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Klassiker aus Österreich – Gekochter Tafelspitz mit Bouillonerdäpfeln

Klassiker sind ja nicht umsonst Klassiker, oder? Einer der österreichischen Küche ist gekochte Tafelspitz, der zusammen mit in der Brühe gekochten Kartoffeln serviert wird. Tafelspitz haben die Eltern schon öfter gemacht und wird gern gegessen, so dass Frau Mama eines Tages mit einem Stück ankam, das sie eigentlich einfrieren wollte. Aber wieso einfrieren, wenn Töchting, also ich, es langsam im Schmormonster garen und dann noch Bouillonkartoffeln aus Frau Mamas momentanem Lieblingskochbuch („Wiener Küche“ von Frau Zii) zum Abendessen machen kann. Sozusagen ein Sonntagsessen zum Wochenanfang.

Gesagt, getan. Den Tafelspitz habe ich rechtzeitig am Vormittag aufgesetzt und auch das Gemüse für die Bouillonkartoffeln kann im selben Atemzug mit geputzt und geschnitten werden. Das entspannt die Arbeit am Abend. Die Garzeit des Tafelspitz im Schmormonster mag erstmal abschrecken, aber so eine Brühe wird ja mit kaltem Wasser aufgesetzt und da braucht der Topf einfach eine Weile, bis der ganze Inhalt auf Temperatur kommt, aber das ist auch voll okay, weil sich so die Aromen wunderbar entfalten und ich muss ja nicht pompomsschwingend daneben stehen ;-) Die Brühe kann schon ein Tag vorher zubereitet werden, nur dran denken, dass ihr das Fleisch dann mit Brühe bedeckt aufbewahrt, damit es nicht austrocknet. Denn das kann erstaunlich schnell gehen.

Die Bouillonkartoffeln an sich sind dann erstaunlich einfach zuzubereiten. Und es ist eine wunderbare Methode, um den Geschmack der Brühe zu verstärken. Dafür werden nämlich die Kartoffeln und noch ein wenig Suppengrün in der fertigen Brühe gegart, durch das Suppengrün wird der Geschmack der Brühe intensiviert, der gleichzeitig von den Kartoffeln beim Garen angenommen wird. Einfachste Kochphysik und ein Träumchen! In Frau Ziis Rezept werden in den letzten Minuten noch ein paar junge Möhrchen mitgegart, die perfekt dazu passen. Sie laugen nicht aus, genau der richtige Gargrad, nicht mehr knackig, aber auch nicht verkocht.

Eine wirklich schöne Kombination und zurecht ein Klassiker: zartes, aromatisches Rindfleisch, milde Brühe und zartes Gemüse. Perfekt! Wird es definitiv öfter geben!

Gekochtes Rindfleisch mit Bouillonerdäpfeln

Zutaten für 4-6 Portionen:
750 g Tafelspitz
1 Zwiebel
2 Möhren
1 Stück Sellerie
1 Pastinake oder Petersilienwurzel
1 TL Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
4 Pimentkörner
Salz
ca. 1-1,5 l Wasser

Slowcooker: 3,5 l
Zeit: 7-8 Stunden auf HIGH, 14 Stunden auf LOW

(1) Das Gemüse vorbereiten. Zwiebel mit Schale waschen, Wurzelende knapp abschneiden und halbieren. Möhren, Sellerie und Petersilienwurzel schälen und in mittelgroße Stücke schneiden. Das Gemüse zuerst in den Einsatz des Slowcookers geben. Die Pfefferkörner, Lorbeerblatt und Piment zugeben, ebenso 1-2 TL Salz. Den Tafelspitz obenauf legen und das kalte Wasser angießen.
(2) Den Deckel aufsetzen und entweder 7-8 Stunden auf HIGH oder etwa 14 Stunden auf LOW garen bis das Fleisch zart ist.
(3) Das Fleisch herausnehmen und bis zur Verwendung in einer Schüssel mit Wasser/Brühe bedeckt abkühlen lassen. So trocknet das Fleisch nicht aus. Die Brühe durch ein Sieb in einen größeren Topf gießen und kosten, ob noch Salz fehlt, eventuell nachsalzen.

Die Brühe ihrem Verwendungszweck zukommen lassen.

