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Rezension: Slowcooker vegetarisch

Wie die geneigte Leserschaft bestimmt mitbekommen hat, bin ich stolze Besitzerin von mittlerweile zwei Slowcookern, einen mit 3,5 l Fassungsvermögen und einem kleinen 1,5l. Nun sind das ja schon besondere Bedingungen unter denen man im Keramikeinsatz des Gerätes kocht und einige Besonderheiten zu beachten, so benötigen Kartoffeln darin etwa genau so lange wie Fleisch. Erstaunlich, oder?

In den USA sind die Geräte schon seit Jahrzehnten verbreitet und es gibt im weltweiten Zwischennetz auch viele englischsprachige Rezepte, die allerdings oft mit Fertigpülverchen und Konsorten gemacht werden. Jetzt nicht unbedingt meine Tasse Tee. Aber das wisst ihr ja … Nun hat sich Gabriele Frankemölle daran gemacht, den Slowcooker auch hier in Deutschland bekannter zu machen und begonnen Kochbücher für das Gerät zu schreiben. Nach dem Grundkochbuch „Langsam kocht besser„, dem Buch für die Arbeit „Slowcooker @ work“ und für die großen Suppenliebhaber „52 Wochen – 52 Suppen“ hat sich Gabi Ulrike Westphal vom Küchenlatein als Unterstützung ins Boot geholt und zusammen brachten sie Ende letzten Jahres das Buch „Slowcooker vegetarisch“ heraus. Da ich ein paar Gerichte von Ulrike probe gekocht habe, bekam ich ein kostenloses Exemplar geschenkt, dass ich gerne auch bespreche.

Erster Eindruck

Das Buch hat ein handliches Format mit Spiralbindung. Das Papier ist angenehm dick und fühlt sich auch nicht so an als ob es beim kleinsten Wasserspritzer durchweicht. Insgesamt sind es 180 Seiten. die sich durch die Spiralbindung gut aufschlagen lassen.

Inhalt

Das Buch ist in zwei wesentliche Bereiche gegliedert: Hintergrundinformationen zum Kochen im Slowcooker/Crockpot und den großen Rezeptteil. Im allgemeinen Teil werden viele Information gegeben wie ein Slowcooker funktioniert, welche Vor- und Nachteile das Kochen mit dem Gerät hat, Hygieneregeln oder auch Umrechnungstabellen vom konventionellen zum Crockpot-Kochen. Sehr interessant für mich, auch wenn ich meinen großen Slowcooker da schon fast ein Jahr hatte. Aber jetzt verstehe ich das Prinzip besser und kann auch eigene Rezepte adaptieren.

Im zweiten Teil sind insgesamt 77 Rezepte versammelt:

  • Fonds, Suppen, Eintöpfe
  • Hauptgerichte
  • Pasta-Saucen
  • Desserts
  • Crocky spezial

Die Rezepte sind alle ohne Fleisch und teilweise sogar komplett tierfrei. Wo es sich anbietet, haben die Autorinnen auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie ein vegetarisches Gericht vegan werden kann. Bei den Suppen findet man von der Gemüsebrühe über herzhafte Eintöpfen wie der Westfälischen Erbsensuppe bis hin zu feinen Cremesüppchen (Kartoffel-Lauch-Suppe) alles. Aber der Vegetarier an sich ist beim Slowcooker nicht auf Suppen beschränkt, auch richtig sättigende Hauptgerichte lassen sich zubereiten. Dabei reicht die Spannbreite von Frittata über Lasagne, verschiedene Currys, Chili sin carne oder auch süß-saurer Tofu. Die geneigte Leserschaft merkt, dass es kulinarisch traditionell deutsch-europäisch zugeht, aber auch mediterran bis amerikanisch und in die Ferne Asiens. Allgemein heißt es, dass z.B. Nudeln nicht gut funktionieren sollen, aber es gibt Rezepte, die ich auch noch testen werde, weil ich den beiden Damen vertraue :-) Natürlich kann man auch Süßes im Crockpot machen, so lachten mich hierbei z.B. der Möhrenkuchen an oder wenn ich Äpfel vertrage würde, der Bratapfel an. Auch Crumbles scheinen gut zu funktionieren. Einige Rezepte habe ich schon ausprobiert und sie funktionierten ausnahmslos tadellos. Dabei merkt aber schon die Unterschiede in der Rezeptschreibweise zwischen der passionierten Naturwissenschaftlerin Ulrike und Gabis eher pragmatischer Herangehensweise. Dabei kann es natürlich sein, dass ein Gericht im eigenen Slowcooker etwas länger oder kürzer braucht, weil die eigene Würfelschneidweise etwas größer oder kleiner ist oder einfach das eigene Gerät heißer oder kühler läuft. Aber von der Würzung her, vom Geschmack war alles Nachgekochte top!

