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Ungarisches Erbsengemüse – Borsófözelék

Ich liiiiebe Erbsen! Schon als kleines Kind, frisch von der Pflanze gepflückt und gleich die strahlendgrünen Kügelchen rausgeholt und in den Mund gesteckt. Auch kann ich mich noch dran erinnern, wie ich als kleines Mädchen bei meinen ungarischen Großeltern im Hof auf der Bank saß und beim Erbsenpahlen half, wahrscheinlich gab es meine geliebte ungarische Erbsensuppe den Tag zum Mittag. Und die liebe ich auch heute noch sehr! Leider haben frische Erbsen ja nur eine kurze Saison und wenn man nicht aufpasst und rechtzeitig erntet, sind sie am Strauch alt geworden, so dass sie härter sind und auch ein wenig bitter schmecken. Sehr unschön! Also rechtzeitig ernten…

In der ungarischen Arme-Leute-Küche gibt es viele Gemüseragouts. Und ich mag sie eigentlich fast alle, egal ob mit Kürbis, Bohnen, Kartoffeln … Das, was bei uns als Gemüsebeilage gilt, wird dort als Hauptgericht verspeist. So auch dieses Erbsengemüse. Es ist so lecker cremig und süßlich. Ein unbedingtes Muss ist die Petersilie und davon wirklich reichlich. Also nicht geizig sein, denn Petersilie und Erbsen sind wirklich richtig gute Freunde! Ein wunderbar schnelles Comfort Food! Einfach schönes, frisches Weißbrot dazu und wer mag gebratene Wiener Würstchen oder Klopse/Frikadellen/Fleischpflanzerl/Buletten oder wie die mittlerer Tante es in Ungarn immer macht, ein Brathähnchen, alles sehr passend. Probiert es ruhig aus, es macht tatsächlich satt und es wird Euch nix fehlen!

Ungarisches Erbsengemüse – Borsófözelék

Zutaten für 2 Portionen:
1 mittelgroße Zwiebel
1 EL Butter
500 g TK-Erbsen
400 ml Milch
Salz, Pfeffer
1 TL Mehl
2 deutsche Bunde Petersilie

(1) Die Zwiebel häuten und fein würfeln. Die Petersilie fein hacken.
(2) Butter in einem Topf bei mittelhoher Hitze schmelzen lassen und die Zwiebelwürfel andünsten.
(3) Die Erbsen hinzufügen, mit etwas 350 ml Milch bedecken. Salzen und pfeffern. Einmal aufkochen lassen.
(4) Währenddessen die restliche Milch mit dem Mehl möglichst klümpchenfrei verrühren. Unter Rühren zu den kochenden Erbsen geben und so lange kochen bis die Sauce etwas dicker geworden ist und die Erbsen gar sind.
(5) Den Topf vom Herd nehmen und die Petersilie unterrühren. Abschmecken! Fehlt noch was? Wenn ja nachwürzen, dann servieren und

genießen!

Als Beilage: gebratene Wiener Würstchen, Klopse, Brathähnchen, frisches Weißbrot

Köstliches Horroressen: Kürbisgemüse mit Hähnchengulasch

Wenn ich in Ungarn gefragt werde, was ich gerne esse, antworte ich meist: „Eigentlich alles. So Fözeléks find ich toll!“ Dann guckt mein Gegenüber ganz ungläubig und fragt zurück: „Auch tökfözelék?“ Also Kürbisgemüse … Lange musste ich daraufhin sagen: „Keine Ahnung, habe ich noch nie gegessen. Hat mir noch keiner gekocht …“ Dann aber eines Tages köchelte meine Tante es und fragte mich, ob ich kosten wolle, sagte aber im gleichen Atemzug, dass es mir wahrscheinlich nicht schmecken wird, weil eigentlich nur sie das mag (Ich führte noch öfters Konversationen mit exakt dem Wortlaut zum Thema Kürbisgemüse mit anderen Leuten … Interessant!). Ich kostete und war begeistert! Milder Kürbis, zart gedünstet, mit viel frischem Dill, der schon etwas süßlich schmeckt und als Kontrast ein µ Essig. Tolles Zeug! Warum wurde es mir so lange vorenthalten? In Ungarn wird es traditionell mit einem weißen Sommerkürbis hergestellt, der in lange Streifen gehobelt wird. Der ist hier leider nicht zu bekommen, also behelfen sich im Ausland lebende Ungarn mit Zucchini, die ja auch eine Kürbissorte ist. Also kann ich das hier auch kochen und mache es mir auch ziemlich regelmäßig. Man es kann es einfach so als vegetarisches Gericht mit etwas frischem Weißbrot genießen oder eben noch Gulasch dazu essen. Entweder Reste vom Vortrag oder man köchelt extra ein schnelleres Hähnchengulasch. Die Variante lernte ich von Orsi von Nokedlis kennen. Ich war skeptisch als sie es erwähnte, hab’s aber ausgetestet und bin begeistert von der Kombi! Wenn man Zucchinigemüse und Hähnchengulasch kocht, braucht man alleine schon 1,5 Stunden, aber nur das Fözelék kann innerhalb von 30 Minuten gemacht werden, wenn eine Küchenmaschine beim Raspeln hilft.

