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Wohlduftender Zimtkranz

So in den letzten anderthalb Jahren habe ich YouTube für mich entdeckt. Zuerst habe ich nur kurze Kochvideos geguckt, aber mittlerweile folge ich einigen YouTubern regelmäßig, die interessantes von ihren Reisen zeigen, aus ihrem Alltag, was sie wo gegessen haben. Und ja, es sind auch immer noch ziemlich viele mit Hauptfokus auf Essen darunter. Aber es gibt ja auch so viele tolle kulinarische Traditionen auf der ganzen Welt :-) Natürlich folge ich auch einigen ungarischen YouTube-Kanälen, unter anderem Fördös Zé, der auch im ungarischen TV aktiv ist, ein Kochmagazin raus gibt und mittlerweile sein drittes Kochbuch geschrieben hat. Und ich mag die Art, wie er kocht, wie er traditionelle ungarische Gerichte verändert, ihnen aber ihre ungarische Seele lässt und den Ungarn auch neue Geschmackswelten zeigt. Denn, seien wir ehrlich, manchmal sind Ungarn sehr unaufgeschlossen neuen Gerichten gegenüber und bleiben lieber bei ihrer Zubereitungsweise, wie es Oma schon früher immer gemacht hat.

Jedenfalls wurde letztens dort von einer anderen Köchin, genauer gesagt Bäckerin gezeigt, wie man ganz einfach einen Zimtkranz bäckt. Ich meine mit Zimt und Zucker in einem Hefeteig kann man bei mir nicht viel falsch machen und auch die Größe sah singlehauskompatibel aus. Ich war ein bisschen skeptisch bei der Menge an Mehl und Flüssigkeit, die in den Teig kommt, aber es passt im Großen und Ganzen. Der Teig ist innerhalb weniger Minuten geknetet, muss nur 30 Minuten gehen und dann eine gute halbe Stunde im Backofen backen. Innerhalb von 90 Minuten habt ihr einen schönen Zimtkranz fertig, was für Hefeteig fast turboschnell ist. Und die Form! Eine Offenbarung! Ja, ich fluchte ein wenig beim Formen, aber durch diese Kranzform wird der Teig so unglaublich knusprig – ein Traum! Das kriegt keine Schnecke der Welt hin.

Ein wirklicher Traum dieser Kuchen: schnell gemacht, wohlduftend, nicht zu süß, knusprig! Was begehrt Ihr mehr! Auf auf in die Küche und fix nachbacken am Wochenende!

Wohlduftender Zimtkranz

Zutaten für den Teig:
100 ml Milch
2 TL Honig
1/2 Würfel Hefe
260 g Mehl Type 550
1 Prise Salz
ca. 100 ml Wasser
20 g Butter, geschmolzen

Für die Füllung:
40 g Butter, geschmolzen
4 EL Puderzucker
2 EL Zimt

(1) Die Milch zimmerwarm erhitzen, wenn sie gerade aus dem Kühlschrank kommt (für 30 Sekunden in die auf niedrigster Stufe eingestellte Mikrowelle stellen). Den Honig und die Hefe hinein rühren. Zur Seite stellen bis man die anderen Zutaten vorbereitet hat. Die Milch darf nicht zu heiß sein, sonst stirbt die Hefe ab und der Teig geht nicht mehr auf.
(2) Das Mehl in einer größeren Schüssel abwiegen. Die Prise Salz unterrühren. 100 ml lauwarmes Wasser abmessen. Die Butter schmelzen.
(3) Die Honig-Hefe-Milch zum Mehl gießen und beginnen einen Teig zu kneten. Nach und nach das Wasser zugießen, es kann sein, dass nicht alles davon benötigt wird. Wenn der Teig schon glatt ist, die geschmolzene Butter unterkneten. Zuerst hat es den Anschein, dass es zu viel ist, aber wenn ihr ca. 5 Minuten knetet, wird der Teig wunderbar geschmeidig und lässt sich zu einer Kugel formen. Abgedeckt in einer mit Mehl ausgestäubten Schüssel ca. 30 Minuten an einem zugfreien, warmen Ort (z.B. in der Mikrowelle oder im ausgeschalteten Ofen) gehen lassen.
(4) Ein Backblech mit Backpapier belegen. Die Arbeitsfläche zum Ausrollen vorbereiten. Puderzucker mit Zimt vermischen. Den Ofen auf 175°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Kurz bevor der Teig fertig gegangen ist, die Butter schmelzen.
(5) Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche auf ca. 45×25 cm ausrollen. Dick mit der Butter bepinseln, die Zucker-Zimt-Mischung gleichmäßig darauf verteilen. Von der langen Seite aufrollen. Die lange Rolle längs mit einem scharfen Messer halbieren. Unter Fluchen die beiden Stränge umeinander drehen, dabei versuchen, dass die offene Seite nach oben zeigt. Den verdrehten Strang vorsichtig auf das Backblech setzen und dabei zu einem runden Kranz formen. Die Enden gut zusammen kneifen.
(6) Auf mittlerer Schiene in den vorgeheizten Ofen schieben und 30-35 Minuten backen.