Gestaltung

Die Gestaltung finde ich sehr ansprechend. Auf dem Einband hübsches Gemüse, zu (fast) jedem Rezept ein Bild, die sich auf das Wesentliche nämlich das fertige Gericht konzentrieren. Gut, so zwei oder drei Bilder sind unscharf, was ich mal auf den Druck schiebe. Auch die Aufteilung der Rezepte ist übersichtlich, in der linken Spalte die Zutaten, dann die genaue Anleitung, die eigentlich keine Unsicherheiten zulässt. Zu jedem Rezept ist angegeben, welche Crockpot-Größe gebraucht wird, wie lang die Vorbereitungszeit in etwa ist und die Portionsangabe. Außerdem finden sich wenn möglich die unterschiedlichen Kochdauern in den verschiedenen Stufen des Geräts. Mit kleinen Symbolen haben Ulrike und Gabi kenntlich gemacht, ob das Rezept vegetarisch, also mit Milch und/oder Ei ist oder komplett vegan. Ich finde diese kleinen Punkte aber gerade hilfreich und sehr gut durchdacht.

Fazit

Für Vegetarier oder Leute, die ein paar mehr Ideen für fleischlose, entspannte Küche wollen (Besitz eines Slowcookers vorausgesetzt), ist dieses Buch wunderbar geeignet. Es ist vielfältig, bunt, deckt sämtliche Kontinente und Geschmacksrichtungen ab. Dabei geht es bodenständig zu, aber auch fein für Gäste. Die Zubereitung ist wie fast immer unkompliziert und dann benötigen 90% der Gerichte überhaupt keine Überwachung bis die angegebene Zeit vorbei ist.

Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung von mir!

Ausprobiert

Einige Rezepte habe ich schon ausprobiert, aus den Blogs der Autorinnen bevor es im Buch erschien und als ich das Buch in den Händen hielt. Dabei habe ich fast alle Kapitel des Rezeptteils abgedeckt.

Vor kurzem gab es die Tomaten-Tortellini-Suppe, die schnell vorzubereiten ist und sehr gut würzig schmeckt:

Probekochen durfte ich Ulrikes Rezept für mit Quinoa gefüllte Kohlrabi. Und es war wirklich göttlich! Die Sauce total lecker und Bechamel funktioniert 1a im Slowcooker. Und dann der zarte Kohlrabigeschmack mit der würzigen Füllung. Ein Träumchen!

Vor kurzem kochte ich in meinem kleinen Slowcooker die Hälfte der Auberginen-Parmigiana. Zugegeben ich war skeptisch, weil alle Zutaten ohne anbraten der Auberginenscheiben nur in den Slowcooker geschichtet werden. Aber, tadaa, es funktioniert super! Die Auberginen werden wunderbar weich und der Geschmack ist wirklich wie bei einer Parmigiana aus dem Ofen. Nur ist sie bei mir etwas dunkel geworden, weil der kleine Slowcooker doch etwas mehr heizt als der große *räusper*

Ein Rezept was ich in dieser Saison definitiv wieder machen werde, ist das Ratatouille. Wenig Aufwand, großartiger Geschmack. Die Aromen haben richtig viel Zeit um sich zu verbinden:

Außerdem wurde auch schon ausprobiert und verbloggt:

Was ich definitiv noch ausprobieren will: Orientalische Linsensuppe, Westfälische Erbsensuppe, Blumenkohlsuppe mit Cheddar, vegetarisches Sloppy Joes, Möhrenkuchen, Pflaumenmus … Ach Gott, eigentlich zu viel *g* Das Buch wird definitiv regelmäßig genutzt werden!

Und wen das jetzt überzeugt hat, der kann sich das Buch auf Gabis Seite das Buch jetzt im Juni versandkostenfrei bestellen. Natürlich kann es auch über Amazon in Papierform oder für den Kindle bestellt werden.