Für die Bouillonerdäpfel:
ca. 750 g festkochende Kartoffeln
2 Möhren
1 Stück Knollensellerie
1 Pastinake
1-1,25 l fertige Rindsbrühe
Salz, Pfeffer
6 junge Möhrchen
1/2 Stange Porree/Lauch
1 Bund Petersilie

(1) Das Gemüse vorbereiten. Die Kartoffeln, Möhren, Sellerie und Pastinake schälen. Die Kartoffeln in nicht zu kleine Würfel, das restliche Gemüse in halb so große Würfel wie die Kartoffeln schneiden. Das Gemüse waschen.
(2) 1 l der Brühe zum Kochen bringen. Die Kartoffeln und Wurzelgemüse hineingeben, salzen, pfeffern. Mit soviel Brühe auffüllen, dass das Gemüse knapp bedeckt ist. Das Gemüse ca. 15 Minuten bei mittlerer Hitze kochen bis die Kartoffeln weich sind, aber noch nicht zerfallen.
(3) Währenddessen die jungen Möhren schälen und den Porree in dünne Ringe schneiden. Die Petersilie fein hacken. 5 Minuten vor Ende der Garzeit die Möhren und Porreeringe in die Brühe geben.
(4) Den Tafelspitz in dünne Scheiben schneiden und zum Schluss mit in die heiße Brühe geben zum Erwärmen.

Das Fleisch mit der Brühe und dem Gemüse servieren. Ein wenig Petersilie drauf streuen.

Genießen!

Quelle: Bouillonerdäpfel nach Zimmel, S. (2015): Wiener Küche. Dorling Kindersley. München. p 83

Französischer Salat zu Heiligabend oder jede andere Party

Wir haben zwar schon Februar, aber weiter geht es jetzt mit der Festtagsberichterstattung, weil da doch einige Gerichte bei waren, die ich der geneigten Leserschaft vorstellen möchte.

Frau Mama beschloss, dass es Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen geben soll, weil das so schön unaufwendig ist. Nun gut, mir ist es etwas zu wenig feierlich, aber wer bin ich Frau Mama zu widersprechen ;-) Aber damit wenigstens ein bisschen blogbares Material rumkommt, einigten wir uns auf unseren Familienkartoffelsalat und Französischen Salat, den ich nur von ungarischen Feierlichkeiten wie Geburtstags- oder Schulabschlussfesten im Familienkreis kenne. Früher fand ich ihn nicht so prickelnd, mir war es immer zu viel Mayonnaise, die den Geschmack von den ganzen anderen, einfachen aber durchaus köstlichen Zutaten überdeckt hat. Aber seit ich mich so ein bisschen an Mayo gewöhnte, meine eigene gelingsichere, eifreie Version mache und die Zutaten alle frisch vorbereite, mag ich den auch sehr gerne. Nur die Familie musste noch mit einem Praxistest überzeugt werden …

Das Rezept habe ich ein wenig abgewandelt nach dem überaus geschätzten „Österreich vegetarisch“, indem ich noch ein bisschen Apfel ergänzte (ja, ist in der Variante meiner Cousine tatsächlich drin) und ein bisschen an den Mengen der Zutaten schraubte. Sie erschienen mir doch ein bisschen zu wenig für vier Portionen … Es ist einfach und schnell zubereitet, die geneigte Leserschaft sollte nur ein wenig Zeit zum Durchziehen einplanen. Dann schmeckt der französische Salat einfach besser! Frau Mama und ich waren begeistert, der Rest der Mischpoke hielt sich lieber an den Familienkartoffelsalat *g*

Und so sah ein Ausschnitt der Realität an Heiligabend bei uns aus: Schüssel mit Rest Französischem Salat und einer großen Schüssel von Herrn Papa ausgebackenen Schnitzelchen :-)

Französischer Salat

Zutaten für 4 Portionen:

Für das Dressing:
1 Portion eifreie Mayonnaise
Spritzer Worcestersauce
1 EL Schmand
Salz, Pfeffer

Für den Salat:
ca. 250 g gekochtes Gemüse in Würfel geschnitten
(z.B. Karotten, Petersilienwurzeln, Sellerie)
ca. 200 g festkochende Kartoffeln, gekocht, gepellt, in Würfel
1/2 Apfel, gewürfelt
4 EL TK-Erbsen, kurz gekocht
Salz, Pfeffer
Spritzer Zitrone

Zum Garnieren:
Cocktailtomaten
Kresse

(1) Die Mayonnaise zubereiten. Dann die Mayo mit dem Schmand und der Worcestersauce vermischen. Abschmecken mit Salz und Pfeffer.
(2) Das Gemüse mit den Kartoffeln, Apfelwürfeln und Erbsen vermischen, die Salatsauce unterrühren. Eventuell mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitrone abschmecken.
(3) Etwas ziehen lassen. Mit Kresse und Tomätchen garnieren.

