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Rote Grütze aus Gartenbeute

Sogar im elterlichen Garten ist gerade alles reif geworden an Beeren: Stachelbeeren, Johannisbeeren schwarz und rot, Erdbeeren, Jochelbeeren. Alles in Hülle und Fülle da. Blöderweise war ich nur anderthalb Wochen in der Heimat und richtig reif war es an meinem letzten Wochenende … Ich konnte zwar nicht mehr an der großen Johannisbeersaft-Abfüll-Aktion meiner Eltern mithelfen, aber noch eine Schale voll gemischter Beeren für mich mitnehmen:

Die kleinen Lieblinge! Jetzt bin ich nicht unbedingt als weltgrößter Obstfan bekannt und wollte irgendwas anderes mit den Beeren anstellen als roh mit Zucker verzehren. Da brachte mich Claudia bei Facebook auf die Idee mit Roter Grütze! Hallo!?! Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?!? Bei den Küchengöttern wurde ich nach einem Grundrezept fündig, ich hatte schon eine Vorstellung, aber mir fehlten das Verhältnis von Früchten zu Flüssigkeit zu Stärke. Weil ich auch keinen Fruchtsaft da habe, aber etliche Flaschen Sirup, wurde kurzerhand Wasser mit Himbeersirup gemischt und als Ersatz genommen, schmeckt auch gut :-) Der Rest ist einfach: Flüssigkeit aufkochen mit Vanille, angerührte Stärke rein, kurz aufkochen, Beeren dazu und noch 2 Minuten ziehen lassen. Fertig! Das aufwendigste war tatsächlich das Beerenputzen, aber ich habe festgestellt, dass das schon fast meditativen Charakter hat. Sehr entspannend!

Also ich bin begeistert von der Roten Grütze, ein wirklich schönes Sommer-Dessert: fruchtig, erfrischend, süß und säuerlich gleichzeitig. Toll!

Rote Grütze

500 g gemischte Beeren (Erdbeeren, Stachelbeeren, Jochelbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren)
400 ml Wasser
3 EL Himbeersirup
alternativ: 400 ml Johannisbeer- oder Kirschsaft
1/2 Vanilleschote oder 1 TL Vanillepaste
2 EL Stärke
3 EL Zucker

(1) Die Beeren putzen. Große Erdbeeren eventuell halbieren oder vierteln. Die Johannisbeeren von den Stielen zupfen. Von den Jochel- und Stachelbeeren die Blütenreste und Stiele entfernen.
(2) Wenn benutzt das Vanillemark aus der Schote kratzen. Das Wasser mit dem Himbeersirup (oder den Saft) und dem Vanillepaste/Vanillemark  (mit der restlichen Schote zusammen) aufkochen. Zwischenzeitlich die Stärke mit ein wenig kaltem Wasser klumpenfrei verrühren. Unter den kochenden Saft rühren bis er angedickt ist.
(3) Die geputzten Beeren zugeben und warm werden lassen. Maximal 1-2 Minuten auf dem Herd lassen. Dann noch nach Bedarf den Zucker unterrühren.

Abkühlen lassen und zusammen mit Vanillesauce o.ä. servieren.

Genießen!

Quelle: KüchengötterRote Grütze

Fortsetzung der norddeutschen Küche: Birnen, Bohnen und Speck

Birnen-Bohnen-Speck

Birnen-Bohnen-Speck

Wo wir schonmal mit der norddeutschen Küche angefangen haben, geht es auch gleich weiter. Ungarische Rezepte wird es erst wieder nach meinem Urlaub geben, möchte mir nicht jetzt schon die Lust darauf verderben ;-)

In einem Anfall von Verlangen nach Bohnen kaufte ich mir ganz unökologisch letztens welche. Tja und was mache ich jetzt damit? Butterbohnen liebe ich ja, aber man möchte dem geneigten Blogleser etwas Neues bieten und auch selbst neue Gerichte und Zutatenkombinationen kosten. *grübel* Halt! Ich bin doch letztens bei der Recherche nach Kochbirnen auf ein Rezept mit Birnen, Bohnen und Speck gestoßen. Speck mag ich, Bohnen und Birnen liebe ich, dem Kochen steht also nichts mehr im Wege! Eigentlich ist es ein Spätsommer-/Frühherbstgericht, da die Zutaten dann ihre Saison haben. Dieser Eintopf ist vor allem in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bekannt. Eigentlich sollen Kochbirnen verwendet werden, im Ganzen mitgekocht, aber hab solche Dinger noch nie gesehen, aber gucke mich im Sommer mal danach um in den Markthallen.