Das Essen findet man leider auf keiner Restaurant-Karte, weil Gästeessen in Ungarn doch immer noch sehr fleischdominiert ist, aber es lohnt sich wirklich das mal nach zu kochen. Ich liebe es! Ach ja, ist wahrscheinlich auch eine gute Möglichkeit um der kommenden Zucchinischwemme Herr zu werden ;-)

So und extra für die Besitzerin des Restaurants am Ende des Universums, hier das Rezept:

Ungarisches Kürbisgemüse mit Hähnchengulasch

Zutaten für 4 Portionen:

Für das Hähnchengulasch:
2 Hähnchenbrüste
2  ganze Hähnchenkeulen (oder noch 1 Brust zusätzlich)
1 große Zwiebel
3 EL Öl
2 TL Paprikapulver edelsüß
1 TL Paprikapulver rosenscharf
Salz
100-200 ml Wasser

Für das Kürbisgemüse:
6 mittelgroße Zucchini
1 kleine Zwiebel
1 EL Öl
Salz, Pfeffer
ca. 100 ml Wasser
1 EL Mehl
100 g Saure Sahne
50 g Schmand
3 EL gehackter Dill
1 EL Weißweinessig

(1) Zuerst das Hähnchengulasch ansetzen. Die Hähnchenschenkel und die Brustfilets waschen und trocken tupfen. Das Brustfleisch in etwa 2 cm große Würfel schneiden. Das Fleisch von den Schenkeln auslösen und ebenfalls in ca. 2 cm große Würfel schneiden. Die Zwiebel häuten und in feine Würfel schneiden.
(2) Das Öl in einem Topf bei mittlerer Hitze erhitzen und die Zwiebeln langsam, ca. 10-15 Minuten lang, andünsten. Sie sollten weich und süß, aber nicht dunkelbraun werden. Den Topf vom Herd nehmen und das Paprikapulver zugeben. Gut durchrühren bis es duftet. Den Topf wieder auf den Herd setzen. Sofort das Fleisch hinzufügen. Gut durchrühren, salzen. Das Wasser hinzufügen, Deckel drauf und aufkochen lassen. Dann ca. 45 Minuten bei kleiner Hitze schmoren lassen.
(3) Während das Gulasch schmurgelt das Zucchini-Gemüse zubereiten. Dafür die Zucchini waschen, trocknen, Enden abschneiden. Wenn die Zucchini größer sind, dann halbieren und das Kerngehäuse heraus schneiden. Die Zucchini grob raspeln. Die kleine Zwiebel häuten und in feine Würfel schneiden.
(4) In einem Topf das Öl erhitzen und die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze andünsten. Die Zucchiniraspeln mit dem Wasser zufügen. Salzen und pfeffer. Deckel drauf und bei mittlerer Hitze ca. 10-15 Minuten köcheln lassen. Während dessen das Mehl mit der Sauren Sahne und dem Schmand klümpchenfrei verrühren. In das Zucchini-Gemüse rühren. Aufkochen lassen und noch so 1-3 Minuten kochen lassen bis das Gemüse cremig ist. Den Dill und Weißweinessig unterrühren. Nochmal abschmecken, fehlt was? Salz oder Pfeffer oder doch etwas saurer?

Das Gemüse auf den Tellern verteilen mit etwas Gulasch toppen und frischen Brot servieren.

