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Strudel zum Mittag – Ungarischer Krautstrudel mit Dillquark

Mit der Giftigen Blonden, der Turbohausfrau und Petra von „Obers trifft Sahne“ trage ich mal wieder eine Challenge aus: Strudel. Strudel sind ja sowohl hier in Süddeutschland als auch in Österreich und Ungarn beliebt. Für einen richtig guten Strudel würde ich sterben! Aber Strudel geht nicht nur in klassisch süß mit Apfel oder Quark, nein auch herzhaft kann die ungarische Küche in Form eines Krautstrudels. Die Oma meiner Cousins in Ungarn hat mal welchen gebacken (zusammen mit allen anderen möglichen Varianten) und seit ich den kostete, bin ich dieser Kombination verfallen! Leicht süßlicher Kohl in knusprigen Lagen Teig, ein Traum!

Und es ist ja alles nicht so schwer. Ich beschrieb ja schon mal ausführlicher, wie so ein Strudel gemacht wird und die Rezeptur für die wirklich einfache Füllung fand ich im sehr ausführlichen Kochbuch „Culinaria Ungarn„. Ungarische Küche, erst Recht die vom Lande ist ja schon sehr simpel und auch diese Füllung besteht eigentlich nur aus angebratenem Kohl, ein wenig Zucker, Salz und Pfeffer. Dabei ist das Verhältnis von Zucker und Pfeffer wichtig, damit es nicht zu süß wird, eher so herzhafte Süßlichkeit. Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist, dass das gehobelte (oder fein geschnittene) Kraut mit Salz ordentlich verknete und stehen gelassen wird, damit es Wasser zieht und die Füllung nicht zu feucht wird und beim Backen eventuell durchsuppt. Das wäre äußerst unangenehm. Also stehen lassen und das Kraut gut ausdrücken bevor es in die Pfanne zum leicht karamellisierten Zucker wandert. Der Rest ist das Übliche Strudelziehen und -rollen. Einfach. Das schafft meine geneigte Leserschaft doch mit links :-)

Ich wollte den Krautstrudel allerdings zum Mittag essen, also habe ich noch einen Kräuterquark dazu gemacht, der wunderbar passte. Ein Salat dazu oder ein nettes Süppchen vorher schaden aber auch nicht. Traut Euch ruhig, es schmeckt wunderbar!

Und jetzt ab mich Euch zu den anderen Damen dort warten ein Apfel-Walnuss-Strudel, herzhafter Spinat-Feta-Strudel und Nuss-Strudel auf Euch :-)

Ungarischer Krautstrudel mit Dillquark

Zutaten für 2 Portionen:
1/2 Portion Strudelteig
2-3 EL Butter
Mehl zum Bestäuben des Tuchs

Für die Füllung:
1/2 Spitzkohl
Salz
1 EL Öl
1 EL Zucker
Pfeffer

Für den Dillquark:
250 g Quark nach Wahl (hier in Magerstufe)
2 Frühlingszwiebeln
Salz, Pfeffer
1 Prise Zucker
2-3 TL gehackter Dill

(1) Als erstes die Füllung zubereiten, damit sie abkühlen kann. Dafür die Strunk vom halben Spitzkohl entfernen und den Kohl in feine Streifen schneiden. Mit etwas Salz gut kneten und ca. 30 Minuten stehen lassen, damit er Wasser zieht.
(2) Den Dillquark vorbereiten. Dafür die Frühlingszwiebeln putzen und in feine Ringe schneiden. Zusammen mit dem Quark und Dill verrühren. Mit Salz, Pfeffer und Zucker würzen. Im Kühlschrank durchziehen lassen bis er gebraucht wird.
(3) Das Öl in einer Pfanne erhitzen und den Zucker einstreuen. Ohne Rühren bei mittelhoher Hitze in Ruhe schmelzen und etwas karamellisieren lassen. Brav dabei stehen bleiben, nicht weglaufen, wir wollen keinen verbrannten, bitteren Zucker. Den Kohl ausdrücken und in die Pfanne geben. Das zischt etwas, nicht erschrecken. Gut durchrühren, damit der Karamell sich gut im Kohl verteilt und dann bei weiterhin mittelhoher Hitze offen in ca. 20 Minuten golden anbraten. Zum Schluss pfeffern. Zur Seite stellen und etwas abkühlen lassen.
(4) Den Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier belegen. Die Butter mit dem Gerät der Wahl schmelzen.
(5) Die Tischdecke auf den Tisch legen und leicht mit Mehl bestäuben. Den Strudel wie hier beschrieben vorsichtig mit dem Handrücken so dünn wie möglich zu einem Rechteck ausziehen. Die dicker gebliebenen Ränder mit einem Messerchen abschneiden. Den Teig dünn mit einem Teil der geschmolzenen Butter bestreichen. Den Kohl gleichmäßig auf einem Drittel der langen Seite verteilen. Die kurzen Seiten einschlagen und mit Hilfe der Tischdecke den Strudel vorsichtig aufrollen und auf das Blech bugsieren. Von außen mit der restlichen Butter bestreichen.
(6) Auf der mittleren Schiene im heißen Ofen 25-30 Minuten backen bis er goldbraun ist. Herausholen und ein bisschen abkühlen lassen. Zusammen mit dem Quark servieren.

