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Ungarisches Alltagsessen: Kartoffelgemüse – Krumpli fözelék

Wenn Ihr an ungarische Küche denkt, was kommt Euch da als erstes in den Sinn? Wahrscheinlich Gulasch, oder? Panierte Schnitzel noch? Aber die Alltagsküche, die ich von meiner Familie kenne, ist hierzulande leider kaum bekannt. Ja, die ungarische Küche für Gäste ist sehr fleischlastig und ja, es wird alles paniert und ausgebacken, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, aber im Alltag spielt Gemüse eine große Rolle, sei es in den Suppenvariationen, die es traditionell als ersten Gang gibt oder eben im Hauptgang. Und dort ist es dann der Star und nicht nur Beilage. So sind Sachen, die bei uns die Nebenrolle spielen wie Erbsen in gebundener Sauce dort das Hauptgericht und es gibt nur eine fleischige Kleinigkeit dazu. Oder man lässt diese ganz weg, wenn einem nicht danach ist. A

ls Gemüse kann jedes erdenkliche genommen werden: Kohl für Paradicsomos káposzta, also in Tomatensaft gekochten Kohl, Erbsen für Borsófözelek, Kohlrabi für Karalábefözelék oder getrocknete Linsen für Lencsefözelék zu Neujahr. Aber auch Kartoffeln gehen gut. Und jede Variante wird ein bisschen anders gewürzt, mal mit viel Petersilie, mal mit Paprikapulver, mal säuerlich. Für das Kartoffelgemüse sind Lorbeerblätter und Essig wirklich essentiell. Und dann natürlich der heimliche Star der ungarischen Küche, noch vor Paprikapulver, die Saure Sahne. Ohne Saure Sahne funktionieren nur wenige ungarische Gerichte, dieses hier ebenso wenig. Das Zusammenspiel von der subtilen Säure der Sauren Sahne (wobei die ungarische Variante nochmal anderes schmeckt als unsere deutsche) mit der etwas kneifenderen Säure des Essigs und der Milde der Kartoffeln ist wirklich angenehm. Es ist das perfekte Feierabendessen, weil es vom Kartoffelschälen bis zum fertigen Gericht innerhalb von maximal 45 Minuten auf dem Tisch steht. Wenn ihr ein schnelles Wohlfühlessen sucht, ist das ein heißer Kandidat!

Krumpli fözelék – Ungarisches Kartoffelgemüse

Zutaten für 3 Portionen:
750 g Kartoffeln
1 kleine Zwiebel
2 EL Öl
50 ml + 250 ml + 50 ml Wasser
1/2 TL Paprikapulver edelsüß
2 Lorbeerblätter
1,5 TL gerebelter Majoran
1 TL Salz
1 gehäufter TL Zucker
125 g Saure Sahne/Schmand
3 TL Mehl
75 g süße Sahne
1-2 TL Weißweinessig
1 EL kalte Butter

(1) Die Kartoffeln schälen und in ca. 1,5-2 cm große Stücke schneiden. Die Zwiebel häuten und fein würfeln.
(2) Das Öl in einem Topf erhitzen. Die Zwiebeln bei mittlerer Hitze glasig dünsten ohne, dass sie Farbe annehmen. Das Paprikapulver einrühren und sofort 50 ml Wasser hinzufügen, damit der Paprika nicht verbrennt und bitter wird. Lorbeerblätter, Majoran, Salz und Zucker hinein geben. Die Kartoffeln zufügen und mit ca. 250 ml Wasser auffüllen bis es knapp bei den Kartoffeln sichtbar ist. Deckel aufsetzen und ca. 10 Minuten kochen lassen bis die Kartoffeln gar sind.
(3) In der Zwischenzeit das Mehl mit den restlichen 50 ml Wasser und der Sauren Sahne klümpchenfrei verrühren.
(4) Wenn die Kartoffeln gar sind, den Essig und die Saure-Sahne-Mischung unterrühren. 2-3 Minuten köcheln lassen. Dann die süße Sahne und Butter einrühren. Abschmecken, fehlt noch Salz oder Essig?

Mit gebratenem Frikadellen oder Würstchen servieren.

Genießen!

