Archiv der Kategorie: Blümchen und anderes Grünzeugs

Botany for Beginners: Scharbockskraut – Ranunculus ficaria

Diese Woche möchte ich einen der ersten Frühlingsboten vorstellen. Natürlich sieht man als erstes Schneeglöckchen und Märzenbecher (in der Wildnis, im Garten kommen noch die Krokusse dazu), aber gleich danach kommt das niedliche Scharbockskraut mit seinen glänzenden gelben Blüten zum Vorschein. Es ist vornehmlich in Gruppen zu mehreren zu finden und breitet sich teilweise teppichartig aus. Sie ist bevorzugte an feuchten, sicker- oder staunassen Orten zu finden, dabei vor allem in Laubwäldern (bevor die Bäume austreiben), entlang von Flüssen/Bächen, an Hecken, auf Wiesen, in Parks. Sie gehört zu den Hahnenfußgewächsen, wie auch das Buschwindröschen (wird auch noch vorgestellt) oder Akelei oder Eisenhut.

Die Pflanze wird ca. 5-20 cm hoch und hat sehr charakterisische nierenförmige Blätter, die oberseits glänzend-dunkelgrün sind und unterseits eher hellgrün mit einem dichten nervigen Netz sind. Die Blüten sind goldgelb-glänzend mit 8 schmalen Blütenblättern. Eigentlich kann man dieses Pflänzchen weder übersehen noch verwechseln.  Es fängt seinen Lebenszyklus sehr früh im Jahr an und ist im Mai meistens schon durch damit, so dass es zu dieser Zeit auch schon die oberirdischen Pflanzenteile zurück zieht und den Rest des Jahres nicht mehr zu sehen sein wird.

Der Name Scharbockskraut leitet sich vom Wort Scharbock ab, dass Skorbut bedeutet. Und warum heißt es so? Weil dieses unscheinbare, frühblühende Pflänzchen ziemlich viel Vitamin C in seinen Blättern hat und so gegen diese Krankheit wirkt. Man kann sie also auch essen. Dazu sammelt man am besten im März und April bevor sich die ersten Blüten bilden. Denn das Scharbockskraut bildet ein Gift, das sich Protoanemonin nennt und in den Blättern eingelagert wird und die Konzentration verstärkt sich, sobald die Pflanze ihre Blüten bildet. Also nicht zu viel auf einmal essen! Es soll sich ganz gut roh in einem Frühlingssalat machen, wo der pfefferartige Geschmack wohl gut zur Geltung kommt oder gehackt auf ’nem einfachen Butterbrot. In Skandinavien wurde/wird es auch getrocknet als Notration genommen oder wie Grünkohl/Spinat verarbeitet. Auch soll die Pflanze blut- und hautreinigend sowie schmerzlindernd sein.  Habs aber alles noch nicht ausprobiert, vielleicht schaffe ich es ja dieses Frühjahr!

Botany for Beginners: Fliegen-Ragwurz ~ Ophrys insectifera

Der letzte Exkurs in die Welt der Botanik ist schon länger her, oder? Und jetzt wo der Frühling bald naht, möchte ich wieder damit anfangen, nachdem ich gesehen hab, dass da noch einige Blümchenphotos auf meinem Rechner rumlungern :) Und vielleicht schaffe ich es ja, der geneigten Leserschaft einigermaßen regelmäßig Pflänzchen (oder auch nur ’nen Bild mit Namen *g*) vorzustellen.

Hier also die erste Pflanze für dieses Jahr: die Fliegen-Ragwurz! Eine Orchidee! Ja, richtig gehört! Es gibt Orchideen in Deutschland und zwar nicht nur im Blumenladen, sondern auch im Wald, auf der Wiese, am Moor, in der freien Natur! Die Fliegen-Ragwurz (lateinisch: Ophrys insectifera) ist eine zierliche, ausdauernd wachsende Pflanze die zwei unterirdische Knollen als Überdauerungsorgane besitzt, d.h. sie überlebt die kalte Jahreszeit indem sie im Frühjahr und Sommer Nährstoffe in den Knollen ansammelt und diese dann im darauffolgenden Frühjahr zum Austreiben ihrer Blätter nutzen kann. Sie wird ca. 15-40 cm hoch und ist sehr gut an ihren bräunlich-roten Blüten zu erkennen. Die Kelchblätter sind grün, die Kronblätter sind die zwei fadenförmigen Anhängsel, die vor den zwei grünen Kelchblättern liegen. Das auffälligste Merkmal bei Orchideen ist die Lippe, die bei der Fliegen-Ragwurz aus zwei schmalen Seiten- und zwei breiteren Mittelzipfeln besteht. Sie erscheint braun bis rot, eher matt und hat ein graublaues, fast eckig wirkendes Mal. Sie blüht von Mai bis Juli und ist eine typische Insektentäuschblume, d.h. dass die Männchen von Grabwespen (was es alles nicht gibt, oder?) auf der Blüte Begattungsbewegungen führen und so die Pollen der Blüte aufnehmen und sie zur nächsten transportieren. An einer Pflanze entwickeln sich bis zu 12 Blüten in lockerblütigen Ähren.

