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Ungarisches Gelbe Erbsen-Gemüse oder Einfach(er) guter Pamps

Man möchte es nicht glauben, aber auch ich kenne noch ganz viele ungarische Gerichte nicht. Das kommt zum einen daher, dass ich meistens im Sommer dort war. Und daran dass ich nie in Ungarn zur Schule gegangen bin, also auch keine typischen Mensa/Schulspeisungsgerichte kenne, vor denen sich viele heutzutage noch gruseln. Dafür kann ich Euch über DDR-Schulspeisungsessen was erzählen, aber das ist nicht nur gruselig. Eigentlich war das Essen da okay für mich, aber ich bin ja auch kein ultramäkeliger Esser ;-)

Zurück zur ungarischen Mensa. Dort gab es wohl öfter Fözelék, also diese monothematischen Gemüsegerichte z.B. nur aus Erbsen, Kartoffeln, Bohnen etc. plus einer Beilage wie Spiegelei, Gulaschreste, Klopse oder ähnlichem. Und die liebe ich ja sehr! Wie eingangs erwähnt kenne ich von der Familie eher die Sommer-Fözeléks und erarbeite mir die Wintervarianten eben selbst. Im Budapest-Urlaub letztes Jahr Februar nahm ich eine Packung geschälte gelbe Erbsen mit. Eigentlich mit dem festen Vorsatz noch in der kalten Jahreszeit dieses ungarischen Erbsen-Gemüse zu kochen. Dann kam der ganze Corona-Mist. Ich war zwar zu Hause (von wegen Risikogruppe), aber ich hatte keinen großartigen Nerv, um mich mit neuen Sachen zu beschäftigen. Ich hielt mich eher an mein altbekanntes Comfort Food, das beruhigt und nicht viel Hirnschmalz erfordert. Aber der Mensch ist anpassungsfähig und gewöhnt sich an Situationen. So probiere ich doch wieder gerne neue Sachen, auch wenn sie immer noch eher Alltagsküche sind und nicht so super aufwendig. Das super aufwendige überlasse ich gerne anderen ;-)

Und dieses Gelbe Erbsen-Gemüse ist erfreulich unaufwendig, die Erbsen brauchen nur ihre Zeit bis sie gar sind. Es sind nicht mal unglaublich viele Zutaten notwendig, es lässt sich alles im Vorratsschrank finden. Damit die Erbsen etwas schneller garen, können sie so 3 Stunden vor dem eigentlichen Kochen in Wasser eingeweicht werden. Dann wird schnell der Ansatz aus Zwiebel, Knoblauch und Gewürzen gemacht, Erbsen zugeben und etwa 1 Stunde köcheln. Dabei solltet ihr nur aufpassen, dass die Erbsen am Anfang nicht überkochen, wenn ihr das Gemüse zum Kochen bringt. Gibt eine Riesensauerei *eigeneErfahrung* Und gegen Ende der Kochzeit solltet ihr öfter umrühren, sonst brennt der Pamps leicht an. Und das will ja auch keiner, oder? Aber heraus kommt ein wirklich leckeres Gemüse, dass durch die angeschmorten Zwiebeln den richtigen Pfiff bekommt. Und wenn man nicht gerade eine Restbratwurst wie als Beilage brät, ist es sogar vegan. Wenn Ihr noch nie Gelbe Erbsen hattet, wie ich oder sie vielleicht sogar mögt, probiert dieses Gericht dringend diesen Winter noch aus!

Ungarisches Gelbe Erbsen-Gemüse – Sárgaborsófözelék

Zutaten für 2 Portionen:
250 g halbe Gelbe Erbsen
1 kleine Zwiebel
1-2 Knoblauchzehen
1,5 EL Öl
1/2 TL Paprikapulver edelsüß
750 ml Wasser
Salz, Pfeffer