Dazu passen Frikadellen jeglicher Couleur, Paniertes aus Fleisch oder Gemüse.

Genießen!

Quelle: Seiser, K., Neunkirchner, M. (2012): Österreich vegetarisch. Brandstätter Verlag. Wien. p222

Den Rest des Abends verbrachten wir gemütlich: neben dem obligatorischen Weihnachtsmärchen, probierten wir Zwergs Geschenk aus *g* Ein spaßiges Spiel, dass wir als Kinder in Ungarn schon liebten :-)

Österreichisches Comfort Food: Überbackene Schinkenfleckerl

Also, wenn die Österreicher eins richtig gut können, dann Comfort Food. Oder sagen wir so, Comfort Food, das meine Bedürfnisse erfüllt, weil die Küche eben so nah an der ungarischen Küche ist. Mich macht wenig glücklicher als zartes Gulasch oder knusprige Schnitzel oder Palatschinken. Aber das sind Sachen, die ein bisschen Vorlaufzeit bzw. Arbeit erfordern und manchmal braucht man unkomplizierte, aber glücklich machende Gerichte.

In einer Gruppe im blauen sozialen Netzwerk zeigte eine Dame einen verführerisch aussehenden Nudel-Schinken-Auflauf, der mich sofort anlachte. Erst hab ich im „Goldenen Plachutta“ nachgesehen, ob er ein Rezept dafür drin hat. Und tatsächlich! Aber irgendwie war mir die Zubereitung zu kompliziert, Eischnee hier, seltsame Schichtung da. Wenn mir mal nach aufwendigerem Comfort Food ist, dann gerne, letzten Sonntag brauchte ich es unkompliziert. Da kam die giftige Blonde ins Spiel, die ein Rezept auf dem Blog hat. Das liest sich schon einfacher! Gekochte Nudeln und Schinken mischen, Guß dazu, ab in den Ofen. Das lässt sich auch wunderbar vorbereiten und im Kühlschrank zwischenparken, damit es nach der Arbeit nur noch in den Ofen geschoben werden muss und schwupps ist ein wunderbarer Auflauf fertig.

Und er schmeckt richtig gut! Perfektes Wohlfühlessen zu dem ein bunter Salat oder eingelegtes Gemüse perfekt passen! Diese großartigen Schinkenfleckerl wird es auf alle Fälle öfter geben!

Überbackene Schinkenfleckerl

Zutaten für 2-3 Portionen:
150 g Fleckerl
200 g Kochschinken (oder anderer gekochter Schinken)
200 g Schmand
1 Ei
Salz, Pfeffer
100 g geriebener Gouda
20 g geriebener Parmesan
1,5 EL Semmelbrösel

Öl für die Auflaufform

(1) Den Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Auflaufform dünn mit Öl ausstreichen.
(2) Die Nudeln in reichlich kochendem Salzwasser al dente garen. Abgießen und abschrecken. Den Kochschinken in größere Würfel schneiden. Den Schmand gut mit dem Ei verrühren, salzen und pfeffern. 1 EL des geriebenen Goudas unterrühren. Nudeln, Schinken und Guß gut miteinander vermischen.
(3) In die Auflaufform geben und gleichmäßig verteilen. Mit dem restlichen Gouda und Parmesan bestreuen. Zum Schluss die Semmelbrösel in einer dünnen Schicht drüber geben. Auf der mittleren Schiene in den Ofen geben und ca. 20-30 Minuten backen lassen bis der Auflauf goldbraun und knusprig ist.

Am Besten zusammen mit frischem Salat servieren.

Genießen!

Quelle: giftige BlondeÜberbackene Schinkenfleckerl

Einfach und köstlich – Kochsalat-Erbsen-Gemüse

Urlaub steht an! Endlich! Nach langem geht es mal wieder in eine mir unbekannte Region – die Südsee! Nein, nicht was ihr denkt, es ist nur Südseeland, also eine Region Dänemarks, die sehr nah an der Ostseeheimat liegt. Aber bevor es dahin geht, muss der Balkon urlaubstauglich gemacht werden und das heißt in meinem Fall, so viel wie möglich vom angebauten Gemüse verbrauchen, damit es von der netten Gießerin nicht auch noch mitversorgt werden muss, sprich die Arbeit so gering wie möglich halten. Der Mangold wurde ja schon für den Strudel und die Frittata fast komplett verbraucht, von 20 gelegten Bohnen wurden eh nur drei Pflanzen erwachsen, so dass deren Früchte als klitzekleine Abendbrotbeilage reichten. Jetzt war nur noch der Pflücksalat übrig…

