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Das Ende der Wintersuppensaison – Ungarische Wirsingsuppe aka Frankfurti leves

Ungarn lieben Suppe! Und das ist jetzt kein Klischee. Ich kann mich nicht an ein Mittagessen ohne Suppe erinnern. Es gibt bei meinen Tanten immer mindestens zwei Gänge – erst Suppe, dann den Hauptgang. Wobei die Suppe von Brühen (vorzugsweise am Sonntag) bis zu reichhaltigen Eintöpfen reicht, z.B. Gulaschsuppe und dann eben der zweite Gang angepasst wird. Nun ist Winter und ich war selten in meinem Leben bei der ungarischen Familia und kenne dementsprechend wenige winterliche Varianten.

In einem Video von Street Kitchen sah ich ein Rezept für eine Wirsingsuppe mit einem nicht unerheblichen Anteil an Wiener Würstchen. Lustigerweise heißt die Suppe auf ungarisch „Frankfurter Suppe“ hat aber so rein gar nichts mit der Stadt zu tun … Jedenfalls ist noch Winter und diverse Kohlsorten immer noch in Saison. So kam ein kleiner Wirsing in der Gemüsekiste mit und der wollte verbraucht werden. Die Suppe hatte ich schon zu Weihnachten bei den Eltern gekocht, aber so ganz zufrieden waren wir nicht, weil ich den Kohl zu grob geschnitten hatte und er noch Biss hatte. Das war irgendwie falsch. Hier schnitt ich den Kohl feiner und ließ es etwas länger köcheln, so dass alles angenehm weich gegart war. Wer das nicht mag, lässt die Suppe einfach kürzer kochen. Es ist ein wirklich schönes, einfaches Alltagsessen und wer es ungarisch möchte, isst als zweiten Gang einfach Grießbrei, Pfannkuchen oder Mohnnudeln, wie es in ungarischen Mensen gang und gäbe zu sein scheint. Aber auch solo schmeckt diese Frankfurter Suppe hervorragend

Ungarische Wirsingsuppe – Frankfurti leves

Zutaten für 4 Portionen:
350-400 g Wiener Würstchen
500 g Wirsing
1 mittlere Zwiebel
3 Knoblauchzehen
400 g Kartoffeln
2+3 EL Öl
Salz, Pfeffer
1 gestrichener TL Paprikapulver
1 gestrichener TL getrockneter Majoran
1/2 TL Kümmel
1,4-1,6 l Wasser
150 g Schmand
1 TL Mehl

(1) Zuerst alles schnippeln. Die Würstchen in Scheiben schneiden. Vom Wirsing unschöne äußere Blätter und den Strunk entfernen, dann in dünne Streifen schneiden. Diese Streifen je nach Größe nochmal halbieren oder dritteln. Die Zwiebel und Knoblauchzehen häuten, die Zwiebel fein würfeln, die Knoblauchzehe in dünne Scheiben schneiden. Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden (ca. 1 cm).
(2) In einem großen Topf 2 EL Öl bei mittelhoher Hitze heiß werden lassen. Die Würstchenscheiben darin anbraten bis sie etwas Farbe haben. Herausnehmen und zur Seite stellen.
(3) Die Hitze etwas runter stellen und die restlichen 3 EL Öl erhitzen. Darin die Zwiebelwürfel bei mittlerer Hitze glasig dünsten. Die Knoblauchscheiben zugeben und alles etwas Farbe nehmen aber nicht verbrennen lassen. Die Hitze auf mittelhoch stellen und Wirsing und Kartoffeln in den Topf geben und mit anbraten. Paprikapulver, Majoran, Kümmel zum Gemüse geben und pfeffern. Das Wasser aufgießen und salzen. Die Suppe aufkochen lassen und dann bei mittlerer Hitze so lange köcheln bis die Kartoffeln gar sind und der Kohl angenehm weich (ca. 15 Minuten). Das kommt ganz darauf an, wie groß oder klein ihr das Gemüse geschnitten habt.
(4) Während die Suppe kocht den Schmand mit dem Mehl klümpchenfrei verrühren.
(5) Wenn das Gemüse gar ist, 2-3 EL der Suppenflüssigkeit mit dem Mehl-Schmand-Gemisch verrühren, so dass sich die Temperatur angleicht. In die Suppe gießen, gut verrühren und noch 2-3 Minuten köcheln lassen. Den Topf vom Herd nehmen und die angebratenen Würstchen in den Topf geben und nur noch durchwärmen lassen.