Herausholen. Abkühlen lassen. Wer mag noch mit Puderzucker bestäuben.

Genießen!

Quelle: Zé magazinBámulatos fahéjas koszorú

12von12 im Januar 2018 – Anstrengend.

Es war der zwölfte des Monat und viele Blogger machten wieder zwölf Bilder von ihrem Alltag und teilten sie im Internet. Gesammelt wird es bei „Draußen nur Kännchen„, nur falls die geneigte Leserschaft neugierig auf anderer Leute Leben ist.

Mein Tag begann äußerst unschön, weil die Nacht sehr anstrengend war mit fiesesten Rückenschmerzen zwischen den Schulterblättern, die nach vorne hin ausstrahlten. So saß ich 2,5 Stunden im Bett, weil es im Liegen schlimmer war. Davon gibt es aber kein Bild.

Irgendwann gab mein Körper auf und schlief trotz Schmerzen ein. Aber erholsam geht anders und dementsprechend gerädert war ich, als ich aufstand und mir meine morgendliche Dosis Wetterbericht abholte. Ich liebe Wetterberichte, besonders wenn sie mir was erklären und nicht nur sagen, ob es regnet.

Der Tag kleidete sich mal wieder in fröhlichstem Grau.

Bevor die Kräfte vollends nachlassen, bin ich noch schnell zum Supermarkt nebenan gegangen und hab letzte Besorgungen für’s Wochenende gemacht. Da ich merkte, dass es einfach ein anstrengender Tag wird, hab ich mir eine Packung Fertigfutter gekauft, die ich nach der Physio nur schnell zubereiten muss. Ja, manchmal möchte ich was Vernünftiges essen, aber die Kraft reicht nicht mal für Nudeln mit Tomatensauce.

Das saubere Geschirr im Geschirrspüler sah mich vorwurfsvoll an und wurde noch schnell ausgeräumt …

… bevor ich dann endlich frühstücken konnte. An doofen Tagen darf man sich was gönnen, so kaufte ich eine Laugenecke.

Und dann musste ich auch schon bald los. Aber vorher noch schnell eine Kleinigkeit für die Arbeit bei der Sparkasse erledigen.

Den Großteil der Mittagszeit verbrachte ich in der Physiotherapiepraxis. Erst 1 Stunde Physio, wobei mir die beste Physiotherapeutin von allen die Restrückenschmerzen weg“zauberte“…

… dann ein bisschen Pause mit Lesen verbracht, bevor es mit der Ergotherapie weiter ging. Bis 13 Uhr 15 war ich dort beschäftigt.

Wieder zu Hause schnell gegessen und bei M*A*S*H entspannt. Und für 1,5 Stunden weggepennt.

Alle, die mich kennen, wundern sich beim Anblick dieses Bildes, aber ja, es gab Salat zum Abendbrot. Und es schmeckte. Und ich brauchte noch nicht mal das Brötchen. Offensichtlich hat mein Körper ein kleines Vitamindefizit *g*

Und natürlich muss so ein anstrengender MS-Tag auch auf den Spritzen-Tag fallen *seufz* Na, denn man Tau! (Wie der Norddeutsche sagt…)

Nachdem ich auf dem Sofa schon fast eingeschlafen bin, wankte ich gen Bett, las noch drei Zeilen in „Die Kekse der Madame Kim“ und schlief quasi sofort ein.

Wie geht es hier im Blog weiter?