Ich weiß gar nicht, warum ich jedes Jahr wieder Salat aussäe. Ich mag grünen Salat nicht sonderlich, verbrauche ihn kaum. Aber irgendwie gehört er auf einen Balkon und die Samen sind mir zu schade, um sie einfach so zu entsorgen. Jedes Jahr auf’s neue denke ich: Dieses Jahr isst Du öfter Blattsalate! Und scheitere an dem Vorsatz… Aber ich wollte den Balkonkasten nicht samt leuchtend grüner Pflanzen entsorgen, also muss ich irgendwas damit anstellen. Am Besten etwas, wo viel von dem Salat weg kommt und es nicht nur Beilagensalat wird. Da kam mir der Beitrag bei der giftig blonden Sina gerade Recht, die eine österreichisches Alltagsessen ihrer Kindheit vorstellte: Kochsalat mit Erbsen. Spannend! Die Zubereitung las sich wie eines meiner heißgeliebten ungarischen Fözeléks und es hat Erbsen! Ich liebe Erbsen! Als ich im Supermarkt nebenan noch frische Erbsen in der Schale käuflich erstehen konnte, war mein Glück perfekt!

Die Zubereitung habe ich etwas verändert, so dass nur ein Topf verwendet wird und das ganze auch nicht zu fein püriert. Ich mag es, wenn ich noch erkennen kann, was ich da gerade esse *g* Und was soll ich sagen: großartig! Es hat was spinatiges, ist cremig und grün und gesund. Für Leute, die darauf achten sogar tierfrei. Allein dafür würde es sich lohnen auch nächstes Jahr Salat im Balkonkasten auszusäen :-)

Kochsalat-Erbsen-Gemüse

Zutaten für 3 Portionen:
350 g Blattsalat
500 g frische Erbsen in der Schote (gepalt: 250 g)
oder TK-Erbsen
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1,5 EL Rapsöl
2 EL Mehl
ca. 400 ml Wasser
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
2 EL gehackte Petersilie

(1) Den Blattsalat waschen und grob klein schneiden. Die Erbsen palen. Die Zwiebel und Knoblauch häuten und fein würfeln.
(2) Das Öl in einem größeren Topf erhitzen. Zwiebelwürfel bei mittelhoher Hitze glasig dünsten. Den Knoblauch zufügen und anbraten bis er duftet. Mit dem Mehl bestäuben und gut verrühren. Wenige Minuten anschwitzen lassen. Dann unter Rühren schluckweise das kalte Wasser zufügen. Immer gut rühren, damit keine Klümpchen entstehen.
(3) Die Erbsen in die Mehlschwitze geben und wenn es einmal aufgekocht ist, den geschnittenen Salat zufügen, vielleicht auch portionsweise, wenn der Topf nicht groß genug ist. Salzen und pfeffern. Alles etwa 5-10 Minuten kochen lassen, dabei öfter umrühren, damit nichts am Topfboden anbrennt.
(4) Die Petersilie unterrühren. Das Gemüse ein wenig mit dem Pürierstab bearbeiten, dass es etwas cremiger wird, aber trotzdem noch Erbsen und Salat erkennbar ist. Kosten und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

Dazu passen wunderbar Pellkartoffeln.

Genießen!

Quelle: Idee nach Giftige BlondeKochsalat mit Erbsen

Ab morgen bin ich dann mit der Familie auf der Insel Møn *freufreufreu* Wenn alles so läuft wie bestellt, haben wir WLAN im Ferienhaus und dann werde ich mich auch melde, vielleicht täglich, vielleicht auch nicht. Weil eigentlich ist ein unspektakulärer Erholungsurlaub auf der kleinen Insel geplant: mal das Meer vom Strand aus angucken (wenn das Wetter mitspielt, uns selbst auch darin versenken), spazieren gehen, lesen, handarbeiten oder ein Städtchen erbummeln. Vielleicht auch den ein oder anderen längeren Ausflug nach Nykøbing . Wir können das alle vier gut gebrauchen :-)