Dazu passt wunderbar noch ein schöner Salat oder eine Süppchen vorneweg.

Genießen!

Ungarisches Streetfood – Lángos

In meiner Wahrnehmung ist die ungarische Brotkultur nicht sonderlich divers. Zumindest meine Familie isst nur Weizenbrot… Einer Vielfalt wie hier in Deutschland mit Mischbrot, Roggenbrot, richtig dunklem Vollkornbrot bin ich dort noch nicht begegnet. Natürlich gibt es Kleingebäck wie Brötchen (irgendwie werden die dort auch sehr schnell oll) oder Kifli, also Hörnchen, die entweder pur mit Salz oder Kümmel bestreut sind. Kifli habe ich hier auch schon mal nachgebacken, immer noch sehr empfehlenswert *g*

Aber eine Besonderheit hat die ungarische Brotwelt: Lángos. Die gibt es in Ungarn ganz oft an kleinen Buden in den Städten oder auf Wochenmärkten, also Streetfood im klassischsten Sinne. Und das auch wirklich schon bevor der ganze Streetfood-Hype begann. Hier in Deutschland sind Lángos meist auf Volksfesten, Weihnachtsmärkten, Kirmes etc. zu finden. Haltet mal Ausschau danach!
Aber was sind Lángos denn jetzt genau? Es sind Fladen aus Kartoffel-Weizenmehl-Teig, die in tiefem Fett frittiert werden. Und aus diesem Teig kann man auch wunderbar Brot oder Brötchen backen, denn so entstanden die Lángos eigentlich. Früher wurden große Mengen Brotteig angesetzt, damit es auf Vorrat gebacken werden konnte (beim Dorfbäcker, zu Hause hatten die wenigsten einen Ofen) und wenn dann kleine Teigreste übrig waren, wurden die zu dünnen Fladen ausgerollt, entweder in der Restwärme des Ofens mit- oder im heißen Fett ausgebacken. In Ungarn kenne ich sie nur herzhaft, also entweder nur etwas Salz drauf streuen oder mit Knoblauchöl oder einer halben Knoblauchzehe bestrichen. Meine liebste Variante ist mit Saurer Sahne und geriebenem Käse. Und dann ist das schon eine ganze Mahlzeit für mich und kein kleiner Snack mehr *g* Mit der Zeit haben sich aber auch süße Varianten eingeschlichen: mit Marmelade (z.B. Pflaumenmus) oder Zimt-Zucker oder *michschüttel* Nutella … Aber die Geschmäcker sind ja unterschiedlich ;-)

Ich hatte immer so ein bisschen Manschetten davor, Lángos selbst zu machen. Ich stellte es mir unglaublich langwierig vor mit dem Frittieren (nein, ich habe als halbe Ungarin keine grundsätzliche Angst vor heißem Fett). Aber ist es gar nicht. Wenn man etwas plant und die Kartoffeln nicht erst 3 Minuten, bevor man essen möchte, kocht, ist der Teig relativ schnell geknetet. Klar, er muss gehen, aber es ist eh besser nichts alle 2 Minuten nach ihm zu sehen und kann getrost andere Sachen nebenher machen. Das Formen der Lángos ist auch wirklich einfach, nur kurz flach drücken und nach allen Seiten ausziehen. Das Bad im heißen Fett ist ebenfalls ruckzuck erledigt, sie benötigen nur wenige Minuten, so dass auch 8 Lángos für 4 Personen fix gemacht sind. Und dann können schon frische, heiße Lángos genossen werden. Ein Traum! Vielleicht mache ich mal den Teig und friere ihn portionsweise ein, damit ich auch für mich alleine so 1 oder 2 Lángos zum Abendbrot ausbacken kann *grübel*

Und ja, dies ist schon mein zweiter Beitrag zum 73. Bread Baking Day, der diesmal von Susanna von “Mehlstaub und Ofenduft” ausgerichtet wird. Danke für die Mühe! Ich bin gespannt, was da noch für Brote aus aller Herren Länder dabei sind!