Quelle: Fördös, Zé (2016): 83 kedvenc magyar receptem. Lunchbox kiadó. p 101

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Wir retten was zu retten ist: Kohl als ungarischen Blumenkohl-Gulasch-Auflauf

Heute ist wieder Rettungstag, aber im Gegensatz zu sonst retten wir kein bestimmtes Fertiggericht, sondern eine ganze Gemüsefamilie, die leider etwas ins Abseits geraten ist. Ich rede von Kohl. Dabei hat Kohl alles, was den Winter kulinarisch erträglich macht: Vitamine, Wohlgeschmack, Saisonalität, lange Haltbarkeit, vielseitige Verwendbarkeit von Salat bis Schmortopf. Ihr seht, Kohl ist tolles Gemüse und es gibt so viele unterschiedliche Sorte, dass für jeden Geschmack was dabei ist. Ich liebe eigentlich jeden Kohl, egal ob Weißkohl, Blumenkohl, Spitzkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Wirsing, Grünkohl! (Und zu allem findet ihr Rezepte über die Suche hier im Blog) Aber heute möchte ich Euch einen einfachen und köstlichen Auflauf mit Blumenkohl aus Ungarn vorstellen. Und damit wir dem Klischee entsprechen, ist natürlich auch Gulasch mit im Spiel *g* Aber dieses Gulasch wird aus Hackfleisch gemacht, weswegen es nicht so ewig lange schmoren muss. Dann werden die Hauptkomponenten nur in der Auflaufform geschichtet und gebacken. Dies kann man sofort tun oder den fertig geschichteten Auflauf abgedeckt in den Kühlschrank stellen, etwa 1 Stunde vor dem Backen dort heraus holen, damit er nicht mehr eiskalt ist und dann ca. 40 Minuten backen. Ihr seht ein wirklich entspanntes Essen in der Zubereitung. Und dabei soo unglaublich köstlich! Ernsthaft, ich hätte mich da rein legen können und verstehe jetzt, wie Leute Gulasch mit Reis essen können *g* Probiert es bitte dringend aus!

Blumenkohl-Gulasch-Auflauf – Rakott karfiol

Zutaten für 2-3 Portionen:

100 g Reis (Basmati oder Langkornreis)
1 kleiner Blumenkohl

Für das Hackfleischgulasch:
1 mittlere Zwiebel
1 kleine Knoblauchzehe
300 g Hackfleisch
Salz, Pfeffer
3 TL Paprikapulver edelsüß
1 EL Tomatenmark
1 gute Prise Majoran
150-200 ml Wasser

200 g Saure Sahne
200 g Sahne
Muskatnuss

(1) Den Reis in Salzwasser nach Packungsanweisung gar kochen. Den Blumenkohl in größere Röschen teilen und in wenig Salzwasser oder im Dämpfeinsatz in 10-15 Minuten bissfest garen.
(2) Die Zwiebel und Knoblauchzehe häuten und fein würfeln. Das Hackfleisch in einer heißen Pfanne krümelig braten, wenn es schon etwas die Farbe verloren die Knoblauch- und Zwiebelwürfel zufügen und mit andünsten. Alles salzen  und pfeffern. Die Pfanne kurz vorm Herd nehmen. Paprikapulver und Tomatenmark unterrühren. Die Pfanne wieder auf die  Flamme stellen und bei mittlerer Hitze weitergaren. Majoran und Wasser zufügen. Etwa 15 Minuten schmurgeln lassen.
(3) Den Ofen auf 200°C vorheizen. Eine kleinere Auflaufform mit etwas Öl einfetten.
(4) Als erstes den Reis gleichmäßig in der Form verteilen, darauf das Hackgulasch verteilen und zum Schluss die Blumenkohlröschen. Die Saure Sahne mit der Sahne vermischen, mit Muskatnuss und wenig Salz würzen. Gleichmäßig über dem Blumenkohl verteilen.
(5) Den Auflauf auf mittlerer Schiene in den Ofen schieben. Etwa 30 Minuten backen bis er blubbert und obenauf etwas gebräunt ist.

Genießen!