Genießen!

Quelle: Street KitchenFrankfurti leves

Pasta mit Wirsing nach Jamie Oliver

Ich kann gar nicht soviel essen wie ich neue Gerichte ausprobieren möchte. Meistens koche ich tatsächlich ja nur 2 Portionen, die ich dann verteilt an zwei Tagen esse. Und aus dem Grund hatte ich diese Saison auch irgendwie nur einen Wirsingkohl, der es in meine Küche geschafft hat. Und aus einem kleinen Wirsing wurden wirklich ordentliche Mengen Essen. Die eine Hälfte ging in einen Wirsing-Möhren-Kartoffel-Eintopf vom Rezeptor der „Zeit“. Total lecker, die Würzung richtig gut, aber komplett unfotogen und wenn ich das schon sage … Die zweite Hälfte wollte ich andersweitig verwenden und da ich lange keine Nudeln mehr hatte, dachte ich, lässt sich doch bestimmt kombinieren. Also flugs nach „Wirsing + Pasta“ gesucht und beim Island Girl, die „Neues von der Insel“ berichtet, fündig geworden. Eine Version von Jamie Oliver, die etwas italienisch angehaucht ist mit Thymian, Pinienkernen, Parmesan und Mozzarella.

Ich war ja etwas skeptisch, aber die Kombination ist wirklich lecker! Und schnell gemacht! Ich sag mal so, wenn man alleine alles entspannt ohne Hektik macht, ist man locker in 45 Minuten fertig. Perfektes Feierabendessen! Also noch schnell einen der letzten Wirsinge ergattern, bevor wir alle nur noch in Spargel, Radieschen und Bärlauch schwelgen.

Pasta mit Wirsing, Thymian und Mozzarella

Zutaten für 2 große Portionen:
1/2 Wirsing
1 Knoblauchzehe
einige Zweiglein Thymian
1 handvoll Pinienkerne
Olivenöl
100 g Bacon in Streifen
Salz, Pfeffer
1 kleine handvoll geriebener Parmesan
1 Kugel Mozzarella (125 g)

200-250 g Nudeln (Farfalle oder Penne

(1) Den Wirsing in feine Streifen schneiden. Den Knoblauch häuten und fein würfeln. Vom Thymian die Blättchen abstreifen. Den Mozzarella abtropfen lassen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden.
(2) Ein große Pfanne (die einen passenden Deckel hat) heiß werden lassen und die Pinienkerne bei mittelhoher Hitze ohne zusätzliches anrösten. Immer dabei stehen bleiben und öfter mal an der Pfanne rütteln, damit sie nicht anbrennen. Sobald sie schön goldbraun sind, aus der Pfanne in einer Schüssel schütten.
(3) Das Wasser für die Nudeln aufsetzen und die Pasta nach Packungsanweisung al dente kochen.
(4) In der immer noch heißen Pfanne 1 EL Olivenöl erhitzen und die Bacon-Streifen goldbraun braten. Knoblauch und Thymian zugeben und den Knoblauch weich, aber nicht braun werden lassen. Den Wirsing und den Parmesan zufügen. Etwas salzen und pfeffern. Gut durchrühren. Einen kleinen Schluck Wasser hinzufügen, Deckel drauf und etwa 5-10 Minuten dünsten lassen.
(5) Die Nudeln abgießen und noch tropfnass zusammen mit den Mozzarellawürfeln zum Wirsing geben. Gut durchrühren, nochmals kosten und abschmecken und sofort servieren.

Genießen!