Jeden Tag ein Buch: Ein Leib- und Magenbuch

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass eher ein kulinarisches Lese- denn Kochbuch ist. Das Buch „Ein Leib- und Magenbuch – Kulinarische Notizen“ von Ursula Winnington habe ich mal von meiner Mutter geschenkt bekommen. Ursula Winnington ist eine 1928 geborene Journalistin und Kochbuchautorin, die vor allem zu DDR-Zeiten aktiv war. Regelmäßig schrieb sie für „Das Magazin“ die Rezeptkategorie, eine in der DDR sehr beliebte Zeitschrift, die die Wendezeit auch überlebt hat. Frau Mama fand das offensichtlich so gut, dass sie sich zumindest dieses Buch zulegte:

Erster Eindruck

Ein dünnes Hardcover-Buch von 160 Seiten in angenehmer Größe, um es auch einfach im Bett zu lesen. Das Papier fässt sich angenehm an, es riecht angenehm wie ältere Bücher nunmal duften. Besonders aufgefallen sind mir gleich die Illustrationen. Ich brauche ja nicht dringend hochstilisierte Photos in Kochbüchern.

Inhalt

In diesem Buch nimmt Ursula Winnington verschiedene Aspekte der Kulinarik unter die Lupe. In insgesamt 14 Kapiteln schreibt Ursula Winnington amüsant und informativ über:

  • Feinschmecker im Visier
  • Essen oder speisen?
  • Einiges über Kochbücher
  • Ein guter Koch ist ein guter Arzt
  • Hobbyköche
  • Gewürze sind Paradieskörner
  • Von Sitten und Unsitten des Tafelns
  • Aberglaube und Medizin
  • Küchentips für Liebesleute
  • Eßzentrale – bitte melden!
  • Gegen die Bauchdienerei
  • 50 berühmte Rezepte aus aller Welt
  • Pikant gewürzt von A bis Z
  • Quellennachweis

Das Buch liest sich wunderbar! Frau Winnington hat einen sehr angenehmen Stil, der sich einfach nur so weglesen lässt. Zudem sind die einzelnen Kapitel wirklich informativ, so gibt es eine kurze Geschichte des Kochbuchs, es wird über Aphrodisiaka erzählt, Geschichte, Nutzen, Verwendung, Gebrauch von Gewürzen und Kräutern, über ambitionierte Hobbyköche (fühlt sich jemand angesprochen?) oder ausgewogene Ernährung. Ich meine klar, die Daten sind veraltet, das Buch erschien erstmals immerhin 1981, aber trotzdem war es sehr interessant zu lesen.

Ein Kapitel ist ausschließlich Rezepten gewidmet aus allen Kategorien: Vorspeisen, Suppen, Salate, Reis und Teigwaren, Fisch, Fleisch- und Geflügel, Gebäck, Saucen, Desserts. Alles was das Herz begehrt und dann auch wirklich international. Es sind französische, mexikanischer, amerikanische, ungarische, russische, fernöstliche Rezepte. Wobei ich mich frage, ob man bei uns in Rostock einige Zutaten offiziell käuflich zu erwerben bekommen hätte im Jahr 1984. Ich bezweifele es sehr stark. In Berlin war das noch ’ne andere Geschichte, aber im Rest der DDR war frischer Ingwer oder Sojasauce eher nicht erhältlich. Trotzdem hat die Autorin versucht ihre Zutatenlisten den Gegebenheiten anzupassen, damit ihre Leser nicht zu frustriert sind *g* Heute ist das zum Glück kein Problem mehr und ich kann problemlos alle Rezepte nachkochen. Und die Rezepte laden zum Nachkochen ein, auch wenn keine Bilder der einzelnen Gerichte abgebildet sind.

Ein nettes Gimmick sind kleine Spruchweisheiten von verschiedensten Leuten, die am Ende jedes Kapitels stehen, so zum Beispiel und sehr wahr:

Es ist besser ein Gericht Kraut mit Liebe, denn ein gemästeter Ochse mit Haß.
Aus den Sprüchen des Salomo um 960 v.u.Z.