Quelle: NokedlisRakott karfiol

Und als nächstes zeige ich Euch dann wirklich, wie ein Supermarkt-Fertigfutter einfach zu Hause gekocht werden kann und dabei so viel leckerer und kostengünstiger ist! Aber bis dahin könnt ihr bei den anderen Teilnehmern gucken, was sie so leckeres aus Kohl gezaubert haben:

Anna Antonia – Cole-Slaw ganz einfach
auchwas – Grünkohl-Pizza
Barbaras Spielwiese – Gebackener Rosenkohl mit Gorgonzola und Walnüssen
Bonjour Alsace – Sauerkraut im Glas
Brittas Kochbuch – Winterliche Minestrone
Brotwein – Grünkohl-Pesto mediteran mit Oliven und Kapern
Cakes, Cookies and more – Bunter Wintersalat
CorumBlog 2.0 – Rotkrautsalat mit Pistazien
evchenkocht – Kohlroulade auf thailändisch
Fliederbaum – Klassisches Rotkraut
German Abendbrot – Zweierlei Rotkohl: Als Pickle und ganz klassisch
giftigeblonde – Rotkraut auf polnische Art
Katha kocht! – Geschmortes Wildschwein mit Grünkohl und Kartoffeln
LanisLeckerEcke – Cole Slaw
Leberkassemmel und mehr – Überbackener Blumenkohl
madamroteruebe – Herzhafter Wirsingkuchen mit Apfel und Bergkäse
magentratzerl – Kohl hoch zwei
Obers triftt Sahne – Fruchtiger Grünkohlsalat mit Nüssen und Salzzitronen
our food creations – Kale Salad
Schmeckt nach mehr – 5 Grünkohl-Irrtümer und ein Rezept für Grünkohl äthiopisch
Schönes + Leben – Sächsischer Gulasch mit Rotkraut und Kartoffelbrei
Summsis Hobbyküche – Weißkohlcurry
Turbohausfrau – Flammkuchen mit Kohl
Unser Meating – Rote – Bete – Risotto mit Grünkohltopping
Kebo Home – Romanesco Kichererbsensuppe
Rike Grünkohl mit Schweinebauch

Und danke an die Turbohausfrau und die „Giftige Blonde“ für’s ins Leben rufen und organisieren der Rettungstruppe!

12 von 12 im September – Urlaubsedition

Am Dienstag war wieder der zwölfte Tag des Monats, also wieder zwölf Bilder. Allerdings handelt es sich diesmal bei mir um eine Urlaubsedition und in dieser schaffte ich keine zwölf Bilder, weil es so unspektakulär entspannend war :-D

Der Tag begann früh, kühl und etwas grau.

Zum Wachwerden guckte ich bärtigen Hipstern beim Garnelenkochen zu. Wenn der Fernseher läuft dann hauptsächlich einer der drei Kochsender, weil ich andere Sender aus politischen Gründen nicht ertrage. Bei ungarischen Nachrichtensendungen kriege ich momentan SO EINEN HALS! Da sind Kochsendungen ungefährlicher für meinen Blutdruck *g*

Es hat sich angenehmerweise eingebürgert, dass ich mit Onkel und Tante zusammen frühstücke. Dienstag gab es geröstetes Brot mit Knoblauch abgerieben und Entenschmalz dazu. Das ist jetzt nix für den Gemeinen Cornflakesfrühstücker *g* Aber ich hab auch schon Härteres als erste Mahlzeit des Tages hier gegessen ;-)

Danach schrieb ein bisschen für den kleinen Blog …

… und half der Tante beim Verarbeiten der gefühlt Myriaden Miniäpfelchen.

Das Mittagessen war sehr schnell gemacht: Spinat mit Spiegelei und Brot. Vorneweg eine unfotografierte Milchsuppe.

Danach zog ich mich zum Nachmittagsnickerchen zurück, aus dem ich mit Bauchweh erwachte. Das bisschen Apfel, das ich beim Putzen aß, war offensichtlich zu viel für meine Gedärme. Hmpf.

