Spielen und Laufen für kleine Kinder, es gibt Programm wie Bogenschießen, das Ritterturnier oder das Abfeuern der Steinschleudern zu verschiedenen Tageszeiten. Die „Bewohner“ des Ortes sind für alle Fragen offen und haben eine Menge Wissen (auch für historisch interessierte Personen). Auch fürs leibliche Wohl wird gesorgt. Auf dem Gelände findet sich ein Restaurant mit mittelalterlich anmutenden Speisen oder ein Café mit Kleinigkeiten wie warm geräuchertem Lachs und Salat oder Pommes mit Wurst/Pølser oder Hähnchenbrust, auch das obligatorische Smørrebrød fehlt nicht im Angebot. Wer lieber selbst Picknick machen will, findet auch neben dem Turnierplatz einen gemütlichen Ort mit Lagerfeuer und Picknicktischen. Ein wirklich lohnendes Ausflugsziel für Groß und Klein! Große Empfehlung von uns!

Als wir wieder zurück waren, wurde erstmal ausgiebig gekatzt, bevor der kleine Racker am nächsten Tag in sein neues Zuhause zieht! So ein Süßer!

Und bevor wir die Koffer packten ein letzter Spaziergang zum Meer mit doch recht starker Brandung!

Manchmal muss man erst wegfahren, um wieder mitzukriegen, wie schön die eigene Heimat eigentlich ist. Møn ist Mecklenburg-Vorpommern doch sehr ähnlich, wodurch uns dessen Schönheit erst wieder bewusst wurde.

Adresse:

Middelaldercentret
Ved Hamborgskoven 2-4
4800 Nykøbing Falster
Dänemark

Nicht ungern auf Møn, Dänemark – Tag VIII-X

Drei Tage war ich mal wirklich faul. Keine Ausflüge, keine Spaziergänge zum Strand. Im und am Ferienhaus bleiben, dem Sturm lauschen (immer noch stürmischer, warmer Ostwind) und entspannen.

Am Sonntagmorgen war der Himmel noch ordentlich bewölkt.

Herr Papa und Zwerg erkundeten neue Angelplätze, Frau Mama und ich blieben zu Hause. Frau Mama schnipelte das Gemüse für die bunte Bohnensuppe und ich machte mit einem KitchenAid-Vorläufer den Teig für die Palacsinta, die sich Frau Mama so sehr zum Mittag wünschte.

Und schnell ausgebacken. Ist ja so kompliziert nicht ;-)

Der Nachmittag wurde verplempert, abends bastelte Zwerg dann unser traditionelles Sonntagsabendbrot: Überbackene Schnitten.

Montagmorgen war noch nicht entschieden, wer gewinnt. Sonne oder Wolken? Das störte die Mischpoke nicht, die Richtung Kopenhagen für den Tag ausflog. Da ich mit meiner eingeschränkten Gehfähigkeit eher hinderlich bin, blieb ich gerne zu Hause und entspannte mich. Ein bisschen die Bebbiekatze bespaßen, Raumschiff Enterprise gucken …

Zum Mittag machte ich mir die deutsche Version des Smørrebrøds: Strammer Max mit Gewürzgürkchen und Tomätchen.

Dies hier ist praktisch das Symbolbild dieser drei Tage: Lesen und sticken. Ich bin mit Julia Childs Autobiographie fertig geworden (Sehr spannend! Sehr zu empfehlen!), das Stickprojekt geht langsam voran, es dauert so viel länger, als wenn ich die Flächen mit einem Buntstift ausmalen würde ;-)

Für Dienstag war eigentlich ein Ausflug ins Mittelalter-Freilichtmuseum geplant, allein meine Krankheit hatte keine Lust (schlecht geschlafen, Kopfweh, schmerzendes Bein), also wurde nach dem hübschen Sonnenaufgang beschlossen, dass wir den Ausflug auf den letzten ganzen Urlaubstag verschieben. So konnte ich noch ein wenig ruhen und die Eltern fuhren mit Zwerg ein wenig die Insel weiter erkunden, Zwerg machte die Fossilien-Expedition des GeoCenters mit und die Eltern flanierten ein wenig durch Liselund.

Erholung auf die ein oder andere Weise für uns alle!

Nicht ungern auf Møn, Dänemark – Hårbølle Mejeri/Hårbølle Meierei

Wie schon gestern berichtet, haben wir einen kleinen Ausflug zur Hårbølle Mejeri gemacht. Auf der Suche nach lokalen Produzenten bin ich im Internet auf diese kleine Käserei aufmerksam geworden. Und da sie nicht weit weg vom Urlaubsdomizil ist und dreiviertel der Familie Käse sehr mag, fuhren wir hin.

