Ich lass den Ungar in mir raus – Kovászos uborka

Ich erwähnt es ja schon, es war heiß! Und endlich mal nicht nur einen oder zwei Tage, sondern mehrere Tage, so dass meine ungarische Gene sofort nach Kovászos uborka, also in Salzlake gegärten Gurken schrien. In Ungarn werden sie den ganzen Sommer von gefühlt allen Familien gemacht und irgendwie kenn ich keinen, der sie nicht mag. Frau Mama hat sie natürlich auch schon öfter gemacht, wie hier dokumentiert, ich höchstselbst allerdings noch nie. Aber jetzt mit meinem Südbalkon kann ich das auch, wenn das Wetter stimmt. Und so wurden Mitte letzter Woche einige Einlegegurken (für mich brauche ich keine 2 kg Gurken machen) eingesackt im Supermarkt, ganzer Dill war nicht aufzutreiben, geschweige denn mit Blüten, aber der tiefgekühlte vom türkischen Supermarkt muss es auch tun. Ein ausreichend großes Glas hatte ich dank Lena auch und so stand dem Versuch nichts im Wege. Wenn man keine ungarische Großfamilienportionen in einem 5l-Glas macht, sind die Vorbereitungen auch schnell abgeschlossen. Dann stehen die Gurken friedlich in der Sonne und man kann jeden Tag zugucken wie sie gären und köstlich werden. Das ist soo toll!

Das Rezept ist ein wenig anders als das Grundrezept von Frau Mama, hat noch ein paar Gewürze dabei, die allerdings eine schöne Note an die Gurken abgeben. Nach knapp 4 Tagen sahen meine Gurken aus als wären sie fertig.

Schnell unter den Profis bei Facebook (die ungarische Verwandtschaft *g*) nachgefragt, ob es sein könnte, dass sie tatsächlich schon fertig sind. Da kam vom Cousin-der-nie-da-ist die Antwort, dass ich doch einfach kosten sollte. Gesagt, getan. Vorsichtig mit einer Gabel ein Gürkchen heraus gefischt und –

Oh! Mein! Gott! Sooo lecker! Perfekt gegärt, noch knackig, eine leichte Knoblauch- und Pfeffernote! Komplette Begeisterung auf meiner Seite! Jetzt kommt allerdings der etwas eklige Teil. Man muss tatsächlich dieses extrem labbrige Brot da raus holen. Klar, kann man mit Löffel oder Gabel versuchen, aber am einfachsten ist es tatsächlich mit den Händen. Also allen Mut zusammen nehmen und schnell den Teil der Arbeit erledigen. Dann die Gürkchen rausholen, in ein neues, sauberes Gefäß geben, dass gut in den Kühlschrank passt. Wenn alle Gurken raus sind, die Flüssigkeit durch ein feinmaschiges Sieb drüber gießen und im Kühlschrank zwischen parken. Was ich dann aus den Kovi ubi gemacht habe, außer einfach mal zum Kühlschrank zu tigern und eine im Stehen zu verputzen, zeige ich Euch die Tage!

Ansonsten kann ich nur nochmal eine große Nachbastelempfehlung geben. Probiert es wirklich mal aus, der zeitliche und finanzielle Aufwand ist so gering, der Genuss dafür umso größer!

Kovászos uborka

Zutaten für ein ¾ l-Glas:
500 g kleine Einlegegurken
1 Bund Dill
1 Knoblauchzehe
½ TL Senfkörner
½ TL Pfefferkörner
1 Scheibe Weißbrot
750 ml Wasser
1 EL Salz

1 1l-Glas

(1) Das Glas gründlich auswaschen und richtig heiß ausspülen. Auf einem sauberen Geschirrtuch umgedreht abtropfen lassen.
(2) Die Einlegegurken in kaltem Wasser gründlich abschrubben. Die Enden und beschädigte Stellen wegschneiden. Dann drei oder vier Mal längs ein, aber nicht durchschneiden. Nur so, dass sie angeritzt sind, aber noch zusammen halten. So kann die Salzlake besser eindringen.
(3) Den Dill waschen und die Hälfte zu unterst in das Glas legen. Darauf die Gurken schichten. Sie dürfen schön eng stehen. Die gehäutete Knoblauchzehe mit reinlegen. Die Senf- und Pfefferkörner drüber streuen. Die zweite Hälfte vom Dill obenauf legen, dann zum Schluss die Scheibe Weißbrot.
(4) Das Wasser aufkochen und das Salz einrühren bis es sich aufgelöst hat. Kurz abkühlen lassen und das warme Wasser über die Gurken in das Glas gießen.
(5) Das Brot wird nach oben schwimmen, weil das Glas nicht komplett gefüllt ist. Mit Hilfe diverser Kleinteile (Plastiktöpfchen, Verschlüsse von Glaskaraffen) versuchen das Brot unter dem Salzwasser zu drücken. Nach draußen in die Sonne stellen und so lange gären lassen bis die Gurken fertig sind. Bei Temperaturen um die 30°C dauert das so 4-7 Tage. Dann ist ihre Farbe etwas fahler (eher Richtung militärgrün) geworden und sie sind weicher. Wenn man reinbeisst, hat man das Gefühl, es hat sich ein wenig Kohlensäure in der Gurke angesammelt.
(6) Dann die Gurken rausnehmen und in eine Aufbewahrungsbox geben. Die Flüssigkeit durch ein Sieb über die Gurken gießen und im Kühlschrank aufbewahren.

Sie passen hervorragend zu Gulasch, Schnitzel, ach in Ungarn gefühlt zu fast allem.

Genießen!

Quelle: Mautner, Zs. (2014): Főzőiskola – Középfok. Libri Kiado. Budapest. p 56

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6 thoughts on “Ich lass den Ungar in mir raus – Kovászos uborka

  1. […] Finde ich super! Ich mag die beiden Bücher. Ebenfalls aus dem Mittelstufen-Band habe ich schon die Kovászos uborka hier vorgestellt, die wirklich grooßartig […]

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  2. […] finde ja fast nichts ist typischer für Sommer in Ungarn als Kovászos uborka, also jene in Salzwasser in der prallen Sommersonne gegorenen Einlegegurken, die dadurch diesen […]

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  3. Schnuppschnuess 28. Juli 2015 um 20:26 Reply

    Ich darf begeistert einstimmen in den Lobgesang auf die ungarische Salzgurke. Sehr gut! Zu Bratkartoffeln, Wurst- oder Käsebrot ein Genuss.

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  4. […] als Rohkost, als Salat, im Kartoffelsalat, als Schmorgurke mit Ei, eingelegt in diversen deutschen, ungarischen oder internationalen Varianten. Die geneigte Leserschaft merkt, Gurken gehen wirklich immer! Leider […]

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  5. […] Buch von Zsofi Mautner, in dem ich auf der Suche nach dem Rezept für die Kovi ubi (ungarische, fermentierte Sommergurken) war, fiel mir ein Rezept für Letscho aus dem Ofen mit […]

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  6. […] ist Sommer und in Ungarn werden bestimmt noch fleißig Kovászos uborka gemacht, die während der heißen Monate in jedem ungarischen Kühlschrank zu finden sind. Dort ist […]

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