Ein bisschen Aufheiterung brachte der hübsche doppelte Regenbogen, dessen Ende auf dem Weinberg Bodenberührung zu haben schien ;-) Wusstet ihr, dass die Farben des schwächer sichtbaren Regenbogens gespiegelt sind? Könnt ihr ja beim nächsten Mal, wenn ihr einen seht, drauf achten :-)

Und danach vergaß ich weitere Bilder zu machen. Der Abend war auch selten unspektakulär: zum Abendbrot gab es Butterbrot und danach pennte ich bei Kochsendungen weg *g*

Für weitere, wahrscheinlich spannendere Alltage guckt doch bitte bei „Draußen nur Kännchen“ vorbei :-)

Ungarn 2016: Ausflug nach Keszthely an den Balaton

Unser Ferienhaus lag zwar im schönsten und ruhigsten Nichts, aber trotzdem kann man mit relativ kurzer Fahrtzeit durch sommerliche Hügellandschaft einige hübsche Ausflugsziele erreichen. Eines möchte ich Euch heute vorstellen.

An einem angenehm warmen, aber nicht zu heißen Tag fuhren wir nach Keszthely, eine kleine Stadt am Westufer des Balatons, den größten See Mitteleuropas. Ich war schon wirklich ewig nicht am Plattensee und freute mich sehr auf den Ausflug!

Keszthely (ausgesprochen: Käßthäj) hat ca. 21.000 Einwohner. Der Ort ist seit der Römerzeit besiedelt und brachte seine eigene Kultur hervor, die sich besonders durch ihr Kunsthandwerk hervor tat.

Heutzutage ist es eines der Tourismuszentren am See und hat eine schick aufgehübschte Fußgängerzone in der barocken Innenstadt.

Der Hauptplatz ist schön hergerichtet mit einem Gymnasium

… und einem Brunnen vor dem Rathaus.

Es gibt einiges an Wasser in der Stadt, eben nicht nur den See, sondern auch als Brunnen.

Die Fußgängerzone ist angenehm breit, zumindest an dem Tag im Juli nicht zu voll. Und mit einigen interessanten Geschäften.

Ein interessantes, altes Haus (Renaissancezeit?):

Dieses verlassene Haus würde ich ja gerne kaufen, renovieren und eine coole Pension oder so daraus machen *seufz* *träum*

Von der Fußgängerzone jedenfalls kommt man direkt auf das Schloss der Grafenfamilie Feštetićs. Ein beeindruckendes Tor weist den Weg:

Das Schloss in seiner vollen Pracht!

Während die Eltern und ich uns draußen umsahen und ausruhten, stromerte Susi im Schloss rum…

… und kletterte auf den hohen Turm, von dem man einen grandiosen Ausblick hat: über die Dächer Keszthelys, …

… über den Park …

… bis zum See.

Vom schloss aus kommt man auch gut zu Fuß runter zum Balaton und kann dort entweder am Strand baden oder eine Bootsfahrt machen mit einem restaurierten Schiff.

Und genießt einfach den Blick auf Kestzhely …

… das Strandbad …

… und den Badacsony (ein Tafelberg am Balaton und vulkanischen Ursprungs).

Wir konnten Segler beobachten, die Wolken und Wellen. Total entspannend!

Wieder an Land angekommen wurden wir von Enten- und Schwanenfamilien begrüßt.

Und während Frau Mama und Susi sich noch umguckten, kauften Herr Papa und ich Eis bzw. einen Kürtöskalács (Baumstriezel, Chimney cake, Baumkuchen), der dann im Ferienhaus genüsslich verspeist wurde. Diese Dinger sind einfach göttlich!

Das war ein schöner, erholsamer Urlaub! Aber ich freue mich auch schon auf dieses Jahr, wenn ich wieder mehr Zeit bei und mit der Familie verbringen kann. Mal sehen, was ich Euch dann so berichten kann :-)

Ungarn 2016: Urlaub im Ferienhaus auf dem Weinberg Patóhegy

Den zweiten Teil unserer Ferien verbrachten wir in einer hügeligen Landschaft nahe der slowenischen und österreichischen Grenze. Auf einem Weinberg, dem Patóhegy, im kleinen Dorf Petrikereztúr haben Sándor und Silvia, ein deutsch-ungarisches Ehepaar und Freunde meiner Eltern alte, ungenutzte Weinkeller/-häuser aufgekauft und in wirklich niedliche, gemütliche Ferienhäuser umgebaut. Mittlerweile ist daraus ein kleines Feriendorf mit unterschiedlich großen Häusern entstanden. Jedes Haus ist in einer anderer Farbe gehalten und wirklich liebevoll eingerichtet.