Gestaltung

In diesem Buch gibt es keine Photos der vorgestellten Gerichte, nur schöne und auch amüsante Illustrationen von Newena Wendt-Jontschewa, die die einzelnen Kapitel unterstützen. Der Großteil der Rezepte ist am Ende des Buches versammelt, aber auch wenn es zu den einzelnen Kapiteln passt, sind dort Rezepte vermerkt. So sind einige Gewürzmischungen wie Garam Masala, Chmeli-suneli oder eine Arabische Mischung am Ende des Kapitels „Gewürze sind Paradieskörner“. Die Rezepte sind alle übersichtlich gestaltet, mit sehr guten, ausführlichen Anleitungen und somit auch für Kochanfänger geeignet.

Fazit

Ich habe das Büchlein mit großem Interesse und Vergnügen gelesen. Die Rezepte sind vielfältig und gut nachkochbar. Allein die Zutaten muss man manchmal den heutigen Begebenheiten anpassen, weil die sich damals doch eher an der DDR-Mangelwirtschaft orientierten. Ich nehme das Büchlein immer mal wieder gerne in die Hand und lese ein Kapitel daraus. Das wird noch lange Zeit in Ehren gehalten! Für kulinarisch interessierte Leser dieses Blogs eine definitive Empfehlung!

Ausprobiert

Von den Rezepten hatte ich letzten Sommer die bulgarische kalte Gurkensuppe Tarator ausprobiert. Sehr lecker! Es reizen mich aber auch noch andere Rezepte wie die Französische Leberpastete oder die Koreanische Eierrolle oder Boston Baked Beans oder Sibirische Pelmeni oder Bolognese Sauce oder oder … :-)

Eckdaten:

Ursula Winnington
Ein Leib- und Magenbuch – Kulinarische Notizen
Verlag für die Frau. DDR. Leipzig
2. Auflage 1984
antiquarisch erhältlich

Dies ist mein fünfter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

Jeden Tag ein Buch: Füszer és lélek – Jüdische Küche hier und heute

Gefühlt hatte in Ungarn schon die erste Bloggerin ihr eigenes Buch veröffentlicht, bevor hier in Deutschland der erste Buchvertrag unterschrieben wurde ;-) Die erste von deren Buchprojekt ich hörte, war Eszter. Sie ist eine jüdische Ungarin, die mit ihrer Familie in Budapest lebt und schon seit gefühlt Ewigkeiten ihren Blog „Füszer és Lélek“ schreibt. Die jüdische Tradition lebte in ihrer Familie erst wieder nach den Wendezeiten auf und nach der Geburt ihres Sohnes, beschäftigte sie sich intensiver mit den jüdischen Speisegesetzen und passte ihr eigenes Kochen dem an. Gekauft hatte ich „Füszer és lélek – Zsido konyha itt és most“ („Würze und Geist – Jüdische Küche hier und heute“) schon während meines Urlaubs im Frühjahr 2009, aber erst jetzt schreibe ich mal eine ausführlichere Rezension darüber *ascheaufmeinhaupt*

Erster Eindruck

Ein großformatiges, dickes Buch mit angenehm 150g-Papier. Insgesamt sind es 304 Seiten, auf denen unter anderem auch 130 ganzseitige Photos sind, die mich auf den ersten Blick schon sehr ansprechen. Es fässt sich angenehm an, hat ein praktisches Format, dass gut in meinem Buchhalter in der Küche stehen kann. Das Buch lässt sich auch gut aufschlagen, so dass die Seiten nicht andauernd wieder von alleine zuschlagen. Das finde ich nervig, weil mit teig- oder fettverschmierten Fingern, will doch niemand andauernd wieder die Seite vom gewünschten Rezept suchen müssen, oder?

Inhalt

Das Buch ist in insgesamt dreizehn Kapitel unterteilt:

  • Vorwort
  • Einführung
  • Kurz über die Kaschrut
  • Vorspeisen
  • Suppen
  • Hauptgerichte
  • Salate
  • Herzhafte und süße Brote
  • Desserts
  • Coocktails
  • Feiertage – Menüvorschläge
  • Inhaltsverzeichnis
  • Danksagung