Genießen!

Quelle: Mengenangaben nach NokedlisTökfözelék

Dillig-zitroniges Spargelgemüse

So, ich glaube, das war auch mein letzter Spargel für dieses Jahr. Nachdem ich meinen Eltern die einfach wunderbare Variante des Ofenspargels nahe brachte, lachte mich letzte Woche dieses Rezept von Zsófi an. Spargel – geil! Dill – geil! Zitronenschale – wunderbar! Das alles in einem Fözelék, also Gemüsehauptgericht? Noch viel besser! Also fix alle Zutaten besorgt und am Sonntag geköchelt! Und es ist soo großartig! Total wunderbar! Bitte dringend nachmachen so lange noch Spargelsaison ist. Für mich reichte es einfach so mit frischem Brot dazu, aber könnte mir auch vorstellen, dass ein nicht zu stark gewürztes Brathähnchen aus dem Ofen gut dazu passt. Ganz wichtig ist wirklich der Schluck Olivenöl und die paar Chiliflocken, die zum Schluss über jede Portion gegeben werden, aber sie geben nochmal einen Extrakick!

Dillig-zitroniges Spargelgemüse

Zutaten für 3 großzügige Portionen:
1 kg weißer Spargel
400 ml Gemüsebrühe (oder Wasser)
Salz, Pfeffer
Prise Zucker
1 Spritzer Zitronensaft
200 ml Sahne
100 ml Saure Sahne (oder Joghurt oder Schmand)
1-2 EL Maisstärke
abgeriebene Schale 1 Bio-Zitrone
1/2 Bund Dill, fein gehackt
1/2 Bund Schnittlauch, fein gehackt

Zum Servieren: Olivenöl, etwas Chiliflocken

(1) Den Spargel schälen, Ende abbrechen. Die Stangen in etwa 1-2 cm dicke Scheiben schneiden, die Spargelspitzen zur Seite legen.
(2) Die Spargelstücke bis auf die Köpfe in kochender Gemüsebrühe, die mit Salz, Pfeffer und der Prise Zucker gewürzt ist, unter geschlossenem Deckel etwa 10 Minuten bei mittlerer Hitze kochen bis sie gar sind, aber nicht zerkocht. Da wirklich drauf achten, dünne zarte Stangen brauchen vielleicht nur 5 Minuten.
(3) Die Sahne mit den Spargelspitzen zusammen hinzufügen und ein paar Minuten köcheln lassen. Währenddessen die Saure Sahne klümpchenfrei mit der Maisstärke verrühren. Dann ein paar Löffel Spargelflüssigkeit zugeben, damit sich die Temperaturen der Flüssigkeiten angleich und zum Spargel geben und ein bißchen kochen lassen bis es ein wenig eindickt. Geht auch wirklich schnell.
(4) Den Topf vom Herd nehmen. Den Dill, Schnittlauch und Zitronenschale unterrühren. Nochmal abschmecken ob Salz, Pfeffer oder Zucker fehlt? Vielleicht noch ein Spritzer Zitronensaft?
(5) Zum Servieren mit ein wenig Olivenöl beträufeln und ein paar, wenige Chiliflocken darüber streuen.

Genießen!

Quelle: Chili és VaniliaKapros-citromos spárgafözelék

Der Letzte der Saison – Spargelfrikassee

Ich bin mal wieder krank und deswegen bei meinen Eltern, was überaus erholsam ist. So genau weiß noch niemand, was mit mir los ist, sind es „nur“ die Nerven oder steckt doch was körperliches dahinter, wir werden es heraus finden, dauert wohl nur ein bißchen. Jedenfalls erhole ich mich hier, mache wenig bis noch weniger, schlafe ordentlich und koche mal ’ne Kleinigkeit.

Wobei dieses traumhafte Spargelfrikassee aus dem letzten Spargel für dieses von Frau Mama letzten Sonnabend gezaubert wurde. Mal wieder die großartige Kombi von Spargel mit Kohlrabi, die um einige Zuckerschoten ergänzt wird. Da unsere Familie ein wenig empfindlich auf den Fettgehalt in Sahne reagiert, wurde die Hälfte der Sahne durch Milch ersetzt, natürlich alles laktosefrei für die laktoseintolerante Frau Mama. Funktionierte auch gut! Ein wundervoll frühlingshaftes Essen mit einer kleinen, aber sehr feinen Zitronennote. Überhaupt nicht kompliziert zu machen und Frau Mama war begeistert wie formstabil der Spargel blieb. Ein wirklich feines Ragout, dass ich der geneigten Leserschaft nur ans Herz legen kann. Wenn es bis Sonntag nicht mehr klappt, dann merkt es Euch für’s nächste Jahr vor!