Sommer auf dem Teller – Klassische Marillenknödel

Aprikosen! Ich liebe sie! Samtige Haut, süß, fruchtig, säuerlich, praktische Größe! Das perfekte Obst für mich! Und man kann so viel daraus machen: roh genießen, großartigste Marmelade kochen (lassen), würzige Chutneys machen, einwecken, Kompott kochen, in Kuchen, auf Kuchen, zu Fleischgerichten, trocknen. Vielfältigste Möglichkeiten! Ein Klassiker der österreichischen Küche sind Marillenknödel, also Aprikose in Teig versteckt, der wahlweise aus Kartoffeln oder Quark besteht. Ich kenne von der ungarischen Familie Zwetschgenknödel in Kartoffelteig, was schon extrem köstlich ist. Die mittlere Tante hat deren Zubereitung zur Perfektion gebracht, weil sie sie gefühlt mindestens einmal die Woche für die Familie macht. Aber Knödel mit Aprikosen habe ich dort nie bekommen, liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich fast nie zur ungarischen Aprikosensaison hingekommen bin.

Aber wozu hat man Kochbücher von österreichischen Hauben-Köchen, in meinem Fall „Der goldene Plachutta“. Und ernsthaft, da findet man ALLES! Alltagsküche, österreichische und Wiener Klassiker, festlich-aufwendiges, Rezepte aus nah und fern. Großartiges Buch, dass ich uneingeschränkt empfehlen kann! Und man findet natürlich auch alle Knödelvariationen Österreichs. Herr Plachutta macht die Marillenknödel mit Quarkteig, in den noch Semmelbrösel kommen. Gut, die Grundzutaten hören sich nicht verkehrt an, also auf in den Knödelkampf!

So ein bisschen Respekt habe ich ja vor Knödeln. Wie unangenehm und ärgerlich wäre es, wenn sie sich im Wasser einfach in Wohlgefallen auflösen und eine einsame Marille im simmernden Salzwasser rumdümpeln würde. Aber vertrauen wir Herrn Plachutta mal. Der Quarkteig war nach dem Kneten so weich, dass ich im Leben kein Knödel daraus hätte formen können, aber er sollte ja noch ruhen und die Brösel dabei hoffentlich die Flüssigkeit vom Quark und Ei binden. Und was soll ich sagen, es funktionierte. Der Teig an sich ist zwar klebrig und dementsprechend ordentlich bemehlt muss gearbeitet werden. Also mit Mehl nicht geizig sein, sonst klebt der Teig vom Knödel an den Händen und zerreißt den Knödel so. Ich fand es praktisch nach jedem fertig geformten Knödel die Hände zu waschen. So minimiert man das Risiko kaputter Knödel. Auch sollte der Knödel so wenig wie möglich in den Händen geformt werden, das macht ihn durch die in der Handwärme schmelzende Butter noch klebriger. Lieber mit nur wenig Auflagefläche einer Hand die Knödel auf der gut bemehlten Arbeitsfläche rund formen. Wenn man sich daran hält und nicht Knödel für eine ausgehungerte Fußballmannschaft machen will, ist es auch keine stundenlange Arbeit.

Aber alle Ängste und Fluche lohnen sich, die Marillenknödel sind ein Traum! Flaumiger Teig mit einer netten Zitronennote, in dem leicht säuerliche Aprikosen versteckt sind, mit einer süßen Zuckernote. Die sind so großartig! Öfter als einmal im Jahr brauche ich die Arbeit nicht, aber nächstes Jahr werden sie wieder gemacht und vorher Platz im Tiefkühler geschaffen, damit ich einen Teil einfrieren kann.

Also schnell die letzten Aprikosen besorgen und ab in die Küche mit Euch!

Klassische Marillenknödel

Zutaten für 9 große bis 15 kleine Knödel:
350 g Quark (10 oder 20%)
50 g Butter, weich (nicht flüssig)
2 EL Puderzucker
2 Eier
1 Eigelb
100 g Semmelbrösel
1 Prise Salz
1/2 Bio-Zitrone, Schale
9-15 Aprikosen (je nach Größe)
9-15 Stück Würfelzucker