Die ersten drei Kapitel, besonders die kurzen Erläuterungen zu den jüdischen Speisegesetzen sind sehr interessant, auch wenn ich einen Großteil davon schon kannte (von meinem 40 minütigen Vortrag über das Judentum im Sozialkundeunterricht der 10. Klasse ist offensichtlich einiges hängen geblieben *g*). Dann folgen die Rezepte in einer (gefühlt) typisch ungarischen Reihenfolge, so sind z.B. die Salate nicht zu Anfang, sondern eher am Ende als Beilage zum Hauptgericht angesiedelt. Hauptsächlich sind Rezepte der aschkenasischen Juden in dem Buch zu finden, aber auch einige der Sephardim, die eher an die spanische Küche erinnert. Es ist eine schöne Mischung aus klassischen jüdischen Gerichten wie Matzeknödeln als Suppeneinlage oder Tscholent (ein typisches Sabbatessen). Auch Klassiker der ungarischen Küche, die koscher sind oder durch leichte Veränderung koscher gemacht werden können sind vertreten (Sauerkirschsuppe, Quarknudeln ohne Schinken). Besonders interessant finde ich, dass für mich auch außergewöhnlichere Fleischsorten verwendet werden wie beispielsweise Rinderzunge oder Zicklein, auch viel Ente. Ich liebe Ente! Eine gute und wirklich vielfältige Auswahl an Rezepten. Die Rezepte sind gut beschrieben, aber manchmal sollte man seinen gesunden Menschenverstand benutzen, weil nicht jeder kleine Schritt beschrieben ist. So muss man halt schon selbst schalten, dass der Ofen vorgeheizt werden sollte, wenn etwas bei 180°C drin gebacken wird. Aber es hilft dabei schon wirklich, sich das Rezept, bevor man anfängt, einfach mal komplett durchzulesen und alles zu planen. (Planen rockt!) Trotzdem sind die Gerichte gut nachkochbar und die meisten Gerichte wirklich unkompliziert. Auch die Zutaten sind nicht zu exotisch und eigentlich gut erhältlich (gut, beim Fleisch muss man manchmal vielleicht ein wenig suchen…). Besonders gefällt mir das Kapitel mit den Menüvorschlägen zu einzelnen wichtigen Feiertagen, zum Beispiel:

  • Schabbat: Challa – Graupensuppe – Tscholent – Kalbsbraten – Samstagsschokoeis
  • Laubhüttenfest (Sukkot): Heringsalat – Kartoffelrolle – In Sekt geschmorte Hähnchenkeulen – Kürbissoufflé
  • Neujahrsfest der Bäume (Tu biSchevat): Hähnchen mit getrockneten Pflaumen und Pfirisch – Mit Bulgur gefüllte Tomaten – Windbeutelchen mit Himbeercreme  – Rugelach

Finde ich eine schöne Idee, wohl auch für Leute gedacht, die sich vielleicht erst langsam mit ihrer eigenen jüdischen Identität auseinander setzen oder eben für interessierte Heiden wie mich. Ich fände es ganz schön mal zu einem der Feiertage so ein Menü zu kochen und in geselliger Runde zu verspeisen. Mag jemand mitmachen?

Gestaltung

Das Buch hat, wie oben schon erwähnt, 130 ganzseitige Photos, die die Autorin selbst gemacht hat (Gibt es ein schöneres Verb für diese Arbeit als „schießen“ oder „knipsen“? *grübel*). Jedes Rezept ist bebildert, so dass man sich auch gut vorstellen kann, wie eventuell unbekannte Gerichte oder Backwaren am Ende auszusehen haben. Eszter schafft es sogar eigentlich nur schlecht zu photographierendes Comfort Food appetitlich darzustellen. Und die Bilder sind wirklich schön geworden.

Die Einteilung ist des Buches ist klassisch und logisch und auch die Rezepte sind übersichtlich dargestellt. In der linken schmalen Spalte sind die Zutaten aufgezählt, manchmal steht schon dabei wie sie geschnitten sein sollten, auf der breiten rechten Spalte ist eine kurze Erläuterung zum Rezept oder bestimmten jüdischen Feiertagen, an denen das Rezept vornehmlich gekocht wird, vermerkt oder eine kleine Familien-Anekdote. Danach folgt die Kochanleitung.