Wir schliefen im blauen Haus, dem Hofhaus 1, das für vier Personen ausgelegt ist. Schon von außen finde ich es ausgesprochen niedlich! Und es gibt echte Fensterläden!

Das Schlafzimmer zum Weg hin, das Susi und ich bewohnten (ja, des TV-Geräts wegen *g*). Gemütlich, angenehm groß.

Das Schlafzimmer der Eltern, in dem sich auch noch ein hübscher Ofen befand, der im Winter bestimmt sehr angenehme Wärme verbreitet, wir im Hochsommer aber zum Glück nicht benötigten:

Der Essbereich, ebenfalls mit hübschem Ofen, an dem man sich bestimmt gut wärmen kann:

Und auch in der Küche ist alles blau: Kühlschrank, Fliesen, Gardinen. Funktional und ausreichend eingerichtet mit einer Mikrowelle, Kaffeemaschine, zwei Gasfeuerstellen und Spüle.

Das Badezimmer mit großer Dusche, in der Radio und automatische Feuchtigkeitsabsaugfunktion integriert ist. Fancy!

Mit Abstand am meisten hielten wir uns auf der Terrasse auf. Ausgestattet mit Hollywoodschaukel, Tisch und Bänken konnten wir dort wunderbar frühstücken oder einfach schaukelnd ein gutes Buch lesen. Sehr gemütlich! Durch die üppige Bepflanzung vorm Haus staute sich auch nicht die Wärme :-)

Auch das Gelände um die Ferienhäuser ist wunderschön! Sándor hält alles in Schuss und ist für alle Fragen und Wünsche offen. So können Gäste am Osterprogramm teilnehmen, im Herbst zur Hirschbrunft kommen oder im Dezember bei einer Hausschlachtung mithelfen und die produzierten Köstlichkeiten gleich probieren.

Sie bauten noch eine schöne, gut ausgestattete Sommerküche mit Außensitzplätzen am Teich, in der Sándor auf Wunsch auch Mahlzeiten zubereitet. Dort können große Feten stattfinden oder man guckt gemeinsam Fußball.

Außerdem bezogen sie alte Elemente der Weinhäuser wie diesen Brunnen oder abgestorbenen Baum mit in die Gestaltung ein.

Es ist einfach nur wunderschön da oben. Ruhig, entspannend!

Perfekt für Leute, die mal dringend eine Auszeit benötigen und goldenes Nichtstun suchen!

Aber auch Ausflüge kann man ganz wunderbar machen. Es gibt zum Beispiel Thermal- und Spaßbäder im ca. 25 km entfernten Lenti oder Zalaegerszeg. Oder kann diverse Museen und Abenteuerparks besuchen. Bis ins slowenische Maribor sind es 1,5 Stunden mit dem Auto oder an den Balaton in 1 Stunde. Auch die österreichische Grenze ist nicht weit. Ihr seht, man muss nicht dringend auf dem Berg bleiben, sondern kann sich auch umsehen und neue Abenteuer erleben!

So ganz alleine ist man da oben eh nicht. Oft laufen einem Bukfenc, Sándors Hund und …

Csoki, eine offensichtlich schokoladenbrauner Jagdhund über den Weg und freuen sich über jede Streicheleinheit. Und die haben sie von Susi und mir ausgiebigst bekommen *ggg*

Auch auf dem Patóhegy kann man wunderbar spazieren gehen und sich in der Natur erholen.

So sieht die Grundsubstanz der Ferienhäuser aus und wenn Sándor und Silvia sie nicht saniert hätten, wären sie wahrscheinlich auch in diesem erbärmlichen Zustand.

Beim Anblick dieser Früchte musste ich erstmal ein bisschen überlegen, was es sein könnte. Nach einer Weile kam mein Botanikerhirn doch auf Esskastanien (oder auch Maronen), aber ich hab die Bäume noch nie in echt gesehen, weil ich hier in Deutschland noch nie in Gegenden war, in denen sie natürlicherweise vorkommen.