Die Blätter sind, wie bei vielen anderen Orchideen eher unauffällig. Die zwei bis fünf Laubblätter sind rosettig um den Stengel angeordnet.

Die Fliegen-Ragwurz ist wie alle Orchideen in Deutschland gesetzlich geschützt und steht deutschlandweit auf der Roten Liste auf Status 3, also „gefährdet“. Das kommt vornehmlich daher, dass diese Art hauptsächlich auf Mager-/Trockenrasen vorkommt, die an sich schon durch Verbuschung (langsames Zuwachsen mit Gebüsch und Bäumen) bedrohte Lebensräume sind.

Ich weiß ja, dass einige Cacher/Wanderer unter der geneigten Leserschaft ist, vielleicht erspäht ihr das Pflänzchen dieses Jahr ja! Wenn man sie erst einmal einen Blick dafür entwickelt hat, fällt sie einem immer auf ;-)

Botany for Beginners: Nasturtium officinale ~ Brunnenkressen plus Zubereitungsempfehlung

Jetzt im Urlaub komme ich endlich mal dazu meine liegen gebliebenen Artikel aufzuarbeiten. So sitze ich hier bei meiner Cousine im schönen Brandenburg an der Havel (Bericht darüber wird es auch geben), lasse es mir gut gehen, besuche die in der Nähe wohnende Verwandtschaft und guck‘ mir die Umgebung an. Dienstag Magdeburg, Donnerstag (heute) Potsdam mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Sansoussi :-)

Aber erstmal zur Abarbeitung der Umfrage-Ergebnisse:
Die dritte Exkursion mit unseren Studenten führte uns südöstlich von Kassel ins östliche Meißner Vorland, in das wirklich richtig, echt wunderschöne Naturschutzgebiet „Kripp- und Hielöcher“. Worum es sich dabei handelt, was es so besonders macht, wie es dort aussieht, kommt im nächsten Beitrag. Jetzt wollte ich endlich mal wieder ein Pflänzchen vorstellen und noch viel wichtiger ist ein zugehöriges, wenn auch schnelles Rezept (Rezepte sind echt kurz gekommen in letzter Zeit, sorry!), da man das Pflänzchen auch gut essen kann :-)

Unter anderem fanden wir im Naturschutzgebiet auch zwei Quellen (idyllisch, nicht?),

aus denen sehr kalkhaltiges, kaltes Wasser an die Erdoberfläche trat. Chemische Details erspar ich Euch mal, obwohl das schon ziemlich spannend war ;-) Jedenfalls wuchs in der einen Quelle ein regelrechter Teppich

aus Brunnenkresse (lat. Nasturtium officinale). Das Detailbild oben zeigt sehr schön, dass es ein Kreuzblütengewächs mit weißen Blütchen und gefiederten Blättern (zwei bis vier Fiederpaare) ist. Ihre  runden Stengel sind hohl und stehen wirklich im fließenden Wasser. Eine Besonderheit ist, dass sie grün, also mit Blättern überwintert, was besonders in Zeiten der Skorbut von Vorteil war, da man sie auch schon im Winter ernten konnte und so einen guten Vitamin C-Lieferanten hatte. Weiterhin enthält sie viel Vitamin A, B1, B2 und Niacin, außerdem noch die wichtigen Mineralstoffe Kalzium, Eisen, Kalium, Natrium. Sie ist äußerst kalorienarm (falls das jemanden interessiert: 19 Kalorien je 100 g Blätter) und galt schon zu historischen Zeiten als Aphrodisiakum, appetitanregend, stoffwechselfördern, harn- und wehentreibend. Schon beeindruckend, was so ein unscheinbares Pflänzchen zu bewirken vermag! Die Blätter bekommen ihren leicht scharfen, bitteren Geschmack vor allem durch das Senfölglykosid Gluconasturtiin. Nur so als sinnlose Information, die vielleicht mal bei Quizshows hilfreich sein könnte ;-)