Es gibt zwei Inhaltsverzeichnisse. Einmal eine Auflistung aller Gerichte sortiert nach Gang und dann eine alphabetische Sortierung der Essen nach Namen. Leider fehlt ein Verzeichnis, dass nach Zutaten gelistet ist, aber das ist knapp zu verschmerzen *g*

Fazit

Ein wirklich schönes Buch, dass mir die jüdische Küchentradition auf praktischer Ebene noch etwas näher gebracht hat. Es hat die für mich perfekte Mischung aus klassischen jüdischen und ungarischen Gerichten (schließt sich ja nicht immer aus) und auch mit modernen Interpretationen. Die Bilder sind wunderschön und laden dazu ein, gleich ein paar Rezepte auszuprobieren. Leider gibt es das Buch nur auf ungarisch, aber wer des Ungarischen mächtig ist (Küchenungarisch lesen und verstehen können, reicht) sollte sich das Buch anschaffen. Oder für die deutsche Leserschaft, guckt Euch deutschsprachige (oder englische) Bücher über die jüdische Küche an – es ist wirklich spannend, was dort so an koscheren Gerichten vor sich hinköchelt!

Ausprobiert

Getesten habe ich im Sommer bisher zwei Rezepte, die auch beide ohne Schwierigkeiten gut funktioniert haben:

Aber es wird noch einiges folgen …

Dies ist mein vierter Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

Jeden Tag ein Buch: Buch der Erinnerungen – „Unser Backbuch“

Jeder hat doch Bücher, die wahnsinnig viele Erinnerungen hervorrufen, oder? Bei mir ist es ein Backbuch. Eins aus dem Jahr 1953 und das alte Backbuch meiner Oma:

Zu ihren Lebzeiten ist es mir gar nicht aufgefallen, da waren andere Bücher, insbesondere die in ihrem schönen Bücherschrank interessanter. Aber nach ihrem Tod habe ich das Buch geerbt. Riecht wunderbar nach altem Buch und hat viele Zettel drin, die sie aus Zeitschriften ausgeschnitten hat und wahrscheinlich mal nachbacken wollte. Übrigens der „Delikate Honigkuchen“ vom Langnese-Zettel ist diesen Winter noch fällig:

Auch selbstgeschriebene Zettel mit rätselhaften Zutatenlisten (mittlerweile herausgefunden: es sind die Zutaten für ihren Wasserkringel) sind in dem Buch, in der unnachahmlichen Handschrift meiner Oma:

Die Lieblingscousine und ich haben letztens festgestellt, dass wir auch nach so langer Zeit, unsere Oma starb leider schon 2001, ihre Handschrift noch flüssig lesen können, wenn wir ihre Reisetagebücher und Photoalben angucken, die wir erbten.

Aber beiseite mit der Sentimentalität, die Tränen aus den Augen wischen und objektiv das Büchlein betrachten.

Erster Eindruck

Das Buch ist alt und wurde offensichtlich schon öfter aufgeschlagen, so langsam fällt auch die Bindung auseinander. Da sollte ich mich mal drum kümmern. Aber es riecht wunderbar nach altem Buch. Das Papier ist eher dünn und schon etwas gelblich, aber das ist wahrscheinlich der damaligen Mangelwirtschaft nach dem Krieg in der DDR geschuldet. Und das Buch ist 60 Jahre alt…

Inhalt

Nach einem Vorwort und einige erläuternde Seiten zu Gerätschaften, Backeinrichtungen und Zutaten geht es mit dem Rezepten weiter. Dabei sind die Kapitel nach den verschiedenen Gebäckarten benannt: Mürbegebäck, Backpulvergebäck, Hefegbäck, Baisergebäck, Hippen, Strudel, Pfefferkuchen etc. Auch Füllungen und Glasuren, Spezialitäten und Süßigkeiten bekommen ihr eigenes Kapitel. Ich finde, nicht fehlen darf in so einem Buch auch ein Kapitel für „Ratschläge für besondere Fälle“, z.B.:

Was tut man …

….wenn Hefe kurze Zeit aufbewahrt werden soll? Die Hefe fest in ein Glas oder Töpfchen drücken, damit sie nicht herunterrutscht. In ein Schüsselchen Wasser füllen und das Glas umgestürzt hineinstellen. Bis zum Verbrauch das Wasser täglich erneuern.

Es werden also Lösungsvorschläge angeboten, zu Problemen, die es so heute nur noch selten gibt, aber eben auch zu welchen, die auch heute noch auftreten, wie etwa ein Kuchen, der partout nicht aus seiner Form will.