Ich kann nur jedem empfehlen dort ein paar Tage auszuspannen, egal ob alleine, als Paar oder mit den Kindern. Die können dort ungestört spielen, da es kaum Autoverkehr gibt und wenn dann fahren diese langsam auf den Wegen. Es gibt viel zu entdecken und genug Ausflugsziele, um es nicht langweilig werden zu lassen. Wie cool fände ich es, ein ganzes Jahr dort zu leben, um die unterschiedlichen Jahreszeiten zu erleben, mich um Gäste kümmern, bei der Gartenarbeit helfen, die Gäste bekochen, Feste ausrichten :-)

Patóhegyi Borházfalu

Morgen nehme ich Euch dann mit zu einem Tagesausflug an den Balaton, der auch nur 1 Stunde mit dem Auto entfernt ist. Freut Euch auf ein schickes Schloss und viel Wasser!

Ungarn 2016: Essen abseits des Klischees von Gulasch

Natürlich müssen wir in Ungarn auch was essen und nein, es gibt nicht jeden Tag Gulasch *g* Ja, es wird tatsächlich öfter Pörkölt (der ungarische Name vom Gulasch) gegessen, aber auch oft gemüselastige Alltagsgerichte.

Einen nicht zu unterschätzenden Teil der ungarichen Küche machen Suppen aus. Traditionell besteht jedes Mittagessen, die Hauptmahlzeit des Tages, aus zwei Gängen: erst eine Suppe, dann einen zweiten Gang, der auch gerne mal süß ist.

Beginnen wir mit etwas, was schon das Klischee erfüllt: Gulaschsuppe (Gulyás auf ungarisch). Sehr reichhaltig, sehr zartes Fleisch, das beste Wurzelgemüse von Welt, nämlich aus Tantes Garten. Erwähnte ich schon mal meine Liebe zu Petersilienwurzeln? ;-)

Was ich ja immer essen könnte – Borsófözelék, also eigentlich Erbsengemüse, das eine komplette Mahlzeit darstellt. Dieses Mal mit geschmorter Ente als Beilage. Meine Variante findet ihr auch im Blog unter „Ungarisches Erbsengemüse„.

Den Abend als ich ankam, gab es eine weiße Bohnensuppe mit pikanter Wurst als Einlage. Und dazu diesmal kein Brot sondern Kartoffelplätzchen. War ich begeistert! Wieso hab ich die Dinger bisher immer nur süß gegessen?

Wirklich sehr beliebt, aber in Deutschland weitgehend unbekannt, ist die Vorliebe der Ungarn für kalte Obstsuppen, besonders wenn der Sommer heiß ist. Frau Kochschlampe kam bei unserem gemeinsamen Urlaub vor sieben Jahren sehr auf den Geschmack und auch ich liebe sie, am meisten die Sauerkirschsuppe. Aber es können auch Pfirsiche, Äpfel, Aprikosen benutzt werden. Richtig wichtig ist nur die Zugabe von Saurer Sahne. Denn noch vor Paprika ist eigentlich Saure Sahne die alles beherrschende Zutat in der ungarischen Küche *g*

Natürlich wird in Ungarn auch viel Süßes gegessen. Und dort wird ebenfalls in Alltagskuchen und Feiertagskuchen unterschieden. Alltagskuchen sind solche, wie dieser einfache Hefe-Kirsch-Kuchen oder der von mir heiß verehrte süße Dillkuchen:

Und wenn Besuch kommt, wird schon mal ein aufwendiger Biskuitkuchen mit Buttercremefüllung und Walnüsschen obenauf gebastelt. Ich bin ja sonst kein Fan von so Cremekuchen, aber dieser war extremst lecker!

Zu besonderen Anlässen wird besonders groß aufgetafelt. Aber auch da gibt es traditionelle Gerichte, die nur in Feinheiten variieren.

Der erste Gang ist immer eine klare Fleischbrühe! Zwerg und ich bevorzugen sie mit ziemlich vielen feinen Nüdelchens und Gemüse. Besonders die Möhren – was gibt es immer Diskussionen und böse Blicke um die Möhren zwischen uns! :-D Ganz ehrlich? Wenn ich nicht alleine leben würde, es gäbe jeden Sonntag Brühe bei mir als Vorspeise!