Die Meierei ist für Publikum samstags von 10-14 Uhr offen. Dann steht der Chef im Verkaufsraum und kann einem alles zu den angebotenen Käsen erklären. Wir entschieden uns für einen süßen, kleinen Käse nach Art des spanischen Manchegos (vordere Reihe links), einen großartigen Camembert, der wunderbar nach Champignons duftet und noch viel besser mundet (vordere Reihe mitte) und einen Frischkäse aus Schafsmilch (vordere Reihe rechts). Allesamt vor Ort verkostet und große Begeisterung bei uns drei Damen (Herr Papa blieb aus olfaktorischen Gründen draußen *g*). Aber nicht nur Käse wird dort hergestellt, auch hochköstlicher Joghurt aus Schafsmilch (großer Becher)  und eine Art Creme fraiche, die durch ihre Zubereitungsweise sehr an Butter erinnert.

Aber wie entstehen die ganzen Köstlichkeiten? Ich fragte bei Besitzer Per Sørup nach, ob ich seine Produktionsräume ansehen könnte und bekam ein freundliches „Aber natürlich! zurück. Ich wurde ausgestattet mit sauberen, weißen PLastikclogs und einem todschicken blauen Haarnetz und schon ging die kleine, aber hochinteressante Führung los! (Leider war es zu spontan und mir sind viele Fragen erst zu Hause eingefallen. Typisch *seufz*)

Per Sørup ist von Hause aus Biochemiker, der jetzt seiner Leidenschaft für Käse nachgeht und die kleine Käserei im Westen der dänischen Insel Møn betreibt.

Die Milch wird von lokalen Bauern angeliefert und im großen Tank links aufbewahrt. Dann in den Kessel rechts gefüllt und dort erstmal pasteurisiert. Dabei werden alle Bakterien in der Milch abgetötet, sowohl die bösen als auch leider die nützlichen, die man gut zum Käsemachen brauchen könnte.

In diesem Tank wird dann der Käse auf den Weg gebracht. Dafür wird die pasteurisierte Milch je nach gewünschter Käsesorte mit den entsprechenden Kulturen versetzt, die zum Beispiel in Frankreich gekauft werden können. Dann wird die Milch auf die entsprechende Temperatur erhitzt. Was ich bis dato nicht wusste, ist, dass die Milch für die verschiedenen Sorten auch unterschiedlich stark erwärmt wird, Milch für Camembert auf nur überraschende 32°C, für Joghurt auf 44°C. Wenn die Milch geronnen und fest ist, wird sie mit Hilfe der Harfe in, wieder je nach Käsesorte unterschiedlich große, Käsebruchstücke geschnitten. Für Camembert ist er etwa 1 cm groß, für den Møner Manchego wird es auf Reiskorngröße gebrochen.

Der frische Käse wird dann in unterschiedlich große Plastikgefäße gegeben und zum Abtropfen stehen gelassen. Diese Käselaiber, wurden am Tag vorher gemacht und waren für mich schon erstaunlich fest.

Je nach Käse kommt er, nach dem Salzbad zur Bildung der Rinde, in unterschiedliche Reifekammern, denn natürlich kann der Camembert mit seinen Kulturschimmelpilzen nicht in derselben Kammer liegen wie der Møner Manchego. An diesem Camembert sieht man sehr schön wie sich der Edelschimmel beginnt auszubreiten.

Viele kommende köstlich werdende Camemberts in der Reifekammer.

Das hier ist die zweite Reifekammer für den Manchego, der in diesem Stadium so ein bisschen gruselig aussieht mit dem wattigen Schimmel außen. Man denkt, man könne ihn nicht essen, aber doch, der wird wunderbar werden! In den Reifekammern herrscht eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die mit technischer Hilfe erzeugt wird. Leider gibt es auf Møn keine bis kaum Höhlen, die solch konstanten Bedingungen zulassen, wie sie in einigen traditionsreichen Käseregionen zu finden sind.

In der dritten Reifekammer wird der Møner Manchego dann zur Perfektion reifen gelassen. Herr Sørup „beschwerte“ sich ein bisschen, dass er den Käse meist nicht so gut reifen lassen kann, wie er möchte, weil er einfach zu viele Kunden hat, die vorher schon alles aufkaufen ;-)

Hier der Meister Per Sørup mit seinem Werk!

Die Käse werden an Kunden vor Ort direkt von der Meierei aus verkauft, aber er liefert auch an Hotels und Restaurants der Umgebung! Wenn die geneigte Leserschaft sich an einem Samstag auf der Insel befindet und Käse mag, geht unbedingt dort hin! Probiert die Köstlichkeiten, kauft, was Euch schmeckt! Fragt nach, lasst Euch beraten, fachsimpelt mit Herrn Sørup! Eine riesengroße Empfehlung von mir!

Hårbølle Mejeri
Brøndegårdsvej 7
Hårbølle
4792 Askeby

Öffnungszeiten: Samstag 10-14 Uhr

www.harbollemejri.dk

Dear Mr. Sørup, thank you so much for the tour in your mejeri! It was my pleasure and very informative! I learned a lot! Your cheeses are really delicious and I am very sorry I live so far away so I couldn’t buy them more often. And I will try again to make my own joghurt :-) Thank you again!

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