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Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag XVI und XVII

7 Sep

Den Freitag verbrachte ich entspannenderweise beim Lieblingscousin und seiner Familie. Bis zum früher Nachmittag war ich alleine und las mich weiter durch Thursday Nexts Abenteuer in der Buchwelt. Zwischendurch ging ich immer mal wieder auf die Terrasse und bewunderte die Blüten der Prunkwinden. Das blau sah tatsächlich so surreal aus.

Nach einiger unruhigen Nacht vor lauter Reise-Nervosität war ich schon kurz vor 6 wach.

Die Lieblingscousin fuhr mich zusammen mit der Familie zum Flughafen, wo ich dann Ungarn für dieses Jahr verließ. Mit etwas Verspätung kam ich in Berlin an, glücklicherweise warteten Herr Papa und Frau Mama dort auf mich  und ich musste meinen Koffer nicht durch halb Berlin zum Bahnhof schleppen. Danke, danke, danke!

So, waren wir schon am Nachmittag im Schrebergarten, wo wir noch das schöne Wetter genießen und bis zum nächsten Tag bleiben wollten.

Zum Abendessen pochierten wir von Herrn Papa selbstgeangelten Dorsch in einem Sud aus Zwiebel, Pastinaken, Petersiliengrün, Salz und Pfeffer. Dazu Pellkartoffeln von eigenen Kartöffelchen und eine schnelle Senfsauce. Sehr lecker!

Die Abende sind natürlich auch bei uns schon kühl. Aber so lange es ging, saß ich noch draußen und genoss die Spätsommer-Frühherbstluft.

Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag XV

5 Sep

Donnerstag im Morgengrauen kam der Cousin, der nie da war aus Schwangau angefahren für gute 24 Stunden Aufenthalt. Tante war selig und hatte am Vortag extra eine Ente geschlachtet (und ich durfte wieder nicht zusehen, um zu lernen wie das technisch richtig funktioniert *grmpf*). Das geronnene Blut gab es am nächste Morgen pikant gebraten mit ein paar Paprika und Zwiebeln. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig für den frühen Morgen, aber am Vormittag geht es schon. Es war auch das erste Mal, dass ich Blut gegessen habe und fand es wirklich köstlich!

Während der Cousin, der nie da war Erledigungen machte, fing ich an meine Sachen zu packen. Da ich ja zurück flog, musste ich tatsächlich auf das Gewicht achten und alles in den Koffer stopfen. Hatte aber nachdem alles drin war doch tatsächlich noch 7 kg bis zur Gepäckobergrenze frei, so dass noch einige Gläschen der  eingekochten (hoffentlichen) Köstlichkeiten bei denen ich mit half, ihren Weg in den Koffer fanden. Von links nach rechts: Ketchup, Pflaumenmarmelade, Pflaumenkompott, Brombeermarmelade. Bin ich gespannt wie das schmeckt!

Mittags hatte Tante schon groß gekocht (und noch einiges für abends vorbereitet). Als Vorsuppe eine Tomatensuppe mit Buchstabennüdelchen. Sehr tomatig und sehr lecker. Auch in der einfachsten Version ohne großartigen Kräuter-Schnickschnack.

Als zweiten Gang gab es dann die im eigenen Fett mit wenig Wasser geschmorte Ente mit Reis und frischem Gurkensalat. Total zart und großartig!

Abends kam dann der Lieblingscousin mit Frau und der liebsten Großcousine um zusammen mit der Familie die kurze Anwesenheit des Bruders (bzw. meines Cousins, der nie da war) zu feiern. Tante meinte zwar es gäbe nur ein kleines Abendessen, aber frühmorgens wurden noch Rippchen geschmortbraten und abends dann frisch gebratene, panierte Zucchinischeiben. Ich liebe panierte Kürbissorten. Von der gedeckten Tafel hab ich leider kein Bild gemacht, aber es war einfach alles lecker. Besonders das Rippchenfleisch. Dann war es Zeit dem Lieblingsdorf “Tschüß!” zu sagen für dieses Jahr und der Lieblingscousin nahm mich mit nach Esztergom für zwei Nächte.

Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag XIV

4 Sep

 Am Dienstag stand ja wieder ein Rieseneimer voller sonnengeküsster, reifer Tomaten unter der Hollywoodschaukel auf der Terrasse. Was Tante wohl damit vor hat? Am nächsten Vormittag wusste ich es. Die 7 kg Tomaten wurden roh entsaftet, durch die Flotte Lotte gedreht und zu Ketchup gekocht in diesem monströsen Topf.

Falls es jemand nachmachen mag, laut Rezept braucht man: 4 kg Tomaten, die nach der Methode der Wahl püriert werden. Das Püree in einem großen Topf mit 200 ml 20%igen Essig, 1 TL gemahlenem Zimt, 2 TL gemahlener Pfeffer, 1 EL gemahlene Senfsaat, 10 EL Zucker, 1 EL Salz und 6 ganzen Nelken etwa 4 Stunden lang köcheln bis es zur Ketchup-Konsistenz eingedickt ist. Die Nelken rausfischen, in Gläser geben. Im ungarischen steht, dass vor dem Einfüllen noch Einmachhilfe zugefügt wird, damit es haltbar ist. Ich würde es, glaub ich, kalt einfüllen und dann im Ofen 20-30 Minuten einkochen.

Das Mittag gestaltete sich mal sehr entspannt für Tante. Ich musste nur schnell den Mohn quetschen, …

… die dazu gehörigen Pflaumenknödel wurden von Tantes Schwiegermutter geliefert. Köstlich! Und ich muss gestehen mit Mohn-Zucker schmeckt es mir besser als mit Semmelbröseln.

Am Nachmittag machte ich mich auf zur Tante mit dem grünen Daumen. Unser Dorf ist auch ein bißchen exzentrisch, zumindest eine Familie züchtet Emus …

Der spätsommerliche dorfeigene kleine Park hinter dem Kulturhaus.

Auch wenn in letzter Zeit viel Geld in die Dörfer investiert wurde (Renovierung der Schule, Neubau einer Sporthalle, neue Straßenschilder etc.) mit Hilfe der Europäischen Union, gibt es auch immer noch kleine, unbefestigte Straße, die noch aussehen wie vor 30 Jahren.

Ein Blick auf Gedáshegy, der kleine Hügel im Hintergrund. Früher als meine Großeltern noch lebten, sind wir dort öfter spazieren gegangen. Auch ist dort der historische Ursprung Nagysáps. Mindestens seit der Bronzezeit siedelten die Menschen hier … Finde ich immer wieder erstaunlich, dass sich unser Dorf so lange gehalten hat.

Und endlich, endlich entdeckte ich das dritte untrügliche Sommerzeichen, auch wenn es schon September war: Teer auf der Straße, der vor Hitze Blasen wirft. Die anderen beiden Zeichen sind übrigens der Geruch des ersten frisch gemähten Rasens des Sommers und der Duft in der Luft nachdem der erste Sommerregen gefallen ist.

Bei Onkel und Tante steht ja der große Feigenstrauch und es war tatsächlich noch eine reife Feige dran, die Onkel mir pflückte. Wirklich sehr lecker! Großartig!

Den Nachmittag verbrachte ich mit den schweigsamen Großcousinen, wir putzten Birnen, bucken Schoko-Birnen-Muffins, unterhielten uns. Auch mit der Tante mit dem grünen Daumen konnte ich mich in Ruhe unterhalten, über alles was in den letzten zwei Jahre so passiert ist. Jetzt bin ich wieder im Bilde :-)

Zum Sonnenuntergang spazierte ich erschöpft aber gut gelaunt nach Hause.

Die protestantische Kirche zur blauen Stunde.

Danach fiel einigermaßen müde ins Bett und ließ mich weiterhin von Kochsendungen berieseln (Martha! Nigella! Jamie! Lorraine!)