Ich konnte dieser Pracht natürlich nicht widerstehen und rupfte einige (oder auch mehr) der Blätter ab. Ja, ich weiß, man soll keine Blätter mehr von Wildpflanzen ernten, wenn sie schon blühen. Aber wie Ihr seht, haben die auch gerade erst angefangen zu blühen und standen noch nicht in voller Pracht. Jedenfalls hatte ich ein schönes Tütchen beisammen und machte mich auf die Suche nach passenden Rezepten. Zu Hause hab ich dann festgestellt, dass meine gesammelte Menge nicht mal für eine Portion von Brunnenkressesuppe reicht. Mist! Ich verschätze mich jedesmal, wenn es um das Gewicht von Blattgemüse geht, muss mich da mal wirklich eichen …

Naja, also etwas anderes. Da ich noch ein paar Streifen Bacon im Kühlschrank hatte und ein einsamer Apfel in der Obstschale seiner Verwendung harrte, wurde kurzerhand ein kleiner, aber sehr feiner Salat daraus gezaubert.

Das fruchtige süß des Apfels passte auch wirklich richtig gut mit dem Räuchergeschmack des knusprigen Bacons zu den scharfen Brunnenkresseblätter. Abgerundet wurde das ganze durch ein simples Zitronensaft-Olivenöl-Dressing. Wirklich empfehlenswert zum nachkochen (naja, eher nachschnippeln)! Ich denke, wenn keine Brunnenkresse vorhanden ist, werde ich das nächste Mal auf Rucola zurückgreifen, der hat ja auch einen hohen Anteil an Senfölen, die ihn schön scharf schmecken lassen :-)

Brunnenkresse-Apfel-Bacon-Salat

Zutaten für 1-2 Portionen:

3 handvoll Brunnenkresse-Blätter, verlesen, gewaschen, geschleudert
1/2 Apfel, etwas gröber gewürfelt
10 Scheiben Bacon, in längliche Streifen geschnitten

2 EL Zitronensaft
6 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
Prise Zucker

Den Bacon in einer Pfanne auslassen bis er knusprig wird. Die Brunnenkresse-Blätter auf einer Salatplatte auslegen und die Apfelwürfel schnieke darüber verteilen.
Den Zitronensaft mit Salz, Pfeffer und Zucker in einer kleinen Schale (oder Marmeladenglas mit Deckel) verrühren. Dann das Olivenöl zufügen und so lange verrühren (oder im Marmeladenglas schüteln) bis ein homogenes Dressing entstanden ist. Dieses über die dem Salat verteilen. Mit den knusprigen Speckwürfelchen bestreuen und sofort servieren!

Geschmack: +++
Zeit: +
Zutaten: +++
Schwierigkeitsgrad: +

Nächstes Jahr muss ich unbedingt wieder dorthin und ein paar mehr Blätter sammeln. Ist schon praktisch, wenn man durch die Arbeit ergiebige Jagdgründe für Wildpflanzen kennenlernt *g*

Botany for Beginners: Alliaria petiolata ~ Knoblauchsrauke

Blütchen der Knoblauchsrauke

Blütchen der Knoblauchsrauke

Als zweite Pflanze möchte ich Euch heute die Knoblauchsrauke (lat. Alliaria petiolata) vorstellen. Eine 20-80 cm hohe Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), die sich durch je vier Kronblätter und Staubblätter erkennbar sind, die wie ein Kreuz angeordnet sind (meistens). Als Früchte bilden sie Schoten oder Schötchen (was es ist, kommt auf das Verhältnis zwischen Länge und Breite der Frucht an), die man auch schon ansatzweise im Bild erkennbar sind. Ebenfalls sehr typisch für die Knoblauchsrauke sind die unterschiedlich geformten Blätter. Die oberen sind eher spießförmig mit einem gezähnten Rand:

all_pet_obere_blaetter

Oberen spießförmige Blätter

Die unteren sind nieren- bis herzförmig mit gewelltem Rand:

Unteren nierenförmige Blätter

Unteren nierenförmige Blätter

Die Knoblauchsrauke, heißt nicht umsonst so, wenn man ihre Blätter zerreibt, riecht sie leicht nach Knoblauch. Und man kann sie auch wirklich essen, vor allem die jungen Blätter in Salaten oder die Samen aus den Schoten zu Senf verarbeitet. Einfach mal über die gängigen Suchmaschinen nach Rezepten suchen und man kriegt einiges ausgespuckt. Mal sehen, ob ich es schaffe, irgendwann mal was davon auszuprobieren. Naja, wenn ich mal eine Stelle mit Alliara hier finde, die nicht so stark von Hunden verfrequentiert ist.

Denn man findet diese Pflanze an vielen Ecken, sowohl in der Stadt als auch im Wald. In Unkrautecken von Parkanlagen und verwilderten Gärten, an Wegrändern, an Wiesenrändern, eigentlich überall wo es einigermaßen frischen und nährstoffreichen Boden gibt.