Zu dem großen Familientreffen, dessen Gerichte ich Euch gerade zeige, hatte meine mittlerer Tante insgesamt drei Hauptgerichte gekocht. Hier seht ihr den gefüllten Schweinebauch, etwas gebratene Hähnchenbrust, den ich mit Reis und buntem Salat aß. Die Ungarn haben es nicht so mit Sauce, es sei denn es gibt Gulasch, das meine Tante auch noch gezaubert hat und das ganz wunderbar würzig schmeckte. Mein Bild ist nur leider extrem unansehnlich geworden *seufz*

Gegartes Gemüse ist nicht so wahnsinnig üblich als Beilage, zumindest in meiner Familie. Stattdessen werden Weißkohlsalat, Gurkensalat oder eingelegte Gurken, im Sommer Kovászos uborka serviert. Mir ist das ja so ins Blut übergegangen, dass ich z.B. fast nie auf die Idee komme, mir einen grünen Salat als Beilage zu machen, dafür aber immer irgendwelche eingelegten Gemüse in meinem Kühlschrank zu finden sind.

Kommen wir zur nächsten Kategorie: Sonntagsessen. Auch da setzt die ungarische Hausfrau normalerweise sonntagmorgens einen riesigen Topf mit Hühnerbrühe auf, der dann stundenlang simmert und durchs Haus duftet, aber es dürfen auch andere feine Sachen serviert werden, wie diese Hähnchenragoutsuppe. Habe ich das erste Mal gekostet und mochte es sehr!

Weil wir eine größere Runde waren (Cousin plus Familie, Onkel + Tante, meinereiner samt Sippe) hat die Tante zwei Hauptgerichte gekocht. Zum einen das Unaufhörbare Hühnchen vom Blech, mit Pommes. Ein Rezept, das meine Tante aus dem Internet hatte. Dafür werden Hähnchenstücke gewürzt, mit Zwiebel und Saurer Sahne belegt und dann in den Ofen geschoben, die Pommes passten gut dazu. Das Photo lässt es nicht vermuten, aber es ist tatsächlich köstlich und sehr zart.

Als zweites Gericht gab das andere Nationalgericht Ungarns: Paprikás csirke, also Hähnchenpaprikasch, das traditionell zu ungarischen Nokeldi (Knöpfle) serviert wird:

Dafür sollte ich auch mal das Rezept veröffentlichen, oder? *grübel* Wollt ihr das Rezept haben?

Frühstück ist normalerweise eher spartanisch in Ungarn, aber wenn besonderer Besuch da ist, wie der kleine Bruder aus Deutschland (sprich mein Vater) oder der Sohn, der am südlichsten Ende Deutschlands lebt, dann werden auch besondere Frühstücksvarianten aufgetischt. Besonders beliebt ist bei uns mit Paprika gebratenes Entenblut. Hört sich für den ein oder anderen vielleicht komisch an, aber schmeckt wunderbar würzig. Denn wenn so ein Tier schon für unser Essen sterben muss, ist es unsere verdammte Pflicht so viel wie möglich zu verwerten!

Für unseren Besuch wird auch immer selbstgemachte Hurka, also Blut- und Leberwurst vom Schlachten im Winter, im Tiefkühler aufgehoben. Und ganz ehrlich? Die Varianten von meinem Onkel sind einfach die allerbesten! Sooo unglaublich lecker! Die Blutwurst mit Reis und ein wenig süßlich, die Leberwurst pikant, aber nicht zu scharf.

Von meiner zweitältesten Cousine wurden wir zu ihrem alljährlichen Kesselkochen eingeladen, was sehr gemütlich war. Draußen sitzen, quatschen, nebenbei köchelt die Bohnensuppe mit Eisbein …

… die Schwiegermutter meiner Cousine (die gelernte Konditorin ist) buk noch Quark- und Sauerkirschstrudel (grooooße Strudelliebe hier!) und …

die kleinen Käsepogatschen, die wunderbar als Brotbeilage zur Suppe passten.