Quelle: Oliver, J. (2000): The Return of the Naked Chef. Penguin. p 133

Rakott kel – Ungarischer Wirsingauflauf

Montag 11.03. 2013 …

Ist ja mal wieder Winter draußen … Aber naja, der März ist halt der Übergang vom Winter ins Frühjahr und kann noch eine etwas ausgedehntere Kaltphase mit Schnee bringen, obwohl meine Eltern und Zwerg ganz schön über die 20 cm Neuschnee in Rostock fluchen. Hier in Kassel ist es (glaub ich) nur kalt, aber von viel Schnee noch nichts zu sehen. Laut Wetterbericht soll es aber morgen über Hessen einfallen +++ Update 12:45h: Eben aus dem Fenster geschaut: ein paar klitzekleine Flöckchen fallen schon +++ Also Winter bleibt nochn büschen und richtig echtes Frühlingsgemüse gibt es regional auch noch nicht wirklich zu kaufen. Bleiben wir also beim deftigen Essen mit gut lagerfähigem Gemüse. Ein Klassiker der ungarischen Spätwinterküche ist der Wirsingauflauf, auf ungarisch „Rakott kel“ genannt. Ein Auflauf mit Reis und Hack, dass ein bißchen vergulascht (ungarisches Spracherbe: ich ververbe gerne Substantive *g*) wird. Das wird in blanchierte Wirsingblätter geschichtet, mit saurer Sahne begossen und in den Ofen geschoben. Macht sich jetzt nicht in 30 Minuten, ist aber total lecker an so kalten Tagen. Es war lecker, aber so ganz 100%ig zufrieden waren wir alle nicht. Der Auflauf war nicht saftig genug. Das nächste Mal würde ich für einen Tepsi 750 g Hackfleisch nehmen und das daraus entstehende Gulasch saftiger machen, damit der Reis auch gut durchtränkt wird oder Reis und Fleisch gleich mischen. Aber weil es so lecker ist, wird es nächsten Herbst/Winter wieder geübt und damit wir die alten Fehler nicht wiederholen, das schon gute, aber doch verbesserungswürdige Rezept hier festgehalten.

Rakott kel

Zutaten für 4-6 Portionen:
1 mittelgroßer Wirsing
500 g Hack, gemischt
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
2 TL Paprikapulver edelsüß
1 EL Tomatenmark
1 EL Paprikamark oder Ajvar
1 Kaffeebecher Langkornreis
440 g Saure Sahne
50 g geriebener Käse
etwas neutrales Öl für die Form

(1) Die einzelnen Komponenten zubereiten. Den Reis nach bevorzugter Methode garen. Vom Wirsing etwa 10 der größeren äußeren Blätter ablösen. In kochendem gut gesalzenem Wasser portionsweise etwa 2-3 Minuten blanchieren. Rausholen, mit kaltem Wasser abschrecken, gut, wirklich gut abtropfen lassen, wenn nötig die herausstehenden Adern am Blattgrund mit einem scharfen Messer abflachen.
(2) Ofen auf 180° Ober- und Unterhitze vorheizen.
(3) Für das Hackgulasch die Zwiebel pellen und fein würfeln, ebenso mit den Knoblauchzehen verfahren. Das Hack in einer heißen Pfanne anbraten. Normalerweise ist da soviel Fett drin, dass es kein zusätzliches benötigt. Die Zwiebel- und Knoblauchwürfelwürfel zugeben und mit glasig werden lassen. Pfanne vom Herd nehmen. Salzen, pfeffern, Paprikapulver zugeben. Wenn das Paprikapulver anfängt zu duften, das Tomaten- und Paprikamark zugeben. Kurz mit anrösten. Mit einem großzügigen Schluck Wasser ablöschen und etwa 15 Minuten köcheln lassen.
(4) Eine größere Auflaufform (23×40 cm) mit etwas Öl ausstreichen. Mit der Hälfte der Wirsingblätter den Boden der Form auslegen, dabei dürfen sie ruhig über den Rand hinausragen, ie werden zum Schluss umgeschlagen. Dann den Reis darauf verteilen, dann das Hackgulasch. Auf dem Hackgulasch die eine Hälfte vom Sauerrahm verteilen. Dann die zweite Hälfte der Wirsingblätter darauf verteilen und zusammenklappen. Falls noch Wirsingblätter übrig sind, können die klein geschnitten auf das Hackgulasch gegeben werden. Zum Schluss die zweite Hälfte der sauren Sahne auf dem Wirsingdeckel verstreichen und mit dem geriebenen Käse bestreuen.
(5) Für etwa 50-60 Minuten in den vorgeheizten Ofen geben bis die Oberfläche schön braun ist.

Kurz etwas abkühlen lassen, damit sich keiner den Mund verbrennt und dann

genießen!

+++ Update Dienstag 12.03.2013: Die ganze Nacht geschneit, alles weiß, keine Straße geräumt, alles schön ruhig geworden und es schneit noch … Ich mag Schnee! +++

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