Spargelfrikassee

Zutaten für 2 Portionen:
250 g weißen Spargel
1 kleiner Kohlrabi
100 g Zuckerschoten
2 1/2 Bund Schnittlauch
1 EL Butter
1 EL Mehl
200 g Sahne (oder: 100 g durch Milch ersetzen)
Salz, Pfeffer

(1) Zuerst die Zutaten vorbereiten. Dafür den Spargel schälen, Enden abschneiden und in 3 cm lange Stücke schneiden. Den Kohlrabi schälen und in 1,5 cm breite Stifte schneiden. Spargel- und Kohlrabistücke in kochendem Salzwasser 8 Minuten blanchieren. Mit einer Schaumkelle aus dem Wasser holen und zur Seite stellen. Vom Kochwasser 200 ml abschöpfen. Die Zuckerschoten halbieren und ebenfalls für 1 Minute blanchieren. Abgießen und kalt abschrecken, damit sie ihre schöne grüne Farbe behalten. Den Schnittlauch in Röllchen schneiden.
(2) Die Butter in einem Topf schmelzen, Mehl zugeben und unter Rühren bei mittlerer Hitze aufschäumen lassen. Das Kochwasser nach und nach unter Rühren hinein gießen. Das Gemüse sowieso Sahne (bzw. Sahne und Milch 50:50) hinein geben und 5 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen.
(3) Mit Salz, Pfeffer, der Zitronenschale und etwas Zitronensaft abschmecken. Zum Schluss die Schnittlauchröllchen untermischen und

genießen!

Dazu passen wunderbar neue Pellkartöffelchen oder Reis oder Nudeln oder Kartoffelbrei …

Quelle: leicht abgeänder nach essen & trinken Für jeden Tag 06/2012 Seite 98

Ungarische Hausmannkost: Karalábéfözelék – Kohlrabigemüse

In nächster Zeit werde ich wohl wieder verstärkt ungarisch kochen, weil ich gestern meinen Urlaub bei der Familie abgesagt habe wegen der blöde Bauchprobleme. Macht einfach keinen Spaß mit eingeschränkten Essmöglichkeiten im Paradies meiner Tanten zu sitzen und nichts davon essen zu können … Ich werde es überleben, ohne Frage, aber doof ist es trotzdem und ich vermisse die Familie jetzt schon. Naja, vielleicht ergibt sich im Herbst die Chance für ’ne Woche hinzudüsen :-) Es gab in meinem Leben ein Jahr in dem nicht in Ungarn war und das war furchtbar. Ich war unausstehlich, kochte nur noch ungarisch (gibt wirklich schlimmeres *g*), hörte nur noch ungarisches Radio und die Gedanken drehten sich nur noch um die Verwandtschaft und den nächsten Besuch … Ich bin ein hoffnungsloser Fall was die Familie angeht ;-)

Mein liebster Bestandteil der ungarischen Küche sind immer noch die Fözeléks (ausgesprochen: „Föhselehks“ mit stimmhaftem „s“ in der Mitte), also die Gemüseragouts, die ein Hauptgericht darstellen und nicht nur eine Beilage. Es geht schnell, es ist billig, je nach Jahreszeit wandlungsfähig und gesund noch dazu. Sie sind wirklich Arme-Leute-Alltagsküche, aber eben so lecker, egal ob aus Bohnen, Kartoffeln, Erbsen, Kürbis, Kohl mit Tomate oder was einem sonst noch einfällt. Zur Zeit haben ja Kohlrabis ganz groß Saison. Normalerweise schafft er es bei mir nicht in einen Topf, ich verputze ihn liebend gerne roh, aber auch gekocht, macht sich der feine Kohlrabigeschmack ganz wunderbar. Bei diesem Gemüse überlagern nicht zuviele andere, starke Aromen den Kohlrabigeschmack, nur ein µ Säure durch die saure Sahne und etwas Petersilie rundet alles ab. Dazu gab’s bei mir ein übrig gebliebenes paniertes Schnitzelchen, man kann aber auch darauf verzichten oder eine andere tierproteinreiche Beilage reichen. Dazu wie bei fast allen ungarischen Fözeléks, frisches Weißbrot. Göttlich!