Zu jedem Kapitel gibt es erst ein paar einleitende Worte und dann zu dem vorgestellten Gebäck drei Teige, jeweils ein wenig abgewandelt, so dass man sich nach den eigenen Vorlieben und Vorräten aussuchen kann, was man backen möchte. Die Zubereitung der Teige wird auch genau beschrieben, ob und wie man sie lagern kann. Danach folgen die Rezepte und Beschreibungen etlicher Gebäcke, die auf den Grundteigen beruhen. Sehr praktisch.

Woran man sich gewöhnen muss, sind die etwas ungenauen Temperaturangaben, aber das ist der damaligen Zeit und Technik geschuldet. Auch sind manchmal noch lustige kleine Anweisungen bei den Rezepten, bei denen ich immer erst ein wenig überlegen muss, welchen Sinn das hatte und ob das heute noch relevant ist. Bei den Stollenrezepten steht als erstes:

Am Tage vor dem Backen das  Mehl in eine Schüssel sieben und warm stellen.

Ich schätze mal, das kommt daher, dass die Wohnungen früher im Winter viel feuchter und kühler waren (zumindest die meiner Oma mit Kachelofen war morgens echt gefühlt lausig kalt bis die Öfen eingeheizt waren und ihre wohlige Wärme abgeben konnten) und das Mehl dadurch wahrscheinlich schneller klumpte. Nur so kann ich es mir erklären und beschloss, dass der Punkt für mich irrelevant ist. Besonders interessant sind auch die Hinweise auf Ersatzstoffe, also wenn man keinen Honig hatte (bis Ende der 50er Jahre gab es noch Lebensmittelmarken in der DDR) wurde Kunsthonig benutzt oder wenn man kein Zitronat oder Rosinen hatte, wird einem in diesem Büchlein genau gesagt, was man mit Kürbis anstellen sollte, damit man ihn stattdessen benutzen kann. Finde ich äußerst amüsant und ich habe letztens im Supermarkt tatsächlich Kunsthonig gefunden, der mit „dem Geschmack wie früher“ beworben wurde ;-)

Gestaltung

Das Buch kommt mir ziemlich monochromatisch vor: Leicht vergilbtes Papier, grau-braune Photographien und schwarz-weiß Zeichnungen. Es ist natürlich nicht zu jedem Rezept ein Bild, aber es gibt mehrere Bildtafeln, auf denen ein Großteil der Gebäcke abgebildet sind. Manchmal sind die Gebäcke auch nochmal nachgezeichnet und durchnummeriert, z.B. bei Keksen damit man genau weiß, welcher Keks wie heißt. Besonders gut gefallen mir die kleinen Zeichnungen, die Sachen wie das Formen bestimmter Sachen oder Einschnitte oder handwerkliche Techniken bildlich erläutern. Auch gibt es zu manchen etwas aufwendigeren Rezepten Schritt-für-Schritt-Bildanleitungen, wie soll das Gebäck von innen aussehen, wie mache ich einen Strudel richtig. Es sind alle wichtigen Sachen abgebildet, aber keine unnötige Auffüllung von Seiten durch Bilder. Gefällt mir gut! Übrigens, besonders cool ist der kleine Schnittbogen für ein Lebkuchenhaus. Hätte ich das Kind schon gewusst und machen dürfen …

Ausprobiert

Mandelstollen (Rezept ein Stückchen weiter unten)

Nusslebkuchen – Noch nicht verbloggt, aber gut!

Fazit

Ein schönes kleines Backbuch, in dem alle wichtigen Gebäckarten mit vielen Variationen vorhanden sind. Natürlich sind das zeitgegeben die ganzen Klassiker hier drin vertreten, die wir lieben und keine fancy, amerikanische Kuchen, aber genau sowas brauche ich und sollte eigentlich jeder im Regal stehen haben. Es werden nicht nur die einfachen Kuchen wie Marmorkuchen, Sandkuchen, klassische Kekse zu Weihnachten oder herzhafte Teilchen (Kümmelstangen, Fettgebackenes, Brötchen/Hörnchen) vorgestellt, auch festliche Torten sind zu finden. Und extra für Kinder sind Rezepte zu Marienkäferkuchen, Pfefferkuchenhäuser und andere Süßigkeiten zu finden. Finde ich super und werde das Büchlein bestimmt noch oft zur Hand nehmen. Sei es um mal wieder Omas Schrift zu sehen oder tatsächlich auf der Suche nach einem klassischen Rezept.