Mehl zum Arbeiten

125 g Butter
80 g Semmelbrösel
1/2 TL gemahlener Zimt

Achtung: am Vortag beginnen

(1) Ein Sieb mit einem Küchentuch auslegen und den Quark hinein geben. Über Nacht im Kühlschrank abtropfen lassen. Wer österreichischen Topfen bekommt, muss das nicht tun.
(2) Mindestens 3 Stunden vor der geplanten Essenszeit den Teig zubereiten. Die Butter mit dem Puderzucker mit Hilfe der Küchenmaschine oder Handrührers cremig rühren. Nacheinander die Eier und das Eigelb unterrühren. Quark und Semmelbrösel mit dem Salz und der Zitronenschale unterrühren. Es soll eine glatte Masse entstehen. Den Teig für mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Der Teig wird noch fester, keine Angst!
(3) Bevor man beginnt die Knödel zu formen die Butterbrösel vorbereiten. Die Butter bei mittelhoher Hitze in einer Pfanne schmelzen lassen. Die Semmelbrösel zusammen mit dem Zimt in die schäumende Butter rühren und einige Minuten goldbraun braten. Die Pfanne zur Seite stellen.
(4) Die Aprikosen waschen und gut abtrocknen. Mit Hilfe eines runden, nicht zu dicken Kochlöffelstiels den Kern der Aprikosen von oben (wo die Frucht am Baum hing) durchstoßen. Von unten die Aprikose mit einem Würfel Zucker füllen.
(5) Alles vorbereiten bevor man mit dem Formen der Knödel beginnt. Einen großen Topf mit leicht gesalzenem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Die Hitze runter schalten, dass es nur noch leicht simmert. Einen Schaumlöffel bereit legen. Das Mehlbehältnis öffnen. Ein großes Brett vor sich hinlegen. Den Teig aus dem Kühlschrank holen. Das Brett ernstlich großzügig bemehlen. Die Hände ebenfalls. Den Teig auf dem Brett zu einer etwa 5 cm dicken Rolle formen. In so gleich große Stücke schneiden, wie man Aprikosen hat. Eine Scheibe vom Teig nehmen, von beiden Seiten bemehlen und mit gut bemehlten Händen auf der gut bemehlten Arbeitsfläche breiter flach drücken. Sobald es an den Händen klebt, diese wieder bemehlen. Dabei aufpassen, dass der Teig nicht auf der Unterlage festklebt. Eine Aprikose auf den Teigfladen setzen und den Teig von allen Seiten hochziehen. Zwischendurch nicht vergessen die Hände einzumehlen. Mit den Fingerspitzen den Teig über der Aprikose schließen. Auf dem bemehlten Brett und in den Händen zu einem Knödel formen. Es scheint besser zu gehen, wenn man den Knödel so wenig wie möglich mit den Händen berührt. Alle Aprikosen in dem Knödelteig verstecken. Dabei nach jedem Knödel die Hände waschen, damit kein Teig daran kleben bleibt. Denn sobald klebriger Teig an der Hand ist, bleibt der Teig unweigerlich dran kleben  und die Knödel zerreißen so leicht.
(6) Die Knödel nacheinander in das siedende Wasser setzen. Sobald sie drin sind, ein wenig am Topf rütteln, damit sie nicht am Boden ankleben. Nach einer Weile steigen sie hoch und dann nochmal einige Minuten sieden lassen. Dabei öfter mal mit dem Schaumlöffel anstupsen und ein wenig drehen lassen, damit sie von allen Seiten gegart werden. Insgesamt waren meine so 20 Minuten drin. Kleinere brauchen nicht so lange. Mit dem Schaumlöffel heraus heben, abtropfen lassen und in die Bröselmischung geben. Vorsichtig mit Hilfe von zwei großen Löffeln darin wälzen.

Servieren.

Genießen!

Quelle: Plachutta, E., Plachutta, M. (2012): Der goldene Plachutta. Brandstätter Verlag. Wien. p638

Und weil ich das alte leidige Problem habe, dass mir übel wird, wenn meine mittägliche Hauptmahlzeit nur süß ist, musste eine Suppe her. Zum Glück ist mein Vorratsregal für solche Notfälle gut gerüstet. Hühnerbrühe ist jederzeit eingeweckt im Schrank, Möhren schlummern meist im Kühlschrank, Suppennüdelchens sind auch immer da und manchmal findet sich noch ein letzter Rest von kleinen Hackklößchen im Tiefkühler, die noch vom winterlichen Fondue übrig waren. Und so kriegt man fix ein nettes Süppchen hin. Vernünftige Vorratshaltung rockt!

Mangold-Feta-Strudel mit Gurken-Quark

Dieses Jahr habe ich Glück mit meinem Balkongarten (bis auf die Erbsen *seufz*). Die Tomaten entwickeln sich langsam zu einem Dschungel, die Blumen wuchern. Auch der Mangold wuchs ungeahnt üppig und wollte irgendwie verwendet werden, bevor er zu Schießen beginnt. Aber was mit dieser anscheinenden Riesenmenge Mangold anstellen?