Zum Andicken:
1 gehäufter EL Mehl
50 ml Wasser

Einlage:
2 Zwiebeln
1 EL Öl
Paprikapulver zum Bestreuen
und/oder
Bratwurst

Einweichzeit: 2-3 Stunden
Kochzeit: ca. 1,5 Stunden insgesamt

(1) Etwa 2-3 Stunden vor dem geplanten Kochen, die Erbsen in eine Schüssel geben, mit Wasser bedecken, durchwirbeln und das Wasser abgießen, noch 2-3 mal wiederholen. Dann die Erbsen gut mit Wasser bedecken und zur Seite stellen.
(2) Wenn Ihr kochen wollt, die Zwiebel und Knoblauchzehen häuten und sehr fein würfeln. Das Öl in einem höheren Topf bei höherer Hitze erhitzen. Die Zwiebel bei mittelhoher Hitze darin glasig andünsten. Den Knoblauch hinein geben und so lange mitbraten bis er duftet (ca. 30-60 Sekunden). Das Paprikapulver hinein streuen und sofort etwa 50 ml vom abgemessenen Wasser zufügen (so wird das Paprikapulver nicht bitter) und gut verrühren. So lange köcheln lassen bis das Wasser verdunstet und ihr das Fett wieder zischen hört.
(3) Die Erbsen abgießen und zusammen mit dem restlichen Wasser in den Topf geben. Gut verrühren. Deckel auflegen und ab dem Zeitpunkt des Kochens ca. 60 Minuten bei mittelkleiner Hitze und halb geöffnetem Deckel köcheln lassen bis die Erbsen weich sind. Vorsicht! Bei geschlossenem Deckel kochen die Erbsen schnell über. Nach ca. 30 Minuten die Erbsen schon mal etwas salzen. Und gegen Ende der Kochzeit öfter umrühren, da die Masse gerne am Boden anbrennt.
(4) Während die Erbsen kochen, die Zwiebeleinlage vorbereiten. Dafür die Zwiebeln häuten, halbieren und längs in dünnere Streifen schneiden. Das Öl in einer kleineren Pfanne bei mittelhoher Hitze heiß werden lassen und die Zwiebeln bei mittlerer Hitze so lange dünsten bis sie schön weich und süßlich und etwas braun sind. Herausnehmen und zur Seite stellen.
(5) Wenn die Erbsen weich sind – einige werden verkocht sein, andere noch etwas Biss haben – das Mehl mit dem kalten Wasser klümpchenfrei verrühren und unter die Erbsen rühren. Noch einige Minuten kochen lassen, damit der Mehlgeschmack vergeht. Den Topf vom Herd nehmen und mit geschlossenem Deckel noch so 10 Minuten ruhen lassen.

Mit den Zwiebeln und frischem Weißbrot servieren.

Genießen!

Quelle: Fördös, Z. (2016): 83 kedvenc magyar receptem. Lunchbox kiado. p 90

Ungarisches Erbsengemüse – Borsófözelék

Ich liiiiebe Erbsen! Schon als kleines Kind, frisch von der Pflanze gepflückt und gleich die strahlendgrünen Kügelchen rausgeholt und in den Mund gesteckt. Auch kann ich mich noch dran erinnern, wie ich als kleines Mädchen bei meinen ungarischen Großeltern im Hof auf der Bank saß und beim Erbsenpahlen half, wahrscheinlich gab es meine geliebte ungarische Erbsensuppe den Tag zum Mittag. Und die liebe ich auch heute noch sehr! Leider haben frische Erbsen ja nur eine kurze Saison und wenn man nicht aufpasst und rechtzeitig erntet, sind sie am Strauch alt geworden, so dass sie härter sind und auch ein wenig bitter schmecken. Sehr unschön! Also rechtzeitig ernten…

In der ungarischen Arme-Leute-Küche gibt es viele Gemüseragouts. Und ich mag sie eigentlich fast alle, egal ob mit Kürbis, Bohnen, Kartoffeln … Das, was bei uns als Gemüsebeilage gilt, wird dort als Hauptgericht verspeist. So auch dieses Erbsengemüse. Es ist so lecker cremig und süßlich. Ein unbedingtes Muss ist die Petersilie und davon wirklich reichlich. Also nicht geizig sein, denn Petersilie und Erbsen sind wirklich richtig gute Freunde! Ein wunderbar schnelles Comfort Food! Einfach schönes, frisches Weißbrot dazu und wer mag gebratene Wiener Würstchen oder Klopse/Frikadellen/Fleischpflanzerl/Buletten oder wie die mittlerer Tante es in Ungarn immer macht, ein Brathähnchen, alles sehr passend. Probiert es ruhig aus, es macht tatsächlich satt und es wird Euch nix fehlen!

Ungarisches Erbsengemüse – Borsófözelék

Zutaten für 2 Portionen:
1 mittelgroße Zwiebel
1 EL Butter
500 g TK-Erbsen
400 ml Milch
Salz, Pfeffer
1 TL Mehl
2 deutsche Bunde Petersilie

(1) Die Zwiebel häuten und fein würfeln. Die Petersilie fein hacken.
(2) Butter in einem Topf bei mittelhoher Hitze schmelzen lassen und die Zwiebelwürfel andünsten.
(3) Die Erbsen hinzufügen, mit etwas 350 ml Milch bedecken. Salzen und pfeffern. Einmal aufkochen lassen.
(4) Währenddessen die restliche Milch mit dem Mehl möglichst klümpchenfrei verrühren. Unter Rühren zu den kochenden Erbsen geben und so lange kochen bis die Sauce etwas dicker geworden ist und die Erbsen gar sind.
(5) Den Topf vom Herd nehmen und die Petersilie unterrühren. Abschmecken! Fehlt noch was? Wenn ja nachwürzen, dann servieren und

genießen!