Und hier dann noch das Rezept für den ersten Stollen, den ich je gebacken habe. Im Buch waren wieder drei Stollenrezepte angegeben: Butterstollen, Rosinenstollen und Mandelstollen. Da mir zur Zeit eher nussig zumute ist, entschied ich mich für letzteren. Die Zubereitung war dank der guten Beschreibung denkbar einfach, auch wenn ich nächstes Mal die Küchenmaschine benutze und nicht 20 Minuten per Hand rumknete und mich von den scharfkantigen Mandelstückchen in den Handballen pieken lasse ;-) Nach einer Woche des ungeduldigen Stollen-Anstarrens wurde er angeschnitten und ja, lecker :-) Ich muss gestehen, mir fehlen die Rosinen, beim nächsten Mal werden Fifty-fifty Mandeln und Rosinen zugefügt, die den Stollen noch einen µ saftiger machen. Aber ja, den kann man öfter backen, hat gut funktioniert!

Mandelstollen

Zutaten für 2 Laibe:
1 kg Mehl
65 g Hefe
375 ml Milch
150 g + 1 EL Zucker
200 g weiche Butter
250 g Mandeln (gehackt oder Blätter)
1 Prise Salz
Schale 1 Bio-Zitrone
1 Prise Zimt
30 g geriebene Bittermandel
oder
1 knappes Fläschchen Bittermandel-Aroma

Zum Bestreichen:
100 g Butter, geschmolzen
Zucker

(1) Die Mandeln in einer Pfanne ohne Öl bei mittelhoher Hitze leicht anrösten. Sofort in eine Schüssel geben und abkühlen lassen. Nicht in der Pfanne abkühlen lassen, die heizt nach und dann verbrennen die Mandeln doch noch.
(2) Das Mehl in eine große Schüssel geben und eine Mulde hinein formen. Etwa die Hälfte der Milch lauwarm erhitzen und die Hefe mit 1 EL Zucker darin komplett auflösen. Das Hefegemisch in die Mehlmulde gießen. Mit einem Löffel vorsichtig etwas Mehl in das Hefegemisch rühren, dass ein Brei entsteht. Den Brei mit Mehl bestäuben, mit einem Tuch abdecken und ca. 15-20 Minuten bei Zimmertemperatur gehen lassen.
(3) Wenn der Vorteig ordentlich aufgegangen ist auf dem Rand des Mehls in der Schüssel die weiche Butter in Flocken, den Zucker, Salz, Mandeln, Zitronenschale, Zimt und das Mandelaroma verteilen. Zusammen mit der restlichen Milch daraus einen homogenen Teig kneten. Dabei wirklich gut durcharbeiten, dass keine größeren Butterstücke irgendwo bleiben. Auch die Mandeln werden zum Schluss komplett unter gearbeitet sein.
(4) Den Teig in einem kühleren Zimmer 30-60 Minuten gehen lassen bis er sich deutlich vergrößert hat.
(5) Den Ofen auf 180°C vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
(6) Den Teig halbieren und zwei längliche Laibe formen. Diese auf das Backpapier setzen und mit einem Messer längs etwa 1 cm tief einschneiden. Nochmals 15 Minuten unbedeckt gehen lassen.
(7) Das Blech auf die zweite Schiene von unten setzen und 45-55 Minuten backen (Meine waren eine Winzigkeit zu lange drin). Wenn er oben zu braun wird, mit Alufolie abdecken. Die Stollen sind fertig, wenn sie beim Auf-den-Boden-klopfen hohl klingen.
(8) Die Butter schmelzen und die Laibe erst großzügig mit Butter bepinseln und dann mit Zucker bestreuen. Das so lange wiederholen bis die Butter aufgebraucht ist.

Laibe, wenn sie vollständig abgekühlt sind, in Alufolie oder Pergamentpapier einwickeln und 1 Woche ruhen lassen. Nicht komplett luftdicht in Frischhaltefolie o.ä. einwickeln, dann kann so ein Stollen tatsächlich schlecht werden.

Ungeduldig warten und dann endlich

genießen!

Quelle: Fuchs, Paula-Elisabeth (1953): Unser Backbuch. Verlag für die Frau  (Hrsg.). Leipzig. p 34
antiquarisch erhältlich

Der dritte Beitrag zu „Jeden Tag ein Buch„, initiiert und organisiert von Arthurs Tochter.

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