Nicht ungern in Ungarn 2013: Tag XI

1 Sep

Wieso wird mir sowas immer erst im Nachhinein erzählt? Da lädt mich die Tante mit dem grünen Daumen ganz unschuldig zum Sonntagsessen ein, die zweitälteste Cousine samt Familie wird auch da sein. Dann werde ich abgeholt von der Großcousine E., wundere mich schon, wir sollen uns beeilen. Okay … Und dann sind auf einmal alle da, auch die älteste Cousine mit Familie. Was ist denn hier los! Komisch … Und es wird Essen aufgefahren ohne Ende. Jetzt abends sagt mir die Tante (die jüngere bei der ich übernachte, nicht die mit dem grünen Daumen), dass die Tante mit dem grünen Daumen die Woche 49. Hochzeitstag hatte, der heute gefeiert wurde. Warum sagt mir das keiner???

Jedenfalls ordentliche Mengen an Essen, wobei ich nicht alles kosten konnte. Es war einfach zuviel! Es fing natürlich mit der obligatorischen Hühnerbrühe an, wieder mit ordentlich Nüdelchens und ein bißchen Gemüse. Sooo lecker! Könnte ich mich reinlegen!

Wer wollte konnte auch noch das gekochte Fleisch des Hühnchen abknabbern *g* Ich hielt mich gleich an den Hauptgang. Zum einen wurden ganz dünne, zarte Schnitzelchen gebraten und eine Ente gebacken mit Apfel. Dazu war Kartoffelpüree geplant.

Als dritte Fleischbeilage konnte man Paprikás csirke, also ein gulaschähnliches Gericht mit Hühnchen wählen. Dazu wurden Nudeln gekocht und für alles als Beilage gab es Weißkohl- und Paprikasalat.

Der Freund der Großcousine E. wollte schon nach einem Schnitzel aufgeben, weil er noch Kuchen essen wollte. Und oh mein Gott wurde viel Kuchen besorgt (wegen Tantes Krankheit in einer Konditorei gekauft und nicht selbst gebacken). Zum einen gab es Francia krémes – Gebäck aus Blätterteig gefüllt mit Sahne und Vanillecreme …

… dann noch Rigo Jancsi-Torte, eine Schokoladentorte gefüllt mit Schokoladensahnecreme …

.. und als letztes zur Auswahl sehr süße Schaumküsse, die aber echt lecker waren.

Ich habe heute auch den traurigsten Hund der Welt kennengelernt. Darf ich vorstellen? Macko.

Seit sein kleiner Hundefreund vor einigen Monaten starb, trottet Macko nur noch traurig durch die Gegend, geht unter keinen Umständen mehr in die gemeinsame Hundehütte und hängt meistens traurig mit der Schnauze im kleinen Eisentor.

Während ich im Garten der ärztlichen Sonnenverordnung nachkam und mich mit dem angeheirateten Cousin unterhielt, schlief die Glückskatze selig auf einem alten Hemd meines Onkels.

In kurzen Wachphasen der beiden Miezen konnte man echte Geschwisterliebe beobachten.

Der verschmuste Bruder der Glückskatze saß die meiste Zeit auf meinem Schoß …

… und ließ sich sich bis ins Schnurrnirvana kraulen. Ist die kleine rausgestreckte Zunge nicht goldig?

Meine Tante hat an einer geschützten Stelle am Haus eine große Feige stehen, die auch viele kleine Feigleins trägt. Ich hoffe für sie, dass sie dieses Jahr noch richtig reif werden …

Verabschieden dauert in Ungarn immer ewig! Bis man den 11 anderen Personen Küßchen links und rechts gegeben hat, vergeht schon einiges an Zeit *g* Aber die zweitälteste Cousine konnte mich dann doch noch nach Hause fahren und dort traf ich dann meine Tante und Onkel im Garten, wie sie gerade die beiden Pflaumenbäume abernteten. Hier sieht man ungefähr ein Drittel der Ernte. Ein Teil wird eingefroren für Pflaumenknödel, ein Teil zu Marmelade verarbeitet und ein Teil mit den runter gefallenen und angeditschten Pflaumen zusammen zu Schnaps gebrannt.

Ein wirklich schöner Sonntag, aber auch anstrengend, so dass ich jetzt allseits geruhsame Nacht wünsche!

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