Als Beilage: gebratene Wiener Würstchen, Klopse, Brathähnchen, frisches Weißbrot

Köstliches Horroressen: Kürbisgemüse mit Hähnchengulasch

Wenn ich in Ungarn gefragt werde, was ich gerne esse, antworte ich meist: „Eigentlich alles. So Fözeléks find ich toll!“ Dann guckt mein Gegenüber ganz ungläubig und fragt zurück: „Auch tökfözelék?“ Also Kürbisgemüse … Lange musste ich daraufhin sagen: „Keine Ahnung, habe ich noch nie gegessen. Hat mir noch keiner gekocht …“ Dann aber eines Tages köchelte meine Tante es und fragte mich, ob ich kosten wolle, sagte aber im gleichen Atemzug, dass es mir wahrscheinlich nicht schmecken wird, weil eigentlich nur sie das mag (Ich führte noch öfters Konversationen mit exakt dem Wortlaut zum Thema Kürbisgemüse mit anderen Leuten … Interessant!). Ich kostete und war begeistert! Milder Kürbis, zart gedünstet, mit viel frischem Dill, der schon etwas süßlich schmeckt und als Kontrast ein µ Essig. Tolles Zeug! Warum wurde es mir so lange vorenthalten? In Ungarn wird es traditionell mit einem weißen Sommerkürbis hergestellt, der in lange Streifen gehobelt wird. Der ist hier leider nicht zu bekommen, also behelfen sich im Ausland lebende Ungarn mit Zucchini, die ja auch eine Kürbissorte ist. Also kann ich das hier auch kochen und mache es mir auch ziemlich regelmäßig. Man es kann es einfach so als vegetarisches Gericht mit etwas frischem Weißbrot genießen oder eben noch Gulasch dazu essen. Entweder Reste vom Vortrag oder man köchelt extra ein schnelleres Hähnchengulasch. Die Variante lernte ich von Orsi von Nokedlis kennen. Ich war skeptisch als sie es erwähnte, hab’s aber ausgetestet und bin begeistert von der Kombi! Wenn man Zucchinigemüse und Hähnchengulasch kocht, braucht man alleine schon 1,5 Stunden, aber nur das Fözelék kann innerhalb von 30 Minuten gemacht werden, wenn eine Küchenmaschine beim Raspeln hilft.

Das Essen findet man leider auf keiner Restaurant-Karte, weil Gästeessen in Ungarn doch immer noch sehr fleischdominiert ist, aber es lohnt sich wirklich das mal nach zu kochen. Ich liebe es! Ach ja, ist wahrscheinlich auch eine gute Möglichkeit um der kommenden Zucchinischwemme Herr zu werden ;-)

So und extra für die Besitzerin des Restaurants am Ende des Universums, hier das Rezept:

Ungarisches Kürbisgemüse mit Hähnchengulasch

Zutaten für 4 Portionen:

Für das Hähnchengulasch:
2 Hähnchenbrüste
2  ganze Hähnchenkeulen (oder noch 1 Brust zusätzlich)
1 große Zwiebel
3 EL Öl
2 TL Paprikapulver edelsüß
1 TL Paprikapulver rosenscharf
Salz
100-200 ml Wasser

Für das Kürbisgemüse:
6 mittelgroße Zucchini
1 kleine Zwiebel
1 EL Öl
Salz, Pfeffer
ca. 100 ml Wasser
1 EL Mehl
100 g Saure Sahne
50 g Schmand
3 EL gehackter Dill
1 EL Weißweinessig

