Archiv für den Tag 30. Januar 2010

Sonntagstradition – Hühnerbouillon

Es gibt eine Tradition in Ungarn, die ich auf keinen Fall missen möchte und auf die ich mich wie Bolle freue, wenn ich ankomme: heiße Hühnerbrühe zum sonntäglichen Mittagessen! Dies scheint im ganzen Land bei jeder Familie verbreitet zu ein. Okay, auch mal mit anderem Fleisch zubereitet, zugegebenermaßen, aber eine klare Brühe als 1. Gang muss sein! Und das bei egal welcher Temperatur, dann schwitzt man halt ein bißchen mehr als ohnehin schon bei 35°C im Schatten, der Ungar an sich ist da hart im Nehmen ;-)

Jedenfalls lieben Zwerg und ich diese Suppen abgöttisch! Bei Zwerg geht es sogar so weit, dass sie sich nur von der Suppen (so 3-5 Teller) ernährt *g* Allerdings find ich, mache ich hier in Deutschland viel zu selten eine gute Hühnerbrühe, aber als ich letzten Freitag aus Lenzen zurück kam und kurz in Göttingen einen Halt einlegte, auch um fix einzukaufen, fand ein ganzes Hühnchen wie durch Zauberhand seinen Weg in meinen Korb. Wahrscheinlich ahnte mein Unterbewusstsein schon, dass ich mir ’nen grippalen Infekt eingefangen hatte und versuchte noch mit Hausmittelchen dagegen anzugehen. Auch das Suppengemüse wurde gekauft, nur die Petersilienwurzeln fehlten, die in Ungarn IMMER mit dabei sind, hier in Deutschland aber eher selten in Supermärkten anzutreffen sind. Schade!
Liebe Suppengrünproduzenten, baut doch bitte Petersilienwurzeln an und packt in Eure Suppengrünbunde so 1-2 Petersilienwurzeln! Zumindest ich wäre unendlich dankbar!
Wir (also Frau Mama und ich) kochen auch immer noch eine ganze Paprikaschote mit, vorzugsweise Spitzpaprika, die der Suppe noch ein besonderes Aroma gibt. Für Zwerg und mich werden auch immer mehr Möhren mitgekocht, weil wir die ganz besonders als Suppeneinlage schätzen, allerdings darf man nicht zu viele davon reintun, da die ganze Suppe sonst einen eigenartig süßlichen Geschmack bekommt. Unschön! Auch schneiden wir das Gemüse immer ganz grob, damit es nicht komplett verkocht und man noch ein bißchen zu kauen hat. Das gekochte Fleisch wird in Ungarn als Zwischengang vorm Hauptgericht meist mit etwas Meerrettich und frischem Weißbrot gegessen und nicht wie hier üblich mit in die Suppe gegeben. Was man in Ungarn sonst noch für komische Sachen zu gekochtem Fleisch isst, zeige ich dann im nächsten Post ;-)

Dieses Süppchen ist mir wirklich gut gelungen, fand ich. Hat wunderbar geschmeckt, wärmte schön von innen, das Gemüse noch bißfest und ich frage mich ernsthaft, warum ich das nicht öfters mache?! In Zukunft werde ich ganze Hühnchen kaufen, sie zerteilen (will ich eh üben) und das benutzen was ich brauche, die Reste und Knochen werde ich dann im Tiefkühler sammeln und zu Süppchen verkochen! Ha! Denn eigentlich ist es schade, dass ich diese schöne ungarische Tradition nicht weiter pflege …

Hühnerbouillon

1 ganzes Hähnchen (kein explizites Suppenhuhn)
3 Möhren
wenn vorhanden: 2 Petersilienwurzeln
1/4 Sellerieknolle
1 Zwiebel
1 Porreestange
3 Stengel Petersilie
1 Paprikaschote (wenn möglich Spitzpaprika)
Salz
12 Pfefferkörner
3 Nelken
3 Pimentbeeren
2 Wacholderbeeren

(1) Das Huhn waschen und zerteilen, die Keulen abtrennen, die Flügel ebenfalls. Den Rücken von der Brust schneiden. In einen großen Topf geben.
(2) Die Zwiebel von der äußeren Haut befreien und waschen. Porreestange ebenfalls waschen und putzen, höchstens einmal durchschneiden. Die Möhren schälen und je nach Länge und Dicke halbieren bis dritteln und einmal quer zerteilen. Den Sellerie schälen und ebenfalls nur grob zerteilen. Die Paprikaschote waschen und ganz lassen, die Petersilienstengel nur waschen. Das Gemüse zusammen mit den Gewürzen (alle als ganze Körner) zum Huhn in den Topf geben. Nur schwach salzen. Mit ca. 2 Liter kaltem Wasser auffüllen.
(3) Auf mittlerer Hitze langsam zum Kochen bringen. Ab dem Zeitpunkt des Aufkochens, 2 Stunden schwach simmern lassen. Vielleicht mal hingucken und auftretenden Schaum abschöpfen, ansonsten entspannen und den Duft, der durch die Wohnung zieht genießen :-)
(4) Nach den 2 Stunden testen wie das Fleisch ist, es sollte vom Knochen fallen. Das Fleisch und Gemüse vorsichtig herausholen und in getrennten Gefäßen aufbewahren. Die Suppe durch ein feinmaschiges Sieb in einen anderen Topf gießen (Wer noch weniger Schwebstoffe in der Suppe haben will, legt noch ein Küchentuch aus Mull in das Sieb).
Wenn man die Suppe gleich essen will und sie sehr fettig ist, einfach nacheinander ein paar Blatt Küchenkrepp auf die Suppenoberfläche legen und sie so entfetten. Wer sich gedulden kann, die Suppe gut abkühlen lassen, am Besten draußen und das fest geworden Fett absammeln.
In jedem Fall muss die Suppe aber noch mit Salz abgeschmeckt werden.

Zum Servieren kleine Suppennudeln (Sternchen, Fäden, Buchstaben) kochen und das Gemüse mit in die Brühe geben.
Was an Suppe zuviel ist, kann gut eingefroren werden.

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