Es hat aber auch mit „normalen“ Birnen wirklich sehr gut geschmeckt! Ein deftiger Eintopf mit leichtem Rauchgeschmack, zu dem wunderbar die fruchtig-süße Note der Birnen passt. Es geht eigentlich auch recht schnell und ohne viel Aufwand, also auch für hungrige Feierabendler geeignet. Wenn man die Bohnen schon vorgeputzt aus der Tiefkühltruhe nimmt, geht es wahrscheinlich noch fixer. Das Rezept ist für zwei Personen ausgelegt, ich hab aber etwas mehr Bohnen genommen und die Kochzeit der Bohnen verlängert, weil sie nach 10 Minuten immer noch an den Zähnen quietschten. Ansonsten großartiges Essen, dass ich nochmal vorstellen werde, wenn die richtige Saison ist *g*

Birnen, Bohnen und Speck (2 Portionen)

2 Zwiebeln
150 g durchwachsener geräucherter Speck am Stück
600 ml Gemüsebrühe (hier: 750 ml)
300 g grüne Bohnen (hier: 500 g)
2 Birnen (à 150 g) (hier: 3 kleine Birnen)
1 Tl gehacktes Bohnenkraut (hier: 1 TL getrocknetes Bohnenkraut)
Salz
Pfeffer
1-2 Tl Speisestärke

(1) Die Zwiebeln abziehen und in Streifen schneiden. Zusammen mit dem Speck am Stück in die Gemüsebrühe geben, aufkochen lassen und leise simmernd 15 Minuten kochen.
(2) Zwischendurch die Bohnen putzen und in
mundgerechte Stücke schneiden. Die Bohnen gemeinsam mit dem getrockneten Bohnenkraut zum Speck geben und 5 Minuten garen. Ich empfehle eher 10-15 Minuten.
(3) Die Birnen achteln, entkernen und für weitere  5 Minuten in den Eintopf geben. Alles mit Salz und Pfeffer würzen. Den Speck herausnehmen und in Stücke schneiden. Wieder zurück geben.
(4) Die Speisestärke in kaltem Wasser auflösen und in die Suppe geben. Kurz aufkochen lassen, damit sie leicht bindet.

Dazu: Salzkartoffeln

Quelle: modifiziert nach „Essen & Trinken – Für jeden Tag“ 10/2004

Geschmack: +++
Zeit: ++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: +

Höchstselbstgekochter Grünkohl mit Birnen und Kassler

Geschmorter Grünkohl mit angekuschelten Birnen auf dem Teller

Geschmorter Grünkohl mit angekuschelten Birnen auf dem Teller

Trotz der halben ungarischen Gene bin ich von meinem Wesen her viel mehr Norddeutsche als Ungarin. Eher ruhig und zurückhaltend als temperamentvoll und feurig. Haha, das Klischee lässt grüßen *g* Trotzdem kenne ich kaum typisch norddeutsche Gerichte. Die Heimatküchen meiner Eltern sind im Laufe der Zeit verschmolzen, so dass ich kaum sagen kann, was von Frau Mamas Gerichten typisch deutsch oder ungarisch ist. Nach den ganzen ungarischen Rezepten fand ich, es wäre Zeit mal was typisch deutsches, wenn nicht gar norddeutsches auszuprobieren.

Grünkohl hatte ich mir ausgesucht. Eines der typischsten (kann man das steigern?) norddeutschen Gerichte überhaupt. Mein erstes Grünkohlerlebnis war allerdings nicht so prickelnd. Meine Oma (ja, die aus Deutschland, die ungarische wurde „Mama“ genannt) hatte welchen gekocht, mit Birnen und Kassler. Leider hat es mir damals, mit ca. 10-12 Jahren gar nicht geschmeckt. Fand nur die Birnen ganz lecker, aber ich hatte schon immer viel übrig für Birnen. Danach war das Thema erstmal erledigt, auch Frau Mama hat nie Grünkohl gekocht (vielleicht überlegt sie es sich nach diesem Post nochmal *g*). Erst in der Göttinger Mensa hab ich ihn dann nochmal probiert und oh Wunder! erstaunlich köstlich, sogar für Mensaverhältnisse. Seitdem hab ich immer Grünkohl dort gegessen, wenn es ihn gab. Aber irgendwie konnte lecker-manschiger Mensa-Grünkohl nicht das Beste sein, was aus Grünkohl rauszuholen ist. Also selbst ausprobieren. Dabei muss ich gestehen, dass ich nicht mal genau wusste wie Grünkohl als Ganzes aussah (ja, ich bin Biologin, noch genauer Botanikerin und nein, ich muss mich deswegen nicht mit gezüchteten Pflanzenarten auskennen, dafür gibt es Agrarwissenschaftler). Nachdem ich eine Tüte in den Kasseler Markthallen erstanden hatte, wurde er sich genauer betrachtet:

Das komplette Waschbecken ausfüllender roher Grünkohl

Das komplette Waschbecken ausfüllender roher Grünkohl

Interessant … Lustige gekräuselte Blattränder, die Blattflächen mit ledrige Textur, längliche Blätter die wirtelig angeordnet sind, insgesamt sehr derbe Blätter. Auch Freundin U., ebenfalls Botanikerin war ganz angetan! So und was machen wir jetzt damit? Ich würd ja schon gerne mal Omas Rezept ausprobieren, aber weil Frau Mama das nicht hat, hab ich mich im Netz auf die Suche gemacht und wurde bei Chefkoch fündig. Statt der Bratwürste gab es Kassler dazu (bevor jemand fragt, nein es wurde nicht hier erfunden), was, wie mir Wiki verrät, wohl typisch mecklenburgisch ist. Außerdem wird verraten, dass Grünkohl einen hohen Vitamin C-Gehalt hat (yeah, Vitamine!), der auch eine längere Lagerung  übersteht und ursprünglich wohl aus Griechenland stammt. Die Info hat mich jetzt wirklich überrascht! Grünkohl soll auch der Kohl sein, der der Wildform Brassica oleracea am nähsten kommt (ich zitiere mal unnützes Wissen *g*). Hochinteressant!

Also frisch an die Arbeit … und was das für Arbeit war. Erst hochkonzentriertes Putzen und zerrupfen, dann hochkonzentriertes Waschen in eiskaltem Wasser, dass fast gefrorene Finger zur Folge hatte.

Hochkonzentriertes Waschen

Hochkonzentriertes Waschen

Da der Kohl doch wesentlich ausladender war als ich erwartet hätte, musste ich meine beiden größten Töpfe zum Kochen benutzen und  schon da duftete der Kohl phantastisch. Also schnell nach Rezept weitergearbeitet, das Kassler versenkt, mit Birnenspalten verziert und für 40 Minuten in Ruhe schmoren lassen. Dazu gab es dann bei uns Kartoffelbrei, hatte ich schon seit langem Verlangen nach …

Ein wirklich total großartiges Essen! Wieso hab ich mich nur mit Mensa-Grünkohl abgegeben??? Es ist eine Schweinearbeit, ja, aber sie lohnt sich sowas von! Total lecker! Schade, dass sich jetzt die Grünkohlsaison ihrem Ende zuneigt, hab in diversen Blogs noch andere ausprobierenswerte Rezepte erspäht: kurz blanchiert als Salat oder gebacken wie Chips. Hört sich spannend an, ich warte auf den nächsten Winter …

Kurz bevor das Schmoren startet

Kurz bevor das Schmoren startet

Grünkohl mit Birnen und Kassler (4 Portionen)

1 kg Grünkohl
1 große Zwiebel
2 EL Butter
kleiner Schluck  ÖL
Salz
Pfeffer
1 Pimentfrucht, zerstoßen oder gemahlen
2-4 TL Senf
2 Birnen
250 ml Gemüsebrühe

ca. 500 g Kasslerkotelett am Stück
optional: Kochwürste

(1) Den Grünkohl gründlich putzen, waschen und in grobe Stücke zupfen. Zwiebel abziehen und würfeln. Die Birnen waschen und in nicht zu dünne Spalten schneiden.
(2) Einen sehr großen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen und den Grünkohl darin 20 Minuten  bei mittlerer Hitze kochen. Danach abgießen und abtropfen lassen.
(3) Die Butter in einem großen Topf erhitzen und das Kasslerkotelett darin braun anbraten. Herausnehmen.
(4) Die Zwiebel ins heiße Fett geben und glasig dünsten. Den abgetropften Kohl dazu geben mit Salz, Pfeffer, Piment und Senf würzen. Kurz anschmoren lassen. Die Brühe angießen.
(5) Das Fleisch hinzufügen, ein wenig vergraben. Die Birnen (hier: seehr  reif) einfach obenauf legen. Deckel drauf und 40 Minuten bei mittlerer Hitze schmoren lassen.
(6) So ca. 10-15 Minuten vor Ende der Garzeit die Kochwürste zugeben.

Fertig :-)

Dazu: Salzkartoffeln oder Kartoffelbrei servieren.
Schmeckt aufgewärmt angeblich noch besser.

Quelle: Modifiziert nach Chefkoch-User Schwalbe hier

Geschmack: ++++
Zeit: +++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: ++

Anmerkung: Irgendwie scheine ich eine Vorliebe für geklammerte Sätze und Zwischenrufe zu entwickeln ;-)

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