In dieser Ecke vom Internet werde ich weiterhin aus meinem Leben berichten, aber da mein Leben sonst ziemlich langweilig ist, bleibt der Hauptbestandteil bei Essen und Rezepten. Schließlich nimmt das Nachdenken darüber und freuen darauf einen Großteil meines Tages ein *g* Ich möchte versuchen dienstags und freitags neue Rezepte für Euch zu posten, wenn es mal wegen des real lifes nicht klappt, nicht ungeduldig sein … Ich mache auch weiterhin grobe Wochenpläne und hatte sie auch eine Zeit lang hier gepostet. Seid Ihr daran interessiert? Wollt/braucht Ihr Ideen für Eure eigenen Mahlzeiten in der Art und Weise? Ich kann Euch meine Pläne gerne zeigen und natürlich auch erzählen, wie gut oder schlecht es mit der Umsetzung klappte ;-) Interessieren Euch Empfehlungen zu interessanten Links/Videos/Texten, die mit allen Bereichen zum Thema „Essen“ zu tun haben? Wie sieht es mit dem Thema „Balkongarten“ aus?

Nachdem ich Euch in den letzten Tagen schon so offen über meine Multiple Sklerose erzählt habe, möchte ich es auch gerne öfter hier im Blog thematisieren. Mir schweben da mehrere Sachen vor, z.B. Interviews mit Therapeuten, welche Möglichkeiten eben Physio- und Ergotherapeuten haben MS-Patienten zu helfen. Dann Begebenheiten aus meinem Leben und Alltag erzählen, die anderen MSlern zeigen, dass sie nicht alleine sind und Freunden/Familie von Betroffenen hoffentlich zu etwas mehr Verständnis verhelfen. Vielleicht auch zeigen, wie man sich den Alltag etwas leichter gestalten kann. Auch so kleine Übungsabfolgen zu verschiedenen Themen, die mir gut tun, würde ich Euch gerne vorführen und erläutern, z.B. Dehnungsübungen für die Beine oder Rücken, oder ein paar Übungen, die einen bei akuter Fatigue wieder ein bisschen wacher machen. Ich werde beileibe kein Fitnessblogger (ich kann mir immer noch 1000 schönere Sachen vorstellen zu tun anstatt Sport), aber nach 5 Jahren doch regelmäßiger Physiotherapie, merke ich, dass die Übungen was bringen und will einige mit Euch teilen :-) Auch möchte ich Challenges, sprich Herausforderungen, an mich selbst stellen, indem ich einfach mal versuche die Empfehlungen vom Physios etc. konsequent(er?) umzusetzen und über Fortschritte, Rückschläge, Erlebnisse zu berichten. Stimmt es, dass das mit der Fatigue besser wird, wenn man mindestens 3x die Woche 30 Minuten etwas fixer spazieren geht? Bringt regelmäßige Meditation oder autogenes Training eine positive Veränderung bei mir? Geht es mir wirklich besser, wenn ich mich hauptsächlich von entzündungshemmenden Lebensmittel und/oder vegetarisch ernähre? Lauter Fragen, die mich interessieren und Euch hoffentlich auch!

Diese Beiträge würde ich am Sonntag veröffentlichen, nicht jeden Sonntag, aber immer mal wieder. Und sonntags würde ich Euch ebenfalls gerne anderes zeigen, zum Beispiel von Restaurantbesuchen oder Ausflügen erzählen. Auch habe ich angefangen Rezepte zu zeichnen und möchte Euch gerne meine Fortschritte (und Rückschläge) vorstellen. An der Aktion #12von12 nehme natürlich weiterhin teil :-)

Auch das Äußere des Blogs soll sich ändern, ich werde also im Laufe des Jahres hier mal nach und nach gründlich aufräumen, durchwischen und ein bisschen die Deko ändern :-)

Was haltet Ihr davon? Interessiert es Euch? Habt Ihr Wünsche und/oder Vorschläge? Ich habe so Lust auf Neues! Neue Menschen, neues Essen, neue Landschaften, neue Geschichten, neue Abenteuer und hoffe, Ihr begleitet mich dabei! Ich freue mich drauf und bin gespannt, was noch alles kommt…

Mein Leben mit MS: Teil 3 – Wie geht es mir jetzt?

Wenn mich jetzt jemand fragt, wie es mir geht, antworte ich meistens „Danke, gut!“ Und meine es auch so. Es hat allerdings gedauert, bis ich an den Punkt gekommen bin.