Zu Nudeln hatte ich ihn letztens schon (wird als nächstes gezeigt), aber da wartet doch noch portionierter Strudelteig im Tiefkühler auf seine Verwendung und der Feta im Kühlschrank muss auch langsam weg. Perfekt! Also war ein Mangold-Feta-Strudel-Plan gefasst. Inspiration holte ich mir im weltweiten Zwischennetz und bastelte aus einigen Ideen mein eigenes Rezept. Und ich bin mehr als begeistert vom Ergebnis. Das Gericht lässt sich wieder wunderbar entzerrt zubereiten: den Gurkenquark morgens, dann vormittags die Mangoldfüllung und der Strudel wird dann mittags schnell ausgezogen. So gefällt mir das :-) Und der Geschmack belohnte die balkongärtnerische und kochtechnische Mühe. Wunderbar! Angenehm salzig, herzhaft und knusprig! Geradezu grandios in Kombination mit dem Gurkenquark!

Mal sehen, welche herzhaften Kombinationen mir noch über den Strudelweg laufen :-)

Mangold-Feta-Strudel mit Gurkenquark

Zutaten für 2 große Portionen:
400 g frischer Mangold
1 Knoblauchzehe
2 El Olivenöl
Salz, Pfeffer
frisch geriebene Muskatnuss
75 g Feta
1 Ei
1 Portion Strudelteig
Mehl zum Bestäuben
30 g Butter, geschmolzen

Für den Gurkenquark:
250 g Quark
1/2 Gurke
Salz
Pfeffer
eine Prise gemahlener Kreuzkümmel
1 kleine Knoblauchzehe

(1) Als erstes den Quark zubereiten, der muss ein wenig ziehen. Die Gurke schälen, grob raspeln und mit ein wenig Salz vermischt in einem Sieb ca. 30 Minuten abtropfen lassen. Gut ausdrücken und zum Quark in eine Schüssel geben. Mit Salz, Pfeffer und Kreiuzkümmel würzen. Den Knoblauch häuten und sehr fein hacken. Alles gut miteinander verrühren und im Kühlschrank ziehen lassen.
(2) Für den Strudel den Mangold waschen, gut abtropfen lassen. Alles in ca. 1 cm breite Streifen schneiden. Die Knoblauchzehe häuten und fein würfeln. Das Öl in einer großen Pfanne erhitzen, den Knoblauch zugeben und so lange dünsten bis er duftet. Den Mangold hinein geben (wenn die Pfanne zu klein ist portionsweise), salzen und pfeffern. Einige Minuten bei höherer Hitze kochen lassen bis der Mangold zusammen gefallen ist. Mit Muskatnuss würzen. Wenn noch viel Flüssigkeit in der Pfanne ist, den Mangold mit einem Schaumlöffel aus der Flüssigkeit heben, gut ausdrücken und in eine Schüssel geben. Mit dem Ei und dem zerkrümelten Feta verrühren.
(3) Ein Backblech mit Backpapier belegen. Den Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
(4) Jetzt den Strudelteig nach der bewährten Methode dünn auf einem bemehlten Tischtuch ausziehen. Dünn mit der Hälfte der Butter bestreichen. Die Mangoldfüllung (ohne ausgetretene Flüssigkeit) gleichmäßig auf dem linken Drittel (siehe Bild 7) des Strudelteigs verteilen. Die Seiten einklappen und den Strudel mit Hilfe des Tischtuchs aufrollen. Auf das Backblech legen und mit dem Rest der Butter bestreichen. In die Mitte des Ofens schieben. 30 Minuten backen bis die Oberfläche goldbraun ist.

Etwas abkühlen lassen und zusammen mit dem Gurkenquark servieren.

Genießen!

Buntes Weihnachtsessen – Tafelspitzsülze

So ein Weihnachtsessen darf doch ruhig mehrgängig sein, oder? Also jetzt werden das bei uns keine sieben Gänge, aber so Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise sind schon drin, auch wenn ich dann wirklich auf die Portionsgröße achten muss. So viel wie früher kann ich nicht mehr essen … Ich hatte in einer der letzten essen & trinken ein Rezept für eine Tafelspitzsülze gesehen und dachte das könnte passen. Bis auf Zwerg mögen wir alle Sülze, aber sie kriegt dann halt die Suppe mit ordentlich Nudeln und Gemüse, die ich ja auch für die Sülze brauchte. Das ist auch das wunderbare an dieser Vorspeise – sie lässt sich gut vorbereiten und gleichzeitig hat man noch die Suppe und den Großteil des Tafelspitzes, um weitere Mahlzeiten zu bestreiten.