Karalábéfözelék – Ungarisches Kohlrabigemüse

Zutaten für 2 Personen:
2 Kohlrabi
1 TL Gemüsebrühpulver
Salz, Pfeffer
200 g saure Sahne (1 Becher)
1 EL Mehl
1/2 Bund Petersilie

Kohlrabi schälen und würfeln. In soviel gesalzenem Wasser mit dem Gemüsebrühpulver kochen, wie es die Kohlrabistücke im Topf erreicht, also nicht komplett bedeckt. Bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Die saure Sahne mit dem Mehl gut verrühren. Die Petersilie fein hacken. Wenn der Kohlrabi gar, aber noch bißfest ist, einige Löffel des Kochwassers zum saure Sahne-Mehl-Gemisch geben, gut verrühren und langsam, möglichst ohne Klümpchen in das Gemüse einrühren. Langsam aufkochen lassen und etwa 2 Minuten köcheln lassen damit das Gemüse etwas bindet. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Petersilie unterrühren.

Dazu gehört dringend frisches Weißbrot! Und wer mag, ein kleines paniertes Schnitzelchen oder gebratene Würstchen oder eine Frikadelle oder ein Stück gebratener Fisch.

Und wer noch mehr Fözeléks ausprobieren will, hier noch ein paar Vorschläge:

Und mein absolutes Lieblingsfözelék hab ich immer noch nicht verbloggt, Asche auf mein Haupt! Wird bestimmt noch kommen :-)

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Heilige Dreifaltigkeit der ungarischen Spitzpaprika Teil II: Letscho/Lecsó

Heute steht Teil II der Heiligen Paprika-Dreifaltigkeit auf dem Programm ;-) Lecsó oder auf deutsch Letscho!

Es ist ein Klassiker der ungarischen Küche und eigentlich ein simples Sommer-Schmorgericht bestehend hauptsächlich aus Paprika, Tomaten und Zwiebel. Ich mache es ziemlich regelmäßig, weil es easy-peasy zu kochen ist und innerhalb von ’ner halben Stunde auf dem Tisch stehen kann. In Ungarn wird es als Hauptgericht gegessen und nicht nur als Beilage, im Gegensatz zu (Ost-)Deutschland, wo es gerne mal pseudo-ungarische Beilage zu gebratenem Fleisch ist ;-) Ich koche mir auch immer Lecsó auf Vorrat, damit ich den leckeren Geschmack auch im Winter genießen kann. Da gibt es zwei Möglichkeiten, entweder das abgekühlte Lecsó portionsweise einfrieren oder heiß in sterilisierte Gläser einfüllen, 10 Minuten auf den Deckel stellen und danach abkühlen lassen. Funktioniert beides gut :)

Für zwei Portionen werden 500 g ungarische Spitzpaprika in mitteldicke Ringe oder Streifen geschnitten (je nach Größe der Schote). Eine Zwiebel fein würfeln und ca. 250-300 g Tomaten (egal ob Cherry- oder normale Tomaten) ebenfalls in größere Stücke schneiden. Ein wenig Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze weich dünsten. Dann die Paprikastreifen dazu geben und ebenfalls kurz mit andünsten. Wer mag, kann 1 TL Tomatenmark dazu geben, damit das Lecsó etwas sämiger wird. Dann die Tomatenstücke dazu geben und mit Salz und Pfeffer würzen. Deckel drauf und ca. 20 Minuten sanft köcheln lassen. Bitte nicht wundern, dass es nach zu wenig Tomaten im Verhältnis zur Paprika aussieht, aber das Verhältnis 2:1  von Paprika zu Tomate, kommt hin und es wird saftig genug.
Eigentlich ist es nach den 20 Minuten fertig, nur noch mit ein wenig Zucker abschmecken. Aber wer mag, kann noch ein paar Würstchen (Wiener, Debrecziner o.ä.) klein schneiden und kurz vor Ende der Kochzeit mit dazu geben. In einigen Familie wird auch verschlagenes Ei im Letscho gestockt oder sie kochen eine handvoll Reis mit, damit die Kohlehydratbeilage gleich dabei ist. Ansonsten schmeckt frisches Weißbrot wirklich am Besten dazu. Einfach nur die sommerliche Köstlichkeit genießen!