Ich vermisse das Essen dort sehr und freue mich jetzt schon auf September, wenn ich die Kochkünste meiner Tanten, Cousinen und Co. genießen kann. Als Bonus gibt es dieses Jahr noch den Besuch einer Hochzeit, auf den ich sehr gespannt bin und Euch auf alle Fälle berichten werde.

Für morgen verspreche ich Euch einen Beitrag über ein wahrlich ruhiges und niedliches Ferienhausdorf, in dem wir eine weitere Woche verbrachten. Und da ist es so unglaublich schön, dass ich mir glatt vorstellen könnte, mal ein ganzes Jahr dort zu leben, um alle Jahreszeiten zu erleben…

Ungarn 2016: Esztergom – Die frühere Hauptstadt Ungarns

Esztergom – die Stadt, die ich auch schon mein Leben lang kenne und liebe. Von unserem Dorf ist sie 20 km entfernt, von Budapest aus braucht man ca. 1 Stunde mit dem Auto. Der Weg ist nicht weit, aber vielbefahren und oft stauig, da viele Leute aus unserer Gegend nach Budapest zum Arbeiten pendeln.

In der netten kleinen Stadt leben ca. 30.000 Menschen. Das Zentrum wurde in den letzten Jahren renoviert, ja auch mit Hilfe von EU-Geldern. (Und wer findet die EU in Ungarn besonders doof? *seufz*) Die Architektur des Rathauses mag ich immer noch sehr:

Vor dem Rathaus ist der Széchenyi Platz auf dem im Sommer viele Feste stattfinden. Sehr schön und gemütlich!

Esztergom (auf deutsch auch Gran genannt) liegt direkt an der Donau, die die Grenze zur Slowakei bildet. Unweit der Innenstadt kann man am Seitenarm der Donau (Kisduna) wunderschön spazieren gehen. Allerdings ist das nicht ganz ungefährlich, wenn mal wieder eines der regelmäßigen Hochwässer der Donau ist, dann droht das Wasser sich hierüber den Weg in die Innenstadt zu bahnen.

Das beeindruckendste Gebäude der Stadt ist die katholische Basilika, die auf dem Burgberg an der Donau steht:

Der Schlussstein der „Kathedrale Unserer Lieben Frau und des heiligen Adalbert“, jahaa das ist der offizielle Name, wurde 1869 gesetzt, aber die erste Kirche wurde an selber Stelle schon von 1001 bis 1010 errichtet, als Esztergom unter König Stephan I. (der Nationalheilige) ungarische Hauptstadt war. Sie brannte im 12. Jahrhundert nieder und es folgten weitere Kirchen, die aber immer wieder zerstört wurden.

Zur Kuppel kann man auch hochgehen und hat wunderschönene Aussichten, z.B. Richtung Donauknie und Pilis-Gebirge, …

… zur Donau und rüber zur slowakischen Schwesterstadt Štúrovo (Párkány) …

… oder zum Innenhof der Basilika, in dem im Sommer Open Air Theater gespielt wird und zur Burg, die mit einem Museum drin wieder nach den mittelalterlichen Plänen errichtet wurde.

Etwas westlich der Basilika wurde an einem besonders hübschen Aussichtspunkt über die Donau das Denkmal für Stephan I. errichtet, der das Christentum nach Ungarn brachte.

Und jetzt noch eine persönliche Empfehlung, wenn die Außentemperaturen steigen (und das tun sie oft im ungarischen Sommer). Esztergom hat auch ein Spaßbad, aber wir gehen am liebsten in das kleine, über 100 Jahre alte „Szent István Strandbad“ gleich am Nebenarm der Donau. Viel Platz und Schatten unter Bäumen, angenehmes Wasser, günstiger Eintritt, sättigende Snacks.

Szent István Strandfürdö
Bajcsy-Zsilinszky Endre utca 14
Öffnungszeiten: von Montag bis Sonntag 6-19 Uhr
Eintritt (2017):
Kinder 800 Forint ~ 2,60 €
Erwachsene 1100 Forint ~ 3,60 €

Immerhin ist das hier ja noch ein kleiner Foodblog, also zeige ich der geneigten Leserschaft morgen, was in Ungarn so für uns gekocht wird: im Alltag, zu besonderen Anlässen, abseits des Gulaschklischees. Es gibt kulinarisch so viel mehr zu entdecken!

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