So ein bisschen Manschetten hatte ich vor der Arbeit mit der Gelatine, die soll ja manchmal so ein bisschen zickig sein. Aber gleichzeitig dachte ich, dass wenn man sich an die Bastelanleitung hält, sollte das ja alles klappen. Hefeteige und ich sind ja auch gute Freunde :-) Eigentlich ist das Rezept auch ganz einfach, erfordert nur ein wenig Schnippelarbeit und dann eben Geduld bis die Sülze fest geworden ist. Der Suppenfond wird mit dem wirklich fein gewürfelten Gemüse aufgekocht und wirklich stark gewürzt, da die Gelatine einen Großteil der Würzung schluckt. Die restlichen Zutaten werden nur in den Schalen geschichtet und dann eben mit dem Fond, in dem die Gelatine aufgelöst wurde, übergossen. Dabei gibt es wohl einige Regeln, die man beim Kochen mit Gelatine beachten sollte:

  • Die Gelatine etwa 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen.
  • Die Gelatine darf nicht aufgekocht werden! Den Topf mit der heißen Flüssigkeit, in der die Gelatine aufgelöst werden soll, immer vom Herd nehmen!
  • Dosierung:
    Cremespeisen – 8 Blatt Gelatine (13 g Gelatinepulver) auf 1 l Flüssigkeit
    Feste Gelees – 12 Blatt Gelatine (20 g Gelatinepulver) auf 1 l Flüssigkeit
    Richtig feste Cremes – 16 Blatt Gelatine ( 27 g Gelatinepulver) auf 1 l Flüssigkeit

Aber wenn man sich daran hält, kann eigentlich gar nichts schief gehen.

Und die Sülze fand ich wirklich lecker! Leider war es etwas zu viel für uns als Vorspeise, diese vier Portionen sind definitiv Hauptgerichte, zu denen Bratkartoffeln wirklich gut passen würden. Sie ist zwar ordentlich säuerlich, aber das gehört sich doch so, eine langweilig schmeckende Sülze will ja auch niemand essen. Ich kann der geneigten Leserschaft also nur empfehlen, diese Sülze mal auszuprobieren!

Tafelspitzsülze

Zutaten für 4 Portionen als Hauptgericht:
je 80 g Möhre, Knollensellerie und Lauch
1 kleine Zwiebel
700 ml Tafelspitzfond
1 Lorbeerblatt
1 Stiele Petersilie
120 ml Weißweinessig
Zucker
Salz
1 El helle Senfsaat
10 Blätter weiße Gelatine
Pfeffer
8 Kirschtomaten
6 Cornichons
2 Eier , (Kl. M; hart gekocht)
200 g gegarter Tafelspitz

(1) Möhre und Sellerie schälen und sehr fein würfeln. Den Lauch putzen, waschen und ebenfalls sehr fein würfeln. Die Zwiebel in Ringe schneiden.
(2) Den Tafelspitzfond mit dem Lorbeerblatt, Petersilienzweigen, Essig, 2 EL Zucker und 1,5 EL Salz aufkochen und 5 Minuten ziehen lassen. Die Würzmengen hören sich vielleicht viel an, müssen aber so sein, da die Gelatine Aromen schluckt.
(3) Lorbeer und Petersilie entfernen. Senfsaat, Möhren- und Selleriewürfel in den Fond geben und 5 Minuten bissfest garen. Zwiebelringe und Lauch zugeben und kurz mitgaren.
(4) Die Gelatineblätter laut Packungsanweisung 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Die Gelatine mit der Hand ausdrücken und im Fond unter Rühren auflösen. Der Fond darf nicht mehr kochen! Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.
(5) Die Tomaten halbieren, Cornichons in feine Scheiben schneiden, Eier pellen und längs halbieren. Den Tafelspitz fein würfeln. Auf vier Schalen mit je ca. 250 ml verteilen. Fond und Gemüse in den Schalen verteilen. Mindestens 6 Stunden, besser über Nacht abgedeckt kalt stellen.

Am besten mit Bratkartoffeln zusammen

genießen!

Quelle: essen & trinken 11/13

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