Bread Baking Day #73 - Brot aus aller Welt / Breads around the world (last day of submission May 1, 2015)

Lángos – Ungarisches, frittiertes Brot

Zutaten für 8 Stück:
200 g gekochte Kartoffeln
500 g Mehl (405er oder 550er)
1 TL Salz
30 g frische Hefe (3/4 Würfel)
1 TL Zucker
200 ml lauwarmes Wasser oder Milch

Öl zum Ausbacken

Zum Belegen:
feinst gehackter Knoblauch
Saure Sahne
Geriebener Käse
Pflaumenmus (oder andere Marmelade)
Zimt-Zucker
Nutella

(1) Der Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken oder mit einer Gabel fein zerdrücken. Mit dem Mehl und Salz vermischen.
(2) Die Hefe in ca. der Hälfte des lauwarmen Wassers mit dem Zucker auflösen und ca. 10 Minuten zur Seite stellen bis es anfängt leicht zu schäumen.
(3) Die Hefe mit dem restlichen Wasser zur Mehlmischung geben und mit der Küchenmaschine Stufe 1 (oder den Knethaken des Handrührers) ca. 5 Minuten kneten. Der Teig sollte nicht allzu klebrig sein. Zu einer Kugel formen und in einer mit Folie abgedeckten Schüssel an einem zugfreien Ort ca. 30 Minuten gehen lassen. Er sollte sich verdoppeln.
(4) Den Teig kurz durchkneten. Dann in acht Portionen teilen und diese zu kleinen Kugeln formen. Mit einem sauberen Küchentuch abdecken und nochmal 20-30 Minuten gehen lassen.
(5) In einem breiten Topf oder Pfanne so viel Öl geben, dass es ca. 2 cm hoch steht. Erhitzen bis sich an einem in das heiße Öl gehaltenen Holzlöffel/Holzessstäbchen kleine Blasen bilden.
(6) Die kleinen Teigbällchen mit dem Handballen etwas flacher drücken und dann nach allen Seiten ausziehen. Wenn man kein Nudelholz zum Ausrollen benutzt, bleibt mehr Luft drin und die Lángos somit fluffiger.
(7) Immer ein Lángos in das heiße Öl legen und so lange ausbacken, bis die untere Seite goldbraun ist. Das dauert nur wenige Minuten. Dabei wird sich der Teig in der Mitte aufwölben, damit er dort auch gart mit Hilfe einer Zange o.ä. den Lángos etwas ins Fett tauchen. Umdrehen und auch von der zweiten Seite goldbraun backen. Heraus heben, abtropfen lassen, auf Küchenpapier zwischen lagern.

Jetzt nach Belieben belegen.

Frisch genießen!

Quelle: leicht abgewandelt nach Burgonyás lángos

Gulyásleves – Gulaschsuppe

Gulyásleves - Gulaschsuppe

Gulyásleves - Gulaschsuppe

Frau Deichrunner hat im Kochtopf zum Blog-Event „Eintopf“ geladen. Juhuu, bin ja bekennender Suppenfan … Stop, ja Suppe, aber das Wort Eintopf wird im familiären Sprachgebrauch gar nicht benutzt. Was ist Eintopf denn genau? Von deutscher Seite kenne ich Omas Möhrensuppe, Frau Mamas Wintersuppe  oder Weißkohlsuppe. Alles Suppen mit viel Gemüse und etwas Fleisch, aber grob geschnitten. Feine, pürierte Suppen gab es bei uns nie, mag Frau Mama nicht. Und wenn ich so an Ungarn denke, kenne ich auch nur ein Wort für Suppe „leves“ (gespr. läwäsch), ob jetzt süß mit Kirschen, vegetarisch mit Bohnen, Linsen, Blumenkohl oder klare Fleischbrühen, die heißen alle „leves“. Hmm hmm hmm. Scheint als müsste ich mir den Begriff „Eintopf“ zurecht definieren *grübel* Also, mit dem Wort „Eintopf“ verbinde ich Hausmannskost, Alltägliches, gut vorzubereitende Gerichte, die man auch einige Zeit alleine lassen kann ohne das gleich alles hinüber ist und  je öfter man es aufwärmt, desto besser wird es. Gute Vorratsgerichte, von denen ruhig eine größere Menge gekocht werden kann.