Fözelék: Paradicsomos káposzta – Tomatiger Weißkohl

Oh, ich weiß, das hört sich für nichtungarische Gaumen befremdlich an, aber wenn mich jemand nach Leibgerichten (schönes Wort eigentlich, oder?) fragt, ist dieses definitiv mit dabei! Paradicsomos káposzta (ausgesprochen paraditschomosch kapoßta) ist ein Paradebeispiel für ungarische Alltagsküche, wenige Zutaten, billig, sättigend, schmackhaft. Es gehört auch in die Kategorie „Fözelék“, also Gemüse-Hauptgerichte, die ich so liebe. Es ist so sehr Alltagskochen, dass es Frau Mama erst über 10 Jahre nach der Hochzeit meiner Eltern serviert wurde. Wahrscheinlich dachten sie es wäre nicht gut genug, dabei mag Frau Mama auch/gerade diese einfachen Gerichte (so lange sie nicht staubtrocken sind wie bestimmte ungarische Nudelgerichte sind *g*) und man muss für sie nicht extra stundenlang in der Küche stehen.

Es ist so simpel zu kochen, dass es fast keine Anleitung braucht: Weißkohl in Streifen schneiden, mit Zwiebel andünsten, Tomatensaft drauf, würzen, köcheln lassen bis der Kohl gar ist, fertig! Natürlich wird in den meisten ungarischen Familien noch Fleisch dazu gegessen, entweder einfach ein bißchen angebratenes Hack, wie auf dem Bild oben oder das Hack zu Klopsen geformt oder es werden Hähnchenbrustfilet gleich als Ganzes im Kohl mitgekocht, auch sehr empfehlenswert. Kann man aber auch alles weglassen. Was aber sehr  wichtige ist, dass man dazu richtig gutes, frisches Weißbrot isst. Und aufm Teller nochmal kosten, ob nicht Zucker fehlt, gibt Leute (wie mich), die mögen so Tomatengerichte eher süß ;-) Leider ist das so ein Gericht, das sich erst ab ’ner bestimmten Menge lohnt zu kochen (1/8 Weißkohlkopf lässt sich ganz schlecht kaufen), deswegen gibt es das meistens, wenn ich in heimatlichen Gefilden bin, aber sobald ich das Geschenk meiner Eltern habe, werde ich es auch hier kochen, weil es die Schnippelei des Weißkohl um einiges erleichtert, ha!  Und einfrieren kann man es ja auch :-) Also, wer Kohl mag und sich mal auf etwas neues einlassen möchte, sollte dieses Gericht ruhig mal ausprobieren!

Paradicsomos káposzta – Tomatenkohl

Zutaten für 4 Personen:
1/2 mittlerer Weißkohl, in feine Streifen geschnitten
1 Zwiebel, in halbe Ringe geschnitten
großer Schluck neutrales Öl
ca. 750 ml Tomatensaft
ca. 1 TL ganzer Kümmel
Salz, Pfeffer, Zucker

Das Öl in einem größeren Topf erhitzen. Den  Weißkohl zusammen mit den Zwiebelringen darin andünsten. Ordentlich mit Salz, Pfeffer und ein bißchen Zucker würzen, ebenso den Kümmel (ganz, angemahlen oder ganz gemahlen) dazu geben. Mit soviel Tomatensaft begießen, dass das Kraut knapp bedeckt ist. Aufkochen lassen und bei mittlerer Hitze so lange kochen lassen bis der Kohl weich ist (dazu hab ich leider keine genaue Zeitangabe, weil wir immer mal wieder probieren zwischendurch), aber noch Biß hat. Jeder kann dann nach Gusto noch auf dem Teller mit Zucker nachwürzen.
Man kann es auch sehr gut im Schnellkochtopf machen.

Dazu: Hackbraten, Klopse/Frikadellen/Fleischpflanzerl, in dem Tomatenkohl gegarte Hähnchenbrust und ganz wichtig richtig gutes, frisches Weißbrot!

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