(1) Zuerst das Hähnchengulasch ansetzen. Die Hähnchenschenkel und die Brustfilets waschen und trocken tupfen. Das Brustfleisch in etwa 2 cm große Würfel schneiden. Das Fleisch von den Schenkeln auslösen und ebenfalls in ca. 2 cm große Würfel schneiden. Die Zwiebel häuten und in feine Würfel schneiden.
(2) Das Öl in einem Topf bei mittlerer Hitze erhitzen und die Zwiebeln langsam, ca. 10-15 Minuten lang, andünsten. Sie sollten weich und süß, aber nicht dunkelbraun werden. Den Topf vom Herd nehmen und das Paprikapulver zugeben. Gut durchrühren bis es duftet. Den Topf wieder auf den Herd setzen. Sofort das Fleisch hinzufügen. Gut durchrühren, salzen. Das Wasser hinzufügen, Deckel drauf und aufkochen lassen. Dann ca. 45 Minuten bei kleiner Hitze schmoren lassen.
(3) Während das Gulasch schmurgelt das Zucchini-Gemüse zubereiten. Dafür die Zucchini waschen, trocknen, Enden abschneiden. Wenn die Zucchini größer sind, dann halbieren und das Kerngehäuse heraus schneiden. Die Zucchini grob raspeln. Die kleine Zwiebel häuten und in feine Würfel schneiden.
(4) In einem Topf das Öl erhitzen und die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze andünsten. Die Zucchiniraspeln mit dem Wasser zufügen. Salzen und pfeffer. Deckel drauf und bei mittlerer Hitze ca. 10-15 Minuten köcheln lassen. Während dessen das Mehl mit der Sauren Sahne und dem Schmand klümpchenfrei verrühren. In das Zucchini-Gemüse rühren. Aufkochen lassen und noch so 1-3 Minuten kochen lassen bis das Gemüse cremig ist. Den Dill und Weißweinessig unterrühren. Nochmal abschmecken, fehlt was? Salz oder Pfeffer oder doch etwas saurer?

Das Gemüse auf den Tellern verteilen mit etwas Gulasch toppen und frischen Brot servieren.

Genießen!

Quelle: Mengenangaben nach NokedlisTökfözelék

Dillig-zitroniges Spargelgemüse

So, ich glaube, das war auch mein letzter Spargel für dieses Jahr. Nachdem ich meinen Eltern die einfach wunderbare Variante des Ofenspargels nahe brachte, lachte mich letzte Woche dieses Rezept von Zsófi an. Spargel – geil! Dill – geil! Zitronenschale – wunderbar! Das alles in einem Fözelék, also Gemüsehauptgericht? Noch viel besser! Also fix alle Zutaten besorgt und am Sonntag geköchelt! Und es ist soo großartig! Total wunderbar! Bitte dringend nachmachen so lange noch Spargelsaison ist. Für mich reichte es einfach so mit frischem Brot dazu, aber könnte mir auch vorstellen, dass ein nicht zu stark gewürztes Brathähnchen aus dem Ofen gut dazu passt. Ganz wichtig ist wirklich der Schluck Olivenöl und die paar Chiliflocken, die zum Schluss über jede Portion gegeben werden, aber sie geben nochmal einen Extrakick!

Dillig-zitroniges Spargelgemüse

Zutaten für 3 großzügige Portionen:
1 kg weißer Spargel
400 ml Gemüsebrühe (oder Wasser)
Salz, Pfeffer
Prise Zucker
1 Spritzer Zitronensaft
200 ml Sahne
100 ml Saure Sahne (oder Joghurt oder Schmand)
1-2 EL Maisstärke
abgeriebene Schale 1 Bio-Zitrone
1/2 Bund Dill, fein gehackt
1/2 Bund Schnittlauch, fein gehackt

Zum Servieren: Olivenöl, etwas Chiliflocken

(1) Den Spargel schälen, Ende abbrechen. Die Stangen in etwa 1-2 cm dicke Scheiben schneiden, die Spargelspitzen zur Seite legen.
(2) Die Spargelstücke bis auf die Köpfe in kochender Gemüsebrühe, die mit Salz, Pfeffer und der Prise Zucker gewürzt ist, unter geschlossenem Deckel etwa 10 Minuten bei mittlerer Hitze kochen bis sie gar sind, aber nicht zerkocht. Da wirklich drauf achten, dünne zarte Stangen brauchen vielleicht nur 5 Minuten.
(3) Die Sahne mit den Spargelspitzen zusammen hinzufügen und ein paar Minuten köcheln lassen. Währenddessen die Saure Sahne klümpchenfrei mit der Maisstärke verrühren. Dann ein paar Löffel Spargelflüssigkeit zugeben, damit sich die Temperaturen der Flüssigkeiten angleich und zum Spargel geben und ein bißchen kochen lassen bis es ein wenig eindickt. Geht auch wirklich schnell.
(4) Den Topf vom Herd nehmen. Den Dill, Schnittlauch und Zitronenschale unterrühren. Nochmal abschmecken ob Salz, Pfeffer oder Zucker fehlt? Vielleicht noch ein Spritzer Zitronensaft?
(5) Zum Servieren mit ein wenig Olivenöl beträufeln und ein paar, wenige Chiliflocken darüber streuen.

Genießen!

Quelle: Chili és VaniliaKapros-citromos spárgafözelék

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