Objektiv betrachtet sind einige Einschränkungen bei mir durch den/die Schübe übrig geblieben:

  • schnelle Erschöpfung = Fatigue
  • verminderte Gehfähigkeit, ich kann so 2,5 km am Stück gehen
  • hohe Empfindsamkeit gegenüber Wärme = Uhthoff-Phänomen
  • Blasen- und Stuhlentleerungsstörungen und daraus resultierend eine Angststörung
  • verminderte Empfindung an den Beininnenseiten und Fußsohlen
  • Ringschmerzen am Rumpf, Beinen
  • Fehlfühligkeiten = manchmal hab ich das Gefühl als liegen feine Spinnenweben über meinem Gesicht, irgendwie störend
  • meine Muskeln verspannen/verkrampfen schneller
  • ich schlafe schlechter: weniger tief, unruhig

Am meisten stören mich drei Dinge. Zum einen die Fatigue, die mich nicht mehr Vollzeit arbeiten und somit mich unabhängig finanziell versorgen lässt, weil weniger Arbeitszeit = weniger Geld. Und in der freien Zeit mache ich nicht Party, sondern bin viel mit Erholen beschäftigt. Aber auch normaler Alltag oder Ausflüge sind anstrengender als im gesunden Zustand. Ein Arzt hat es mir so erklärt, dass mein Körper für den reibungslosen Ablauf der normalen Prozesse, die bei einem gesunden Menschen nicht ins Gewicht fallen, schon viel mehr Energie aufwenden muss und somit nicht mehr so viel übrig bleibt für anderes. Auch das Uhthoff-Phänomen tut sein übriges dazu und raubt mir noch mehr Energie, wenn es im Sommer draußen heiß ist oder ich mich Ausversehen zu warm angezogen habe. Denn dann verstärken sich die neurologischen Symptome noch *seufz* Als ehemalige Wald- und Wiesenbotanikerin stört es mich wirklich sehr, dass ich nicht mehr so weit und lange am Stück gehen kann (von Laufen reden wir gar nicht). Ab einem bestimmten Punkt kriege ich einfach nicht mehr die Beine hoch und muss mich definitiv hinsetzen. Aber nach einer Weile kann es auch weitergehen :-)

Was sich im Nachhinein am belastendsten heraus gestellt hat, war die Blasen- und Stuhlentleerungsstörung, durch die sich eine Angststörung entwickelte. Es ist eine sehr ungünstige Kombination aus körperlichen Problemen und eben der Angst meines Kopfes, die sich gegenseitig hochschaukeln. Es war sozial wirklich sehr einschränkend! Zu Anfang hab ich mir noch gesagt: „Na gut, gehst Du halt nicht raus!“ „Filme im Kino kannst Du auch später im TV gucken“ etc. Aber im Sommer 2014 war der Punkt erreicht, wo es mir reichte. Ich konnte nicht mehr! Ich wollte nicht mehr! Ich wollte mein altes Leben zurück, wollte wieder was erleben mit meiner Familie, meinen Freunden. Wollte neue Erinnerungen schaffen! Abenteuer erleben! Wollte wieder normal leben …
Und habe mich dann an die Psychosomatische Klinik hier in Göttingen gewendet, die mein Problem erkannten, mich ernst nahmen und nach einigen Gesprächen einen Platz in ihrer Tagesklinik anboten, den ich Anfang Januar 2015 annahm. In den sechs Wochen dort wurde mir sehr geholfen. Ich wurde körperlich nochmal durchgecheckt, ich hatte Therapie mit einer sehr guten Physiotherapeutin, die mir guten Input gab, die Kunsttherapie tat mir sehr gut und auch die Gespräche mit dem Psychologen waren sehr hilfreich bei der Akzeptanz meiner Krankheit. Seitdem verschließe ich mich nicht mehr vor Hilfsmitteln. In Bezug auf meine eingeschränkte Gehfähigkeit probierten wir z.B. bei einem langen Spaziergang aus, wie es für mich ist, wenn ich einen Rollstuhl mitnehme. Damit ich den Spaziergang auch mit allen anderen zusammen beenden kann und nicht alleine zwischendrin zurück gehen muss. Und ehrlich? Es ist okay für mich. Ich schob den Rollstuhl selbst, so lange es ging, aber als meine Beine nicht mehr wollten, wurde ich für 15 Minuten geschoben, bis sich die Beine erholt haben und ich den Rollstuhl dann zur Tagesklinik alleine zurück schob. So kann ich mir auch vorstellen, wenn z.B. ein längerer Ausflug geplant ist mit wenig Ausruhmöglichkeiten, dass ich mir eventuell einen Rollstuhl ausleihe. Wer will schon im Zoo mittags eine halbe Stunde Pause vor dem Gehege der schlafenden Eulen machen, nur weil die Beine streiken? Und auch für die anderen Probleme entwickelten wir Strategien, wie ich damit umgehen kann. Klar, die Angst ist nicht komplett weg. Und das körperliche Problem auch nicht. Es gibt bessere und schlechtere Tage, sowohl körperlich als auch psychisch, aber ich kann damit leben. Ich isoliere mich nicht mehr, ich stelle mich der Angst! Denn der Angst nachzugeben, bedeutet ihr Raum zu geben und dadurch wird sie immer größer.