Blog-Event XLII- Eintopf - Einsendeschluss 15. Februar

Nachdem das geklärt ist, habe ich mich dazu entschieden, ein Klischee meiner ungarischen Wurzeln zu bedienen und Gulyásleves (gespr. Gujahschläwäsch) zu kochen :) Dabei bedeutet das Wort Gulyás nicht Gulasch, sondern Rinderhirte und dementsprechend ist es die Suppe der Rinderhirten. Dabei kann Rind-, Schwein- oder Hammelfleisch als Grundlage genutzt werden. Auch die restlichen Zutaten richten sich nach dem persönlichen Geschmack: Zwiebeln, Möhren, saure Gurken, Pastinaken, saure Sahne oder gar Sahne. Jeder was er will, hat und mag, auch perfekt zur Verwertung von Gemüseresten.

Ich habe sie aus dem Handgelenk ohne Rezept gekocht, so als halbe Ungarin sollte man schon ein kleines Gulaschgen besitzen ;-) Und ja, ich habe das Gulaschgen, es ist eine wunderbare Suppe geworden, die auch den spontanen Mitessern trotz anfänglicher Skepsis mundete :) Ein wärmende Suppe, perfekt für dieses graue, nervende  Spätwinterwetter! Ein bisschen scharf, damit eventuell angreifende Viren gleich abgeschreckt werden ;) Wie bei allen Gulasch-Ansätze kann der findige Koch gleich die doppelte Menge ansetzen und einen Teil als normales Gulasch oder Székely gulyás verwenden :) Man muss sie sicher nicht so rustikal aussehen lassen wie ich und kann das Gemüse und Fleisch auch einfach viel kleiner und feiner würfeln, aber ich mag es, wenn man noch schmeckt welches Gemüse man gerade im Mund hat :) Hier nun meine Version vom letzten Wochenende!

Gulyásleves – Gulaschsuppe (4 Portionen)

800 g Schweinegulaschfleisch, etwa 1-2 cm große Würfel
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
Pflanzenöl
4 TL Paprikapulver edelsüß
2 TL Paprikapulver rosenscharf (oder mehr, wer es schärfer mag)
1 EL Tomatenmark
1/2 rote Paprikaschote, gewürfelt
Salz, Pfeffer

8 Kartoffeln, geschält und in grobe Stücke schneiden
3 Möhren, geschält und in etwa so große Stücke wie die Kartoffeln schneiden
1 große Petersilienwurzeln, siehe Möhren

(1) Ein wenig Öl (bitte kein Olivenöl, passt nicht, finde ich)  in einem großen Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze so lange dünsten bis sie schön weich und etwas süß sind. Den Topf vom Herd nehmen und das Paprikapulver hinzugeben. Wieder auf die Flamme geben und ein klein wenig andünsten. Vorsichtig sein und das Paprikapulver nicht zu lange braten, es wird sonst bitter. Das Tomatenmark kurz mit anrösten. Das Fleisch und die Paprikawürfel hinzufügen. Gut salzen und pfeffern.
(2) Deckel auflegen und bei schwacher bis mittlerer Hitze ca. 1 Stunde schmoren lassen. Es sollte Fleischsaft austreten, wodurch nix anbrennt.
(3) Nach der Zeit die gewünschten Gemüsestücke hinein geben und mit soviel Wasser aufgießen, dass das Gemüse nicht ganz bedeckt ist. Nochmals gut salzen und pfeffern.
(4) Aufkochen lassen und bei mittlerer Hitze so lange köcheln bis das Gemüse gar ist (ca. 30 Minuten).

Zum Servieren mit saurer Sahne auf dem Teller mischen. Eventuell eingelegte Gurken dazu reichen!

Geschmack: ++++
Zeit: +++
Zutaten: ++
Schwierigkeitsgrad: +

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