Knoblauchsrauke in natürlicher Umgebung

Knoblauchsrauke in natürlicher Umgebung

Die nächste Woche wird es hier sehr viel ruhiger, weil ich als Begleitung bei einer Exkursion mit Studenten nach Lenzen (Elbe) fahre und dort an der Elbe rumkrieche ;-) Wir werden einiges über das „Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe – Brandenburg“ erfahren, das „Rambower Moor“ erkunden und was über die Auenrenaturierung an der Elbe lernen, die sie durch Deichrückverlegungen erzielen wollen. Ich hoffe wirklich, wir können uns auch die Binnendünen angucken. Ich meine, überlegt mal: es gibt Sanddünen mitten im Land und nicht nur am Meer. Wie abgefahren, oder?

Der meistgenutzte Ausrüstungsgegenstand werden wahrscheinlich meine geliebten Rosen-Gummistiefel sein :-)

Rosen-Gummistiefel - Schnieke, nicht?

Rosen-Gummistiefel - Schnieke, nicht?

Botany for Beginners: Primula veris ~ Wiesen-Schlüsselblume

Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, meine Botanikerseite hier auszuleben und der geneigten Leserschaft ein paar Pflänzchen vorzustellen. Bezaubernde und seltsam aussehende, unauffällige, auffällige, häufige Pflänzchen, die man leicht übersieht aus einem anderen Blickwinkel oder seltene, schützenswerte. Und da ich in den Kommentaren zum Kartoffelgemüse positive Reaktionen auf die Idee bekam, fangen wir gleich an mit dem Anfänger-Kurs Botanik:

Primula veris - Wiesen-Schlüsselblume

Primula veris - Wiesen-Schlüsselblume

Die Wiesen- oder auch Arznei-Schlüsselblume erkennt man an den fünf dottergelben Kronblättern mit kleinen rötlichen Punkten (naja, bei meinem Exemplar nicht ganz typisch ausgebildet) und glockigen, bleichgrünen Kelch, der locker um die Krone liegt. Insgesamt wird die Pflanze 10-30 cm hoch und kommt meistens in Gruppen vor. Die Blätter (unscharf im Bildhintergrund) sind länglich, gestielt und bilden eine grundständige Rosette, sprich sind sind nur am unteren Ende des Stiels zu finden und dort sternförmig angeordnet. Die Wiesen-Schlüsselblumen sind ausdauernde Pflanzen (sie leben also mehr als 1 Jahr), die vor allem auf mageren, also nicht andauernd gedüngten und gemähten Wiesen zu finden sind, aber auch auf Magerrasen, lichten Wäldern mit Eichen oder an Waldrändern. Es ist eine wärmeliebende Licht-Halbschattenpflanzen, die gerne kalk- und basenreiche Böden liebt. Sie verträgt mäßig trockene bis frische Böden, aber keine richtig feuchten Standorte. Da macht sich dann eher der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior) Platz. Und wenn ich die nochmal blühend finde dieses Jahr, wird sie auch noch photographiert und vorgestellt. Nur kurz zur Unterscheidung: die Hohe Schlüsselblume hat hellgelbe Blüten (wesentlich helleres gelb als das oben) ohne rötliche Flecken und der Kelch liegt eng an.

Primula veris ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt, steht aber in einigen Bundesländern auf der Rote Liste. So ist sie auf der niedersächsischen Liste Status 3, sprich sie ist gefährdet. Ich habe grade auch eine Datenbank gefunden, in der man online suchen kann, ob diese oder jene Tier- oder Pflanzenart wo in Deutschland gefährdet ist. Vielleicht interessiert es jemanden?

Essen kann man die Blümchen nicht wirklich, sie werden aber als Heilpflanze gegen so Atemwegserkranken genutzt, wirken wohl hustenstillend, insbesondere die Wurzel. Ich könnte jetzt die Wirkstoffformel von Primulaverin hier reinbasteln, aber ich glaube das geht zu weit ;-) Da steig ich, um ehrlich zu sein, dann auch nicht mehr richtig durch.

Vielleicht erblickt ja jemand bei einem Spaziergang am Wald oder über Wiesen in den nächsten Tagen noch ein paar der Primeln und kann sie dann mit ihrem richtigen Namen benennen. Ich wäre sehr stolz auf Euch :-)

Ach ja, wenn Fragen sind, wenn ich nur fachchinesisch Rede, Ihr Erklärungen zu Begriffen braucht etc., Ihr wisst wie Ihr mich erreichen könnt!

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