Und wie hat mich diese Krankheit sonst verändert? Ich bin noch gelassener geworden. Ich habe echt aufgehört mich mit anderen zu vergleichen. Ich bin ich und lebe mein Leben. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Und trägt sein eigenes Päckchen. Ich bin sehr organisiert geworden, denn wenn man nie genau weiß, wie lange die eigene Kraft reicht, dann nutzt man die guten Zeiten. Und gehe ziemlich offen mit meiner Multiplen Sklerose um, denn wenn die anderen nicht wissen, was mit mir ist, können sie bestimmtes Verhalten von mir nicht verstehen.

Aber ja, wenn jemand nach meinem Befinden fragt, sage ich trotzdem „Danke, mir geht’s gut!“ und meine es auch so :-)

Was mache ich gegen die Multiple Sklerose?

Ich verschließe mich nicht gegen die medikamentöse Therapie und spritze mich brav montags, mittwochs und freitags. Auch habe ich eine gute physiotherapeutische Praxis gefunden, deren Therapeuten ich vertraue und mit denen ich einen guten Plan ausgearbeitet habe. Insgesamt habe ich drei Termine in der Woche: 30 Minuten KG-ZNS (Krankengymnastik für das Zentrale Nervensystem), 45 Minuten Ergotherapie und 1 Stunde Krankengymnastik am Gerät (KGG). Bei der KG-ZNS gehen wir auf akute Probleme ein, mal dehnen wir mich durch, um Verspannungen in den Griff zu kriegen, mal machen wir was für die Koordination oder die Stabilisierung meiner Rumpfmuskulatur. Bei den meisten Terminen mache ich dabei schon aktiv was und werde nicht nur massiert ;-) Bei der Ergotherapie wird meine Sensibilität an den Beinen und Füßen geschult und die Füße/Beine und Hände/Arme mobilisiert. Danach fühle ich mich immer als würde ich über Wolken laufen. In der einstündigen KGG habe ich ein mehr oder minder festes Trainingsprogramm, um auch meine Muskeln zu trainieren und wieder ein bisschen mehr Kraft zu bekommen. Dabei ist es wichtig im unterschwelligen Kraft-Ausdauerbereich zu trainieren, damit die Muskeln und Nerven nicht überanstrengt werden, das Gehirn aber mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Bewegung ist überhaupt wichtig und tut eigentlich (fast) jedem MS-Patienten gut. So kann man gegen die Fatigue, also diese seltsame, matschigmachende Erschöpfung gut mit Ausdauertraining angehen. Wenn ich k.o. bin von der Arbeit, hilft es entweder ein Nickerchen zu machen oder ein etwa 30 minütiger Spaziergang. Das ist wirklich faszinierend!

Und ich versuche mich meiner Angst zu stellen! Ich will neue Erlebnisse und Erinnerungen aufbauen, mich nicht von der Krankheit abhalten lassen mein Leben zu leben.

Und das solltet ihr, die ihr da draußen seid und auch von der Krankheit betroffen seit, auch nicht tun! Gebt der Multiplen Sklerose nicht allzu viel Raum, Euer Leben zu beherrschen. Nehmt alle Möglichkeiten, die Euch die Medizin anbietet, an und lasst Euch helfen. Medikamente, Hilfsmittel und auch Therapeuten (seien es jetzt Physios, Ergos oder Psychotherapeuten) können Euch zu einem besseren, einfacheren Leben trotz fehlprogrammiertem Immunsystem verhelfen.

Was können Familie, Freunde, Kollegen, Bekannte tun? Zumindest ich will kein Mitleid, aber Verständnis tut gut. Wenn ich sage, dass ich nicht mehr kann, dann meine ich das auch so und sage es nicht, weil ich keine Lust mehr habe. Aber gleichzeitig tut es mir auch gut, wenn mich Freunde/Familie von Zeit zu Zeit herausfordern und mich nicht wie ein rohes Ei behandeln. Und fragt denjenigen, den ihr mit MS kennt, wie es ihm geht, denn:

Nur Wissen schafft Verständnis.


Morgen möchte ich Euch dann erzählen, wie es hier auf dem Blog und mit dem Thema weiter geht. Ich habe mir ein paar Bereiche und Challenges an mich überlegt, die interessant sein könnten. Und bin gespannt, was Ihr dazu sagt. Aber wie gesagt, morgen dann mehr :-)

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